Beschreibung und Skizzen der Gua Bribin

Bei der Gua Bribin handelt es sich um ein Teilstück eines insgesamt sehr langen Wasserhöhlensystems mit einem Einzugsgebiet von ca. 150 km². Dabei erstreckt es sich in einer  Horizontaldistanz auf ca. 20 km und wird immer wieder von teils unbetauchten Siphons unterbrochen. Das oberstromige Ende der Höhle bildet zurzeit ein noch nicht völlig durchtauchter Siphon, der in einer Entfernung von ca. 200 m einen weiteren oberstromigen Teil dieses großflächigen Wasserhöhlensystems erreicht. Die durchschnittliche Schüttung des Systems schwankt je nach Jahreszeit etwa zwischen 1,5 m³/s und 15 m³/s in der Monsunzeit. Dabei kann der Wasserstand in Teilen des Höhlensystems bis zu 10 m ansteigen. Fossile und wasseraktive Seitengänge treffen vorwiegend aus Norden auf den Vorfluter. 

Die unterstromigen Siphons der ca. 4 km langen Gua Bribin wurden 2005 durchtaucht. Im Mai 2006 ereignete sich im Gebiet der Höhle ein Erdbeben der Stärke 6,2. Darauf hin staute sich der unterstromige Teil der Gua Bribin zwischen der Baustelle Kraftwerk und dem Anfang der Gangblockade auf 485 m Länge und einer Höhe von 2,5 m an. Diese Situation gefährdete die weiteren Baumaßnamen am Kraftwerk. Um die Ursache des Wasseranstaus festzustellen wurde ein erneuter Höhlentaucheinsatz geplant, der sich später als äußerst schwierig erwies, da die gesamte Strecke (325 m) zwischen Blind Date und Anfang Gangblockade fast völlig siphonierte.

Dennoch gelang es innerhalb von drei Tagen, Siphons in einer Länge von insgesamt 280 m, bei für einen derartigen Einsatz äußerst unzureichenden Sichtverhältnissen, zu durchtauchen und die Ursache des Wasseranstaus definitiv zu klären. Ein riesiger Felssturz von ca. 1750 t Gestein und Lehm blockierte den Höhlengang am Ende des Siphons Shark Bites Goat (SBG) auf 21 m Länge, max. 10 m Breite und einer Höhe von ca. 4 m.

Die weitere Erkundung des unterstromigen Höhlenteils ab SBG auf einer Länge von etwa 700 m, zeigte keine weiteren durch das Erdbeben ausgelösten Versturzereignisse. Auch das erneute Erdbeben der Stärke 7,2, das sich während unserer Planaufnahme des Gangversturzes und der Erkundung der unteren Höhle, in ca. 400 km Entfernung vor der Küste Javas ereignete, verursachte in den untersuchten Höhlenteilen keine weiteren Schäden.

Der Höhlengang nach Siphon SBG nimmt stromabwärts stetig an Dimension zu. Immer wieder wechseln Tunnelprofile mit einem Durchmesser von bis zu 15 m mit noch riesigeren Versturzhallen, deren Höhe nur schwer erkennbar ist, ab. Mächtige fossile Versinterungen haben sich teilweise von Wänden und Decke gelöst und liegen als Gangblockade im Höhlenbach. Dieser gräbt sich in Gefällestrecken teils 4 – 5 m tief in den Kalkboden ein und bildet bizarre Felsstrukturen, die an Geschichten wie „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ von Jules Verne erinnern. Der Endpunk von 2005, eine enorme Halle von ca. 30 m Höhe, 50 m Breite und offenem Ende, konnte diesmal aus Zeitmangel wieder nicht erreicht werden.

Auch an die Stelle, an der vergangenes Jahr ein teilweise aus dem Felsboden herauspräparierter Unterarmknochen eines Flugsauriers gefunden wurde, kamen wir nicht.

 

 

Über den 100 m tiefen Aufzug erreicht man in 5 Min. den Höhlenbach. Das Tauchgerät wird am Grund des Schachtes noch im Aufzug angelegt und nach wenigen Metern Schwimmstrecke taucht man durch ein ca. 1 m großes Loch der unteren Kraftwerksmauer in den fast bist zur Decke wassererfüllten Höhlentunnel. Nach weiteren 30 m senkt sich die Führungsleine in den Siphon 0. Er stellt mit 1,5 m Wassertiefe und 40 m Länge kein Problem dar.

Nach der Auftauchstelle führt die Leine weitere 10 m an die Decke des Höhlenganges. Von hier aus schwimmt man 80 m durch einen zunächst noch niedrigen Tunnel, dessen Charakter sich aber schnell in eine hohe, lang gestreckte Halle ändert. An der westlichen Wand eines großen 15 m breiten und 40 m langen Sees beginnt die Siphonstrecke der 2005 entdeckten unterstromigen Höhle.

 

 

Siphon Blind Date zieht Richtung Westen steil in eine Tiefe von -6 m, um dann auf den nächsten 25 m langsam auf -2,5 m anzusteigen. An einem 2 m breiten Unterwasser-Stalaktiten ist die Leine befestigt. Hier befand sich 2005 der Anfang der Schwimmstrecke im 250 m See. Nach weiteren 15 m erreicht man eine niedrige Luftglocke mit einem Durchmesser von ca. 6 m, in der sich Siphon Blind Date fortsetzt.

Die Höhlendecke zieht nun zunächst langsam fallend Richtung Südwest bis auf -2,5 m, um nach 15 m wieder in einen Unterwasserraum aufzusteigen, der fast bis an die Wasseroberfläche reicht. Kurz darauf führt die Decke in einem teils 9 m breiten Tunnel nochmals auf -5 m. Nach insgesamt 45 m Tauchstrecke erreicht man an der nördlichen Höhlenwand das Ende des Siphons.

 

 

In einem ca. 6 m breiten Wassergang schwimmt man nun 1,5 m unter der Decke weitere 30 m Richtung Westen. Nach einem niedrigen Fenster, das beinnahe die Wasseroberfläche erreicht knickt der Gang in einen weiträumigen See Richtung Südost ab. Der folgende Siphon Stalactite Forest wird 10 m weiter erreicht. Er geht weiter nach Südwesten.

Ziemlich gerade taucht man diesen 45 m weit bis auf -5 m an der Decke entlang, durch unzählige Stalaktiten,  um wiederum  in einer niedrigen 20 m langen Luftglocke  aufzutauchen.

Man befindet sich hier mitten in einem Wald aus hunderten von Stalaktiten durch die man teils im Slalom schwimmend, teils aber nur tauchend erneut deren östliches Ende erreicht. 

Hier schließt sich in gleicher Richtung Siphon Short Journey an. Er führt in 1,5 m Tiefe nach 10 m in eine hohe lufterfüllte Halle. Das Rauschen eines von der Decke stürzenden kleinen Gerinnes lockert die eintönige Stille der bisherigen Strecke etwas auf.

Am östlichen Rand der Halle erreicht man den letzten Siphon, Shark Bites Goat. Er führt mit 100 m Länge bis auf -10 m Tiefe. Die Wände sind sehr scharfkantig und brüchig. Der steile Aufstieg aus -4 m Wassertiefe, entlang eines Hallenverbruchs, kündigt das Ende der Siphonstrecke an. Über fossile Verbruchblöcke verlässt man den kleinen See und steigt einige Meter nach oben, um dort das Tauchgerät abzulegen.

 

 

Nach wenigen Metern ist der gewaltige Berg aus mächtigen Verbruchblöcken zu erkennen. Aus der Ferne ertönt leise das Rauschen des Baches, der sich seinen Verlauf durch den Untergrund bis ans Ende des Verbruchs gebahnt hat. Der Weg über die sehr verschlammten Blöcke gestaltet sich schwierig und nicht ungefährlich, da sich das Blockwerk bis jetzt noch nicht verdichtet und gesetzt hat. Vorsicht ist geboten, um sich nicht zu verletzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Ende des Verbruchs tritt der Höhlenbach an zwei Stellen wieder aus und fließt ohne weitere Hindernisse, mit einem Gefälle von etwa 4 m, nach mehreren hundert Meter in eine große Halle. Sie stellt das offene Ende unserer Befahrung dar.

 

 

 

 

© whf

Petrusquellhöhle    Wolfsblutschacht    Mühlbachquellhöhle     Bottelmühlhöhle    Indonesien/Java

Hintergrund
 

Expeditionsbericht 2005

Expeditionsbericht 2006
 
Plan Gua Bribin
 

Fotos 2005

 
Fotos 2006