1
20.10.2001 Tag der Entdeckung

Heute werden wir Familie Betz, den Grundstückseigentümern der Mühlbachquellhöhle, in einem Diavortrag ihre erst vor wenigen Monaten entdeckte Höhle vorstellen. Zu diesem Anlass habe ich mit einem Höhlenkollegen ein kleines Buffet angerichtet.

Als wir mittags in Mühlbach ankommen, werde ich umgehend an die neue Höhle bei Breitenbrunn beordert. Dort angekommen steckt Steffen bereits in einer Felsspalte eingeklemmt. Ich schlage ihm vor, den Spalt von den von außen hineingefallenen Felsblöcken zu befreien, solange soll er sich in der Höhle umschauen. Nach 45 Minuten ist die Spalte für mich befahrbar, so dass ich Steffen folgen kann. Ca. 25 m Gänge, die teilweise 3 m hoch sind, werden befahren. Die Höhle ist hydrologisch gesehen sehr interessant, da sie als Überdruckventil eines Wasserhöhlensystems dient. Eine im hinteren Teil befindliche 2 m breite und 30 cm hohe Kluft zeigt deutliche Fließspuren an der Höhlenwand und im Bodenlehm. Stefan, der Entdecker der Höhle, hat mir das Objekt, nachdem niemand anderes Interesse dafür zeigte, zur Bearbeitung überlassen.

05.12.2001 Breitenbrunn

Das Tiefbauunternehmen, das die Straßenarbeiten durchführt will heute ein Betonrohr in den Eingang einsetzen damit ich den vom vorgeschriebenen Höhlenverschluss einbauen kann. Problemlos passte das Rohr in die Kluft. Daraufhin brachte der Bagger eine Schaufel Beton, und nach 30 Min. hatte ich den Zugang mit Felsbrocken eingemauert und einen provisorischen Verschluss angebracht. Alles in allem benötigte ich 3 Stunden für diesen perfekten Zugang.

20.01.2002 Am Endpunkt

Etwa 50 m vom Eingang entfernt wird eine Engstelle nach dem Druckröhrenprofil erweitert. Hier haben getrocknete Lehmablagerungen den Weiterweg verengt. Man kann jetzt ca. 3 m geradeaus nach unten kriechen und erreicht dort einen horizontalen Deckenabriss von ca. 3 m Breite und 20 – 30 cm Höhe. Der Boden ist mit einer etwa 20 cm dicken Lehmschicht bedeckt. Die Fuge zieht hangeinwärts und könnte in 4 – 5 m Entfernung etwas größer werden. Dort muss mit der Kamera sondiert werden. Ein Weiterkommen ist nur mit anstrengender Arbeit möglich. Der deutliche Luftzug im mittleren Höhlenbereich kann am Ende nicht bestätigt werden.

02.05.2002 Luftzugversuch

Ich zeige Stefan die neue Höhle. Nebenbei sondieren wir den Endpunkt. Unsere Junghöhlenforscher Sebastian und Fabian begleiten uns. Schon beim Hineingehen fällt mir auf, dass seit dem letzten Hochwasser auch in der Höhle ca. 30 cm hoch das Wasser stand. Am Eingang herrscht starker Luftzug auswärts bei +22°C.

Die Sondierung an der Schichtfuge ergab: Nach 3,5 m könnte sich der Gang beschlufbar erweitern. Die rechte Seite fällt anscheinend noch etwas tiefer ab. Der Boden ist auf ganzer Länge mit stark wassergesättigtem Lehm bedeckt, der sich unter vibrierenden Handbewegungen verflüssigt. Am Ende könnte sich ein ca. 40 cm breiter und 15 cm hoher Gerinnekanal gebildet haben. Luftzug ist mit Zigarettenrauch deutlich höhlenauswärts festzustellen. Um hier weiterzukommen, muss der Lehmboden tiefer gelegt werden. Der zähflüssige Lehm versüßt das Ganze, der kalte Wind gibt einem den Rest. Man kommt hier als Lehmklumpen wieder ans Tageslicht. Stefan war vom Höhlenverschluss begeistert. Sebastian und Fabian, hat’s auch gefallen, sie haben eine kleine Kammer gefunden.

10.04.2003 Tag 1 in der Bankungsfuge

Steffen gräbt mit mir die ersten 1,5 m unter die Decke in die verlehmte Fortsetzung. Der Gang ist ca. 1,2 m breit und 30 cm hoch. Davon sind 20 cm mit wässrigen Lehmsedimenten aufgefüllt. Eine furchtbare, fast unmenschliche Schinderei und Sauerei.

31.01.2005 Tag 2 in der Bankungsfuge

11 Uhr. Ralf arbeitet mit mir weitere 2 m in die Fortsetzung. Wir sind nun etwa 6 m vom Schlufanfang entfernt. Er ist zum ersten Mal in der Höhle und von ihrer Größe überrascht. Wir wechseln uns mehrere Male beim Arbeiten ab. Am Endpunkt kann er in etwa 5 m Entfernung eine ca. 30 cm hohe Tropfsteingruppe erkennen, die vermutlich auf Lehmboden gewachsen ist. Die Ganghöhe beträgt weiterhin nur etwa 25 cm vom Lehmboden aus. Der Gang ist aber unglaubliche 3 m breit. Rechts von Ralph zieht eine etwa 30 cm breite und 1 m hohe Kluft im 90° Winkel parallel zum Tal, für ihn möglicherweise begehbar. Am Ende zieht die Kluft vermutlich wieder bergwärts. Völlig erledigt brechen wir um 16 Uhr ab. Ralphs Kommentar lautete: „Das sieht sehr gut aus. Da müssen wir auf jeden Fall weiter machen.“

26.02.2005 Tag 3: Bankungsfuge

Räumen den Lehm bis zum rechten Kluftabzweig weg. Ralph versucht hineinzukriechen. Wir verwerfen die Stelle, da es zu aufwändig erscheint, sich 3 m hineinzuarbeiten. Sind jetzt schon fast 10 m im Schluf weitergekommen.

08.04.2005 Tag 4: Bankungsfuge

Andreas Hartwig ist diesmal mit dabei. Er entfernt im Zugang einen großen Block. Ich beschäftige mich mit Ralph derweilen wieder in der bedrückend engen mit schlammiger Brühe bedeckten niedrigen Gangfuge.

09.04.2005 Tag 5: Bankungsfuge

Annette, Ingo und Andreas sind dabei. Andreas kümmert sich um den Eingangsschluf. Ich inspiziere den Endpunkt der Bankungsfuge. Diesmal räumt Ingo das Material nach links in den Schluf und kriecht weitere 1,5 m nach vorne. Aber dort geht der lehmbedeckte Boden weiter und blockiert die Fortsetzung fast völlig.

16.04.2005 Tag 6: Bankungsfuge

Mit Ralph räume ich den Schluf bis zum Endpunkt besser aus. Ich ziehe einige große Felsbrocken aus dem Lehm, komme aber nicht so recht weiter. Beim nächsten Mal muss eine Transportwanne mit. Der Schluf ist nun schon 11 m lang. Ca. 50 cm nach dem Endpunkt geht es auf der rechten Seite etwas geräumiger weiter. Man könnte eventuell schon 4 m einschlufen. Die Richtung bleibt gleich. Immer in direkter Linie 90° zum Tal in den Berg hinein, und weiterhin in derselben Dimension. Naja, leicht wird das nicht. Zumal die enge Kluft, in der wir den Lehm deponieren, immer weniger Platz bietet. Das größte Problem in diesen engen Röhren liegt darin, den Aushub so zu deponieren, dass er beim nächsten Hochwasser den Gang nicht wieder verfüllt.

Die vorerst letzen zwei Tage 7 + 8 in der Bankungsfuge

Die nächsten  Befahrungen werden von extremer schinderei geprägt.

Am letzten Tag ist Dorothea mit dabei. Sie stößt leider nur 6 m weit in eine kleine Kammer von 1 x 2 m vor. Dort verzweigt sich das nun insgesamt 20 m lange Schluf in drei ca. 1 m hohe nur 25 cm breite Klüfte. Zwei davon sind stark bewettert. Hier muss mal im Winter nachgesehen werden, wo wir weitermachen können. Aus Platzmangel muss aber erst der kleine Raum so vorbereitet werden, dass man möglichst viel Verbruchmaterial einlagern kann.

Wir machen hier erst einmal ein Jahr Erholungspause und verausgaben uns weiter intensiv an einem anderen interessanten Karstobjekt. 

04.02.06 Rauchversuch

Bei starkem Dauerforst von bis zu -15° C untersuchen Ralph und ich den Endpunkt. Es stellt sich heraus, dass der Höhlengang durch einen etwa 1 m breiten und nur 50 cm hohen Felssblock in zwei 30 cm breite Sektionen geteilt wird. Um diesen Felsblock zieht der Rauch stark höhleneinwärts.

Die Forschungen dauern noch an

 

 

 

© whf

Petrusquellhöhle    Wolfsblutschacht    Mühlbachquellhöhle     Bottelmühlhöhle    Indonesien/Java

 

Erforschung

 
 

Fotos