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Beginn der Erforschung des Höhlenzugangs

Nach der Entdeckung des Höhleneingangs, die eigentlich wie im Handstreich verlief, begann nun die überaus gefährliche und aufwändige Arbeit in der Höhle. Dabei war ich ab dem ersten Siphon der Höhle bis auf drei Befahrungen alleine auf mich gestellt.

13.06.2003 Freitag: Verschluss des neuen Höhlenzugangs

Vormittags stellte mir das Bauunternehmen Templer ein Stromaggregat und Schweißgerät zur Verfügung, um die Türe an den Höhleneingang zu schweißen. Ich bin kaum fertig, als es gegen Mittag immer dunkler wird und hoch über mir leises Donnern zu hören ist. Das deutete auf nichts Gutes hin, weshalb ich alle Geräte und Werkzeuge schnell in meinem Bus verstaute. Kurz darauf, geht es auch schon los. Es fiel innerhalb von zwei Stunden 170 l/m² Regen über dem Einzugsgebiet der Höhle nieder, und langsam verwandelte sich die Wiese vor mir zum See. Die nächsten zwei Tage komme ich hier wohl nicht mehr raus, denke ich während das Prasseln der Regentropfen auf meinem Autodach immer leiser wird.

1Doch irgendwas stimmte hier nicht. Nachdem der Regen vorbei war, konnte man, obwohl sich die Blätter über mir an den Bäumen nicht bewegten, ein leises Rauschen wahrnehmen. Ich verlasse den Wagen und gehe zu den Leuten, die an der Straße stehen, die zur Hochfläche führt. Das Rauschen wird immer lauter. Dort angekommen, sah ich einen 3 m breiten Bach, der im „Güßgraben“ Richtung Neubausiedlung Deising donnerte. So etwas hatte ich im Altmühltal noch nie gesehen. Einheimische erklären mir, dass sich dieses Phänomen etwa alle 10 - 15 Jahr wiederholt. Aber warum gerade einen Tag nach der Entdeckung der Höhle und dann noch am Freitag den 13.? Um 18 Uhr ist der Spuk vorbei. Auch Mühlbach, Meihern und Deising verursachten diese Niederschläge unheimliche Verwüstungen. Bis zu 20 LKW Geröll wurden aus den Ortschaften gefahren.

1Wir saßen abends im Himmelreich bei einer wohl verdienten Maß Bier, als Einheimische in die Wirtschaft stürmten und uns zuriefen: „Der Balamo-Irschling bricht auf“. Mir war sofort klar, das konnte nur die kleine Hungerquelle über der Neubausiedlung sein. Als wir dort ankamen, bot sich uns ein atemberaubender Anblick. Aus verschiedenen Löchern im Waldboden traten 30 cm hohe Geysire aus, und ein Bach, so groß wie die Mühlbachquelle (250 l/s), ergoss sich in den „Güßgraben“ und schon wieder ins Neubaugebiet. Immer wieder kontrollierte ich nun den drei Meter tiefen Eingangsschacht. Ich konnte mir vorstellen, dass die Eingangshalle jetzt schon einige unter Wasser stand. Um 23 Uhr besuchte mich ein Einheimischer noch mal und war fix und fertig. Mit weit aufgerissenen Augen kam er angelaufen und meinte: „Wenn jetzt der „Mühl-Irschling“ aufbricht, dann kann ich mich aufhängen“. Ich versuchte ihn zu beruhigen, was mir vermutlich nicht gelang, war mir aber sicher, dass diese Niederschläge nicht für einen Ausbruch genügen würden. Um 3.20 Uhr kontrollierte ich das letzte Mal den Schacht zur Höhle. Alles war trocken.

14.06.2003 Samstag

1Nach dem der Eingangsschacht trocken blieb, entschließe ich mich, heute das Türloch aus dem untersten Schachtring zu bohren. Mit einem schweren Bohrhammer setze ich 100 Löcher. Ein kurzer Schlag mit dem 10 kg Schlegel auf den Betonring und das Türprofil platzt in einem Stück heraus. Später inspizierte ich die Höhle genauer, und finde dabei fußballgroße Löcher im lockeren Verbruchboden an der Felswand entlang. Der gesamte Bereich ist von den immer wiederkehrenden Wassermassen deutlich frei gespült. Ich werfe mehrere Steine nach unten, bis einer tatsächlich ins Wasser fällt. Durch eines der Löcher kann ich ca. 3 m in die Tiefe blicken. Da unten geht’s also weiter. Mir wird sofort klar, hier muss wieder einer meiner Käfige eingesetzt werden, um einen sicheren Zugang zu schaffen. Der muss aber erst gebaut werden.

Mittags bin ich fertig und fahre nach Mühlbach, um mich nach den Überschwemmungsschäden bei Fam. Betz, dem Besitzer der Mühlbachquellhöhle zu erkundigen. Glücklicherweise blieben auch sie verschont. Kaum treffe ich beim Landgasthof Mehringer ein, um ein kühles Bierchen zu trinken, fängt es wieder an, wie aus Kübeln zu gießen. Die Blitze zischen nur so vom Himmel. Nach zwei Stunden Platzregen stürzen fast dieselben Wassermassen wie gestern von den Hängen ins Tal. Die Schäden hielten sich aber diesmal in Grenzen.

15.06.2003 Sonntag

Heimfahrt nach Nürnberg. Baue bis zum Mittwochabend einen 3,5 m tiefen Schachtkäfig und einen wasserdichten Verschlussdeckel. Dieses von mir entwickelte Stützsystem eignet sich hervorragend dazu, einen ca. 70 x 70 cm großen Stollen in jede Art von Felsverstürzen über und unter Wasser zu bauen.

20.06.2003 Stützkäfigeinbau

11Ralph baut mit mir den Schachtkäfig in den Bodenverbruch der Eingangshalle. Der gesamte Bereich federt regelrecht unter unseren Füßen. Vorsichtshalber bohre ich einen  Anker in die Wand, damit mich Ralph beim Einsetzen des ersten Segmentes sichern kann. Denn es besteht die Gefahr, dass der ganze Boden mit mir in den darunter liegenden See abrutscht. Alles geht sehr schnell von der Hand. Nach einem Meter treffen wir aber auf derart große Felsblöcke, dass deren Zerstörung den gesamten Bodenbereich instabil machen würde. So entschließe ich mich, durch ein kleines Loch im Boden in den darunter größer werdenden Verbruchraum zu kriechen. Die Entscheidung nichts mehr zu verändern war richtig. Dort unten liegen viele große Blöcke nur an ihren Kannten verankert übereinander. Weiter bewege ich mich nach unten. Alles ist mit einer dicken Schlammschicht überzogen. Das Bild der Höhle setzt sich immer deutlicher vor meinen Augen zusammen. Und dann sehe ich es, das Wasser. Ein Jubelruf nach oben, der aber nicht gerade auf Begeisterung stößt. Genauer betrachtet war es das auch nicht. Vor mir tut sich ein flacher See in einer Siphonkammer von etwa 3 x 3 m und 1,5 m Höhe auf. Hier geht vermutlich ein 3 m breiter temporärer Siphon ab. Ich stelle mir vor, dass die Höhlendecke nur 1 cm unter Wasser ist. Der Verbruch, durch den ich abgestiegen bin, ist furchtbar gefährlich. Ein Fehler und ich komme nie mehr raus. Trotz aller momentanen Widrigkeiten habe ich gar kein so schlechtes Gefühl. Was die Fortsetzung anbelangt ist doch alles perfekt. Unter der Decke scheint der Siphon 50 cm tief zu sein, und wird dann hoffentlich noch tiefer. Da der Luftzug im Schacht seit dem Ausbruch des „Balamo-Irschlings“ ausgeblieben ist, gehe ich davon aus, dass sich der Wasserspiegel noch senkt und einen Luftspalt zur dahinter liegenden Höhle freigibt.

21.06.2003 Samstag

Ich räume mit Ralph die Grabungsstelle auf und kontrolliere nochmals den Wasserstand, der seit gestern um 5 cm gesunken ist. Abends Grillfeier in Mühlbach mit dem Team des Bayerischen Fernsehens, das die ersten Dreharbeiten für den Filmbeitrag über die Mühlbachquellhöhle in „Bergauf Bergab“ tätigte. Verbringe die Nacht in Deising am Lagerfeuer.

26.06.2003 In der Eingangshalle

Der Luftzug im Schacht hat wieder eingesetzt. Treffe Vorbereitungen, um am Samstag den Abstieg zum Siphon zu sichern. H-Träger besorgt und zugeschnitten. Transport in die Höhle. Das Wasser ist wieder glasklar, deshalb entschließe ich mich kurzerhand mit Schnorchel und Maske die Felswand des 3 m breiten Siphons zu untersuchen. Schnell trübt der kleine See ein. Mit den Füßen taste ich den Boden ab, finde aber keinen Abgang zu einem Siphon. Aber irgendwo muss ja das Wasser herkommen. Brechen ab und planen für Samstag eine Pumpaktion.

28.06.2003 Samstag: Pumpaktion

Ralph und Micha kommen um 10 Uhr. Haben eine große Schlammpumpe von der Feuerwehr aus Riedenburg bekommen. Damit wollen wir versuchen den Wasserspiegel des Siphons abzusenken. Zuvor stützen wir den gefährlichen Abstieg vor dem Siphon mit schweren H-Stahlträgern. Um 16 Uhr beginnt die Abpumpaktion. Der Wasserspiegel senkte sich auch nach stundenlangem Pumpen bei 1000 l pro Minute nur um 3 cm. Nun war klar, dass der kleine See direkt mit dem Höhlenbach korrespondiert.

05.07.2003 Samstag: Pumpaktion und erster Tauchgang

1Noch einmal wollen wir mit einer noch größeren Pumpe versuchen, den Wasserspiegel zu senken. Auch diesmal fällt der Siphon trotz einer Pumpleistung von 4000 l pro Minute wieder nur um 3 cm. Brechen erneut ab. Da sich nun im Boden des Siphons ein geräumiges Loch gebildet hat, will ich versuchen bei einem Tauchgang im völlig eingetrübten Wasser mehr zu erfahren. Ich hole meine Tauchausrüstung aus dem Auto und bereite mich mit einer schmalen 3 l Flasche, zum ersten Mal in dieser Höhle, auf eine Unterwassergrabung vor. Bei absoluter Dunkelheit arbeite ich mich einen Meter tief unter den Deckenabsatz, bis ich einen zweiten Versatz mit meinen Füßen ertasten kann. Komme nach 10 Minuten wieder hoch, um mich zu erholen. Beim zweiten Versuch flutsche ich in einen schmalen Spalt, der an Verbruch endet. Dort breche ich ab und habe vorerst die Nase gestrichen voll! Da unten wird man fast verrückt. Man ist völlig von zähem Schlamm und Dunkelheit umhüllt. Der Rücken schrammt an der Siphondecke, die Hände können nur unter dem Bauch nach oben oder unten geschoben werden und man bleibt ständig hängen.  Ich bin zwar nur 2 m von Ralph entfernt, der mich mit einem Höhlenseil sichert und mir durch festes Ziehen beim Herauskommen hilft, dennoch habe ich das Gefühl, die Wasseroberfläche sei unendlich weit entfernt. Immer wieder versuche ich durch rauf- und runterschlufen zu testen, ob ich noch gut rauskomme. Mit Händen und Füßen versuche ich, den Lehm zur Seite und nach unten zu drücken, um weiter zu kommen. Es ist einfach schrecklich. Mein Puls rast durch die enorme Anstrengung und den Stress. Der Luftverbrauch steigt schnell an. Das Donnern der Luftblasen in dieser engen Schlammröhre tut sein übriges, um ein überaus unangenehmes Gefühl zu produzieren. Am Ende bin ich fast 2 m in dem völlig zugeschlammten Siphon nach unten gekommen.

06.07.2003 Unterwassergrabung

1Habe meine beiden 5 l Tanks in Riedenburg füllen lassen. Es geht wieder hinein in diesen ekligen Schlammsiphon. Ich stehe ganz schön unter Stress, bin aber sehr konzentriert. Ralph ist wieder dabei und unterstützt mich psychisch durch unseren Kontakt zum Höhlenseil. Heute kann ich wesentlich länger unter Wasser bleiben, bis mir die Luft ausgeht. Anfangs habe ich große Schwierigkeiten, den Abgang nach unten zu finden. Ich erreiche seltsamerweise immer einen schmalen Schluf, der im Verbruch endet. Ich bin nicht da, wo ich gestern war. Doch nach mehreren Versuchen stecke ich mit den Füßen wieder im weichen Schlamm und es kann weiter gehen. In zwei Meter Wassertiefe kann ich einen kleinen Deckentropfstein erfühlen, der mich fortwährend in den Rücken sticht. Ich will ihn aber nicht beschädigen, denn er ist der Beweis, dass der Wasserspiegel des Siphons schon einmal lange Zeit unter diesem Tropfstein gelegen hat. Je weiter ich nach unten komme, umso furchtbarer wird das Ganze für mich. Ich stehe total unter Hochspannung und will eigentlich nur raus. Aber ich muss bleiben, sonst gehe ich hier nie mehr hinein, und das Projekt wäre gestorben. Nach über einer Stunde Tauchzeit breche ich total erschöpft ab. Bin nun schon fast 5 m weit und 3 m tief im Siphon vorgestoßen. Es muss doch endlich mal aufgehen. 

Das Projekt in Augenschein genommen haben:

Bürgermeister M. Schneider, Herr Köchel Donaukurier, Bürgermeister Uhl Beilngries, Landrat Niederbayern Dr. Faltermeier, Kreisarchäologe LRA Kelheim Dr. Michael M. Rind, Herr Littel Untere Naturschutzbehörde.

11.07.2003 Unterwassergrabung

1Mit einem ganz unguten Gefühl trete ich heute meine Arbeit an. Der Stress der letzten Tauchgänge legt sich auf meine Psyche. Wenn ich heute keinen wesentlichen Erfolg habe, glaube ich nicht, hier weiter machen zu können. Wieder geht es tief ins Dunkel dieser Schlammröhre hinunter. Ich habe diesmal schon gar keine Helmlampe mehr dabei, denn ich werde eh nichts sehen. Ralph wird mir am Siphon Licht spenden. Ich grabe, stampfe und strample mich immer tiefer. Nach 60 Minuten rutsche ich nach unten ins Nichts. Ich liege mit dem Bauch auf einem Lehmabsatz und traue mich keinen Millimeter mehr weiter. Wie lange ich so verweilt habe, weiß ich nicht. Mir war nur eines klar, hier traue ich mich heute nicht mehr rein. Trotz allem tauche ich nochmals zu Ralph hoch, hole meine Lampe, wage einen kurzen Blick über die Kante und stelle überaus glücklich fest, dass sich die Trübung des Wassers mit Aufklarungen abwechselt. Bin ich etwa schon im Hauptwasserlauf? Ich ziehe an der Leine, und Ralph dirigiert mich nach oben. Verständlicherweise ist er etwas enttäuscht von meinem Bericht, denn er traut sich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht so recht unter Wasser in die Siphons.

12.07.2003 Samstag

1Die Flaschen sind wieder voll. Ralph und Micha machen Tauchaufsicht. Mit der Führungsleine geht es 4 m tief an die Decke der Unterwasserhalle. Die Sicht ist hinter der Engstelle klar und ich fühle mich das erste Mal seit dem Beginn der Unterwassergrabung wieder wohl. Die Angst ist auf ein erträgliches Maß zurückgegangen. Unter der ebenen Höhlendecke tauche ich an der linken Steilwand entlang, und erreiche nach 12 m Gesamttauchstrecke eine von unten ansteigende Lehmhalde. Am oberen Ende fließt mir unter der Felsdecke aus einem 20 cm hohen Wasserspalt der klare Höhlenbach entgegen. Man kann ca. 3 m weit einsehen. Da es hier momentan kein Weiterkommen gibt, versuche ich den Wasserablauf zu finden. Langsam gleite ich mich an der südlichen Hallenwand in die Tiefe. Die Sicht ist mittlerweile sehr schlecht. Nur schemenhaft kann ich die Wandumrisse erkennen. Die einfallende Lehmwand läuft trichterförmig auf eine 2 m breite Verbruchzone am Grund des Siphons zu. Hier kann ich gerade noch frei gespülte Felsblöcke erkennen, bevor es dunkel wird. Wasserströmung war hier nicht mehr festzustellen, da der Durchlass vermutlich zu klein und das Wasser zu eingetrübt ist. Ich breche hier ab und will nach oben. Doch die Führungsleine, die meine Rolle verlässt, ist völlig locker. Ich versuche sie aufzurollen und auf Spannung zu bringen. Dabei stelle ich fest, dass sie sich einige male an mir vergriffen hat. Wie toll, gleich beim ersten Mal verhängt. Nach einigen Minuten komme ich wieder frei und folge dem Zug der Führungsleine durch den stockfinsteren Siphon nach draußen. Bin froh, wieder Freunde zu sehen.  

18.07.2003 Freitag: Die nächste Unterwassergrabung

Ralph macht Tauchaufsicht. Ich habe 23 m Führungsleine bei mir und verlege diese unter Zuhilfenahme von 4 PVC-Rohren als Verankerung bis zur neuen Unterwasser-Grabungsstelle im Siphon. Da der Luftvorrat noch ausreicht, entschließe ich mich, einen kurzen Grabungsversuch zu wagen. Der Geräuschpegel der entsteht, ausgelöst durch die Luftblasen meines Reglers an der Siphondecke, zeigt seine Wirkung. In vollkommener Dunkelheit donnert es um mich herum als läge ich unter Trommelfeuer-Beschuss im Schützengraben eines fernen Kriegsschauplatzes. Eigentlich will ich nur weg von hier. Aber jeder unter Stress vollzogene Abbruch bedeutet später eine noch größere psychische Belastung. Ich habe jetzt schon meine Grenzen überschritten. Die einstündigen Tauchgänge der letzten Grabungen verlangten mir jedesmal eine fast einwöchige Regenerationsphase ab. Aber es muss weitergehen, zumal ich nun den Kontakt zu meiner Höhle wieder gefunden habe. Das Sediment des Unterwasserschlufs besteht vollkommen aus weichem Schlick, der sich überraschend gut abstechen lässt. Zwei Meter komme ich weiter und breche dann nach etwa einer Stunde unter Wasser ganz zufrieden ab. Ralph hat sich schon gedacht, dass ich es nicht lassen konnte einen Grabungsversuch zu wagen. Für morgen wird eine Fortsetzung des Tauchgangs geplant. Noch am Abend besuche ich meine Wölfin im Altmühltal, die mich bei meinen Einsätzen an diesen unwirklichen Ort begleitet, und mir die Kraft gibt, hier weiter zu machen.  

19.07.2003 Samstag: Die Hölle

Die Flaschen sind voll, Ralph und Micha sind mit von der Partie. Ich bin super drauf und tauche für die nächsten 60 Minuten in die schwarze tiefe Finsternis, in die absolute Einsamkeit. Im Gedanken nehme ich meine Wölfin mit. Sie sagt mir wann Gefahr droht. Beim Eintauchen in den ersten zwei Metern des Schlufs fällt mir auf, wie groß dieser schon ist. Das ankommende klare Wasser gibt die Sicht in weitere 4 m der Fortsetzung frei. Das beruhigt ungemein. 30 cm weise steche ich mit beiden Händen den weichen Lehmboden vor mir ab. Ich grabe mich an der linken Wand des Siphons entlang. Wenn genügend Sediment unter mir deponiert ist, muss ich damit immer wieder zurück in die Halle tauchen, um es dort abzuladen. Die Führungsleine habe ich rechts im Schluf entlang verlegt, damit sie beim Rein- und Raustauchen nicht stört. Ich komme gut voran. Nur der Automatenwechsel ist nicht sehr angenehm. Am Lehmboden zeichnen sich Strömungslinien ab. An der Decke haben sich große Fließfacetten gebildet. Deutlich ist das Ansteigen der Höhlendecke zu erkennen, denn auch die Luftblasen ziehen der Wasserströmung entgegen ins Unbekannte. Die Unterwasserspalte wird langsam größer, so dass ich immer weniger zu graben habe. Nach ca. 8 m ist hinter einer letzten Strömungswelle eine großräumige Fortsetzung zu erkennen. Ich denke schon die ganze Zeit ans Abbrechen, aber es zieht mich förmlich in diesen Raum. Luft ist noch O.K. Führungsleine reicht auch noch einige Meter in die Halle. Also alle inneren Schweinehunde überwinden und weitermachen. Der letzte halbe Meter Sediment wird nach vorne in die Halle geschoben. Dann zwänge ich mich durch. Links vor mir zieht die Höhlenwand senkrecht nach unten. Rechts öffnet sich der große Unterwasserraum entlang einer nach links abfallenden Lehmwand. Es gelingt mir zwei Meter weit vorzudringen. Alles erinnert an die erste Unterwasserhalle, nur ist diese hier viel größer. Die Strömung kommt mir auch hier wieder unter der rechten Hallendecke entgegen. Ich habe heute mehr erreicht als ich mir erträumte, und breche hier am Ende der 23 m langen Führungsleine ab. Mit etwas Glück steigt die nur noch 1,5 m unter Wasser liegende Höhlendecke bald in den lufterfüllten Höhlengang auf. Abends besuchen die Wölfe den Rosskopf.

23.07.2003 Mittwoch: Tag des Durchbruchs im Psycho-S1

Mit dem restlichen 19 m meiner Führungsleine will ich die 2. Unterwasserhalle erkunden. Um 19.30 Uhr tauche ich ab. Der Unterwasserschluf bereitet mir keine Schwierigkeiten mehr, und ich fühle mich richtig gut. Schnell bin ich am 2. Schluf, der mir jetzt geräumiger vorkommt als damals beim Ausgraben. Auch hier bin ich schnell durch und erreiche das Ende der abgelegten Führungsleine. Meine Devise, alles gleich von Anfang an großräumig auszugraben, macht sich wieder mal bezahlt. Aus einem kleinen Beutel ziehe ich die neue Leine, binde sie mit der alten zusammen, und tauche in die Weiten des unbekannten Siphons ab. Links unter mir in sechs Meter Wassertiefe sehe ich eine etwa ein Meter hohe Spalte, in die vermutlich ein Großteil des Höhlenbaches verschwindet. Beim Vorbeitauchen denke ich mir, dass man hier unbedingt eine Seilklemme benötigt, um am Rückweg aus dem Siphon, gegen die starke Strömung in dieser Düse anzukommen. Ein Blick auf den Tiefenmesser beruhigt mich. Nur noch ein Meter Wassertiefe! Die Luftblasen laufen schnell vor mir an der Höhlendecke entlang Richtung Neuland.

Nach einigen Metern durchbreche ich den Wasserspiegel des ersten 35 m Siphons der Petrusquellhöhle. In diesem Augenblick schließt sich der Kreis. Seit 10 Jahren arbeite ich auf diesen Augenblick hin. Alle Ziele, die ich mir bis dahin gesetzt hatte, habe ich erreicht. Dieser Augenblick ist der größte Triumph meiner Höhlenforschungen. Trotz dieses Gefühls bin ich hier der einsamste Mensch dieses Planeten. Ich betrete einen Lebensraum, von dessen Existenz niemand wusste, und den nie zuvor ein Mensch gesehen hatte. Wie oft hatte ich in den vergangenen 5 Jahren schon dieses Privileg. Mir ging meine Entdeckung der MBQH, die Wahnsinnszeit während deren Erforschung, und alle anderen Megaentdeckungen durch den Kopf, die mir vergönnt waren. Und doch fühlte ich keine so überwältigenden Emotionen, wie bei früheren Entdeckungen, denn hier war ich mir mehr als sicher, ans Ziel zu kommen. Ich habe diesen Augenblick lange vorher schon gesehen.

Die Führungsleine reicht genau bis zu einem Felsen am Ende des Siphons, an dem sie befestigt werden kann. Erst jetzt beginne ich mich umzusehen. Direkt über dem Siphon bildet sich eine 3 m hohe Halle aus, von der ein trockener etwa 1 m hoher Gang unter der Decke nach Norden zieht. Etwa 10 m kann ich dort einsehen. Nach Westen öffnet sich ein etwa 5 m breiter und 1,5 m hoher Tunnel, der im Nichts verschwindet. Kurz schicke ich einen tiefen Brummton in den Tunnel, der mich erahnen lässt, dass es weiter geht. Etwas nervös bin ich doch, denn ich weiß in diesem Augenblick nicht, ob ich mein Tauchgerät nun ablegen soll, um unbekanntes Land zu erkunden oder nicht. Ich entscheide mich zur Umkehr, denn mir ist klar, es wird weitergehen und die Höhle sollte sich, nach hunderttausenden Jahren der Ruhe, langsam an mich gewöhnen. So verabschiede ich mich von meiner Höhle mit dem Versprechen, wieder zu kommen. Als ich nach 30 m auftauche, erwarten mich Ralph und Fabian. Mit geballter Faust rufe ich ihnen ein lautes „Jäh“ zu und alle drei strahlen wir wie kleine Kinder. Wie gewohnt beenden wir die heutige Entdeckung mit einer kleinen Feier.

24.07.2003 Vorstoß ins unbekannte System der Petrusquellhöhle

1Heute will ich endlich die langersehnte neue Höhle befahren. Der Psychosiphon geht mittlerweile ganz gut. Im See aufgetaucht begrüße ich erst mal freundlich meine Höhle. Ich entschließe mich, die Ausrüstung nicht gleich hier an diesem doch etwas ungünstigen Platz abzulegen, sondern ein Stück weiter in die Höhle mitzunehmen, bis eine geeignete Stelle kommt. 60 m geht es in dem etwa 1,7 m hohen und 4 m breiten Gang weiter bis zu einer Hallenerweiterung, an der ich die Ausrüstung sicher ablegen kann. Vor mir blockiert ein Verbruch das Weiterkommen, rechts tritt unter der Felswand mit sehr starker Strömung der gesamte Höhlenbach mit ca. 450 l/s hervor. Das sieht gar nicht gut aus. Doch gleich finde ich die Fortsetzung im verbrochenen Gang. Nach 20 m endet der Durchstieg mit dem gigantischen Blick in einen riesigen Tunnel von 5 m Breite und 7 m Höhe. Die starke Strömung erschwert mir das Vorwärtskommen. Nach einer Linkskurve öffnet sich die Höhle zu noch beeindruckenderen Dimensionen. Lehmböschungen ziehen sich 5 m hoch, fast bis an die Decke. Ich vernehme leises Rauschen und es zieht mich magisch immer weiter ins Innere des Karstplateaus. Wieder ändert der Gang seine Richtung. Hier müssen große Blöcke eines Deckenverbruchs überwunden werden. 30 m weiter trifft die Decke den Wasserspiegel, und die Fortsetzung wird vom 2. Siphon der Höhle unterbrochen. 5 m breit und 80 cm hoch verschwindet die Felsdecke im Siphon, der mir seine ganze Wassergewalt entgegen schickt. Hier werde ich morgen weitermachen.

25.07.2003 Durch den 2. Siphon

1Die Schlepperei zum 2. Siphon war etwas nervig! Aber nach einer Stunde Flaschentransport habe ich alles vor Ort. Mit 95 m 2mm-Führungsleine auf dem Reel und vier Pfosten tauche ich in den etwa 1,5 m hohen Siphon ab. Das Wasser ist durch den Wolkenbruch vor drei Tagen immer noch leicht eingetrübt, die Sicht ist aber gut. Die Strömung fordert ihren Tribut an Pressluft. Mit dem Rücken zur Decke und den Knien am Boden drücke ich mich der Wassergewalt entgegen. Plötzlich finde ich mich in einer strömungslosen Vertiefung, die zu meiner Überraschung endet. Ich muss zurück, um die wegweisende Strömung wieder zu finden. Der Grund der Vertiefung war eine 50° Gangbiegung nach 16 m Tauchstrecke. An diesem Gangknick stecke ich eine Rohrbefestigung in den Lehmboden und binde die Tauchleine an. Der Siphon wird immer flacher, am Boden geht der Lehm mehr und mehr in Kies über. Er steigt bei einer Höhe von nur 50 cm wieder etwas an. Nach weiteren 12 m tauche ich in einem großen 5 m breiten und 2 m hohen Tunnel auf. Ein letzter Pfosten wird gesetzt und die Tauchleine eingeklickt. Jetzt hält mich nichts mehr. Ich mache mich nun auf den Weg, um die weitere Fortsetzung des großen Tunnels, den der ganze Bach ausfüllt, zu erkunden und eventuell den nächsten Siphon einzusehen. Vermessen wollte ich dann am Rückweg. Nach 100 m betrete ich eine große hohe Halle, an deren Ende der nächste Siphon abgeht. Bis zu 10 m hoch projizieren sich ausgebrochene Deckenbankungen bis ans Ende der Halle und türmen einen großen Verbruchberg auf, der weit aus dem Wasser ragt. Der Siphon mündet genau im Bereich des Verbruchs, mit einer Öffnung von 2 x 3 m in die Halle ein. Die Strömung an der Abtauchstelle ist ziemlich stark, so dass ich nur ganz kurz untertauchen kann, um mir ein Bild zu machen. Dieser Siphon erscheint weit geräumiger als der Zweite. Zufrieden mache ich mich auf den Rückweg und dokumentierte den Gangverlauf. Die Gesamtganglänge beträgt nun ca. 350 m. Etwas erschöpft tauche ich an der Basis im „Psycho-1“ auf. Ralph ist noch nicht da. Ich lege meine Ausrüstung am Siphon ab, um sie am nächsten Tag zu bergen. 

05.08.2003 Fotodokumentation

Für die Präsentation der ersten Forschungsergebnisse wird noch Bildmaterial bis zum 2. Siphon benötigt. Dazu wird meine alte Fotoausrüstung reanimiert. Mit Stativ, Kamera und fünf Blitzgeräten im Schleifsack, quetsche ich mich durch den engen Eingangssiphon. Das Fotografieren gestaltet sich alleine als äußerst schwierig.

Im weichen Sediment des Höhlenbaches muss ich das Stativ so befestigen, dass es von der Strömung nicht umgestoßen wird. Die teure Kamera wäre dann verloren. Dazu kommt noch, dass ich nur neun Sekunden Zeit habe, nachdem ich die Kamera ausgelöst wurde, um mich in fünf bis zehn Metern Entfernung in Position zu bringen. Dabei muss ich mich äußerst vorsichtig im unwegsamen Höhlenbach bewegen, um mich bei einem Sturz nicht zu verletzen. Alleine in der Höhle käme dies einer Katastrophe gleich.

Dennoch gelingt es mir, 25 Aufnahmen zu schießen, wobei ich hoffe, dass einige brauchbare dabei sein werden.

06.08.2003 Fotodokumentation

Ich nutze die Gunst der Stunde und meine Motivation, um die restlichen Bilder im hinteren Gangteil bis zum 2. Siphon zu machen. Dabei verknipse ich einen ganzen 36-Bilder Film.

11.08.2003 Zum 3. Siphon

Mit 100 m neuer 7 mm Rebschnur auf meiner umgebauten Kabeltrommel und 7 Pfosten geht es zum 3. Siphon. Die Führungsleine wird am Blockwerk vor dem Siphon befestigt, und der Tauchgang in das 1,5 m hohe Kastenprofil des Siphons beginnt. Ohne Flossen und Haltepunkte erschwert die Strömung das Vorwärtskommen doch erheblich, und der Pressluftverbrauch steigt. Keine 10 m im Siphon, schon bleibe ich mit der linken Schulter an einer spitzen Felskante hängen. Kann mich aber gleich wieder befreien. Drei Atemzüge später fällt mir zu allem Überfluss auch noch eine Felsplatte aus der Decke auf den Rücken und drückt mich auf den Grund des Siphons. „Na ja, dann schüttle das blöde Ding doch einfach ab“! Dieser Siphon beeindruckt durch seine Breite und das glasklare Wasser. Es geht auf nur 3,5 m runter. Das ist einfach genial. Jetzt wird es richtig groß, 4 auf 4 m und der Boden steigt steil an. Nach 45 m Tauchstrecke erreiche ich eine Auftauchstelle. Diese erweist sich aber nur als ein 10 m langer Wassertunnel, der sich an einer Querkluft an einem 5 m hohen Kamin angelegt hat. Am Ufer einer Lehmhalde wird in der Mitte ein Pfosten gesetzt. Nun geht es weiter in den 4. Siphon. Er beginnt mit einer extrem flachen Röhre von etwa 40 cm Höhe und nur 1,5 m Breite. Es fällt mir trotz meiner kleinen Doppel 5 l Sidemount- Ausrüstung ziemlich schwer, vorwärts zu kommen. Der starke Wasserdruck tut den Rest. Immer wieder muss ich lange Sedimentwellen zur Seite räumen um weiterzukommen. Nach 10 m wird es tiefer und der Siphon fällt mit einem leichten Rechtsknick auf -2,5 m ab. Alles geht gleich besser. Nach 25 m Tauchstrecke begrüßt mich eine spiegelnde Wasserfläche. Ich bin durch. Super, dass es immer nur so kurze Siphons sind.

1In gebückter Haltung mache ich mich auf den Weg in dem immer höher werdenden Gang, um eine geeignete Stelle zum Ablegen der Ausrüstung zu finden. Ich lustwandle in dem zu einem Kastenprofil gewachsenen 3 m hohen Tunnel, entlang hoher Lehmböschungen und über weichem Lehmboden im knietiefen Wasser. Aus der Decke kommen kleine Nebengerinne und plätschern vor mir ins Wasser. Eine geheimnisvolle Stimmung umgibt mich, ganz alleine an diesem unerforschten Ort. Nach etwa 70 m erreiche ich rechts einen günstigen Felsabsatz und lege die mittlerweile schwer gewordene Ausrüstung ab. Dann geht’s zurück zur Auftauchstelle, um den neuen Gangteil zu vermessen. Dieser ist ca. 110 m lang und weist fünf teilweise bis zu 10 m hohe Kamine auf. Auch die Versinterungen nehmen gangeinwärts zu. Am Ende, wieder in einer Gangerweiterung, trifft man auf die ersten massiven Versinterungen an den Wänden. Ein etwa 3 m langer und 1 m breiter Wandstalaktit bildet das momentane Sinterhighlight der Höhle. Nach der Vermessung dieses Gangteils lege ich die Ausrüstung wieder an und tauche in den 5. Siphon weiter. Dafür brauche ich mehrere Versuche, weil mich die Strömung immer wieder aus dem Siphon spült. Aber es gelingt mir dann doch den nur 5 m langen Siphon 5, mit dem Rest der 15 m Leine und dem letzten Pfosten zu durchtauchen. Die Auftauchstelle ist leider nur ein meterhoher Deckenkolk, der nach 7 m in den 6. Siphon übergeht. Überall am Boden liegen kleine schwarze Höhlengerölle, die mir die Hoffnung geben, der Gang könnte nach einigen 100 m endlich in den offenen Bachlauf übergehen. OK, Luft wäre ja noch da, aber leider ist mir die Führungsleine ausgegangen. Na ja, drei neue Siphons sind ja auch ein toller Erfolg.

Der Rückzug zum Ausgang gestaltet sich aufgrund der starken Strömung in den Siphons als sehr angenehm. Die Gesamtganglänge der Höhle beträgt nun 550 m, die Gesamttauchlänge ca. 213 m.  Somit steigt die Höhle in die Kategorie der Großhöhlen auf. Immer wieder muss ich daran denken, dass ich mich mutterseelen allein in der Höhle befinde, und sich bis jetzt noch keiner meiner Höhlentauchkollegen für einen Tauchgang interessiert. Das lässt mich zu äußerster Vorsicht erwachen, denn sie wären im Falle eines Unglücks sicher nicht in der Lage mir zu helfen. Ohne Zwischenfall komme ich am Eingangssiphon an.

19.08.2003 Erkundung Seitengang am 1. Siphon

1Gleich nach der Auftauchstelle des 1. Siphons zieht unter der Höhlendecke ein etwa 1 m hoher und 2 m breiter Gang Richtung Norden. Er könnte möglicherweise zum Balamo-Irschlings führen, der am 13.06.2003 über 10 Stunden lang ausgebrochen war. Beim Betreten des Ganges kann ich nicht eindeutig sagen, ob dieser Teil wirklich unter Wasser stand. Die Richtung passt erstaunlicherweise. Nur der breite Kanal, der sich in den Lehmboden gefressen hat, wundert mich etwas. Fließt hier vielleicht doch Wasser raus, immer wenn der Höhlengang komplett unter Wasser steht? Denn normalerweise sollte sich dieser Kanal auch die Böschung eintiefen. Na ja, man wir sehen. Nach 50 m wird der Gang zum Weiterschlufen zu niedrig. Es besteht die Möglichkeit, das weiche Lehmmaterial beiseite zu räumen. So kann man vielleicht in weitere begehbare Gangteile vordringen oder sogar ein paralleles Höhlensystem erreichen, das seinen Austritt im Balamo-Irschling hat.

17.09.2003 Grabung im Nordgang

Mit einer Maurerkelle ausgerüstet tauche ich in den 1. Siphon ein und mache mich dann gleich auf den Weg in den niedrigen „Flundergang“, um das Ende der Engstelle aufzugraben. Unter der 20 cm hohen Lehmschicht zieht eine etwa 10 m lange Felsplatte in die Fortsetzung. In zwei Stunden komme ich in der nur 30 cm hohen Gangfuge fast bis an dessen Ende. Dahinter kann wird es wieder größer. Wegen übermäßiger Erschöpfung und starker Genickschmerzen, die mich die nächsten 5 Monate quälen und meine Forschungen extrem beeinträchtigen werden, muss ich abbrechen.

22.09.2003 Grabung Nordgang

Eigentlich fehlt nur noch knapp ein Meter. Auch diesmal geht es leider nur etwa 30 cm weiter.

04.10.2003 Am 6. Siphon

1Hab heute leichten Stress mit meinem Höhlenengel. Dennoch entscheide ich mich, den 6. Siphon anzutauchen. Die Vorbereitungen dauern entsprechend lange. Da es mir nicht so gut geht, lege ich mich noch zwei Stunden ins Auto und entspanne. Um 14.30 Uhr bin ich zum Abtauchen bereit. Die Odyssee in den 6. Siphon beginnt. Ich nehme die neue 100 m Kabeltrommel und 9 Rohrpfosten mit nach unten durch „Psycho-S1“. Nach dem Auftauchen merke ich, dass der Ausrüstungsbeutel fehlt. Also zurück, um das Teil zu holen. Dieser Fehler kostet mir später vielleicht das Auftauchen im neuen Siphon. Mit meiner neuen Doppelfünfer Ausrüstung komme ich mit nur zwei Anläufen durch den Gangversturz zwischen dem 1. und 2. Siphon. Vor jedem weiteren Siphon nehme ich mir vor, fünf Minuten Pause zu machen, um meinen Pulsschlag wieder zu verringern. So wird der Luftverbrauch minimiert.

Der 2. Siphon taucht sich gut. Nach einer Pause am 3. fällt mir auf, dass der verdammte Beutel schon wieder weg ist. Während der Suche flussabwärts bezweifle ich, das Teil wieder zu finden. Zu meiner Überraschung schwimmt die super Ortlieb-Tasche vor der Felswand des 2. Siphons. Also wieder vor und Pausieren.

Als ich wieder in die Halle komme, fällt mir auf der rechten Seite eine seltsam geformte Lehmbank auf. Als ich die Stelle näher betrachte, finde ich zu meiner größten Überraschung einen weiteren Siphon, der nur knapp 20 cm unter dem Wasserspiegel abgeht. Schnell hole ich meine Maske und werfe einen Blick hinein. Er wirkt mit einer Breite von 3,5 m und nur 40 cm Höhe sehr unheimlich. Ich beschließe heute hier nichts weiter zu untersuchen, sonst würde ich die Planung des Tauchgangs völlig durcheinander bringen.

Beim Durchtauchen des 3. Siphons setzte ich zwei weitere Pfosten, um eine bessere Führung in der lang gezogenen Gangbiegung zu erreichen. Die „Kurze Unterbrechung“ durchquert und weiter geht’s durch den 4. Siphon. Die Anspannung, die mich heute begleitet, macht sich langsam bemerkbar. Kann mich trotz allem gut konzentrieren. Das Tauchen mit der vielen Ausrüstung ist aber nicht gerade kraft- und luftsparend.

Am 5. Siphon stelle ich zu meiner Überraschung fest, dass ich diesmal trotz des Fehlers am 1. Siphon außergewöhnlich wenig Luft gebraucht habe. Das beruhigt mich für die Arbeit im 6. Siphon sehr. Dieser Unterwassergang ist anfangs sehr groß, ca. 2,5 m hoch und 4 m breit, wird dann aber wieder etwas niedriger, was das Vorwärtskommen sehr erleichtert. Der Boden besteht teils aus Fels, teils aus Lehm und Geröll. Wände und Decke sind mit vielen scharfen Felshacheln geschmückt, an denen ich mich öfters aufhänge und die an meiner Ausrüstung zerren. Da ich mit einem nur sehr dünnen Trockentauchanzug unterwegs bin, ist hier äußerste Vorsicht geboten, um kein Loch hineinzureissen. Der Siphon ist wieder verdammt lang. Nach 65 m tauche ich aus dem wieder nur maximal 4 m tiefen Siphon in einem niedrigen ca. 1,5 m hohen Tunnel auf. Sofort erkenne ich, dass die Führungsleine weiter bis ans Ende des 20 m langen nur 1,5 m hohen Tunnels geführt werden muss.

1Von weitem schon ist ein 10 cm hoher Luftspalt zu erkennen. Er führt in eine niedrige Kammer, an den Beginn des 7. Siphons. Die Abtauchstelle in diesem kleinen niedrigen Raum erweist sich erstaunlicherweise als überaus groß. Ich tauche gleich in einen 6 m breiten und 2,5 m hohen Unterwassergang ab. Wieder ist die Strömung so stark, dass es erst nach mehreren Versuchen gelingt, auf der angeböschten linken Seite des Ganges vorwärtszukommen. Ich habe nur noch zwei Pfosten und auf der Rolle ist auch nicht mehr so viel. Ein kurzer Ruck und die Leine ist nach ca. 15 m zu Ende. Gerade dort, wo der Gang eine Höhe von 3 m erreicht und die Strömung so stark ist, dass ich mich nur sehr schwer auf der Stelle halten kann. Als erstes ramme ich einen Posten in den Lehmboden, um mich daran zu orientieren. Das Lösen des Knotens an der Führungstrommel gestaltet sich überraschend schwierig. Mich friert schon gewaltig und meine Finger sind ziemlich unbeweglich geworden. Der Pressluftvorrat geht langsam auf die Viertelregel zu, und ich habe die Leine immer noch nicht befestigt. Viele Versuche sind nötig, um sie endlich am letzten Pfosten zu befestigen. Dann reicht es mir. Noch ein kurzer Blick in die sehr große, dunkle mindestens noch 15 m lange Gangfortsetzung, die am Boden in 5 m Wassertiefe deutliche Strömungsspuren aufweist und anzusteigen scheint. Dass dies der einzige Blick sein würde, den ein Mensch je da hinein geworfen hat, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Aber damals schon hatte ich ein komisches Gefühl beim Zurücktauchen. Vielleicht ahnte ich es unterbewusst doch. Ich spürte auf jeden Fall, dass es hier bald raus gehen würde. Im Gang nach dem 5. Siphon will ich meine Tauchausrüstung noch mal ordnen und verliere dabei 1 kg Blei vor meinen Füßen. Trotz 10 Minuten intensiver Suche finde ich das Teil nicht mehr. Ich setze den Rückweg fort und erreiche durchgefroren, und nur durch den hohen Adrenalinspiegel einigermaßen fit, „Psycho-S1“. Um die Tauchflaschen nach außen zu bringen, bin ich dann doch zu erschöpft. Die hole ich am nächsten Tag. Wieder konnte ich 100 m Tauchleine verlegen, und die Höhle um diese Strecke verlängern. Die Gesamtganglänge beträgt nun ca. 650m.

01.11.2003 Erster Tauchbegleiter

Dieter Blaha kommt und probiert sich am ersten Siphon. Ralph schaut dabei zu. Ich habe vor, am Schluss der Übung im „Flundergang“ alleine weiter zu arbeiten.

Dieter ist etwas nervös, aber gelassen. Er arbeitet sich mehrmals langsam nach unten, und kommt dabei in die erste Unterwasserhalle. Beim 4. Versuch taucht er sogar 2 m in den nächsten Unterwasserschluf. Er meint, der Siphon wäre für ihn das nächste Mal machbar und freut sich aufs Wiederkommen. Ralph begleitet ihn nach draußen. Es gelingt mir bei der anschließenden Grabung im „Flundergang“ wieder 20 cm weiter zu kommen.

22.11.2003 Zweiter Tauchbegleiter

Andreas Hartwig aus Göttingen ist zu Besuch und taucht mit mir durch den 1. Siphon. Ich zeige ihm die Höhle bis zum 2. Siphon. Er ist begeistert und meint schon jetzt, er wäre nicht das letztemal hier. Er hat noch Lust, mit mir im „Flundergang“ zu graben. Wir wechseln uns dabei ab, bis ich mich durch die wirklich sehr enge Stelle zwängen kann. Die Fortsetzung interessiert in diesem Augenblick nicht besonders. Wichtiger ist, ob man da auch wieder raus kommt. Ich von innen, Andreas von außen, arbeiten wir noch mal 15 Minuten bis der Rückweg sicher ist. Hinter mir öffnet sich ein kegelförmiger 1,5 m tiefer Trichter in ein enges Wasserloch. Andreas kommt zu mir, während ich in das enge Loch absteige. Mit den Füßen kann ich keine Fortsetzung erfühlen. Nach einigen Überredungsmühen macht sich Andreas ins Neuland auf. Ich habe in den letzten Jahren so viel Neuland gesehen, dass ich es ihm gerne überlasse. Mit 4 m Breite, aber sehr niedrig, steigt der Gang langsam Felsbankung für Felsbankung etwa 1,5 m nach oben an. Wir bewegen uns immer noch mit der Fließrichtung des Wassers in den Gang hinein. An der Decke hängen einige Makkaroni und auch kleine Sinterbildungen sind vorhanden. Nach ca. 45 m erreichen wir eine Gangabzweigung von 1 x 1 Meter. Es scheint so als ob das Wasser hier entgegenkommen würde. In 5 m Entfernung erkenne ich eine Gangblockade, die durch leichtes Graben erreichbar wäre und vielleicht an der rechten Seite zu umgehen ist. Andreas untersucht in der Zwischenzeit die Hauptröhre, die nach einigen Metern wieder sehr hoch verlehmt ist und mit etwa 15° nach links bergeinwärts abzubiegen scheint. Wir brechen hier ab, denn um 20 Uhr findet heute in Beilngries ein KGM Diavortrag statt, den wir auch sehen wollen. Weitere 50 m Ganglänge bringen die Höhle nun auf über 700 m.

03.01.2004 Erkundung S3a „Stiller Siphon“

Es hat leichten Frost. Heute habe ich nach langer Pause vor, den schon Anfang Oktober letzten Jahres bekannten Siphon in der „Sirenenhalle“ zu erkunden. Es brennt mir regelrecht unter den Fingernägeln. Nebenbei will ich die provisorische Führungsleine im 2. Siphon austauschen. Die Ausrüstung liegt nach einigem hin und her bald vor dem Höhleneingang. Alleine ist der Transport furchtbar schwer. Das Türschloss ist eingefroren, also zurück ans Auto, um den Bunsenbrenner zu holen.

Um 13.30 Uhr bin ich am Siphon. Das neue Tragesystem ist sehr gut anzulegen und trägt sich gut. Mit 9 Rohren und 40 m und 25 m Führungsleine tauche ich ab. Ich bin wieder in meinem Element und fühle mich geborgen. Die Schlepperei durch den "Einzigen Verbruch" kostet etwas mehr Energie als gedacht. Bald ist der 2. Siphon erreicht. Die neue Führungsleine wird neben der alten verlegt, am Ende befestigt und gleich die alte wieder abgebaut. Das bedeutet rein und raus und wieder rein, 75 m tauchen. Mit der 40 m Leine will ich den erst kürzlich entdeckten Siphon vor S3 erkunden. Ständig habe ich die ganze Ausrüstung am Mann, nur die Maske nehme ich ab, um besser atmen zu können. Vor dem S3a "Stillen Siphon" setze ich ein Rohr und klicke die Leine ein. Der Siphon führt knapp unter dem Wasserspiegel mit einer Breite von ca. 3 m und weniger als 80 cm Höhe gerade in Richtung 320° vom Hauptgang weg. Schon immer hatte ich das Gefühl, hier steckt mehr dahinter. Aus Sicherheitsgründen konnte ich aber bis jetzt keinen Erkundungsvorstoß machen. Umso größer war die Neugier nach so langer Zeit der Ruhe.

Ich lege mich ins Wasser und blicke in den flachen Siphon. Langsam schiebe ich mich unter die niedrige Decke. Da keine Strömung herrscht, muss ich immer in Bewegung bleiben um etwas zu sehen. Der Boden ist mit dickem, weichem Schlick bedeckt und viele kleine schwarze Löcher sind darauf zu erkennen, die ein kleiner weißer Hof umgibt. Es sieht aus als wären es faulige Tropfstellen. Doch das schließe ich mal aus. Keine Strömungsformen sind im Schlick zu erkennen, hier fließt nicht oft Wasser raus. Der Siphon ist gerade so hoch, dass man noch problemlos durchschlufen kann. Aber immer wieder stößt man mit den Flaschen an der Decke an. Es ist etwas unheimlich. Nur die Breite beruhigt. Dass der Siphon nach Norden zieht könnte die Vermutung erhärten, dass es ein paralleles System nördlich der Talung gibt. Das ist nun schon der zweite Gang Richtung Norden. Ich komme gut voran, muss aber ständig an den Rückweg denke. Der wird mit Sicherheit in absoluter Dunkelheit stattfinden.  Nach ca. 20 m ist über mir eine Luftglocke zu erkennen. Diese Luftblase ist ca. 10 cm hoch, 1,5 m breit und nur im Notfall nutzbar, oder auch nicht. Dann 10 m weiter eine erneute Siphonerweiterung, diesmal aber ohne Luftblase. Am gegenüber liegenden Ende in 5 m Entfernung ist eine niedrige mit zwei Verbruchblöcken geschmückte dunkle Fortsetzung zu erkennen. Hier kehre ich um. Dieser Siphon geht sicher weiter. Hoffentlich nicht zu niedrig. Mit den 35 m Neuland ist die Höhle nun über 750 m lang.

Da ich noch keine genauen Richtungen des S3 habe, entschließe ich mich, S3 und S4 zu vermessen. Schnell bin ich in der "Kurzen Unterbrechung", nehme die fortlaufende Richtung und tauche in den S4. Wie schon in den vorderen Teilen der Höhle bemerkt, hat sich auch hier eine enorme Menge an sandigen Sedimenten abgelagert, die bis zu 20 cm hoch sind. Nach 5 m tauche ich in einem niedrigen Gang auf, an den ich mich so gar nicht mehr erinnern kann. Irgendwie ist er auch ganz schön lang und ca. 30 cm über dem Wasserspiegel. Ich will weiter, aber die Führungsleine zieht in die neuen Sedimentablagerungen. Ich versuche sie auszugraben, doch mir geht langsam die Luft aus und ich muss abbrechen. Hier muss mit einer kleinen Schaufel weitergemacht werden. Der Siphon ist auch so niedrig geworden, dass ich fast nicht mehr durch komme. OK. Rückzug. Heute hatte ich Widererwarten einen ganz tollen Höhlentauchgang mit Neuland. Ich bin wieder da!!!!!!!

Nach nun fast 8 Wochen bin ich erstmals wieder zum Forschen in die Höhle gegangen. Die schlimmste Zeit meines Lebens habe ich hinter mir gelassen. Ich hoffe es geht weiter so aufwärts. In der "Sirenenhalle" habe ich meinen Engel gehört. Er ist wieder bei mir und passt auf mich auf.

04.01.2004 Zum S 4. Dritter Tauchbegleiter

Heute geht zum ersten Mal Marco mit, ein Tauchlehrer aus Parsberg, der dort einen Tauchladen betreibt. Eine höhlentaugliche Ausrüstung hat er noch nicht, so dass ich etwas improvisieren muss. Am „Psycho-1“ legen wir unser Tauchgerät an, und Marco folgt mir bis in die erste Unterwasserhalle nach. Dort warte ich bis er im zweiten Tauchschluf verschwindet. Ich bat ihn, nach dieser Engstelle den von mir vermuteten Quellablauf mit seiner starken Unterwasserlampe von oben aus anzuschauen. Als ich ihm in die zweite Halle nachtauche, sehe ich ihn schon die Führungsleine verlassen und vor der ca. 1 x 1 m großen Fortsetzung liegen. Er ist ca. 7 m von der Leine entfernt. Das können 7 m zuviel sein.  Nach dem Auftauchen berichtet er mir, dass es hinter dem Durchgang, vor dem einige Verbruchblöcke liegen, wieder größer weitergeht. Durch die geringe Wasserschüttung des Höhlenbachs ist nur wenig Zug an der Düse zu spüren. Ein neuer Siphon ist gefunden. Wir gehen weiter zum „Einzigen Verbruch“, an dem sich Marco ganz schön verausgaben muss. Wasserhöhlenforschen hat halt doch nicht viel mit normalem Tauchen zu tun. Aber er hält sich hervorragend. Am S2 tauche ich vor, er im Abstand hinterher. Alles klappt sehr gut. Wir erreichen die „Sirenenhalle“, als Marco plötzlich ohne etwas zu sagen im 3. Siphon verschwindet.

1Ich weiß nun nicht, ob er nur hineinschaut oder versucht ganz durchzutauchen. Nach einigen Minuten folge ich ihm. Er wartet in der „Kurzen Unterbrechung“ auf mich. Dort erkläre ich ihm, dass es besser ist sich bemerkbar zu machen, wenn man in der Gruppe in einen Siphon abtaucht. Er will kurz in den S4 schauen, den ich gestern schon etwas ausgegraben habe. Nach einem Meter kehrt er aber gleich wieder um und meint, der sei ja viel zu eng. Ich arbeite mich in dem mit ca. 40 cm Sediment aufgefüllten Unterwassergang bis an den ersten Pfosten 5 m nach vorne. Der Luftvorrat reicht noch weitere 15 Minuten. Durch das angeschwemmte Sediment wird es aber so eng, dass ich wieder zurück muss, um das Tauchgerät abzulegen, und einen erneuten Versuch starte, in dem ich das Gerät vor mir herschiebe. Mehr als insgesamt 15 m komme ich auch diesmal nicht weiter. Gleich zwei Meter nach der Abtauchstelle tut sich ein 10 cm hoher Luftspalt auf, um nach weiteren 5 m wieder in den Siphon abzutauchen. Hier machen sich Schüttungsschwankungen besonders bemerkbar. Bei Niedrigwasser bildet sich eine Luftglocke, die Strömung nimmt zu, und das Bodensediment wird abgetragen. Bei Hochwasser ist das umgekehrt. Der Wasserspiegel steigt, mehr Schwebstoffe werden mitgeführt und lagern sich ab. Wir brechen die Aktion ab und kehren um. Marco hat die Befahrung sehr gut gefallen und er kommt sicher mit einer überarbeiteten Ausrüstung wieder.

10.01.2004 Materialtransport

Hinter dem S2 hole ich die Führungsleinentrommel und die kleine Reel. Am Ende des Flundergangs, am S1 schaue ich mir die Hauptfortsetzung genauer an, und muss feststellen, dass sie aus einer nur 15 cm hohen Felsspalte besteht. Keine Möglichkeit weiter zu kommen. Der kurz zuvor rechts abzweigende kleinere Gang endet anscheinend an einem Versturz. Hier geht es aber sowieso hangauswärts. Beim Versuch eine feste Leine an den „Quellsiphon“, S1b zu legen, schlitze ich mir ein Loch in den linken Arm des Trockentauchanzugs. Breche deshalb und wegen zu starker Wassertrübung ab. 

31.01.2004 2. Forschungsvereinbarung

Übergebe dem Grundstückseigner zum wiederholten Male meinen Vorschlag einer Forschungsvereinbarung. Auf alle meine Bemühungen hierzu zeigte er über 2 Jahre keine Reaktion. Auch diesmal nicht. Im Gegenteil, seit Öffnung der Höhle stellt er absolut unakzeptable Haftungsforderungen an mich. Meine Hoffnungen schwinden mehr und mehr, weiter in der Höhle forschen zu können.

31.01.2004 „Stiller Siphon“ S3a

Marco wollte heute mit in die Höhle. Leider hat er kurzfristig Darmprobleme bekommen und musste absagen. Trotzdem bereite ich den Tauchgang vor und startete um 13.30 Uhr am 1. Siphon. Die Schlepperei ist wieder besonders ätzend. Ich lege viele Pausen ein, um mich nicht zu verausgaben. 100 m Führungsleine, 6 Pfosten und Doppel 5 l Tanks mit 200 Bar hängen an mir. Am 3. Siphon angekommen, lege ich alle Ausrüstung ab und binde, nach einer langen Pause, die Leine am Pfosten vor dem neuen S3a „Stiller Siphon“ an. Hier in der „Sirenenhalle“ sind die Wände bis an die Decke hinauf ca. 7 m lehmfrei. Die Bankungen sind sehr deutlich sichtbar, so dass man hier die geologische Lage der Höhle genau bestimmen kann. Irgendwie zieht es mich gar nicht in den neuen Siphon. Die Problematik besteht darin, dass es sich hier um stehendes Gewässer handelt. Diese Art von Siphon mag ich nicht so gerne. Dennoch muss ich los. Die ersten 35 m waren mir ja schon bekannt. Durchschnittlich 40 – 80 cm hoch und 4 m breit. Je weiter ich komme, desto größer und höher wird der Gang. Eigentlich ist er der größte aller Siphons in der Höhle. Bald komme ich am 7 m breiten „Unterwasserdiscus“ an. Dem Umkehrpunkt der Ersterkundung. Mit 320° zieht der Siphon ziemlich geradlinig, ohne bisher auf Verbruchblöcke zu stoßen. Zwei Pfosten sind bis hier her gesetzt. Nach dieser Gangerweiterung ändert sich sein Charakter. Er wird schlagartig größer, am Boden liegen vermehrt Blöcke. Für mich momentan immer noch nicht erklärbar sind die vielen schwarzen Ablagerungen, die sich mit meist kreisförmigen Bändern über den Lehmboden verteilen. Daneben befinden sich schwarze Punkte, die wie Tropfstellen aussehen. Die sollte es aber unter Wasser nicht geben. Die Vertiefungen könnten aber auch auf ein Wurmloch deuten. Derartige Ablagerungen kannte ich bis jetzt nur über Wasser. Die Wände sind meist sauber, trotzdem kann ich keine eindeutigen Fließfacetten finden. Das deutet darauf hin, dass in diesem Teil der Höhle seit vielen Jahrtausenden keine spürbare Wasserströmung mehr vorherrscht. Auch die Bodensedimente weisen auf keinerlei Wasserströmung hin. Aus welchem Grund fließt in diesem Gang kein Wasser mehr?

Nach dem „Unterwasserdiscus“ zieht der Siphon mit 45° nach Westen, kurz darauf noch einmal mit 50°. Es sieht so aus als ob er auf der nördlichen Talseite parallel unter der Straße nach Zell hinauf führt. Ungewöhnlich für diesen Siphon ist, dass, je weiter man hinein kommt, man mehr und mehr schwimmen muss. Der Gang wird immer größer.

Nach 60 m kommt eine Auftauchstelle, die sich als 6 m hohe, 1,5 m breite Querkluft ca. 6 m über den Siphon spannt. Am rechten Ufer kann man sich auf eine Lehmhalde stellen. Sonst bietet diese Stelle keinen Rastplatz. Nun geht es über einige Verbruchblöcke weiter hinein. Der Gang macht eine leichte 10° Biegung nach rechts und wird kurz zum rundum felsigen Druckröhrenprofil. Die 100 m lange Leine geht in diesem 2,5 m breiten Gang zu Ende. Die Fortsetzung ist einzusehen und steigt etwas an. Die Wassertiefe beträgt hier 1,5 m. Die Höhlendecke liegt meist auch nur 1,5 m unter Wasser. Ich tauche also wieder zurück und taste mich bei nur wenigen Zentimetern Sicht langsam an der Führungsleine nach draußen. In der rechten Hand die leere Leinentrommel auf der linken Seite am Gürtel die restlichen 4 Pfosten. Ich fühle wie die Leine links an der Wand entlang führt, als ich mit einem kräftigen Ruck aufgehalten werde. Momentan ist mir nicht klar an was das liegt. Bis ich die verhedderten Pfosten an der Führungsleine spüre.

Nun gibt es in dieser Situation nur zwei Möglichkeiten. Die eine ist, zu versuchen dem Gewurstel wieder Herr zu werden und sich zu befreien, oder die Führungsleine vorher und nachher zu kappen und diese wieder zu verbinden. Da ich genügend Luftvorrat in meinen Tanks habe, will ich zuerst versuchen, mich zu entwirren. Ich stecke die leere Leinenrolle rechts neben mir in den Lehmboden. Es wird so dunkel um mich herum, dass ich nicht mehr sagen kann, ob meine Lampen noch an sind oder nicht. Ist mir eigentlich auch egal. Erkennen kann ich so und so nichts. Während der Fummelei denke ich an die 90 m Tauchstrecke, die noch vor mir liegen. Und es geht einfach nichts. Soll ich nun die Leine durchtrennen? Nein, ein paar Versuche will ich noch wagen.

Dann bin ich frei. Super denke ich nach dem Ordnen meiner Ausrüstung und tauche mit weit von mir gestrecktem Arm weiter, um mich nicht noch einmal zu verfangen. Alles geht gut. Trotz des Zwangsaufenthaltes verbrauchte ich für die 200 m lange Tauchstrecke hin und zurück nur 350 l Luft. Auf der ersten Flasche sind somit noch 80 bar, auf der zweiten 150 bar.

Ich entschließe mich, zum 4. Siphon zu tauchen, um zu überprüfen, ob sich die Sedimentablagerung verzogen hat. Beim Eintauchen ist es schon etwas geräumiger. Die vor zwei Wochen gesetzten Pfosten schwimmen frei an der Leine. Es sieht so aus, als ob sich der Siphon in den nächsten acht Wochen wieder öffnet. Nach drei Stunden bin ich wieder am Ausgang.

06.02.2004 „Stiller Siphon“ S3a

Verlege die Führungsleine mit neuen Pfosten optimal in der Gangmitte, um beim nächsten Mal leichter weiter tauchen zu können. Am Ende ziehe ich die letzten 2 m der Leine aus dem Lehm, führe sie weiter und befestige sie mit einem Pfosten. Der Blick nach vorne lässt eine Auftauchstelle erkennen, die aber vermutlich nur wieder eine Querkluft sein wird. Wie es dahinter weitergeht, ist nicht zu sehen. GGl. ca. 800 m, davon sind 343 m Siphons.

14.02.2004 Siphon „Stiller Siphon“ S3a

Für den heutigen Tauchgang habe ich Marco meinen Tauchsack zum Testen gegeben. Mit der neuen 100 m Leine will ich die Fortsetzung des S 3a weiter erkunden. Habe zur besseren Orientierung Entfernungsmarkierungen aus Kabelbindern angebracht. Als ich die 100 m Führungsleine auf dem Dorfplatz von Mühlbach auslegte, um sie zu befestigen, wurde mir erst richtig bewusst, wie lange doch 100 m sind. Heute will ich bestenfalls, oder soll ich sagen im ungünstigsten Fall, weitere 100 m tauchen. Hätte die Leine vielleicht doch nicht am Dorfplatz auslegen sollen. Aber alles ist vorbereitet. Ich habe mich zwischen 12 und 13 Uhr mental gut auf den Tauchgang vorbereitete. Marco trifft pünktlich in Deising ein, Ralph ist beim Umziehen und Transport zum Eingang dabei. Habe mir diesmal eine Schutzhülle für die Leinenpfosten angefertigt, um ein Verfangen in der Führungsleine zu vermeiden. Marco taucht alle Siphons vor. Ich merke, es macht ihm sichtlich Spaß. Er verhält sich vorbildlich.

Diesmal achte ich besonders auf meine Kondition, um den Tauchgang nicht zu gefährden. In der „Sirenenhalle“ lege ich die ganze Ausrüstung noch einmal ab und prüfe alles. Nach 10 Minuten Pause wird es ernst. Marco wird 60 Minuten auf mich warten, um dann entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Um 16.08 Uhr tauche in im S3a ab. Ich habe mich auf einen 400 m langen Höhlentauchgang eingestellt. Mit der Kabeltrommel auf der rechten und den Pfosten auf der linken Seite komme ich problemlos vorwärts. Wieder verblüffen mich die Dimensionen des Siphons. Ab 40 m Tauchstrecke ist deutlich die Sprungschicht zu erkennen. Unter der Decke taucht man in einer glasklaren 50 cm hohen Wasserschicht.

Noch weiß ich nicht, was mich erwartet. In meinen Gedanken höre ich die Worte: „Endlich bin ich wieder im Siphon, dort wo ich hingehöre“. Ich fühle mich wohl und alle meine Sinne zieht es ins Neuland. Bald erreiche ich das Leinenende und knüpfe die neue an. Dabei blicke ich in die Fortsetzung, und erkenne weit vor mir wieder die Lichtspiegelung einer Wasserfläche am Siphongrund. Langsam schwimme ich darauf zu. Jäh endet der Siphon ringsum an Lehmwänden, über mir der Wasserspiegel. Sofort schießt mir in den Sinn: „Komme ich hier aus dem Wasser, ist hier vielleicht eine Felsbarriere, gar ein Schacht, den ich überwinden muss, um in den nächsten Siphon zu kommen?“ Leine habe ich ja genug dabei, denn bis hierher waren es gerade mal 10 Meter. Dieser Siphon ist somit 110 m lang und mit 400 l Luft zu betauchen.

Vorsichtig durchbreche ich mit der Maske den Wasserspiegel, nichts ahnend, was mich erwartet. Sofort sucht mein Blick die Höhlendecke. 8 m über mir spannt sich eine horizontale Decke, 3 m breit im 80° Winkel nach rechts. 15 m weit zieht sich das grandiose Höhlenprofil dahin. Langsam findet dabei der schräge ansteigende Lehmboden die Decke. Ich bin etwas verwirrt, ein kluftgebundener Kolk ist das nicht. Vor mir erhebt sich ein 2,5 m hoher Lehmkegel. An seiner rechten Seite führt ein 50 cm breiter Wasserkanal vorbei. OK, systematisch vorgehen. Erst einmal die Leine fixieren und sichern. Dabei denke ich ständig daran, was ich nun tun soll. Ausgemacht war, nicht aus dem Wasser ins Neuland zu gehen. Der Hintergrund dieser Abmachung lag aber darin, eine zuvor lange unbekannte Strecke getaucht zu haben. Ich war aber nur 10 m unterwegs und die waren groß dimensioniert. Also beschloss ich, mit angelegter Ausrüstung um den Lehmberg herumzuschauen. Mir war klar, wenn ich das Wasser verlasse, wird die Zeit knapp. Ich wollte mir das Limit setzen, nur 50 m weit zu laufen. Mühsam komme ich mit der schweren Ausrüstung aus dem Wasser die Böschung hoch. Der Kanal zieht sich 6 m um den Lehmberg herum, dann tut sich vor mir der lang ersehnte Höhlentunnel auf. 8 m hoch und 6 m breit. Ich hab ihn, den Beweis, dass es auch hier in der Petrusquellhöhle riesige lufterfüllte Tunnels gibt.

Trotz der unzähligen Neulandentdeckungen, die mich viele Kilometer weit in die geheimnisvolle Unterwelt der Höhlen führten, an Plätze, die noch nie zuvor ein Mensch gesehen oder betreten hat, verschlug es mir den Atem. Ich wusste ja, was kommen wird. Aber wenn es dann eintritt, überrascht es mich doch immer wieder. Seitdem sich mir die Natur preisgibt, kann ich meine verborgenen oder in Vergessenheit geratenen Sinne für einen wunderbaren und nicht erahnten Dialog mit den Kräften des Universums öffnen. Wir denken zu klein dimensioniert und halten uns für zu wichtig. Alle unsere Gedanken existierten schon immer, sonst wäre sie nicht denkbar. Mit unseren verkümmerten Sinnen erfassen wir das nicht mehr. Wir haben die Fähigkeit verloren, alle unsere Sinne zu nutzen. Wir sind leider bis jetzt noch immer der unbedeutendste Gast unseres Planeten. Nicht wir verändern ihn, sondern wir werden mit ihm im Universum verändert. 100000 Jahre spielen dabei keine Rolle.

Langsam komme ich wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. In dem schmalen Kanal kämpfe ich mich um den steinharten Lehmberg herum. Er erinnert mich an die harten Lehmberge der Predjamskj Jama in Slovenien. Das breite Tunnelprofil macht einen 90° Doppelknick nach links und gleich wieder nach rechts. Zu meiner Überraschung fließt hier ein schwaches Gerinne mit ca. 5 l / Sek. Jetzt erklärt sich auch die Sprungschicht im Siphon. Das einfließende Wasser ist etwas wärmer als das im Siphon. Deshalb vermischt es sich im Siphon nicht gleich, sondern bleibt an der Decke.

1An der 8 m hohen Decke entlang kann ich weiter ins Berginnere blicken. Das, was ich in diesen 50 m sehe, reicht um weiter guter Dinge zu sein und den Gang beim nächsten Mal in Ruhe zu erforschen. Ich denke an Marco und den langen Rückweg, und will nicht ans Zeitlimit kommen. Alle Pfosten und den Rest der 90 m Leine lasse ich hier zurück, denn der nächste Siphon ist gewiss. Ohne Ausrüstung betaucht sich der Siphon wirklich schön. Nach 34 Minuten und 550 l verbrauchter Luft komme ich bei Marco an. Ich erzähle ihm die Neuigkeiten, wohlwissend, dass ihm die Auftauchstellen keine Freude bereiten wird, denn er ist ein Freiwasser-Taucher und die wollen unter Wasser bleiben. Vielleicht wird er noch ein echter Höhlentaucher. Auf jeden Fall macht es total Spaß, mit ihm in der Höhle zu tauchen. Er freut sich mit mir über den bedeutenden Erfolg. Wir beschließen, die Befahrung hier und jetzt zu beenden. Nach vier Stunden erreichen wir den Ausgang. Wo wir uns nächstes Wochenende treffen, ist sicher. Auf den Pfaden ins Unbekannte unseres Planeten.

21.02.2004 Fototour bis zum 5. Siphon

Heute ist geplant, bis zum 5. Siphon vorzustoßen und den 150 m Gang zu fotografieren. Ich lasse Marco alle Siphons vortauchen. Nach einer Stunde kommen wir am 4. Siphon, der „Mausefalle“, an. Ich nehme Marcos Foto an mich, so dass er mit freien Händen den bestimmt noch sehr engen Siphon tauchen kann. Da der Boden noch stark mit Sand bedeckt ist und so keine dramatische Trübung aufkommen wird, beschließen wir, dass mir Marco im 4. Siphon mit fünf Metern Abstand folgt. Dieser ist tatsächlich noch so eng und die Angelegenheit wird eher zum Gewaltakt. Nach 20 m erreichen wir den Anfang des niedrigen Höhlentunnels. Marco hatte keine Probleme. Mit seiner Unterwasserkamera mache ich 36 Bilder. Es wird richtig kalt. Die ewige Steherei lässt einen total auskühlen. Nach vier Stunden tauchen wir wieder aus der Höhle.

22.02.2004 Im fossilen Teil der Höhle

Marco wollte mit, hat aber kurzfristig abgesagt. Ich tauche wieder alleine. Ich will den neuen Gang, aus dem ich meine Ausrüstung bergen berge, weiter erforschen. Es läuft alles sehr routiniert ab. Den S3a vermesse ich gleich in Verbindung mit der Erforschung des neuen Ganges.

Nur wenige Meter nach meinem damaligen Umkehrpunkt entspringt das kleine Bächlein unter einer Felswand. Rechts endet der Gang nach 15 m in einer schmalen Kluft. Links erhebt sich eine ca. 4 m hohe Lehmböschung Richtung Höhlendecke. Oben angelangt stehe ich in einem ca. 7 m breiten und 2 m hohen Gang, der in 20 m Entfernung an einem Verbruch endet. Nach langem Suchen in diesem „Megaverbruch“ entdecke ich eine enge Fortsetzung nach oben. Rechts im Verbruch entlang kriechend, erreicht man nach etwa 10 m an einer senkrechten Felswand einen größeren Raum. Hier geht es wieder steil nach unten. Ich nehme an, bis fast zum vorderen Höhlenniveau. An der Wand kann man noch einige Meter im Verbruch entlang schlufen, bis die Kluft zu eng wird. Am Boden der Kammer geht es auf der anderen Seite wieder hoch bis an die Höhlendecke und über die sehr großen Verbruchblöcke weiter bis an einen Deckenversatz. Kurz vorher tut sich links im Verbruch ein kleines Loch auf, durch das man etwa 6 m tief in einen 5 x 5 m großen und 3 m hohen Raum kommt. Hier gehen drei unschlufbare Klüfte ab. Da unten wird mir erst bewusst, wo ich mich befinde. Ganz alleine am Ende der Welt. Hierher würde niemand meiner Höhlenkollegen kommen. Zumindest nicht die aus meinem näheren Umfeld. Verletzt geborgen könnte ich hier sowieso nie werden. Also äußerst vorsichtig bewegen und ja keinen Fehler machen.

1Ich klettere wieder hoch bis unter die Decke, dort setzt sich die Krabbelei nach links fort. Es geht wieder rückläufig in den Verbruch zurück in eine 4 x 4 m große Verbruchkammer. Zurück am Deckenabbruch geht es über stark verlehmte Blöcke 3 m nach unten. Die Fortsetzung in den sicher sehr großen Gang ist durch diesen riesigen, stark verlehmten Verbruch unterbrochen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass dieser Verbruch ursächlich für die Gangentwicklung der jetzt aktiven Höhlenteile verantwortlich ist. Es wird deutlich, dass sich der Höhlenbach durch diese Blockade weiter höhleneinwärts an Vorzugsklüften seinen heutigen Weg gesucht hat. Die weitere Erforschung dieses Verbruchs wäre alleine zu gefährlich, so breche ich hier ab. Wieder zurück am Fuße des Verbruchberges untersuche ich noch kurz einen Spalt an der linken Felswand, der nach 5 m auch verbrochen endet. Mit der ganzen Ausrüstung wird das Zurücktauchen ziemlich anstrengend. 

25.03.2004 Beendigung der Forschungen in der Petrusquellhöhle

Heute schickte ich meine Stellungnahme zu meinem Forschungsabbruch in der Petrusquellhöhle an die Bürgermeister von Riedenburg und den Landrat von Niederbayern. Sie haben sich sehr für dieses Projekt eingesetzt.

Der Grund für meine Entscheidung die Forschungen abzubrechen darf ich an dieser Stelle nicht  erleutern.

29.10.2005 Letzter Materialtauchgang

Andreas Hartwig unternimmt mit mir den letzten Tauchgang in eine der für die Forschung wichtigsten Wasserhöhlen Deutschlands. Nachdem beim Zusammenbau meiner Ausrüstung einer meiner Automaten versagt, tauche ich nur mit einem Gerät durch den 35 m langen „Psycho 1“.

Wir bergen aus dem Flundergang meine Vermessungsausrüstung und betauchen die Höhle bis in den 4. Siphon, der wieder unbetauchbar versandet ist. Nach einer kurzen Verabschiedungs-Zeremonie verlassen wir für immer das untere Höhlensystem.

18.11.05 Ausbau der inneren Abstützung

Sebastian hilft beim Ausbau des inneren Käfigs. Die Aktion dauert nur etwa 2 Stunden, dann liegen die intakten Teile im Auto.

04.02.06 Ausbau des Eingangsrohre

1Seit fast zwei Jahren warte ich auf diesen Tag. Endlich kann ich die Höhle wieder verschließen. Das ewige hin und her hat nun hoffentlich bald ein Ende. Mit einem 4 t Bagger ziehen wir die Schachtrohre aus dem tief gefrorenen Boden. Einige Teile zerbrechen dabei. Nach zwei Stunden ist die ganze Aktion abgeschlossen und das Projekt Petrusquellhöhle beendet.

 

 

 

14.02.06 Hochwasser

Wie schon kurz nach der Öffnung des Höhleneingangs am 13.06.03, die Höhle wollte mich wohl zum vorsichtigen Umgang mit ihr Mahnen, ereignet sich heute am Faschingsdienstag kurz nach der Zerstörung des Höhleneingangs ein erneuter Ausbruch des „Balamo-Irschlings“. Der Faschingsumzug durch Deising bekam so wohl etwas nasse Füße. Wem das wohl galt?

10.03.06 Hochwasser

Mit einem spektakulären Ausbruch des „Mühl-Irschlings“ meldet sich die Petrusquellhöhle in Deising zurück. Die Ortschaft wurde von drei Seiten überschwemmt. Mühlirschling, Güßgraben und Balamoirschling vereinigten sich zu einem gewaltigen Bach, wie zum letzten Mal im Jahre 1909. Wieder sorgten eine kurze Tauphase und starke Regenfälle dafür, dass sich der viele Schnee auf der Hochfläche stark mit Wasser voll saugte. Einiges an Schmelzwasser fand wohl auch den Weg nach unten ins Wasserhöhlensystem. 12 Stunden lang förderte die Höhle mehr als 4000 l/s aus dem Karstplateau.

© whf

Petrusquellhöhle    Wolfsblutschacht    Mühlbachquellhöhle     Bottelmühlhöhle    Indonesien/Java

 

Erforschung

 
 

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