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Projektleiter Prof. Dr. Franz Nestmann, vorne links.

 

Forschungsauftrag Gua Bribin, Distrikt Gunung Kidul, Juli 2005.

 

Auftraggeber:

Universität Karlsruhe, vertreten durch das Institut für Wasser- und Gewässerentwicklung – Bereich Wasserwirtschaft und Kulturtechnik.

Auftragsziel:

Erforschung der unterstromigen Siphons und Tieferlegung des Wasserspiegels an der Wasserhaltung durch Beseitigung einer möglichen Barriere des unterstromigen Höhlenbaches.

 

Rückblick

September 1994

1Sabine Müller, meine damalige Partnerin, und ich erfüllten uns 1994/1995 den lang ersehnten Traum einer einjährigen Weltreise. Zu Beginn der ersten drei Monate hielten wir uns damals in Südostasien auf. Während dieser Zeit bereisten wir auf Java einige Karstgebiete, unter anderem Geonoeng Seweo. Damals erkundeten wir ganz sporadisch und auf eigene Faust mehr als 20 Höhlen.

Juni 2004

Am 24.06.2004 nahm ich an einem Symposium der Kommission für Geomorphologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften im Heinrich-Fabri-Institut in Blaubeuren teil. Thema des Symposiums war die wirtschaftliche Karstwassernutzung. Mein Interesse galt vor allem dem Beitrag von Prof. Dr. Nestmann, Universität Karlsruhe, über die Wasserversorgung im Karst des Geonoeng Sewoe auf Java, mittels neuester Speichertechnik in Karstregionen.

1Prof. Nestmann, Chef dieses Projekts, vermittelte mir den Eindruck einer überaus interessanten und kompetenten Persönlichkeit. Gespannt und aufmerksam folgte ich seinen Ausführungen. Bei einem derartigen Vorhaben mitzuarbeiten wäre eine Herausforderung, dachte ich mir damals. Das Projekt begeisterte mich spontan, schon aus dem Grunde, weil es alle Bereiche beleuchtete, die mich seit 15 Jahren während meiner höhlenforscherischen Tätigkeit im unteren Altmühltal beschäftigten.

Abends lernte ich den Koordinator des Projektes, Dr. Peter Oberle, und weitere Mitglieder des Teams der Universität Karlsruhe, Bereich Wasserwirtschaft und Kulturtechnik, kennen. Einige interessante Gespräche folgten, die unser gegenseitiges Interesse weckten. Dr. Peter Oberle meinte damals, es wäre vielleicht ganz gut, mich in dieses Projekt als kompetenten Wasserhöhlenforscher mit einzubeziehen. Dass es jemals dazu kommen würde, glaubte ich zu diesem Zeitpunk wirklich nicht.

Januar 2005

1Sechs Monate später, meldete sich Dr. Peter Oberle bei mir und lud mich nach Karlsruhe zu einem Informationsgespräch ein. Er machte mir das Angebot bei ihrem innovativen Zukunftsprojekt als Höhlenforscher mitzuwirken. Für mich unerlässlich war, dass ich für diesen Auftrag einen zweiten Taucher mitnehmen kann. Unter meinen vielen Höhlentauchkollegen, entschied ich mich für Marco Wendlberger, den ich vor 2 Jahren kennengelernt hatte. Er ist Tauchlehrer und ich hatte damals den Eindruck, er sei ein erfahrener, loyaler Freiwassertaucher, der dieser Aufgabe gewachsen sei. Einige Monate später kam es dann zum Vertragsabschluß zwischen mir und Prof. Franz Nestmann von der Universität Karlsruhe, dem Leiter des Projekts.

Der Tag der Abreise am 21.07.2005 rückte immer näher. Die Vorbereitungen, Spezialausrüstung anzufertigen, wurden rechtzeitig abgeschlossen. Die Aufteilung des Übergepäcks von 70 kg wurde organisiert, die Vorgehensweise während der Tauch- und Arbeitsaktionen war festgelegt. Es konnte also losgehen. Ich hatte wieder mein obligatorisches Sicherheitsreisegepäck dabei, eine blaue 100 l PVC Wassertonne mit eingebrannter Rückenschale und abnehmbaren Tragegurten. Wie immer sollte diese nicht unbeachtet bleiben.

 

Juli 2005 Expeditionsbeginn

21.07.2005 Donnerstag

Ich treffe mich mit Marco, der schon um 06.20 Uhr in seinem Heimatort Parsberg in der Oberpfalz losgefahren war, um 07.20 Uhr am Nürnberger Hauptbahnhof. Jetzt ist es tatsächlich so weit. Nach 6 Monaten intensiver Planung treten wir die 12000 km lange Reise nach Yogyakarta in Indonesien an. Die Stimmung ist perfekt und ich verspüre ein überaus erfolgreiches Gefühl in mir. Marco kenne ich nun schon über 2 Jahre und bin davon überzeugt, dass er der richtige Mann für diesen Einsatz sein wird, und darin sollte ich mich auch nicht täuschen.

1Unsere Aufenthalte an Bahn- und Flughäfen waren eng gesteckt. So lag es in unserer Hand, das sperrige und schwere Gepäck rechtzeitig zum Ein- und Weiterchecken zu bringen. Die arme Frau, die ich auf dem Weg durch das Flughafengebäude an der Rolltreppe mit meiner außer Kontrolle geratenen Gepäcktonne fast überrollt habe, tut mir noch immer leid. Aber außer einem gewaltigen Schreck, den Sie durch meinen Zuruf „Achtung! Meine Tonne wird sie gleich überrollen!“ ereilt hat, trug sie keine weiteren körperlichen Schäden davon. Ich dachte mir, was wohl passieren würde, wenn ich meine schöne blaue 1,2 m hohe Tonne mal kurz unbeaufsichtigt im Flughafengebäude abstellen würde. O. B. L. lässt grüßen! Ohne weitere Probleme wurde eingecheckt. Unsere Maschine startete pünktlich um 12.30 Uhr Ortszeit.

Der Service von Malaysian Airlines war sehr gut. Wir wurden ständig mit Getränken eingedeckt und bekamen laufend gutes Essen. Der Flug nach Kuala Lumpur verlief sehr ruhig, trotz allem konnte ich während der 24-stündigen Reise keine Minute schlafen. Lag das vielleicht an meinen Gedanken an zuhause und was wohl die nächsten 14 Tage vor uns liegen wird?

22.07.2005 Freitag

Das Gepäck wurde bis Jakarta durchgecheckt und von uns in die Maschine nach Yogyakarta weitergeleitet. Am Gepäckband erfuhren wir, dass die nächste Maschine in wenigen Minuten abfliegen würde. Wenn wir uns beeilten, könnte es vielleicht noch reichen. Und es reichte, wir bekamen einen Flieger früher und sparten uns so 90 Minuten Aufenthalt. In Yogyakarta wurden wir am Flughafen dank meiner unauffälligen Reisetonne von winkenden Einheimischen mit lachenden Gesichtern begrüßt. Der erste Atemzug Yogya-Luft, und ich fühlte mich schon wieder wie zuhause. Ein tolles Erlebnis nach über 10 Jahren.

1Das angeforderte Taxi brachte uns ins nur 10 Minuten entfernte Hotel Sahid. Ein toller Schuppen, deren Kategorie wir 1994 tunlichst gemieden hatten, bei einem Tagesbudget von nur 5 € kein Wunder. Wir sollten all die exotischen Plätze von damals nicht zu Gesicht bekommen. Das hier war eine ganz andere Reise. Um 12.30 Uhr Ortszeit, nach über 24 Stunden Anreise, saßen wir am Hotelpool und genehmigten uns ein erstes kühles Bintang Bier zur Begrüßung. Vom Team war außer Jürgen Dettling, dem Kameramann noch keiner zu sehen. Trotz meiner Müdigkeit war für mich alles sehr beeindruckend und überwältigend. Wir wurden jeder für sich in einem Doppelzimmer im 6. Stock untergebracht. Der Blick durch das Panoramafenster auf den rauchenden hoch aktiven 3000 m hohen Vulkan Merapi war grandios. Im Westen und Osten waren zwei weitere Vulkane zu sehen. Dieser Anblick vermittelte mir das Gefühl des Erfolgs.

1Bis Jens Kappler abends zu uns stoßen wollte erholten wir uns noch einige Stunden in unseren wohl temperierten Suiten. Während des Abendessens planten wir die Vorgehensweise der nächsten Tage, bis Prof. Franz Nestmann mit dem Rest des Teams am Montag anreisen würde.

 

1Jens hatte noch Tage vor unserem Eintreffen zwei Tauchclubs in Yogya ausfindig machen können, die uns 8 x 10 l Pressluftflaschen und 30 kg Blei vermieteten. Ohne Luft wäre der Auftrag geplatzt. Vor Ort am Club begutachten wir die Flaschen, die nicht gerade geprüften Standard vermittelten. Aber wir mussten nehmen, was wir bekamen. Die Flaschen werden gefüllt, was bei dieser Anzahl Stunden dauert. Unterdessen machen wir uns auf den Weg ins Eisenwaren Viertel von Yogya, um die Auslösestäbe für die anstehenden Zwangserosionsmaßnahmen zu besorgen. Alle Einzelteile wurden dann in eine nahe gelegene Schlosserei gebracht, um dort von 3 Arbeitern mit sehr gutem Ergebnis zu perfekten Auslösestäben zusammengebaut zu werden. Alles was wir an diesem Tag besorgen wollten haben wir bekommen. Es dauerte halt seine Zeit, doch in Deutschland hätten die Wochen vorher beauftragten Firmen dafür sicher Tage beansprucht.

 

1So machten wir uns um 14.30 Uhr erstmals auf den Weg an die Baustelle zur Gua Bribin. Von Bildern aus dem Internet kannte ich die Anlage ja schon, aber in Wirklichkeit sieht alles noch viel beeindruckender aus. Die absolute Sensation ist allerdings der Eingangsschacht der Firma Hergenknecht, die unter anderem auch den Gotthardtunnel in der Schweiz bohrt. Eigens für dieses Projekt wurde hierzu ein neues Bohrkopfsystem entwickelt, das mit einem beweglichen Frässtab kreisförmig den Felsboden nach unten abfräst. Der Durchmesser des Schachtes beträgt ca. 4 m. Die ganze Anlage ist mit Stacheldraht und Wachtürmen abgesichert und macht einen sehr sauberen Eindruck. Es wurde sogar ein kleines Informationsgebäude errichtet, in dem alles Wesentliche des Projekts gezeigt wird. Der Sultan besucht die Anlage regelmäßig.

Mit Blaumann und Gummistiefeln besteigen wir um 16.30 Uhr den Förderkorb am Schacht zur Höhle und werden am Drahtseil des Krans die 100 m nach unten gelassen. Das Schachtfenster schneidet den 9 m breiten Höhlengang parallel auf einer Breite von 2 m an. Eine Meisterleistung der Bohrfirma und vor allem des Vermessungsteams der Universität.

1Vor uns liegt das Wasserrückhaltebecken, das mit einem ca. 35 m langen Staudamm aus Bambusstangen, PE-Planen und Sandsäcken den Bereich der geplanten Einstauanlage trocken legen soll. Bei unserem Eintreffen war das Becken aber bis zum Rand mit Wasser gefüllt. Pumpenprobleme, Undichtigkeiten des Staudamms und Schwierigkeiten mit den Bodensedimenten der Höhle setzen dem Projekt sehr zu. Jens prüft noch mal die Steueranlage für die neuen Pumpen, und lässt sie Probe laufen. Anscheinend funktionieren sie jetzt und schalten nicht gleich wieder ab. Doch der Wasserspiegel des ca. 100 m³ Wasser fassenden Beckens senkt sich nur auf eine maximal Tiefe von 16 cm. Dann hält sich der Wasserstand bei einer Fördermenge der eingesetzten Pumpen von 120 l/s.

1Wir besteigen eines der Schlauchboote und fahren flussabwärts zum unterstromigen See, in dem sich der ablaufende Siphon befindet, der erkundet werden soll. Ein riesiger, fast gangfüllender Sinterberg zwingt uns, das Boot kurz aus dem Wasser zu nehmen und über eine Felsbarriere zu tragen. Der anschließende See hat Dimensionen von 40 m auf 15 m. Vor dem vermuteten Siphon hat sich, bedingt durch dessen Ansaugstrudel, eine Unzahl von Bambusstangen angesammelt, die sicher von der weiter oben gelegenen Baustelle hierher geschwemmt wurden. Eine Stunde lang verfrachten wir die teilweise 4 m langen Stangen auf eine große Sedimentbank am Ufer des Sees. Jetzt ist die Abtauchstelle so weit gesichert, dass wir uns beim Tauchen nicht in den Stangen verfangen können. Gut zu erkennen ist nun auch die Wasserströmung, die sich im Bereich des Siphons bildet. Der See ist so trüb, dass man keine 10 cm weit sehen kann. Marco und ich versuchen trotzdem mit Schnorchel und Maske die Felswand nach dem Eingang abzusuchen, können aber nichts konkretes finden.

1Wir brechen ab und fahren, fasziniert vom 100 m Schacht, mit dem Förderkorb an die Oberfläche. Um 18.30 Uhr bekommen wir gerade noch die letzten Sekunden der Dämmerung mit, die am Äquator das ganze Jahr um 18.00 einsetzt und sehr schnell abläuft. 90 Minuten Kamikazefahrt nach Yogya ins Hotel wird ohne Zwischenfall zurückgelegt. Begeistert von der Baustelle und dem gesamten Projekt diskutieren wir am Hotelpool bis 23.30 Uhr und planen den nächsten Tag.

1Marcos Frage, ob man denn noch etwas mit dem angebrochenen Nachmittag anfangen könnte, beantwortet Jens mit dem Vorschlag, ins „Hugos“, einer Szenedisco, nicht weit von hier zu gehen. Spontanität versetzt uns 20 Minuten später an den Tabledance der Disco, in der zufällig heute Nacht die 100 schönsten Frauen Javas auftraten. Mir kam es so vor als seien es überwiegend Kinder. Marco dreht bei gerade noch zu ertragender Techno-Musik völlig ab. Beim Anblick der hübschen Mädels fühlt sich hier sicher jeder wohl. Nach einigen Krügen Bintang verlassen wir als letzte um 4.30 Uhr „Hugos“ und versuchen bis zum Frühstück um 8.00 Uhr noch eine Mütze Schlaf zu bekommen. Vier Weckanrufe bei Marco und die Zündung einer mittleren Atombombe vor seiner Zimmertür waren notwendig, um ihn um 8.30 Uhr wieder ins Reich der Normalen zu bringen.

24.07.2005 Sonntag

Heute geht es mit den Höhlenforschern des örtlichen Höhlenvereins Yogya zur Baustelle. Freddy und der Vorstand des Vereins haben uns Seile und Spitausrüstung überlassen. Wir wollen am Siphon ein Trapez für den morgigen Taucheinsatz anbringen. Es soll uns und den Schlauchbooten, die auf uns am Siphon warten, als Hilfsleine dienen. Bei den tropischen Temperaturen, die in der Höhle vorherrschen, wir hatten sicher 30 C° bei einer Wassertemperatur von 26,6 C°, bedeuten sogar das Schlagen weniger Spits vom Schlauchboot aus eine Quälerei. Wir spannen über dem vermuteten Siphon parallel zur Felswand ein 10 m langes Höhlenseil. In die Mitte binden wir ein zweites, das diagonal durch den See zur gegenüber liegenden Wand führt und den Schlauchbooten zur Sicherung dient.

Mit dem Baustellenleiter der einheimischen Baufirma wird vereinbart, dass morgen kein Betrieb in der Höhle stattfindet und sich auch kein Arbeiter am Wasser aufhält. Es soll gewährleistet sein, dass sich die Wassertrübung in Grenzen hält.

Zeitig, schon um 16 Uhr, kommen wir wieder am Hotel an. Eine kleine Mahlzeit, ein kühles Bierchen und schon geht es mit den Vorbereitungen für den morgigen Tauchvorstoß weiter, der uns in unbekannte Welten unseres Planeten führen soll. Am Hotelpool breiten wir unser Tauchequipment aus, um die Ausrüstung im Wasser zu konfigurieren. Nach zwei Stunden ist alles 100 % erledigt. Jetzt können wir uns bis morgen entspannen.

119 Uhr, wir sind gerade fertig und begeben uns an die Expeditionstafel der Hotelterrasse, als die Führungsspitze des Projekts, Prof. Franz Nestmann, Dr. Peter Oberle und der Rest des Teams zu uns stoßen. Wir verbringen einen sehr geselligen und lustigen Abend miteinander, sprechen über das Projekt, erfahren wichtige Dinge, was die Wasserhaltung am Sperrwerk anbelangt und ich erzähle von meinen Erlebnissen, die ich in den Höhlen der Welt erlebt habe. So schön die erste Zusammenkunft des Teams auch ist, kurz vor 24 Uhr verabschieden wir uns. In ein paar Stunden wird’s ernst.

25.07.2005 Montag

Franz, Peter und einige Mitglieder des Teams begleiten uns zur 1Basis am Siphon. Auch Punit, der Pumpeningenieur, Inder, ein ganz lieber und lustiger Mensch ist mit ganz vorne. Nacheinander legen wir alle Teile der Tauchausrüstung an. Franz meint nebenbei, er wäre begeistert von der Ruhe und Gelassenheit, die wir ausstrahlen. Wir sind aber auch in Topform, hochmotiviert und konzentriert. Punit steht dem ganzen etwas skeptisch gegenüber. Nach 20 Minuten sind wir tauchbereit. Ich lasse mich als erster von der Felskante in die Strömung des Höhlenbaches gleiten und werde in den See hinausgetrieben. Kaum im Wasser, trifft mich fast der Schlag. Mit 7 mm Neoprenanzug und 2 mm Neohaube bin ich viel zu warm angezogen. Ich breche sofort ab, will an die Basis zurückschwimmen, komme aber nur sehr mühsam gegen die starke Strömung des Höhlenbaches an. Ziemlich erschöpft erreiche ich sie nach kurzer Zeit.

1Punit starrt mich mit aufgerissenen Augen an und zweifelt nun noch mehr an dem, was ich vorhabe, nachdem er mich, mit seinen Worten „Du bist ja völlig fertig“ kommentierend,  da sitzen sah. Ich erkläre ihm, dass es mir lediglich etwas zu warm sei und ich den Tauchanzug aufmachen und die Haube abnehmen wolle. Beruhigen konnte ich ihn damit nicht. Er wolle für uns beten, meinte er. Das kann nie schaden, dachte ich. Habe ich doch meinen Engel schon bei mir, es kann also nix passieren. Marco ist inzwischen schon im See unterwegs, um dessen maximale Tiefe und mögliche Abgänge zu untersuchen.

1Peter begleitet mich mit dem Schlauchboot bis ans Trapez am Siphon, an dem ich die 100 m Führungsleine befestige, die auf eine große Trommel gewickelt und mit Meterschritten markiert ist. Das Trapez bewehrt sich dabei gut, und augenblicklich beginne ich den Eingang zum Siphon zu suchen. Die Sicht unter Wasser ist auch nach 24 Stunden Baustop miserabel. Marco soll nach vereinbarter Zeit an der von mir verlegten Führungsleine vorsichtig nachkommen. Langsam lasse ich mich zum ersten Druckausgleich in ca. 2 m Wassertiefe absinken und versuche, mich an der sehr unregelmäßigen und mit messerscharfen Felshacheln geschmückten Felswand vorzutasten. Einige Meter Leine rollen ab. Um zu testen, ob ich mich schon im Siphon befinde, blase ich etwas Luft an. Langsam steige ich auf und durchbreche neben Peter, der verwundert im Schlauchboot zu mir blickt, die Wasseroberfläche. Die starke Strömung des Höhlenbaches hat mich ziemlich abgetrieben. Ich starte einen neuen Versuch. Diesmal lasse ich mich vor dem vermuteten Siphoneingang bis in 6 m Wassertiefe auf den lehmigen Boden sinken. Es sind handbreite Vertiefungen im harten Lehmboden spürbar. Wie sie dort hinkommen ist mir unklar. Ich taste den gesamten Seeboden auf ca. 8 m Breite ab, kann aber nichts, außer einer 45° Lehmböschung feststellen. Immer wieder wird es durch den aufgewirbelten Lehm stockfinster um mich. Eine willkommene Abwechslung für einen fast Blinden. Ich muss irgendetwas ausprobieren, um weiterzukommen. Nach einiger Zeit des Rumirrens fühle ich plötzlich Marco an meiner Seite. Wir geben uns das Zeichen zum Auftauchen. Als wir die Wasseroberfläche durchbrechen, befinde ich mich ca. 12 m vom Boot entfernt irgendwo im See. Diese verdammte Strömung, denke ich mir. Peter sieht etwas frustriert aus. Auch nach einem weiteren, dritten erfolglosen Versuch wird Peters Stimmung nicht besser, und er bezweifelt, ob die Sache noch Sinn macht und nicht doch zu gefährlich ist. Es war ja eigentlich noch gar nichts gefährlich und außerdem, wer aufgibt hat verloren. Wir geben nie auf. Ich meine, einige Versuche wären es doch noch wert. Diesmal will ich versuchen unter dem scharfkantigen Felsbogen, den wir gestern an der Wand entdeckt hatten, nach dem Eingang zu suchen. Sollte er sich dort befinden, ist dieser Weg an der Decke entlang sicher der gefährlichste. Aber wenn es nicht anders geht, dann eben so. Ich taste mich in 1 m Wassertiefe Hand für Hand an den scharfen Felszacken entlang. So geht das nicht, andere Technik!

Mit dem Oberkörper lasse ich mich nun nach unten sinken und laufe mit den Flossen an der zerfressenen Höhlendecke entlang nach vorne. Ich spüre die Bisse des Megalodon (größter Hai, der je auf unserem Planeten existierte) an meinen Fersen. Mit den Händen fische ich nach etwas Greifbarem um mich herum. Meine Hand umschlingt den Griff der Führungsleinentrommel als wäre sie angeschweißt. Nur das Teil nicht verlieren. Mit seinen 4 kg macht es nicht immer das, was ich will. Plötzlich erhascht meine linke Hand einen Felsvorsprung. Ich spüre, dass ich richtig bin, ärgere mich nur, so lange diesen verdammten Eingang gesucht zu habe. Zentimeter für Zentimeter taste ich mich nach vorne, verliere immer wieder den Kontakt zur Felswand. Ich fühle mich wohl, bin absolut ruhig und hoch konzentriert. Meine aufkommende Verkältung behindert den Tauchgang zum Glück nicht. Plötzlich verspüre ich einen Ruck und hänge fest. Ich greife rechts hinter mich und ertaste eine lange Felsnadel, die sich unter mein Jackett gespießt hat. Nach 2 Minuten habe ich mich endlich wieder befreit und falle durch die benötigte Luftentlastung des Jacketts rasch Richtung Grund. Da wollte ich eigentlich sowieso hin. Zweimal Druckausgleich und ich lande unsanft auf –6 m im Schlamm. Erst jetzt kann ich mich wieder richtig austarieren. Die Sicht wird so schlecht, dass sogar meine Helmlichter verdunkeln.

Ich bin noch keine 4 m im Siphon. Das kann ja lustig werden. Irgendwie fühlt sich der Siphon sehr groß an, aber ständig stoße ich mit Kopf und Tanks an Felsen an. Keine Ahnung wo! Einer der Felsblöcke, die aus dem Lehmboden ragen, wird zur Befestigung der Führungsleine verwendet. Selbst das wird bei fast völliger Erblindung zum nicht zu unterschätzenden Problem. Ich muss einen der Haltegummis vom linken Tank abziehen, diesen an die Führungsleine knoten und ihn dann um den unsichtbaren Felsblock spannen. Das alles zweimal und eigentlich nur mit einer Hand, denn die andere ist ja an die Führungstrommel geschweißt. Dabei habe ich nur einen Gedanken, die Leine nicht zu verlieren. Als ich fertig bin, stelle ich fest, dass sie hinter mir steil, ca. 55° nach oben führt. Somit befinde ich mich hier am Eingang des Siphons. Hoffentlich zieht mich die starke Schüttung des Höhlenbaches nicht in eine Engstelle, aus der ich mich nicht mehr befreien kann. Das ist die größte Gefahr bei diesem Auftrag. Die nächsten 10 m dauern eine Ewigkeit, mit Doppel 10 l Tanks aber kein Thema. Ich will mich unbedingt von der Decke fern halten, die noch riskanter ist als der Boden. Die Sicht ist katastrophal. Im Grunde sollte ich abbrechen.

An der 15 m Markierung fühle ich mehrere Verbruchblöcke am Boden. Sollten sie das Ende des Siphons markieren? Ich bleibe am sicheren Boden in 5 m Wassertiefe und taste mich Hand für Hand weiter. Er steigt langsam an. Bei 35 m stoße ich in –1,5 m mit dem Kopf an einen Unterwassertropfstein. Spontan wird mir klar, was sich hinter dem Siphon abspielen wird. Es gibt mit absoluter Sicherheit eine absenkbare Schwelle! Während des gesamten Tauchgangs spürte ich keinerlei Strömung. Der Siphon muss also sehr groß sein. Ich habe es geschafft, das Team wird sich freuen. An dem Unterwasserstalaktiten von 2,5 m Durchmesser wird die Führungsleine mit einigen Gummibändern fixiert. Dann tauche ich auf, spucke den Regler aus und nehme den ersten Atemzug Neulandluft in mich auf. Ich denke, mich erdrosselt jemand. Die Luft ist so schlecht wie in der Dunstabzugshaube einer Großkantine. Ich rufe in den ca. 2 m hohen und etwa 10 m breiten Tunnel, dessen Echo mich auf weitere 300 m neue Welt hoffen lässt. Bevor ich mich auf den Weg dorthin aufmache, will ich erst feststellen, wie weit ich in diesen Tunnel getaucht bin und wo sich das Ende des Siphons befindet. An der Führungsleine schwimme ich unter einer nur wenige Dezimeter hohen Felsdecke bis an die 15 m Markierung zurück. So lange ist der Siphon ja gar nicht. Dennoch benötigte ich für seine Entdeckung über 90 Minuten.

Nun aber zurück ins Neuland. Ein kurzer Vorstoß muss drin sein, bis ich Marco hole. Wegen der schlechten Luft und der sperrigen Ausrüstung behalte ich beim Schwimmen den Regler im Mund. Meine Lampen können den immer größer werdenden Tunnel nur schemenhaft erhellen. Der Gang führt im Zickzack, ganz anders als im oberen Teil weiter. Aus der Dunkelheit tauchen vor mir einige sehr große Fledermäuse auf. Super, es existiert also ein Zugang an die Oberfläche, der mit Sicherheit nicht klein sein wird. Ich dringe ca. 200 m weit vor, breche aber die Erkundung ab, um Marco zu holen. Kaum getan, tauchen auch schon seine Helmlichter in der Ferne auf. Prima, er ist nachgekommen und meinte, die anderen machen sich schon Sorgen um mich. Hej, schönes Gefühl, dachte ich! Jetzt fühle ich mich auch nicht mehr so einsam in dieser neuen Welt, und wir stoßen gemeinsam in den beeindruckenden Wassertunnel vor. Nach ca. 350 m vom Siphon senkt sich der Höhlengang langsam bis knapp 1 m über den Wasserspiegel. Kurz darauf endet er in einem flachen runden Dom. Flach über dem Wasserspiegel zieht die Decke wie das riesige Maul eines „Megalodon“ mit scharfen Felszacken durchsetzt in den Siphon. Marco will sich das mal näher ansehen, ich warne ihn wegen seiner dünnen Führungsleine, die bei diesen Felsverhältnissen schnell durchtrennt ist. Ich mache seine Leine an mir fest. Er taucht etwa 3 m unter einer Decke entlang, kommt aber schnell wieder zurück und berichtet von miserablen Sichtverhältnissen und unzähligen scharfen Felsspitzen, die von der Decke ragen. Wir kehren um, ohne eine absenkbare Felsschwelle gefunden zu haben. Ganz sicher befindet sie sich hinter den nächsten Siphons. Der Unterwassertropfstein und der 400 m See, den wir „Snake Lake“ nennen, deuten darauf hin.

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Etwa 50 m vor dem zweiten Siphon stößt ein trockener, etwas höher liegender mächtiger Gang an den Wassertunnel. Aus ihm müssen die Fledermäuse kommen. Als wir wieder am ersten Siphon, den wir „Blind Date“ nennen, ankommen, sind wir fast einen Kilometer geschwommen und ich bin ganz schön ausgepowert. Ich kontrolliere nochmal den Sitz der Führungsleine, Marco geht als erster durch, gefolgt von mir. Als ich auftauche sehe ich Peter mit begeistertem Lächeln im Boot sitzen. Nach 3 Stunden erfolgreicher Erkundung legen wir die Tauchgeräte ab. Auch Punit hat auf wie versprochen auf uns gewartet. Es fällt ihm sichtlich ein Stein vom Herzen. Er ist ganz erschöpft vom Beten. Danke Punit!

Als wir um 16.30 Uhr mit dem Förderkorb wieder die Erdoberfläche erreichen, bricht großer Jubel aus. Wir sind absolut zufrieden mit unserer Arbeit, und stolz auf das ganze Team, das diesen Einsatz ermöglicht hat. Abends wird im Nobelrestaurant Katsha Wong gefeiert.

Fazit

„Blind Date“ hat eine Wassertiefe von 6 m. Die Decke könnte sich im Bereich um -1,5 m bewegen. Der Siphon ist mindestens 3 m breit und hat eine Höhe von etwa 4,5 m. Die horizontale Gesamtlänge des Siphons von etwa 9 m wird durch den Verlauf der Führungsleine auf 35 m verlängert. Im dahinter liegenden Höhlengang befindet sich 20 m vom Ende des Siphons entfernt ein Stalaktit, der ca. 60 cm unter das Wasser reicht. Das bedeutet, dass sich flussabwärts entweder eine Versturzbarriere oder eine Sinterbarriere befindet, die mit etwa einem Meter Höhe  anzusetzen ist. Die Chancen, den Wasserspiegel des bisher 600 m langen Sees abzusenken, schätze ich als sehr hoch ein.

26.07.2005 Dienstag

Nach den erfolgreichen Aktivitäten der letzten Tage konzentrieren wir nun unsere heutige Planungsorganisation auf den anstehenden Tauchgang im 2. Siphon.

27.07.2005 Mittwoch

1Ich entferne an der Gangblockade unterhalb der Sperranlage die linke Sinterbarriere, und erweitere den Hochwasserabfluss an der rechten Felswand. Beides gelingt dank Zwangserosionstechnik sehr gut. Während der Arbeiten verspüre ich ein seltsames Gefühl, und erkundige mich bei Freddy und seinem Kollegen vom ASC, ob sie denn wüssten, warum wir das hier tun. Ich konnte Ihren Gesichtsausdruck hinter der hellen Karbidflamme ihres Helms nicht erkennen, spürte aber die negativen Schwingungen, die aus Ihrer Ecke kamen. Jens machte ihnen klar, dass ich nicht durch die Welt reise, um in den Höhlen Tropfsteine zu zerstören. Mir gefällt das, was ich hier tue auch nicht besonders. Aber es diene dem besseren Hochwasserabfluss des Höhlenbaches nach dem Sperrwerk und somit dessen Schutz. Freddy dachte wir würden das tun, um die Schlauchboote nicht mehr aus dem Wasser heben zu müssen. Nach 4 Stunden und 250 Kapseln wurden etwa 3 m³ Fels entfernt.

28.07.2005 Donnerstag

Heute geht es ans Eingemachte. Zwei Tage Vorbereitungszeit für diesen Erkundungstauchgang liegen hinter uns. Ich habe ein gutes Gefühl. Wir sind wieder relativ spät an der Baustelle. Um 14.45 Uhr legen wir das Tauchgerät an der Basis an. Insgesamt haben wir 160 m Führungsleine dabei. Ich tauche mit 2 x 110 l, 200 bar, Marco mit 3 x 10 l, 200 bar. Die Zielvorgabe lautet: Tauchen bis Leinenende unter Einhaltung der Viertel-Regel. Die Sicht im „Blind Date“ ist nicht besser geworden. Mit den beiden schweren Seilrollen schwimmt sich der „Snake Lake“ auch nicht leichter. Am Siphon angekommen, suchen wir zuerst eine Sanduhr, um die Führungsleine daran zu befestigen. Dank der Sanduhr können wir uns das Schlagen eines Spits ersparen. Mit dem Petzlhammer des ASC klopfe ich die Sanduhr stumpf. Beim Anhängen am Gürtel entgleitet mir der Hammer in die Tiefe des Siphons. Auch nach minutenlanger Suche kann ich ihn nicht mehr finden. Die Leine sitzt an der richtigen Stelle und ist ab 40 m bis 105 m markiert. Ich bespreche mich noch mal mit Marco, um mich dann auf die Suche nach einem Weg durch den Siphon zu machen. Das wird nicht ganz einfach. Das einzige was einfach ist, ist das, dass es einfach gefährlich ist.

Die Sicht ist miserabel. Langsam schwebe ich auf –6 m und erreiche lehmigen Boden. An einer leichten Böschung suche ich nach dem Eingang zum Siphon. Ich komme dabei wieder etwas höher und ergreife eine Felswand. Strömung ist nicht festzustellen. Langsam bewege ich mich an der Wand entlang nach links. Irgendwie passt die Sache hier nicht, denke ich mir. Ich blase etwas an und erreiche die Decke in –1 m Wassertiefe. Dort taste ich mich weiter, durch ein Relief von messerscharfen Hacheln, die mich immer wieder festhalten. Die Leinenmarkierung zeigt 25 m an, als ich den Wasserspiegel durchbreche.

Eine runde, 1,5 m hohe Luftglocke tut sich vor mir auf. Juhu, ich bin durch, dachte ich, als mich plötzlich eine Hand von hinten am Kopf berührt. „Hej, wo kommst Du den her“, meint Marco verwundert. Überrascht stellen wir fest, dass ich die Luftkammer unter einer nur wenig unter Wasser liegenden Siphondecke umrundet habe. Beim zweiten Versuch das gleiche Spiel, ich sehe nicht die Hand vor Augen und erreiche wieder nur die Luftkammer bei Marco. Er ist sichtlich frustriert. Mir geht es nicht anders. Alles dauert furchtbar lange. Soll ich es noch mal versuchen, bei solch katastrophalen Bedingungen? Einmal geht noch. Diesmal will ich an der gefährlichen Decke entlang den Beginn des Siphons suchen.

An der 50 m Markierung zieht es mich nach oben in eine kreisrunde Luftglocke von 8 m Durchmesser, diesmal ohne Marco darin. Nirgendwo ist eine Fortsetzung zu erahnen. Ich sinke wieder auf den Grund des 6 m tiefen Siphons und erfühle Strömungsfacetten. Bin also doch irgendwo im ablaufenden Siphon. Doch meine Enttäuschung ist groß, als ich wiederum bei Marco auftauche. 1 Stunde hängt er nun schon mit seiner Schere gesichert an einem Felsvorsprung, um etwas entspannter im Wasser zu liegen. Ich bin stinksauer und mache erst einmal Pause. Wir besprechen uns zu einem letzen Versuch.

1Meine beiden 10 l Tanks sehen mit 120 und 110 bar echt mies  aus. Wenn es jetzt nicht klappt wird abgebrochen. Ich konzentriere mich völlig auf die Auftauchstelle am Ende des Siphons. Über die total zerfressene Felsdecke versuche ich die Luftglocke zu erreichen. Ich tauche wieder an der 50 m Marke auf. Diesmal an einer ganz anderen Stelle als vorhin. Sofort befestige ich die Leine an einem Felszacken, lasse mich an der Felswand nach unten gleiten, erreiche den schlammigen Boden und taste mich vorsichtig weiter. Meine Gedanken konzentrieren sich nach Vorne ans Ende des Siphons. Ich will durch! Ab und zu verliere ich die Wand. Zum Glück ist die Strömung so gering, dass ich sie vernachlässigen kann. Trotz aller Gefahren, die sie mit sich brächte, würde sie mich doch leichter ans Ziel bringen. Die 60 m Marke läuft ab. Bin ich nun drin oder nicht. Ich bleibe an der Wand und am Boden. Manchmal bringen am Boden liegende Felsbrocken etwas Abwechslung in den Tauchgang, wenn ich mit ihnen kollidiere.  Die 70 m Fahne läuft durch. Jetzt wird es langsam ernst. Reglerwechsel steht wieder an. Auch Prüfung des Tankdruckes, der sich sehr schwer ablesen lässt. Na ja, geht noch! Ich krieche weiter, den fast unmerklich ansteigenden Boden entlang. Bin schon ganz schön lang unterwegs, wie es Marco wohl geht? Die 80 m Marke verschwindet hinter mir. Nun bin ich 40 m von ihm entfernt und immer noch keine Anzeichen eines Endes. 90 m! Ich habe nur noch 10 Meter auf der Rolle, um Luft zu erreichen. Langsam zweifle ich daran, dass die Leine reicht. Um die zweite Rolle zu holen und anzuknüpfen, habe ich nicht mehr genügend Luftreserven. Ich muss einfach ans Ende kommen. Nachdem ich nur noch auf ca. 4 m Wassertiefe bin, blase ich mal an, um zu sehen was sich da oben so tut. Nach wenigen Sekunden durchbreche ich den Wasserspiegel und das laute Rauschen des „Thunder Doms“ begrüßt mich in völliger Dunkelheit. Ich komme mir vor wie „Der mit den Engeln tanzt“ und spüre genau, wer mich durch diese Finsternis geführt hat.

Nach 50 m Blindflug erreiche ich den von zuhause aus prognostizierten Höhlengang. Unglaublich! Mir fallen Steine vom Herzen und es schwimmt sich gleich wesentlich leichter. Da die Höhlenwand schöne Felszacken aufweist, versuche an einem die Leine mit Gummis zu fixieren. Aber schon die geringste Berührung veranlasst die Höhlenwand, sich mit dumpfem Platschen auf mich zu ergießen. Etwa 15 kg Fels drückt mich auf den Boden des Sees in 4 m Wassertiefe. Etwas verblüfft schüttle ich das Zeug von mir ab, tauche wieder auf und teste vorsichtig einen weiteren Felssporn. Da auch dieser wie ein fauler Backenzahn wackelt, entschließe ich mich im stockfinsteren See bis an sein Ufer zu schwimmen, das ja irgendwo sein muss. Auf der Rolle sind lediglich noch 10 m Leine drauf und in diesem Bereich ist nichts zu sehen. Mit der 105 m Marke strande ich am Ufer einer neuen noch nie betretenen Landschaft unseres Planeten. Niemand zuvor wusste von seiner Existenz. So eine Ehre!

Ich ziehe zwei große Felsbrocken an die Wasserlinie, um daran das Ende der Leine mit mehreren Gummis zu befestigen. Ich mache mir gerade Gedanken, was mit Marco ist, den ich nun eigentlich holen muss. Aber für zwei weitere Tauchgänge durch den Siphon reicht mein Luftvorrat nicht mehr aus. Ich  müsste an der Basis den dritten Tank von Marco aufnehmen, um wieder hierher zu kommen. Dann ist da auch noch das Risiko, dass wir uns im Siphon beim Zurücktauchen treffen könnten.

Alle Gedanken waren überflüssig, denn kaum fertig gedacht, taucht Marco auch schon mitten im See auf. Der mystische Lichtkegel seiner Helmlampen, lassen ihn wie einen Alien erscheinen.

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Wir haben die Welt gefühlt, das Universum hat uns berührt.

Wir haben viele Seelen gespürt und Engel haben uns geführt.

Wir haben nach den Sternen gegriffen und unsere Grenzen begriffen.

Wir sind die Auserwählten, die sich Grenzen setzen.

Uns wird es gestattet, diese Grenzen zu überschreiten.

Wir sehen, was nie ein Mensch zuvor je sah.

Wir fühlen das Göttliche, das im Universum geschah.

Wir legen Dankbarkeit und Demut diesem Privileg zu Füßen.

 

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Drei Stunden habe ich gebraucht, um hierher zu kommen. Links vor mir verschwindet der mächtige Höhlenbach im Dunkeln. Marco kommt immer näher, spuckt den Regler aus, nimmt die Maske ab und mit geballter Faust ruft er mir einen Jubelschrei entgegen. Wir fallen uns in die Arme, so wie es Entdecker tun, und gratulieren uns zu diesem Erfolg. Dann meint er nüchtern „Sag mal, wie machst Du das eigentlich, den Weg durch so einen Siphon zu finden“. „Meine Engel waren es“, gebe ich zur Antwort.

1Marco ist sichtlich beeindruckt und noch während ich damit beschäftigt bin, die Leine noch sicherer am Fels zu befestigen, legt er das Gerät ab und marschiert los. Ich höre ihn noch zuhause sagen „Ich will möglichst lange unter Wasser bleiben und am besten gar nicht auftauchen müssen“, doch nach wenigen Minuten verschwindet sein Licht wie ein kleines Glühwürmchen in der Finsternis des riesigen Ganges. Ich lege auch ab, dreh alle Flaschen zu und mach mich auf den Weg in die größte Höhle, die ich je entdeckt habe, um Marco zu suchen.

Auf den ersten 100 m untersuche ich die 4 Unterwasserschwellen, an denen ein Gefällepotenzial von 1,5 m möglich ist. Es sieht so aus, als existierten Felsschwellen, unterbrochen von Verbruchmaterial, das durch Vulkansande und Magnetit verbacken ist. Der Versuch sie aus dem Boden zu lösen gelingt. Es ist also möglich, den Wasserspiegel bis zur Wasserhaltung in 600 m Entfernung unter Voraussetzung eines großzügigen Zeitrahmens, abzusenken. Erst jetzt kann ich mich auf die Höhle konzentrieren, denn nun haben wir den ersten Teil des Auftrags erfüllt.

1Ich bin überwältigt von den Dimensionen des Ganges und laufe in dem gewaltigen Höhlenbach, wie des nachts durch ein großes Flusstal an der Erdoberfläche. Nach 10 Minuten stoße ich zu Marco und spüre, wie ihn nun auch der Höhlenvirus erwischt hat und er nicht nur unter Wasser Interesse an Höhlen gefunden hat. Wir strahlen beide wie Weihnachtsbäume und jubeln nur noch. In dem tiefen Bach lassen wir uns durch unglaubliche Landschaften immer tiefer in die Höhle spülen. Vorbei am „Land of Mushrooms“, „Matterhorn’s Shoreline“, „The Labyrinth“, versuchen wir vergeblich die Höhlendecke mit unseren Lichtern zu erreichen. Auf der rechten Seite des Tunnels ist die linke nur zu erahnen. Wir sind nun etwa eine Stunde unterwegs und müssen ans Umkehren denken. Am „Black Hole“, hier wird der Gang so groß, dass man überhaupt keine Umrisse mehr sehen kann, treten wir den Rückweg an. Zum Glück habe ich meinen 7 mm Neopren an, der mich vor ernsthaften Schnittverletzungen beim Laufen und Schwimmen durch die unberührte scharfkantige Unterwasserlandschaft schützt. Wir liegen noch gut im Zeitplan.

Wie in Trance tauche ich den „Shark bites Goat“, verirre mich im 400 m See mehrmals, sodass er zu 800 m See wird. Vielleicht sehe ich zu viel? Sollte mal das Licht ausmachen, dann geht’s vielleicht besser. Hinterm „Blind Date“ wartet Martin wie vereinbart im Schlauchboot auf uns. Marco war schon an der Basis und ist auf dem Weg nach oben. Ich bin nach diesem Extremtauchgang echt fertig. Es werden wenige Worte gewechselt. Martin respektiert meinen Zustand, was mich sehr beeindruckt hat.

1Ich besteige mit ihm den 100 m Aufzug und beim Hochfahren läuft die ganze 6 Stunden lange Expedition nochmal wie ein Film vor meinen Augen ab. Als ich um 20.45 Uhr die Oberfläche erreiche, überwältigen mich doch meine Gefühle. Wie ein kleines Kind, das von seiner Mutter getrennt wurde, heule ich innerlich und verliere einige Tränen, die durch das Gitter des Aufzuges den vulkanischen Boden Javas tränken. Von hoch oben schaue ich auf ein Team von wunderbaren Menschen, die uns so herzlich unterstützt haben, und bin stolz darauf, dass sie uns in Ihr Team aufgenommen haben.

1Der Ersten, den ich erblicke, ist Peter. Er ist mir mittlerweile ans Herz gewachsen. Er strahlt ...... unglaublich! Neben ihm, Franz unser Boss. Auch er blickt mit glücklichen Augen zu mir hoch. Alle jubeln und ich heule. Wieder am Boden der Oberwelt angekommen, geben mir alle einige Minuten, um mich wieder zu fassen. Bald eine Stunde berichten wir an der Baustelle von unseren Erlebnissen und stoßen mit einigen kühlen Dosen Bintang Bier auf den Erfolg an.

Auf der Rückfahrt zum Hotel, wir stehen total unter Strom, werden weitere Einzelheiten der Erkundung erzählt. Mit einem tollen Nachtessen und einigen Drinks feiern wir alle zusammen den Riesenerfolg. Ganz überraschend kommt PD Dr. Thomas Neumann mit Gattin zu Besuch. Er ist vom Institut für Mineralogie und Geochemie der UK und leitet auf Lombok ein vierwöchiges Studienprojekt. Nach dem Essen bedanke ich mich mit einer kurzen Ansprache bei Franz und dem gesamten Team für ihr Vertrauen und die einmalige Zusammenarbeit, die mit unserem Erfolg gekrönt wurde. Dabei überreiche ich Franz und dessen Sohn zwei besondere Steine aus dem noch unbekannten Land, der Neuwelt der Höhle. Es sind Steine mit Löchern, die eine besondere Magie besitzen. Alle Anwesenden sind von unseren Berichten und den Erlebnissen jenseits der bekannten Welt sehr ergriffen. Einer der schönsten Tage meines Lebens geht mit großartigen Menschen und einer bedeutenden Entdeckung zu Ende. Wir sitzen bis 3.30 Uhr am Pool und feiern weiter.

29.07.2005 Freitag

Peter erteilt mir morgens den Folgeauftrag, die Schwellen hinter dem Siphon tiefer zu legen. Darum ist akribische Planung und Vorbereitung auf den morgigen Grabungstag angesagt. Unser Rückflug soll von Dienstag auf Freitag verschoben werden.

Beim ASC besorgen wir uns ein Schlauchboot, das uns den Transport durch den „Snake Lake“ erleichtern soll.

In Wonosari kaufen wir einen 10 kg Schlegel, 2 schwere 1,2 m lange Brechstangen, 5 l Getränke und Proviant.

Dieses Material schaffen wir dann nachmittags in die Gua Bribin an die Basis, damit wir morgen zeitig loskommen.

Die verbleibenden zwei Stunden bis zur Rückfahrt nutzen wir zum Erweitern der Felsblockade hinter der Wasserhaltung. Der rechte Durchbruch ist nun fertig und bietet nur noch geringen Rückstau bei Hochwasser.

30.07.2005 Samstag

1Wir kommen wieder erst um 13 Uhr an die Basis. Es dauert eben alles etwas länger in Indonesien. Natürlich verschlingen die 90 Minuten Anfahrt zur Baustelle täglich ihre Zeit. Unsere Helfer verladen die Ausrüstung ins Basisboot und fahren alles zum Siphon. Ans aufgerollte Schlauchboot für den „Snake Lake“ wird der 10 kg Schlegel zur Tarierung angebunden. Marco nimmt als erstes das Boot nach hinten, ich einen Materialschleifsack. Am Tropfstein, die einzige Stelle nach dem Siphon, an der man etwas stehen kann, wollen wir das Schlauchboot aufblasen, dabei verlieren wir den Adapterschlauch zum Aufpumpen des Boots mittels Pressluft aus einem Tank. Während ich die anderen Gegenstände von drüben hole, bläst Marco den Kahn mit dem Mund auf. Als ich den letzten Sack bringe, sitzt er schon mit abgelegtem Tauchgerät im Schlauchboot. Er paddelt mit seinen Flossen vorne im Bug und ich schiebe hinten am Boot hängend. Genial der Einfall mit dem Boot.

Am „Shark Bites Goat“ versuche ich die Führungsleine aus der Luftglocke nach unten zum Boden zu verlegen, was mir aber auch nach mehreren Versuchen nicht gelingt. Ich lasse es bleiben, wird auch so gehen. Jeder taucht den Siphon dreimal, dann ist alles an der Baustelle. Es ist bereits 16 Uhr. Nach einer kurzen Pause, ich ziehe meinen Neoprenanzug aus und arbeite nur im Blaumann und Gummistiefeln, beginnen wir die erste Schwelle tiefer zu legen. Einzelne große Blöcke lassen sich leicht aus dem Bachbett rollen. Aber das verbackene Bodengeröll erweist sich als sehr hartnäckig. Ich nehme die schwere Eisenstange zu Hilfe und schlage sie mit dem Schlegel fast einen halben Meter in den Boden. Dann lockere ich mit kreisenden Bewegungen den Untergrund auf. Das wiederhole ich einigemale bis ein breiter Streifen von 2 x 2 m durchgewühlt ist. Es geht einigermaßen, aber der Gedanke was noch alles vor uns liegt muss dabei verdrängt werden. Tonnen von Gestein müssen von Hand in kürzester Zeit bewegt werden. Marco wühlt sich mit bloßen Händen in den Untergrund.

Doch nach nur 2 ½ Stunden türmen sich zwei ansehnliche Felsdämme rechts und in der Mitte des Baches auf. Wir teilen den 6 m breiten Bach mit einem Mitteldamm, damit wir die Felsbrocken nicht zu weit ans Ufer tragen müssen. Der Bach zieht immer stärker und die 1500 l/s sind deutlich zu spüren. Wenn man nicht aufpasst, spült es einen glatt weg. Zu Beginn der Absenkung habe ich am Ufer eine Wasserstandsmarkierung angebracht. Als wir am Ende des heutigen Grabungstags kontrollierten, was sich getan hat, konnte Marco nicht glauben, dass wir beinahe 20 cm abgesenkt hatten. Ich denke, dass sich morgen an der Wasserhaltung trotz des hydraulischen Gefällewiderstands eine Absenkung von 20 cm einpendeln wird. Für heute reicht es uns auf jeden Fall und ich bin sehr zufrieden.

Bevor wir uns auf den Rückweg machen, will ich die große sicher 20 m hohe Halle untersuchen. Ich habe ständig das Gefühl, dass ich mich hier unbedingt umsehen sollte, denn unter Umständen führt ja der trockene Tunnel vor dem „Shark Bites Goat“ als Umgehung bis in diese Halle hinter dem Siphon. Marco wartet solange.

1Vorsichtig erklimme ich den mit hartem Lehm ausgekleideten Steilhang. Einige riesige Felsblöcke erleichtern den Weg nach oben. Umso weiter ich mich vom Bach entferne, desto heißer und stickiger wird die Luft. Jede Bewegung ist mit den Strapazen der Besteigung eines 6000ers zu vergleichen. Je höher ich komme, umso aussichtsloser scheint der Gedanke an eine Umgehung, denn nirgends geht etwas Größeres ab. Doch als ich mich in der wirklich großen Halle unter der Decke nach rechts bewege, erscheint eine 7 m breite und nur 50 cm hohe Fortsetzung. Das flache Schluf ist geschmückt mit vielen weisen Makkaroni. Vorsichtig kann ich mich ca. 10 m weit durchschlängeln, ohne sie zu beschädigen. Es ist wie in der Sauna und ich wünsche mich zurück in unsere Fränkischen Riesenhöhlen, in denen man nicht derart ins Schwitzen kommt. Der Lehmboden fällt wieder nach unten ab und ein 10 m breiter Gang tut sich vor mir auf. Wie ein Torwächter steht links am Anfang des Tunnels ein mächtiger 4 m Stalagmit. Immer weiter klettere ich nach unten bis an eine sicher 4 m tiefe Lehmabbruchkante. Sich hier weiter vor zu wagen wäre Leichtsinn. Wir haben kein Seil dabei, was ein Aufsteigen gestatten würde. Mein Gefühl und die Form des Gangprofils, das wie vor Beginn des Siphons aussieht, sagen mir, dass sich der Bachlauf vor dem „Shark Bites Goat“ nicht weiter als 30 m von hier befindet. Leider kann ich das nicht bestätigen.

Eine Stunde später tauchen wir um 19.15 Uhr im See an der Basis auf. Nach einigen Vesperdiskussionen mit dem Kranfahrer, gelangen wir doch noch an die Oberfläche. Peter und Franz sind begeistert, dass sich schon während unserer Abwesenheit eine Absenkung bemerkbar machte. Wir haben wieder einen Grund zum Feiern.

Leider klappt die Trockenlegung der Wasserhaltung am Sperrwerk nicht so wie vorgesehen. Die einheimischen Arbeiter schaffen es seit Wochen nicht, den Damm am Höhlenboden abzudichten. Ein Problem, das nicht zu unterschätzen ist und das ganze Projekt scheitern ließe. Trotzdem sehen wir einige Möglichkeiten, das Betonfundament innerhalb zwei Wochen anzulegen. Das Abendessen nehmen wir wieder im Katsha Wong, eine der Topadressen in Yogyakarta ein. Es ist schon toll, was wir alles erleben dürfen.

31.07.2005 Sonntag

Seit unserer Ankunft hatten wir keinen Tag, um uns zu regenerieren. Da wir nun die nächsten Tage neben der gefährlichen Taucherei noch schwerste körperliche Arbeit zu leisten haben, nutzen wir den Tag zur Erholung. Ich schreibe meine Berichte und gönne mir am Nachmittag eine Massage, die meinen geschundenen Muskeln richtig gut tat. Es wurde ein schöner gemütlicher Tag.

01.08.2005 Montag

Wieder sind wir erst um 13 Uhr an der Basis, und vereinbaren spätestens um 21 Uhr zurück zu sein.

Heute wird der gesamte Bereich der ersten Schwelle so tiefer gelegt, dass wir eine Minimumabsenkung von 50 cm in den nächsten zwei Tagen erreichen können. Den ersten Kanal graben wir nochmals um 30 cm tiefer. Was nun passiert ist unangenehm, aber logisch. Der gesamte Bach verlagert sich zwangsläufig in das tiefer gelegte Bett und die linke Seite fällt fast trocken. Wir arbeiten den ganzen Tag, ohne dass sich am Wasserstand etwas Besonderes verändert. Die Steinwälle an unserem Kanal werden immer höher. Das Hauptaugenmerk legen wir auf die Tieferlegung des linken Bachbettes. Man müsste eigentlich die gleiche Tiefe wie auf der rechten Seite erreichen, um hydraulisch richtig zu arbeiten. Ganz schaffen wir das heute leider nicht. Trotz allem, auch mit der nur geringen Absenkung des Wasserspiegels bin ich mit unserer Arbeit zufrieden. Das kann ich von Marco nicht behaupten, der aufgrund keines optisch sichtbaren Erfolgs etwas genervt aussieht. Ob ich ihn so richtig motivieren kann, ist mir nicht ganz klar. Wenn uns die Zeit reicht, bin ich von einer erfolgreichen Absenkung überzeugt. Während der Arbeit schweifen meine Gedanken ständig in die Höhlenteile hinter mir. Zum Glück hatten wir am Tag der Entdeckung etwas Zeit, uns einen Eindruck vom Höhlensystem zu machen. Das Potenzial, das hierin steckt, ist gewaltig. Bis zur Quelle ans Meer sind es sicher noch 10 km Luftlinie. Ein unabhängiges Höhlensystem bringt es da sicher auf 40 km. Die Schüttung der Quelle soll bei rund 4 m³/s liegen, das ist 4 mal so stark wie unser Höhlenbach schüttet. Ganz sicher stößt zu dieser Höhle mindestens ein weiteres Höhlensystem mit einem Höhlenbach von 2000 l/s. So wie sich der Höhlengang flussabwärts entwickelt, deutet alles auf eine Höhle hin, die in Java ihresgleichen suchen wird. Die Erforschung des von uns entdeckten Höhlenteils sollte unbedingt in Betracht gezogen werden. Dieses spektakuläre Forschungsprojekt würde durch die Entdeckung der möglicherweise längsten Höhle Javas noch an Bedeutung gewinnen.

Wir blicken ziemlich erschöpft auf die Uhr und stellen fest, dass es schon wieder 20 Uhr ist. Zeit für den Rückzug. Marco lässt alle seine Feinde, die großen Felsbrocken, zurück und vertagt den Krieg mit ihnen auf morgen. Wie schon so oft essen wir auswärts zu Abend. Direkt auf dem Rückweg nach Yogyakarta liegt an der Kante des Hochlandplateaus ein wunderschönes Restaurant mit Blick über die riesige Stadt. Das Lichtermeer ist beeindruckend und wir genießen den Abend, der wieder nicht vor 24 Uhr zu Ende geht.

02.08.2005 Dienstag

Endlich können wir morgens mal zwei Stunden gut machen und erreichen die Basis um 11.30 Uhr. Schon routiniert legen wir den einstündigen Weg durch Siphons und See zurück. Jetzt wäre eine abgespeckte Tauchausrüstung mit 2 x 5 l Tanks sehr angenehm. Die Tauchstrecken von 70 m sind damit sicher zu überwinden. Die Taucherei mit Badehose, Blaumann und ohne Haube ist echt krass. Bei 27° Wassertemperatur taucht es sich einfach toll, und in jeder Wassertiefe herrscht im Höhlenbach die gleiche Temperatur. Ich habe mir heute wieder ein kleines indonesisches Mittagessen mitgenommen, das mich bei Kräften halten soll.

Anfangs säubern wir noch mal das gestern tiefer gelegte Bachbett, um uns dann der zweiten Schwelle zu widmen. Sie beginnt ca. 25 m nach dem Ende der ersten und ist mit sehr großen Blöcken gepflastert. Diese weg zu bekommen, würde ein schnelles Tieferlegen ermöglichen, doch ihr Gewicht, ein echtes Problem! Es sind Brocken mit bis zu 150 kg dabei. Zuerst entfernen wir die größeren Teile. Marco ist wie immer auf dem Kriegspfad und hat schon den ganzen Gürtel voll Skalps. Teilweise müssen wir uns gegenseitig mit der Brechstange helfen, so schwer sind die Dinger. Die Geröllberge am Ufer wachsen immer höher, der Bach zieht immer mehr. Ab und zu werden wir einige Meter nach unten gespült. Die Anstrengungen der  letzten Tage machen sich nun bemerkbar. Trotz der Arbeit an der unteren Schwelle sind meine Gedanken an der oberen, denn wir bekommen zwar eine super Strömung von oben her, der Wasserspiegel wird sich aber heute noch nicht dramatisch absenken. Um den halben Meter zu erreichen, ist mindestens noch ein Tag nötig. Ob wir den haben, bin ich mir nicht sicher. Morgen brauchen wir eine Pause, sonst wird der Einsatz hier hinten zu gefährlich. Bekommen wir den Rückflug nicht auf Freitag verlegt, dann reicht die Zeit nicht mehr aus. Mittwoch wäre unser letzter Tauchtag. 24 Stunden vor Abflug wird nicht mehr getaucht, egal wie tief! Es wird also eng und der Erfolg der Grabung hängt allein vom Termin des Rückfluges ab. Was wäre wenn, soll aber nicht unser Planziel sein. Wir werden weiterhin alle notwendigen Arbeitsschritte 100 % vorbereiten und durchführen. Nur so kann es 100 % Erfolg geben.

Wir machen Mittag und ich genieße mein indonesisches Essen. Das Zeug schmeckt einfach gut und in der Höhle wird jedes Essen zur Delikatesse. Die Anstrengung nagt an unseren Knochen und vor allem an Handgelenken und Knien. Die scharfen Steine drücken ungemein. Ich wundere mich schon die ganze Zeit, warum ich mir noch keine blutigen Knie durch den dünnen Blaumann geholt habe. Na ja, ich wundere mich eigentlich schon seit Beginn des Auftrags, warum alles so glatt abläuft.

Um 18 Uhr ist die untere Schwelle so weit fertig wie auch wir. Jetzt geht es noch mal nach oben, um dort alles für eine Absenkung zu tun. Der linke Arm, der unheimlich hart verbackenes Sediment aufweist und durch die dort sehr niedrige Decke von nur 1,5 m Höhe schwer zu bearbeiten ist, muss unbedingt tiefer werden. Wir haben noch zweieinhalb Stunden zur Verfügung, dann geht es zurück. Das wird hart. Wir schuften wie die Blöden, jeder an seinem Platz, ohne recht viel zu reden.

Bis jetzt haben wir ca. 90 Tonnen Gestein bewegt. 4 – 5 t bräuchten wir noch, um einen halben Meter Absenkung zu erreichen. Es ist ein Kampf gegen die Zeit. Marco zweifelt immer mehr an dem, was wir die letzten drei Tage gemacht haben. Er tut mir richtig leid. Nachdem sich der Wasserspiegel heute auch nur um 5 cm gesenkt hat, ist er richtig am Boden zerstört. Und doch ist unsere Vorgehensweise richtig. Es muss das Maximale versucht werden, um ein Minimales zu erreichen und das haben wir getan. Wir beenden den harten Tag um 20 Uhr und mich beschleicht das Gefühl, nicht mehr hierher zu kommen. Wird es ein Abschied für immer? Aber was bedeutet schon für immer, in der Ewigkeit haben wir genug Zeit. Der arme Marco. Während der Zeit in Java habe ich ihn etwas kennengelernt. Beim Raustauchen denke ich ständig an die Höhlengänge, die wir vor vielen Tagen als erste Menschen betreten haben. Es freut mich total, die Höhle da hinten gesehen zu haben, aber auch, nicht zu wissen wie es weiter geht. Am Ende der Welt waren wir, am Ende der bekanten Welt und haben in eine noch nie betretene Welt geblickt. Es ist einfach faszinierend, was uns, die nach neuem Land auf unserem Planeten suchen, alles geschenkt wird.

Gemütlich schwimme ich hinter Marco her, der mir den Weg im Höhlensee ausleuchtet, wenn ich ab und an die Richtung im sichtbaren Bereich unserer Welt verliere. Ich fühle, wie mich meine Engel zum Abschied hinaus begleiten, und das macht mich etwas traurig. Dennoch bin ich froh, dass ich sie habe. Sie berühren täglich meine Seele.

1Die Stimmung des gesamten Teams ist nicht gerade auf dem Höhepunkt, als wir an der Basis ankommen und kurz darauf den Schacht verlassen. Leider haben wir nur knapp 29 cm Absenkung erreicht. Ob wir übermorgen noch mal hinter kommen? Es wird wieder mal 22 Uhr bis wir im Restaurant ankommen. Da ich den Namen nicht kenne, nenne es „Looking over Yogya“. Dort bekommen wir gleich, ohne etwas bestellt zu haben, den Tisch voll Essen. Richtig einheimisch. Super Fisch mit Reis. Ich denke daran, dass alles bald vorüber sein wird. Aber nur in der Realität, in meinen Gedanken und meiner Seele wird diese Forschungsreise mit ihren Erlebnissen immer ein zuhause haben.

1Zurück im Hotel sitzen wir noch kurz am Pool, trinken ein kurzes Bintang und erfahren vom sehr geknickten Jürgen, dass seine teure Kamera bei einem Wassereinbruch der Transporttonne zerstört wurde. Das Videoband konnte aber zum Glück vollständig gerettet und im Hotelzimmer mit dem Föhn getrocknet werden. Na, nicht gerade ein Glückstag fürs Team. Die Anstrengungen der vergangen Tage überwältigen mich und zwingen mich auf mein Zimmer in die Horizontale.

03.08.2005 Mittwoch

Gestern Abend haben wir erfahren, dass unser Maschine schon am Donnerstag um 15.30 Uhr Richtung Abendland startet. Das bedeutet kein Taucheinsatz mehr. Das heißt bis bald in der Ewigkeit, geliebtes Neuland. Eigentlich ist es ja auch gut so, denn dadurch können wir die notwendigen Maßnamen an der Gangblockade hinter der Wasserhaltung beenden.

1Zuvor aber zeigen uns Franz und Peter den oberstromigen Höhlenteil der Gua Bribin. Über den natürlichen Eingang erreichen wir das alte Sperrwerk, das seit Jahren zur Wasserversorgung einiger Ortschaften genutzt wird. Irgendwie haben Marco und ich ein etwas irritierendes Gefühl im Magen. Ihm liegt sein gestriger Zwischenfall im „Blind Date“ noch auf der Seele, und mir, ich weiß nicht was. Doch, weiß schon was, ein Engel. Das ist für mich aber nichts Bedrohliches und ich kann das etwas vernachlässigen. Die obere Höhle ist im Vergleich zum neu entdeckten Teil viel kleinräumiger. Dadurch stechen die Versinterungen, die für viele nur eine interessante Höhle ausmachen, mehr ins Auge. Selbstverständlich ist diese Höhle wunderschön, nur eben anders und nicht so gewaltig wie die neue mit ihren gewaltigen Versinterungen. Peter ist mit dieser Beschreibung zufrieden. Das kann ich von Marco nicht sagen. Er sieht echt schlecht aus, sodass ihn Peter nach draußen begleitet.

1Franz hat seinen Sohn schon mit dem Schlauchkajak zum Oberstrom gebracht und holt mich nun am Staudamm ab. Wir fahren mit zwei Booten. Einen Kilometer geht es durch angestaute wunderschöne Höhlenteile. Eine beeindruckende Fahrt. Für das neue Projekt wird dieser Höhlenteil vermutlich noch mal um einige Meter angestaut. Franz zeigt mir den sagenumwobenen ablaufenden Siphon, der etwa 400 l/s vom Höhlenbach abzwackt. Vermutlich wird der Siphon für die neue Wasserversorgung verschlossen. Ob das so gut ist? Wir treffen zu Franz Junior, der sich sehr selbstbewusst und sicher alleine in der Höhle aufgehalten hat. Ich bekomme von ihm einige schön geschliffene Sinterfragmente. Franz zeigt mir zum Abschluss der Javaexpedition den oberstromigen Siphon, in dem seit zwei Jahren eine dünne Führungsleine, vermutlich von Australiern, liegt. Nach seinen Informationen wurde der Siphon nicht durchtaucht. Die nächste Höhle soll sich in nur etwa 200 m Luftlinie von hier befinden. Also nur eine Verbindung zweier bekannter Höhlen, auch nicht schlecht. Vielleicht verbinden wir beide Höhlen bei einem Folgeauftrag.

1Um 15 Uhr fahren wir das letzte Mal mit dem Förderkorb auf -100 m Tiefe an die Baustelle. Noch mal gebe ich alles und werde nur durch den zusammen gebrochenen Akku der Bohrmaschine gestoppt. Ich bin so ausgepowert, dass ich während des Bohrens in Sekundenschlaf falle. Peter beobachtet die Arbeiten sehr aufmerksam und versucht sich am Ende selbst erfolgreich. Etwas Routine und er kann es! Um 18 Uhr besteigen wir den Förderkorb, nachdem ich mich von der Höhle und beim Geist dieser Unterwelt verabschiedet habe. Marco ist mit beiden Fränzen um 15 Uhr an die Küste gefahren und kam total begeistert im Hotel an. Er meinte „Ich wandere hierher aus und kauf mir ‚ne kleine Hütte.“ Ja, den Gedanken hatte ich auch schon mal!

Ein letztes Mal sitzt der Rest des Teams, der noch da ist, im Hotelrestaurant und feiert das Ende des Aufenthalts in Yogyakarta. Was für eine Zeit!

 

04.08.2005 Donnerstag

Tag der Abreise. Wir fliegen mit Martin um 15.30 Ortszeit Yogyakarta Richtung Heimat. Franz und Peter nehmen die Maschine am Freitag. Franz Junior hängt noch 2 Wochen Speläourlaub beim ASC an.  Der arme Punit bleibt für vier Wochen allein zurück, um die Pumpen in die Sperranlage zu bauen.

Der Rückflug wird für mich genauso schlaflos wie der Hinflug. Meine Gedanken sind gefesselt an Menschen und Ereignisse.

05.08.2005 Freitag

Um 06.30 Uhr landen wir in Frankfurt ohne Zwischenfälle. Nur an der Gepäckausgabe gab es etwa Stress. Meine Tonne kam 30 Minuten später als der Rest des Gepäcks in der Sperrgepäckausgabe an. Um 11.30 Uhr ist die Expedition nach Java am Nürnberger Hauptbahnhof für mich beendet. Vielen Dank an alle beteiligten Personen für ihre Hilfe und ihr Vertrauen.

Zwei Wochen nach unserer Rückkehr habe ich von Jens erfahren, dass es den Indonesiern erstmals gelungen sei, die Wasserhaltung vollständig leer zu pumpen. Nach weiteren Abdichtungen sollte es nun möglich werden, den Felsboden für den Betonsockel freizulegen.

Peter hat mir zwischenzeitlich mitgeteilt, dass die Überlaufrohre am Felsboden und das Stauwehr betoniert sind.

 

Beschreibung der wichtigsten Gangpassagen in den neuen Teilen der Höhle

Beide unterstromigen Siphons der Gua Bribin sind als äußerst gefährlich einzustufen.

Siphon Blind Date

Man darf sich von der scheinbar nur geringen Tauchtiefe –6 m und einer Länge von ca. 7 m nicht hinreisen lassen, diesen Siphon ohne Begleitung eines erfahrenen Höhlentauchers zu betauchen. Der Siphon ist durch seine unregelmäßige Wandstruktur und messerscharfen Felszacken, die großflächig abbrechen können und den Taucher erheblich gefährden, sehr anspruchsvoll. Die Führungsleine wurde links am Eingang zum Siphon in einer Wassertiefe von ca. 60 cm an einer Felszacke befestigt. Mit Maske und Schnorchel ist diese Stelle wieder zu finden. Die Leine führt dann direkt auf -6 m, komplett durch den Siphon, und taucht erst nach ca. 30 m an einem Unterwassertropfstein wieder auf. Dort ist sie mit Gummibändern befestigt.

Siphon 1 „Shark Bites Goat“

Dieser Siphon ist aufgrund seiner Länge von mehr als 50 m und seiner Tiefe von –6 m sehr anspruchsvoll und erfordert viel Erfahrung. Die Wassertrübung setzt auch bei momentan guter Sicht (2 m) durch Ablösung der Schlammschicht an der Decke auf Grund ausgeatmeter Luftblasen sehr schnell ein. So verringert sich die Sichtweite auf nur wenige Dezimeter. Bei Wandkontakt brechen große Felsstücke aus. Dadurch besteht ein erhöhtes Sicherheitsrisiko. Die Führungsleine ist am Siphonbeginn an einer Sanduhr über dem Wasserspiegel angebunden. Sie führt ca. 5 m entlang einer sehr zerfressenen Decke in eine Luftglocke. Von da aus taucht sie steil auf –6 m ab und läuft am Boden entlang der sehr brüchigen und zackigen Siphonwand 60 m weiter bis sie am Ufer des neuen Höhlenganges auftaucht. Dort ist sie an großen Felsblöcken mit Gummibändern befestigt.

Absenkung des Wasserspiegels

In der zur Verfügung gestandenen Zeit war es nicht möglich, den Wasserspiegel auf einer Länge von ca. 700 m um mehr als 35 cm abzusenken. Der Bachboden wurde dennoch so vorbereitet, dass es innerhalb von 8 Tagen möglich wäre, weitere 70 cm zu erreichen. Unter Umständen könnte sich dadurch auch der erste Siphon „Blind Date“ öffnen.

Die neu entdeckten Höhlenteile

Hinter dem Siphon „Snake Bites Goat“ öffnen sich die Tunnels einer außergewöhnlichen Höhle. Die während einer kurzen Exkursion befahrenen Höhlengänge von ca. 1,5 bis 2 km Länge deuten in ihrem Gesamtbild auf ein überaus interessantes und wichtiges Höhlensystem der Insel Java hin. Es kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei der Gua Bribin um eines der größten Höhlensysteme Javas handeln könnte.

Die Dimensionen der Höhlengänge sind mit Durchmessern von 40 auf 30 m gewaltig. Bei einer derzeitigen Schüttung von ca. 1500 l/s fehlen am Quellaustritt an der Küste mehrere 1000 l/s. Es ist anzunehmen, dass ein weiteres großes Höhlensystem zur Gua Bribin stößt und die fehlenden Wassermengen liefert, was die Gesamtganglänge der Höhle auf mehrere 10000 m ansteigen lassen kann.

Eine genaue Vermessung der hinter den Siphons liegenden Höhlenteile würde die Gua Bribin noch mehr ins Licht der Öffentlichkeit bringen, und in Verbindung mit dem geplanten Wasserbewirtschaftungsprojekt ganz neue Dimensionen eröffnen.

Umgehung des Siphon 2 „Shark Bites Goat“

Kurz vor dem Beginn des zweiten Siphons stößt ein 8 x 12 m großer Höhlengang an den „Snake Lake“. Über dem gesamten Seebereich konnten wir Fledermäuse beobachten. Es ist davon auszugehen, dass diese über den ankommenden Höhlengang einfliegen, was eine großräumige Verbindung zur Oberfläche vermuten lässt.

Hinter dem Siphon 2, kurz nach der Auftauchstelle, führt in ca. 15 m Höhe an der Decke einer großen Halle ein rückläufiger Höhlengang weiter. Es hat den Anschein, als läuft dieser parallel zum Siphon 2 und stößt dann auf den Wassertunnel am „Snake Lake“. Dies würde unter Umständen eine Umgehung des gefährlichen Siphons 2 ermöglichen.

Danksagung

Mein ganz besonderer Dank gilt Prof. Franz Nestmann von der Universität Karlsruhe, auch für die zur Verfügungstellung seines Bildmaterials in diesem Beitrag. Peter Oberle, Jens Kappler, Marco Wendlberger und dem gesamten Team für ihre vorbildliche Unterstützung und ihr Vertrauen, das sie mir gegenüber erwiesen haben.

 

1
Auch diese herzlichen Menschen werden mir immer in Erinnerung bleiben

 

© whf

Petrusquellhöhle    Wolfsblutschacht    Mühlbachquellhöhle     Bottelmühlhöhle    Indonesien/Java

Hintergrund
 

Expeditionsbericht 2005

Expeditionsbericht 2006
 
 

Fotos 2005

 
Fotos 2006