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10.10.2004 Tag 1: Im Eingangsschacht

Ernst Zierer und Ralph sind mit von der Partie. Schnell ist im Rohr eine Strickleiter eingebaut und wir beginnen damit, den interessanten Spalt der nach unten in massiven Fels führt, von hineingefallenen Felsbrocken zu befreien. Die Arbeiten machen unheimlichen Spaß, denn nicht allein die riesige Betonringfassung, die uns 5 m hoch überragt, sondern auch das einfließende Wasser versetzen mich gleich in die Wasserhöhlenforschung. Nach 2 Stunden erreiche wir in –8 m Tiefe eine 3 m lange, aber nur 50 cm breite Kluft. Ich bin völlig durchnässt. Um 17 Uhr brechen wir ab. Die Stelle sieht viel versprechend aus.

30.10.2004 Tag 2: Zur ersten Kammer

Wir gelangen weiter in die Tiefe. Nachdem ich einige Blöcke beiseite geräumt hatte erreiche ich zwei Meter weiter ein kleines Fenster. Von hier aus kann man in dem horizontalen Höhlengang weiter kriechen, und nach ca. 4 m in eine enge Spalte schauen, die nach unten in etwas Größeres führt. Ralph folgt mir und zwängt sich tatsächlich durch diese Engstelle. Er steht in einem 2 x 4 m großen Schacht, der in 4 m mit großen Blöcken aufgefüllt ist. Ich komme gerade noch durch, begeistert von dieser Höhle, denn  man kann schon wieder tiefer nach unten blicken.

14.11.2004 Spülung

1Zufällig erleben wir wie das erste Absetzbecken der Oberflachenentwässerung von Arbeitern des Klärwerks gereinigt wird. Dazu müssen die beiden Absetzbecken entleert werden. Wir nutzen die Gelegenheit und wohnen einem Wasserspektakel erster Güte bei. Nachdem in 20 Minuten ca. 100 m³ Wasser in den Schacht gestürzt waren, entschließen wir uns, den Schacht zu inspizieren. Unten angekommen sehen wir keine Schaummarken an den Wänden. Das Wasser ist also rückhaltlos durch den Verbruch geflossen. Es hat sich nichts verändert.

 

31.01.2005 Klärwerk Beilngries

Habe mich am Morgen beim Leiter des Klärwerks, Herr Klaus Burkert, vorgestellt. Er war bereits von Bürgermeister Uhl informiert. Bekomme demnächst einen Schlüssel für den Schachteingang. Anschließend fahre ich mit Ralph zu Bürgermeister Uhl und informierten ihn über unsere Höhlenentdeckung.

12.02.2005 Kontrolle

Im Altmühltal herrscht Hochwasser, alle Quellen sind trüb. Durch den leichten Frost der vergangenen Tage hat sich im Schacht eine mächtige Eissäule gebildet, deren Fragmente zerbrochen am Boden liegen. Beide Rückstaubecken sind voll und es laufen ca. 30 l/s Wasser durch das Rohr und stürzen in die Schachtspalte.

05.03.2005 Schacht total vereist

1Wir zeigen Andreas Hartwig die neue Höhle. Die letzten Wochen mit nur leichtem Frost in der Nacht und Tauwetter am Tag zeigen ihre Wirkung. Als wir am Eingangsschacht ankommen empfängt uns eine 3 m hohe 70 cm dicke Eissäule, die vom Schachtboden bis ans Einlaufrohr reicht. Wir sind alle völlig überrascht, denn so etwas sieht man in unserer Gegend ehr selten. Wir steigen hinunter und fühlen uns fast wie in eine Alpine Eishöhle versetzt. Der ganze Schachtboden ist mit einer dicken Eisschicht bedeckt, nur ein faustgroßes Loch deutet auf die Existenz einer darunter verborgenen Höhle hin. Aus diesem Loch steigt ein warmer Luftzug auf. Andreas ist so neugierig, dass er sich mit einem Brecheisen nach unter arbeiten will. Leider kommt er nicht sehr weit, denn der gesamte 3 m tiefe Abstieg ist so stark vereist, dass man vermutlich nicht mehr hochkommen würde. Trotz allem war der Besuch unserer Eishöhle interessant.

03.09.2005  Tag 3: Transport Schacht 1

Seit den starken Hochwasserereignissen im Februar waren wir nicht mehr in der Höhle. Am Endpunkt in 10 m Tiefe stellen wir fest, dass die vermutlich doch gewaltigen Wassermassen einen Tiefen Schacht hinterlassen habe. Bequem können wir in den Verbruch absteigen und finden eine schmale Felskluft vor.

10.09.2005 Tag 4 – 7:  Schacht 1

Wir erreichen eine Tiefe von 3,5 m. Zu unserer Überraschung halten die großen Felsblöcke das geräumige Loch zusammen.

22.10.2005 Tag 8: Ins Neuland

1Weiter geht es nach unten. Im Schacht tropft und gluckert es. Ständig habe ich das Gefühl, dass sich hinter einem großen Block irgendetwas befindet, das ich noch bevor wir weiter nach unten gehen untersuchen sollte. Ich bespreche die Sache kurz mit Ralph und entferne dann einige Felsen, um eine Art Fenster zu schaffen. Dahinter ist eine ca. 40 cm breite und 1 m hohe blitzsaubere Felskluft zu sehen.

Ich schicke Ralph runter, damit er sich die Sache mal ansehen kann und seine Meinung abgibt. Gleich ist er in dem engen Spalt verschwunden und nur die Beine schauen noch raus. Ernst hält sie fest und zieht Ralph zurück, der von unten immer größere Brocken rauf holt. Nach einer halben Stunde lässt er Ernst hinein kriechen, damit dieser als erster ins Neuland blicken kann. Danach soll ich runter und mir die Sache anschauen. Überrascht blicke ich in eine hohe befahrbare Kluft, an deren Boden einige größere Blöcke den Durchgang verweigern. Ich schiebe mich mit einem Brecheisen bewaffnet unter den etwas labilen Verbruch und heble die Blöcke nach unten in die sich erweiternde Spalte. Sie wehren sich anfangs etwas, geben dann aber auf. Ralph meint, ich soll als Erster ins Neuland steigen. Nach ca. 4 m sitze ich in einer Art Verbruchkammer von ca. 40 m². Der Boden ist vom Wasser, das hier ab und zu durchrauscht, pieksauber gewaschen. Ralph und Ernst kommen nach. Endlich sitzen wir da, wo wir von Anfang an hin wollten, hinter dem Verbruchschacht in einem Höhlenteil, in dem man deutlich den Spuren des Wassers folgen kann. An einigen Stellen kann man in eine ca. 2 m tiefere Etage schauen, dessen Boden von Fließspuren geprägt ist. Für heute haben wir genug entdeckt und machen uns auf den Rückweg. In zwei Wochen wollen wir wieder hier sein.

07.11.2005 Tag 9: Am Schutzengel

Ralph hat wieder Urlaub genommen, um mit mir drei Tage in der Höhle zu arbeiten. Mittags um 12 Uhr geht es hinein. In der neuen Kammer beginnen wir an einer viel versprechenden Stelle nach unten zu gehen. Die Blöcke lassen sich gut in kleinen handlichen Stücken entfernen und bald sind wir am Boden eines 50 cm breiten Mäanders, von dem aus man in eine geräumige Kammer kriechen kann. Hier fließt das Wasser deutlich sichtbar weiter nach unten. Wir sind von mächtigem Blockwerk umgeben. Drei ineinander verkeilte Felsen verengen den Weg nach unten. Noch mal geht es 2 m runter, in eine sehr niedrige verblockte Kammer von ca. 4 m², die mir von Anfang an kein gutes Gefühl vermittelt. Alles ist sehr labil verblockt und nur ca. 1 m hoch. Ich hebe nacheinander Blöcke aus dem Boden und immer wieder rutscht etwas knacksend von der Seite nach. Ein beschissener Platz. Aber hier geht es weiter, ich kann es ganz genau an den Bodenformen erkennen. Irgendwie verändert sich hier auch das Gestein. Die Blöcke werden eher rechteckig und sind sehr groß. Ich kann in ein kleines Loch am Boden blicken. Dahinter geht der Mäander weiter. Die Stelle ist richtig heikel. Ich bin total auf den Verbruch fixiert, den ich immer wieder berühre, wenn ich Ralph die großen Blöcke nach oben reiche.

Der Unfall am „Blindgänger“

Mit beiden Beinen kann ich in eine enge Spalte rutschen, um die Sedimente zwischen den Bodenblöcken besser auszukratzen. Langsam wir die Fläche vor mir etwas größer. In Bauchhöhe steckt ein Block der weg muss, um eine bessere Durchgang zu bekommen. Ich bohre ein Loch in den Block, um den Meisel besser ansetzen zu können. Mein Kopf befindet sich ziemlich nahe am Meißel. Als ich mit dem 2 kg Fäustel auf den Meißelschaft schlage spüre ich stechende Schmerzen in Gesicht und Auge. Sogleich kommt mir in den Sinn, dass mir so etwas schon mal passiert ist. Damals hatte ich mir die Hand verletzt. Heute scheint es etwas schlimmer zu sein. Ein so genannter Hammerschlag  - dabei handelt es sich um Metallsplitter, die sich beim Aufeinander schlagen von gehärteten Metallen ablösen können - hat mir einige Splitter ins Auge geschossen. Es tat höllisch weh. Sofort teste ich mit meinem Zeigefinger, ob es noch da oder schon ausgelaufen ist. Aber ich spüre es noch. Mir ist klar, wir müssen die Höhle verlassen, um das Auge zu untersuchen. Nach 30 Minuten sind wir am Auto, und was ich da sehe, sieht nicht so toll aus. Mein Auge tränt wie ein Wasserfall und es fühlt sich an als stecke eine spitze Nagelfeile drinnen. Kurzer Hand entschließe ich mich, die Chefärztin des Klinikums Kelheim, eine gute Freundin, anzurufen. Sie bietet mir an, kurz bei ihr zuhause vorbei zu kommen. Da das Auge sehr ernst aussieht und sie im Klinikum keine entsprechende Abteilung haben, schickt sie mich nach Regensburg in die Uni-Klinik. Na ja, Ralph fährt mich kurzer Hand hin. Um 19 Uhr kommen wir an. Zum Glück ist nichts los und ich werde sofort von Frau Dr. Fuchs, einer - wie ich trotz Schleier vor den Augen erkennen kann - bildhübschen Ärztin, untersucht. Sie operiert 90 Minuten in meinem Auge herum, bis sie alle Eisensplitter entfernt hat. Mit dem Betäubungsmittel war die Prozedur gut auszuhalten und wir hatten trotz allem viel Spaß. Um 24 Uhr waren wir wieder zurück in unserem Quartier. Irgendwie bin ich fast blind und habe höllische Schmerzen. Die Forschungswoche ist geplatzt. Am nächsten Tag laden mich Sabine und Dani zu sich nach Ehrwald in Österreich ein. Dani holt mich sogar noch in Mühlbach ab und fährt fast 500 km für mich.

19.11.2005 Tag 10: Ins Neuland zum Schacht 2

Zwei Wochen nach meinem spektakulären Augenunfall bin ich wieder einsatzfähig. Ralph hat Bohrmaschine und Akku dabei. Doch auch heute wehrt sich die Höhle mit allen Mitteln. Der Block, der den Schluf in weitere Höhlenteile blockiert, macht Schwierigkeiten. So versuche ich mich an der rechten Seite des engen Schlufs. Hier klappt alles wie am Schnürchen. Warum nicht gleich so. Ich schiebe mich unter den bedrohlich über mir hängenden Blöcken ins Neuland. Tatsächlich tut sich nach 2 m wieder eine kleine Kammer auf, in der man fast stehen kann. Ich fordere Ralph zum Nachkommen auf. Kurze Zeit später stellen wir fest, dass sich die einfließenden Wassermassen einen Weg durch offenen Bodenverbruch in tiefere Höhlenteile gesucht haben. Nach Entfernen einiger Blöcke tun sich verschiedene Löcher auf und geben den Blick in einen ca. 5 m tiefer liegende Raum frei. Ralph nimmt die großen Böcke von mir entgegen und verstaut sie hinter sich. Ich arbeite mich immer weiter nach unten. Der ganze Verbruch wackelt verdächtig und immer wieder fallen Steine tief ins Neuland. Mir wurde die ganze Sache langsam etwas unheimlich, als ich sah, auf was ich eigentlich stehe. Nur zwei größere Felsbrocken verkeilen sich zu einer Art Brücke über einem Abgrund. Ich rette mich nach oben und wir besprechen für die nächste Woche die weitere Vorgehensweise noch vor Ort.

26.11.2005 Tag 11: Schacht 2 Neuland in die Genickdusche

1Der Schacht ist nach drei Stunden so ausgeräumt, dass der 6 m tiefe Abstieg in die Kammer möglich wird. Ich schicke Ernst nach unten, damit er das Neuland erkunden kann. Wir kommen nach und befinden uns in einer geräumigen Schachterweiterung von 5 x 1,5 m. Am Boden ist deutlich ein Gerinnekanal zu erkennen, der weiter nach unten führt. Ralph entfernt aus der nächsten Engstelle einige große Blöcke, die sogleich in den nächsten winzigen Raum führt. Dort kann man gerade so zusammengekauert sitzen. Ich entferne einige Blöcke, so dass sich Ralph schon wieder durch die nächste Engstelle quetschen kann. Das bringt uns heute aber weiter nichts mehr. Wir brechen mit reichlich Neuland ab. Der Blick in die Fortsetzung macht uns weiterhin Hoffnung.

 

27.11.2005 Tag 12: In die Mausefalle

Nach einer durchzechten kurzen Nacht geht es um 11 Uhr wieder in den Schacht. Nach nur einer Stund schluft Ralph bereits durch die nicht mehr vorhandene Engstelle des letzten Tages in den nächsten Verbruchraum. Am Ende des Raumes öffnet sich ein ca. 2 m tiefes Loch, in dem wieder große Blöcke stecken. Am Grund ist sauberes Geröll zu erkennen. Die Decke darüber sieht nicht sehr sicher aus!

1Durch die Umschichtung der Verbruchblöcke wird der ganze Raum immer instabiler. Wir stützen die brisanten Stellen mit den entnommenen Felsblöcken aus dem Schacht ab.  Die Höhle ist momentan noch nicht im Guten mit uns. Nach diesem „Wink mit dem Verbruchblock“ brechen wir sofort ab.

Als wir morgens in den Schacht abstiegen, konnte man deutlich einen auswärts führenden Luftzug feststellen. Eine Seltenheit, denn sonst zog er immer nach innen. Dieses Phänomen ist vermutlich auf die außen herrschenden Wetterverhältnisse zurückzuführen. Wir vermuten, dass das Höhlensystem bei Luftdruckschwankungen atmet. Am Hinausweg konnte keine Bewetterung mehr festgestellt werden.

02.12.2005 Tag 13: Wegbereitung

Ralph hat Zwangsurlaub bekommen. Wir beseitigen sämtliche Engstellen bis zum Blindgänger. Jetzt ist wirklich genügend Platz, um einen relativ bequemen Materialtransport zu gewährleisten. Heute war wieder Luftzug einwärts.

03.12.2005 Tag 14: Materialtransport

Die Genickdusche läuft wieder sehr stark. Luftzug einwärts.

10.12.2005 Tag 15: Schacht 3

Die Verbruchblöcke im Schacht machen wirklich Schwierigkeiten.

11.12.2005  Tag 16: Schacht 3

1Gestern konnten wir feststellen, dass der wenige Regen der letzten Woche doch einiges an Veränderungen an den Bodensedimenten anrichtete. Während der Mittagspause hebe ich eine dicke Bodenplatte oberhalb des Schachts weg. Ralph kann so in einen geräumigen Schluf ca. 7 m einfahren. Am Ende findet er einen kleinen Haufen Wasserlinsen, die vermutlich aus einem anderen Teil der Höhle von oben eingeschwemmt wurden.

Am Boden außerhalb des Schachts kann Ralph weitere Hohlräume erkennen, die nach unten führen. Für die Einsätze an den drei Königstagen vom 3. bis 8. Januar haben wir also genug zu tun. Ob wir dann schon in eine neue Fortsetzung kommen, ist fraglich.

04.01.2006 Tag 17: Schacht 3

Wieder ist uns das Glück hold. Ralph hatte die richtige Nase, was die Fortsetzung anbelangt. Tatsächlich öffnet sich eine schmale Felskluft, die genau unter dem Schluf weiterführt, das er letztes mal entdeckt hat. Schon seltsam, dass wir immer wieder an der Richtigen Stelle eine Fortsetzung finden. Es wird alles so weit vorbereitet, dass wir morgen die nur 50 cm breite 1 m hohe Kluft ausräumen können.

05.01.2006 Tag 18: Wasserrutsche

Arbeiten uns ca. 1,5 m weit in die Kluft hinein. Es geht mindestens noch mal 2 m so weiter. Langsam geht uns der Platz für das anfallende Gestein aus.

06.01.2006 Tag 19: Wasserrutsche

Die Arbeiten gehen zügig voran, doch bereiten der Abtransport und das Lagern der Blöcke einige Schwierigkeiten. Der Fels ist in nunmehr schon – 35 m Tiefe immer noch Dolomit. Wieder kommen wir 1,5 m weiter und können erstmals eine kleine Schachtstufe erkennen. Am Boden steht Wasser in einem schmalen Tümpel, die Wände sind sicher 1 m auseinander. Die Tiefe beträgt ca. 2,5 m.

07.01.2006 Tag 20: Wasserrutsche

Wir erreichen den Schachtabsatz nach 6 Stunden. Ich kann bereits mit einem Fuß im Neuland baumeln. Ralph sieht mit seiner Halogenlampe ca. 10 m weiter. Am Ende der sehr engen Kluft ist eine zweite Wasserfläche zu erahnen. Möglicherweise ist die untere Partie der Kluft beschlufbar. Wir sind nun sicher schon fast 38 m unter dem Dolinenrand.

08.01.2006 Tag 21: Wasserfallstufe

1Der letzte Tag der Forschungswoche. Unser Abstieg wird super geräumig, was aber automatisch neue Abraumprobleme mit sich bringt. Es ist aber ein Minimum an Arbeitsfläche notwendig um weiter zu kommen. Nach 2 Stunden habe ich die 1,5 m lange Engstelle beseitigt und Ralph springt hinunter. Die Kammer entpuppt sich als Kämmerchen und die Wasserflächen als ein Tablett großes Becken in einer wieder nur 20 cm breiten 2,5 m hohen Kluft. Mit letzter Kraft erreicht Ralph eine Stelle, die sich als niedriger Schluf Wasserschluf entpuppt. Hier ist für heute Schluss. In 5 Tagen haben wir zu zweit 10 m Kluft geöffnet. Noch vor einigen Jahren benötigten wir dafür in einer anderen Höhle mit 6 Personen über 6 Monate.

13.01.2006 Tag 22: Im Kirschwasser

Wir sind wieder an der Stelle, die nicht besser aussieht als alle anderen vorher. Nur hat sich nun der Charakter der früher 50 cm engen, 10 m langen Kluft geändert und um 90° gedreht. Wir verlassen die bequem bekriechbare 10 m Kluft und befinden uns jetzt in einem horizontalen Schluf von 30 cm Höhe und 50 cm Breite. Ich bin heute gleich als erster nach vorne gegangen, um den 90° Knick so zu erweitern, dass man mit eingezogenem Kopf mit Helm und Knien bis hinter die Ohren angelegt auf der Seite am Boden des Schlufs liegend drehen kann. So muss man bis zur Wasserfallstufe nicht rückwärts raus.

Ralphs Beschreibungen erweisen sich wie immer als sehr realistisch. Keine Chance für mich da hinein zu kommen. Also muss die Höhlenschlange wieder vor. Er gräbt den Schotterboden frei und zwängt sich in das Schluf. Nach 2 m erreicht er in der niedrigen Röhre ein langes 20 cm tiefes Wasserbecken. Darin schwimmen noch einige konservierte Kirschen vom letzten Jahr herum. Mit einem lauten Lachen ruft er mir zu, er läge gerade „Im Kirschwasser“. 1 m weiter spannt sich eine 10 cm dicke Felsplatte, die diese 45 cm hohe Röhre in zwei Hälften teilt. Nach getaner Bodenvertiefung beordert er mich nach vorn zum beseitigen.

Ich kann mich gerade so bis zum Kirschwasser durchzwängen. An eine Möglichkeit hier drinnen zu arbeiten ist für mich momentan nicht zu denken. Ich muss wieder zurück und verlasse den 20 cm tiefen Wasserkanal, um in die 2 m lange Schlammsuppenwende zu robben. Dort schaffe ich durchs Tieferlegen des Sedimentbodens eine relativ geräumige Wendestelle für einen einigermaßen gelenkigen 180 cm großen Kerl. Was ab jetzt vor mir liegt, ist im Grunde genommen mit Worten nicht zu beschreiben. Es ist eigentlich auch nicht vorstellbar und verstehen kann man das, was man hier tut erst recht nicht. Was also treibt einen noch einigermaßen gescheiten Kerl an diesen Ort, und warum nimmt er all diese Schmerzen, Qualen und Gefahren auf sich, umhüllt von einem Mantel aus matschiger Schlammsuppe, eingebettet von schier undurchdringlichem Felsen, der einem wie ein festgezogener Schraubstock den Körper einzwängt.

Manchmal erinnere ich in solchen Situationen daran, dass es Leute in meinem Umfeld gibt, die einem selbst diese wirklich nicht angenehmen Arbeit noch madig machen wollen, weil sie selbst nicht fähig sind, sich bis an diese Stellen unseres Planeten vorzuarbeiten, und deshalb keine Chance haben, sich mit dem Erfolg anderer zu profilieren. Dann wird mir bewusst, wie egal mir diese Menschen sind, und dass der Motor, der mich und Gleichgesinnte antreibt, die Gewissheit ist, dass es in unserer Macht liegt, tief unter der Erde Landschaften mit Licht zu erfüllen und zu erforschen, die nie zuvor ein Mensch je zu Gesicht bekommen hat.

Plötzlich spüre ich wieder die Kälte an den Händen und am ganzen Körper, die mich aus meinen Gedanken reißt. Blöcke aus der nur 40 cm hohen Röhre zu entfernen ist in dieser Brühe liegend sowas von nervig. Aus der Bohrmaschine läuft das braune Wasser heraus und ich rechne jeden Moment damit, dass sie ihren Geist auf gibt. Irgendetwas ist vermutlich gerade kaputt gegangen, denn der Bohrkopf wackelt verdächtig, und der Motor macht seltsame Geräusche. Wiedererwarten geht alles unglaublich gut voran. Immer wenn ein Felsbrocken von der Decke in das nun bald 30 cm tiefe Wasserbecken fällt, überschwemmt mich ein kleiner Tsunami und spült mir die schlammige Brühe unter den Helm. Minuten lang tropfen meine nassen Haare. Ralph liegt die ganze Zeit hinter mir in der Schlammsuppenwende und nimmt mir die Steine ab. Drei Stunden plansche ich nun schon in dieser Röhre herum und es reicht mir langsam. Es ist sicher schon nach 22 Uhr und in Anbetracht der nächsten zwei Arbeitstage sollten wir nun abbrechen. Um 23.30 Uhr stehen wir bei – 10 C° vor unseren Autos und versuchen uns gegenseitig aus den nassen Schlatzen zu helfen, bevor wir in ihnen festgefroren werden. Noch einmal eine harte Prüfung für unser Durchhaltevermögen. Umso schöner fühlt sich später die wohlige Wärme im Zimmer bei einem guten Glas Wein an.

14.01.2006 Tag 23: Kirschwasser

Am Morgen müssen wir als erstes zu Hause bei Ernst vorbeifahren, denn die Kabelverbindung zu unserer Bohrmaschine hat einen Kurzschluss. Dank seiner guten Werkstatt gelingt es mir den Schaden schnell zu beheben. Um 11.30 Uhr geht’s dann in die Höhle. Vorher frieren uns erst mal die Handschuhe an die Finger. Das ist fast schlimmer als im Kirschwasser zu baden. Ich gehe diesmal gleich vor und mache mich an der ca. 1 m langen Naturbrücke zu schaffen. Mit dem Fäustel gelingt es die Kanten der Platte abzuschlagen, um sie dann mit der Bohrmaschine zu zerkleinern. Dabei stütze ich die Bohrmaschine mit den Armen ab, die fast bis zu den Handgelenken im schlammigen 8 C° kalten Wasser stehen. Es dauert wieder einige Stunden, bis die Brücke beseitigt ist. Zum Glück gibt es immer wieder Nischen, in denen man den anfallenden Verbruch verstauen kann. Die größte Gefahr für unser Weiterkommen besteht darin, dass wir keinen Stauraum mehr zur Verfügung haben. Aber all die bewältigten Schwierigkeiten deuten darauf hin, dass uns die Höhle wohl gesonnen ist und wir immer weiter kommen werden.

1Seit gestern konnten wir schon ca. 6 m Neuland machen, und so wie es aussieht endet das Kirschwasser vor mir an einem 90° Linksknick. Endlich komme ich aus dem kalten Wasser raus. Der Boden muss noch etwas vertieft werden, dann kann ich wieder 2 m weiterschlufen. Durch ein 40 x 40 cm großes Loch drücke ich mich in eine winzige Röhrenerweiterung. Hier ist wieder etwas Platz für Aushub. Ich bin ziemlich fertig, sodass mich Ralph jetzt unbedingt ablösen muss damit ich mich an der trockenen Wasserfallstufe ausruhen kann. In nicht mal einer 45 Minuten schlichtet er die kleine Erweiterung mit Verbruchblöcken aus der Fortsetzung zu und arbeitet sich 2 m weiter nach vorne. Mir wird es jetzt einfach zu kalt. Mehrere male schreie ich in die nun schon fast 15 m lange Röhre, bis er mich endlich wahrnimmt und wir den Rückzug antreten können. Es ist erst 16 Uhr. Eine gute Gelegenheit noch mal bei Ernst vorbei zu fahren, um eine wärmende und reinigende Dusche zu nehmen, bevor wir nach Beilngries fahren, um ein gutes, wohlverdientes Essen einzunehmen. Um 20 Uhr genehmigen wir uns noch den obligatorischen Neuland Cognac und treffen Max Wissack und Herbert Janschke, zwei Kollegen aus Schwaben, die heute mit Vereinskollegen der KGM in der Mühlbachhöhle geforscht haben.

15.01.2006  Tag 24: Die 200 mm Barriere

Um 10 Uhr stehen wir wieder bei Fuß. Heut Morgen hat es keinen so strengen Frost mehr und ein sonniger Himmel steht über dem Höhleneingang, der uns das Anlegen der verschlammten Schlatze etwas schöner gestaltet. Nach kurzem Anmarsch liege ich wieder in dieser nervigen Röhre, Ralph hinter mir. Auch heute ist uns die Höhle wohl gesonnen, und wir kommen gut vorran. Das Schluf sieht so eng aus, dass ich mir nicht vorstellen kann, hier jemals weiterzukommen. Und doch geht es stetig vorwärts. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Röhre vor mir auch ohne etwas erweitern zu müssen beschlufbar ist. Doch der Schein täuschte uns bis jetzt immer. Vermutlich passt sich unsere Schaltzentrale im Gehirn dem beengten Raum an und gaukelt uns vor, wir befänden uns in einer Röhre, in der man leicht zu zweit nebeneinander liegen könnte. Erst als mich Ralph ablöst und den nächsten Meter frei räumt, sehe ich, dass seine beiden Gummistiefel fast den ganzen Schluf ausfüllen. Das war vielleicht auch mein Fehler, den ich heute gemacht habe. Ich dachte ich könnte die 2 m lange Engstelle überwinden und einen kleinen Raum erreichen, den ich dahinter vermutete. Deshalb vernachlässigte ich eine ordentliche Vergrößerung des Schlufs. Aber leider fehlen am Schluss 200 mm, die verhindern, dass ich durchkomme. Selbst Ralph hatte keine Chance. Na ja, dann eben beim nächsten mal. Wir brechen ab, mit der Gewissheit, dass wir uns in den letzten 7 Einsätzen 20 m in eine ursprünglich nur 25 cm hohe Röhre gearbeitet haben. Wie geht’s wohl weiter?

28.01.2006 Tag 25: Durch das 20 m lange Kirschwasser

Mit genügend Ausrüstung kriechen wir durch das enge mittlerweile schon 20 m lange Schluf des Kirschwassers. Die kurze Tauphase vor einigen Tagen ließ die lange Röhre halb voll Wasser laufen. Wie kann man sich nur auf so einen Quatsch einlassen. Zum Glück haben wir unsere Trockenanzüge an. Das 2° C kalte Schmelzwasser quält einen furchtbar. Meine Finger spüre ich kaum noch. Ralph hat zum Glück Neoprenhandschuhe an. Trotz aller Widrigkeiten überwinde ich nach 3 Stunden die 2 m lange Engstelle. Danach geht es 45° nach rechts weiter in eine Art Strudelloch. Vor mir liegt alles voller Felsblöcke. Einige kann ich Ralph nach hinten reichen, den Rest schiebe ich nach vorne, in der Hoffnung, sie dort in kleinen Spalten zu verräumen. Drei Stunden später liege ich in der Fortsetzung des 1,2 m breiten und 50 cm hohen Schlufs.

Hier ist endlich nach 23 m der erste Platz, an dem wir die Positionen wechseln können. Für mich ist es da vorne wieder mal zu eng, also soll Ralph nachschauen. Seine Beschreibung lässt weiterhin nichts Gutes erhoffen. Nach Beseitigung einiger Blöcke sollten wir aber gute 3 m weiter kommen, meint er. In der Zwischenzeit habe ich die Röhre so verbreitert, dass wir hier nach 25 m Schluf den ersten Wendeplatz haben und nicht jedes mal rückwärts raus müssen. Wir verlassen das eisige Wasserschluf und freuen uns schon darauf, das nasse Zeug bei – 15° C draußen am Auto auszuziehen. Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass man hierfür nur 3 Minuten Zeit hat, dann gefriert einem nämlich der nasse Schlatz so fest an den Körper, dass man nicht mehr rauskommt.

29.01.2006 Tag 26

Ralph will diesmal an der Front ein Stück weitermachen. Doch gerade an der heutigen Stelle funktioniert überhaupt nichts. Der Fels ist völlig durchlöchert. Über eine Stunde probiert er herum, dann hat er die Nase voll und schickt mich nach vorn. Für den nächsten Meter brauche ich 2 Stunden. Hämmerschläge und Verzweiflungsschreie wechseln sich stetig ab. Ralph unterstützt mich psychotherapeutisch, sonst hätte ich heute schon lange aufgegeben. Es war wieder ein furchtbarer Tag. Wir wechseln noch mal kurz die Position, damit er die nächsten Meter einsehen kann. Der Typ ist so dünn, dass er tatsächlich 3 m weiter robben kann. Vor ihm verschließen Felsbrocken das Schluf. Er entfernt einige und blickt weitere 5 m in die Röhre. Abbruch im 30 m Horrorschluf, mir reicht´s. Hat das Ding denn nie ein Ende?

04.02.2006 Tag 27

Auch heute läuft ein kleines Rinnsal mit eiskaltem Tauwasser in den Schacht. Das wenige Wasser kühlt die Luft so dermaßen herunter, das wir fast erfrieren. Die Kälte, der eisige Luftzug, die Enge, eingeschlossen in einem Sarkophag aus 100 m dicken Steinwänden, das alles zehrt an meinen Nerven. Nicht einmal den Kopf kann ich ohne Gewalt anzuwenden von einer auf die andere Seite drehen und es scheint da vorne kein Ende zu nehmen. Warum mach ich das? Und warum liegt Ralph hinter mir, kann sich noch weniger bewegen und friert noch viel mehr als ich. Ich rede mir immer wieder ein, dass jeder intensive Einsatz, den man wirklich will, irgendwann belohnt wird, oder andere Türen öffnet.

Heute ist wirklich der schlimmste Tag da unten. Ich verzweifle total, weil nichts klappt. Die Röhre wird einfach nicht so groß wie ich das will. So schicke ich Ralph wieder vor. Er soll versuchen noch einige Felsnasen abzuschlagen und dann 3 m weiter, bis zur nächsten Versturzbarriere zu kommen. Auch ohne zu meißeln kommt er durch und entfernt einige Blöcke. Dahinter geht’s schon wieder mehrere Meter weiter. Weil wir auch morgen herkommen wollen, brechen wir jetzt ab.

05.02.2006 Tag 28

Der Wasserzulauf ist noch etwas stärker geworden und es ist schweinekalt. Ich liege mit Brecheisen und Fäustel an Ralphs verblocktem Endpunkt. Das wären die idealen Brocken für einen fränkischen Steingarten, denke ich mir. Trotz meiner Zweifel, lösen sie sich fast wie von selbst. Die Röhre ist breit genug, und der Sedimentboden lässt sich mit dem Brecheisen gut lockern. Das nächste Hochwasser nimmt das Zeug dann schon mit nach unten.

Wir kommen das erste mal seit Ende Dezember ein enormes Stück voran. Fast 8 m weit. Dann wird die Röhre wieder etwas enger und es müssen einige Felsnasen abgeschlagen werden. Vor mir tauchen Verbruchblöcke auf, hinter denen es anscheinend nach links abgeht. Auch sie lassen sich leicht entfernen und nach vorn in den Gang schieben. Der ist nun fast völlig verstopft.

Von meiner Position aus sieht es da vorne nicht schlecht aus. Aber das täuscht vermutlich wie immer. Es scheint etwas Platz zu sein, um das störende Blockwerk zu verräumen. Als ich nach 4 Stunden endlich im nächsten Gangknick liege, bekomme ich fast einen Tobsuchtsanfall. Die in den letzten 12 m so geräumige Röhre verwandelt sich wieder zu einem nur 50 cm breiten senkrechten Spalt, der fast völlig verblockt ist. Ich schätze ihn auf 3 m Länge, danach scheint es irgendwie aus zu sein. Nur das kleine Bächlein macht mir etwas Hoffnung. So wie es sich anhört, läuft das Wasser über eine Stufe nach unten. Vielleicht kommt nun endlich der lang ersehnte Schacht. Wie und ob wir hier überhaupt noch weiter kommen ist mir jetzt noch nicht ganz klar. Aber erst mal drüber schlafen, dann fällt mir schon wieder etwas ein.

11.02.2006 Tag 29

Mit neuen Ideen kehren wir an die so aussichtslos erscheinende Stelle zurück. Ralph hat nun auch etwas mehr Platz hinter mir und fühlt sich gleich wohler in der 48 cm Röhre. Die Spalte vor mir ist genau zweigeteilt. Die obere Hälfte besteht aus dem seit fast 40 Metern bekannten ausgelaugten dolomitisierten löchrigen Kalk. Darunter ist das Gestein fest und kompakt. Ich komme 1,5 m weiter. Ab und zu reiche ich Ralph die größeren Brocken, damit er sie 5 m hinter sich in einer Spalte verräumen kann. So wird es ihm wenigstens etwas warm. Leider geht mir nach 4 Stunden die Puste aus, und jeder Knochen im Körper tut mir vom Liegen auf den spitzen Steinen weh. Wenn wir morgen noch mal rein wollen, sollten wir nun abbrechen. Ralph ist einverstanden. Der Arme friert sich fast den Hintern ab. Den Rückweg aus der nun schon 40 m langen Röhre kann man wirklich buchstäblich nehmen. Wir quetschen uns 20 m rückwärts auf dem Bauch liegend bis zum „Einzigen Wendepunkt“, der genau in der Mitte der Röhre liegt. Die restlichen 20 m überwinden wir vorwärts bis zum Kragen in 2°C kaltem Wasser schlufend. Manchmal muss das Gesicht auch halb in die dreckige Brühe gelegt werden.

12.02.2006 Tag 30

Ob ich am Endpunkt ohne die Geräusche des nach unten plätschernden Wasser noch genügend Motivation gehabt hätte weiterzumachen, weiß ich nicht. Der Spalt ist von den gestrigen Arbeiten so weit aufgefüllt, dass man ohne die Wassergeräusche nicht auf die Idee käme, dass es nach unten geht. Aber es hört sich echt toll an. Die gestrige Engstelle ist schnell beseitigt und ich liege 1,5 m weiter an einer Art Kreuzung an der scheinbar zwei Röhren aufeinander treffen. Durch ein 15 cm breites Loch im Felsboden kann ich in die Tiefe blicken. Ralph reicht mir einen Stein, den ich dort hinein werfe. Er schlägt dreimal an einer Felswand auf, bis er nach 3 Sekunden den Boden erreicht. Wir sind total von den Socken. Ein Schacht befindet sich unter uns. Er hört sich einfach phantastisch an, fast wie das verliebte Flüstern einer wunderschönen Frau ins Ohr ihres Partners.

1Aber wie da runter kommen? Der Felsboden gibt nur das 15 cm breite Loch frei, das mindestens 1 m runter geht, bis es wieder beschlufbar groß wird. Ralph meint, ich soll halt einfach anfangen, was ich natürlich auch mache. Weiter vorn sieht es besser aus. Nach 90 Minuten kann ich mich das erste Mal in dem 40 m langen Schluf hinstellen. Was das für ein Gefühl ist, kann ich niemanden beschreiben. Nach 16 Tagen in diesem Ekelschluf kann ich Ralph zum ersten Mal bei der Arbeit ins Gesicht schauen und er sieht endlich auch mal etwas anderes als die Sohlen meiner Gummistiefel. Jetzt macht es wieder richtig Spaß. Welch ein Glück, dass ich die vielen Felsbrocken nach unten werfen kann. Platz wäre hier oben sicher nicht genug gewesen, zumal ich den Raum als Wendeplatz für uns erhalten will. Der Gang unter mir ist durch den ganzen Felsschutt so weit aufgefüllt, dass nur noch Ralph hinunter passt, um das Material nach unten zu werfen. Die Brocken schlagen wirklich beeindruckend am Grund des Schachtes auf. Das gibt uns richtig Hoffnung.

Nach unserer Einschätzung könnte er eine Tiefe von etwa 10 bis 15 Metern erreichen. Dann wären wir schon fast 45 m tief in die Hochfläche eingedrungen. Geht wir davon aus, dass der Karstwasserspiegel laut Grundwasserkarte bei ca. 400 m ü. M. erreicht wird und der Höhleneingang auf 485 m ü. M. liegt, fehlen somit nur noch ca. 40 m bis ins Wasserhöhlensystem. Also vielleicht haben wir ja Glück und erreichen über eine weitere Schachtstufe unser Ziel. Das werden wir ja bald sehen. 

Ralph räumt die letzten Felsen aus der kleinen Wasserfallstufe und zwängt sich in die nächste Erweiterung. Er sitzt vor einem gähnenden Abgrund. Ich beobachte ihn von oben. Hier ist die schönste Stelle der gesamten Höhle. Glatter Fels belegt mit Fließfacetten, alles blitzsauber. Wirklich beeindruckend nach 30 Tagen intensiver Arbeit. Wir sind total euphorisch. Er kommt hoch und reicht mir die Gerätschaften nach unten. Eine Stunde später habe ich den Durchstieg zum Schachtmund so ausgeräumt, dass wir ihn bequem erreichen können. Nach weiteren 45 min. stehe ich auf einem 10 cm breiten Absatz bis zu den Schultern im offenen Schacht steckend. Wir haben es geschafft, noch drei Löcher für die Felsanker gebohrt, dann ist alles vorbereitet, um nächste Woche in den Schacht abzuseilen. Heute Abend wird richtig gefeiert. Nach der zweiten Flasche Neuland-Cognac, wir stoßen nämlich jedes Mal nach einer Neulandbefahrung aus dieser Flasche an, trinken wir heute auf den ersten natürlich gewachsenen Schacht der Höhle. Was wird da unten nur auf uns warten!

14.02.2006 Der Schacht am Valentinstag

 

1Schon seit Jahren wollte ich das Höhlenseil meiner Vietnamexpedition für einen besonderen Einsatz  verwenden. Heute sollte dieser Tag sein. Ich habe es auf 30 m gekürzt, um es im hoffentlich befahrbar großen Neulandschacht einzusetzen. Mit einer kleine 5 l Fototonne, die ich in dem 40 m Schluf vor mir her schiebe, und den Materialschleifsack am rechten Fuß befestigt, geht es in Richtung Schacht. Immer wieder muss Ralph den schwere Schleifsack mit Seil, zwei Schachtausrüstungen und Karabinern, hinter mir durchs Schluf dirigieren. Am Endpunkt angekommen, setze ich mich direkt über den gähnenden Abgrund, um dort einigermaßen bequem das Gurtzeug anzulegen. Ralph bereitet derweil Seil, Bandschlingen, Anker und Karabinerfür den Einbau vor und reicht mir alles nacheinander runter. Dummerweise habe ich den Ringschlüssel für die Maueranker vergessen. Mit Steigklemme und Ankerlaschen gelingt es mich dann doch, alle drei Anker sicher in der Felswand zu fixieren.

Ralph hat in der Zwischenzeit auch sein Gurtzeug angelegt. Er hat sich etwas Besonderes für die Erstbefahrung einfallen lassen. Mit einer roten Rose im Mund wollen wir den Schacht abseilen und ihn „Rosenkavalier“ benennen. Ich mache mit Ralph aus, auf dem von meiner Position gut einsehbaren 2 m tiefer liegenden Absatz auf ihn zu warten. Dort werden wir dann einige Fotos schießen und weiter abseilen. Voller 1Erwartung hänge ich mich ans Seil und fahre langsam ab. Gleich öffnet sich der 2 m breite Schacht zu einer geräumigen Glocke mit hunderten nadelscharf korrodierten Felszacken. Der Absatz, den ich von oben einsehen konnte, entpuppt sich als 5 m langer, 1 m breiter und 3 m hoher kluftgebundener Gang. Sein Ende geht in eine unschlufbare mehr als 2 m tiefe Spalte über. Schon schlupfen Ralphs Beine durch den Schachtmund und er baumelt mit der roten Rose im Mund vor mir im Schacht. Sieht echt gut aus nach 30 Tagen in körperengen Schlufen. Er pendelt zu mir rüber, um die Fotoausrüstung vorzubereiten. Derweil hänge ich mich wieder am Seil ein, die Rose im Mund, bereit zum Abseilen. Ralph macht einige Bilder von mir, wie ich langsam nach unten verschwinde. Nach ca. 10 m verengt er sich ringsum, darunter scheint es wieder breit zu werden. Ich berichte Ralph euphorisch: „Da unten wird es wieder richtig groß!“ Kaum gesagt, passiere ich die Verengung, seile weitere 5 m ab und stehe am nur esstischgroßen Schachtboden. Im selben Augenblick fühle ich mich an einen total anderen Ort versetzt. Ich kann überhaupt nicht fassen oder glauben, wo ich mich nun befinde. Das ist absolut nicht das, was wir uns vorgestellt haben oder was uns durch die aufschlagenden Steine vorgegaukelt wurde. Wo bin ich hier bloß und wo verschwinden die 500 l/s Wasser, die in die Höhle einlaufen? Ich will hier überhaupt nicht sein, das stimmt alles nicht, das ist einfach nicht wahr. Ich bin so etwas von frustriert, deprimiert und stinksauer, dass ich fast vergesse, dass Ralph vielleicht auch runter will. Ich frage ihn ob er noch Interesse hat, in diesen Blindschacht abzuseilen. Natürlich will ich runter, tönt es von oben. Ungläubig von dem was ich hier sehe, lege ich mich auf den Boden und suche das unterste Felsband nach einem Ablauf ab. Tatsächlich ist hier auch einer, aber nur so groß wie ein Fußball. Blitzsauber, die Röhre voll mit Fließfacetten, in 1,5 m Entfernung liegen einige Felsblöcke. Ist das alles, ist das wirklich alles? Ich kann es noch immer nicht glauben.

1Ralph kommt langsam nach unten. Da ich nirgends einen sicheren Standplatz habe, drücke ich mich fest unter einen schmalen Absatz, der mich wenigstens etwas schützt, sollten Steine von oben fallen. Auch Ralph bricht nicht gerade in Jubelschreie aus. Unglaublich, was diese Höhle mit uns treibt. Trotz des geringen Wasserzulaufs stehen wir in einem Dunst von Wassertropfen. Mir ist total kalt und ich kann mir momentan absolut nicht vorstellen, wie wir hier weitermachen. Ohne Spritzwasserschutz und guter Wärmeisolierung ist hier nichts zu machen. Ralph baut mich etwas auf und meint: Wir sind bis hierher gekommen, dann schaffen wir auch noch die letzten 15 m nach unten. Er kann mir heute viel erzählen, ich will einfach nur noch raus……

Ungeachtet dieses herben Tiefschlags haben wir uns die Feierlaune am Abend nicht verderben lassen. Aus unserer Neulandflasche hat sich diesmal jeder zwei Drinks genehmigt und die Flasche Sekt war auch nicht schlecht. Nachdem ich mich wieder etwas gefangen hatte, wurden schon die ersten Pläne für die weiteren Arbeiten geschmiedet. Kommt Zeit kommt Rat.

15.02.2006 Tag 31

Heute ist starkes Tauwetter angesagt, was uns nicht erlaubt, tiefer in die Höhle, schon gar nicht in den „Rosenkavalier“ vorzudringen. Deshalb nützen wir die Gelegenheit, endlich die Geröllschutzgitter in die hochwassergefährdeten Abstiege einzubauen. Dann werden wir sehen, ob sich diese Stellen nach den Wassereinbrüchen verändern.

18.03.06 Hochwasserschaden

Schacht 1 ist verstürzt. Das Jahrhundert Hochwasser hat seine Wirkung in der Höhle gezeigt.

25.03.06 Grabung 32: Reparieren Schacht 1

Nach dem starken Hochwassereinbruch in der Höhle machen wir Schacht 1 wieder befahrbar und vermessen anschließend, wie nach Abschluss der Arbeiten am Kirschwasser-Schluf ausgemacht, die Gangteile bis in den „Rosenkavalier“.

Plan des Gangteils „Fränkisches Oberland“

 


Wir erreichen am 25.03.2006 eine vermessene Ganglänge von 120 m bei einer Tiefe von 51 m.

08.04.06 Grabung 33: Zum Rosenkavalier

Kümmern uns nochmals um den Schacht 1. Danach wird die Fortsetzung des Rosenkavaliers untersucht, um zu entscheiden wie es weiter gehen soll.

Die ganze Höhle wurde vom Hochwasser der letzten Wochen stark verändert. Der 40 m lange Kirschwasser-Schluf hat unsere knochenschützende Lehmschicht verloren und ist jetzt der reinste Fleischwolf. Am Schacht angekommen seilt Ralph als erster ab. Dabei entdeckt er zwei unserer Colaflaschen, die vom Proviantdepot am Schacht 3 stammen. Sie stecken 7 m über dem Boden in der schmalen Kluft mitten im Schacht. Als auch ich an diese Stelle komme, fällt mir eine weitere Flasche auf. Komische Sache, hier stimmt etwas nicht. Uns war schon bei der ersten Befahrung des Schachtes klar, dass er nicht einfach ohne bedeutende Fortsetzung enden kann.

Wir graben etwas in den Schachtboden um zu sehen ob er verstürzt ist und deshalb abrupt aufhört. Doch nach wenigen Dezimetern stoßen wir auf Felsboden. Beim Aufsteigen mache ich noch mal Halt in dem kleinen, eher unbedeutenden Horizontalgang unterhalb des Schachteinstiegs, um diesen näher zu untersuchen. Mir fällt sofort auf, dass aus diesem 4 m langen Gang sämtlicher Lehm weggespült wurde. Damit ist klar, dass sich der 14 m tiefe Schacht komplett mit Wasser füllt und dieser obere Gang mit der anschließenden nach unten führenden Kluft als Überlauf dient. Bei unserer letzten Befahrung konnte ich am Ende dieses kurzen Ganges nur in eine unbedeutende 10 cm breite Kluftspalte etwa 3 m nach unten schauen. Heute bietet sich mir ein völlig anderes Bild. Die Kluft ist zwar oben immer noch so schmal, doch reicht mein Blick nun  etwa 6 m tiefer in eine sicherlich große Erweiterung. Die enormen Hochwässer haben ihre Wirkung gezeigt. Es ist auch deutlich ein weit entferntes Wassertropfen zu vernehmen. Mein kurzer lauter Schrei in die schmale Kluft gibt mir den Rest. Ein unheimliches Echo kommt zurück. Ich beordere Ralph noch mal nach unten, denn er muss mir meine Wahrnehmungen unbedingt bestätigen. Ich kann es nicht glauben.

Aber auch er schätzt die Fortsetzung als brandheiß ein. An der Decke unseres Ganges geht ein schmaler Schluf weiter. Ralph zwängt sich nach oben und beginnt im Lehmboden steckende Felsblöcke zu entfernen. Nach 15 Minuten löse ich ihn ab. Überraschend leicht lässt sich die Engstelle beseitigen. Ralph meint ich soll sie gleich so weit öffnen, dass auch ich hindurch komme. Nach weiteren 15 Minuten buddeln schicke ich Ralph durch. Er soll das Neuland der „Guten Fee“ als Erster betreten. Beide fühlen wir, hier geschieht etwas Besonderes. Er zwängt sich durch und liegt in einer niedrigen Kammer, von der es rechts und links weiter geht. Links wird es wieder eng. Aber rechts. „Allmächt“, was so viel wie „Um Gottes Willen“ heißt, „Du kannst nachkommen“ ruft er zu. Das ist es, denke ich mir. Die kleinen Puzzleteile meiner Träume der letzten Jahre fügen sich weiter aneinander.

Schon vor 4 Wochen als wir den Rosenkavalier entdeckt hatten, fühlte ich mich am Schachtboden an einen anderen Ort versetzt. Hier sollte ich nicht sein. Nicht hier, es gibt noch was Unheimliches in der Nähe, etwas ewaltiges, aber für mich war das damals noch unvorstellbar. Ich war zutiefst enttäuscht. Heute und hier wird mir alles etwas klarer. Die Luft riecht nach Groß, nach sehr Groß! Und auch unser Gefühl lässt uns erschaudern. Doch wir behalten diese Emotionen vorerst für uns.

Ich krieche zu Ralph, der schon einen kurzen Blick um die Ecke geworfen hat. Welch ein Panorama. Vor mir öffnet sich ein großer Raum. Bis heute der größte der Höhle. Einige Meter vor uns überspannt ein mächtiger Felsbogen den Raum, hinter uns stapeln sich schrankgroße Felsbrocken durch die man weit nach oben blicken kann. Ralph soll vor. „Super, hier wird’s groß, aber wo geht’s denn nach unten in die unter uns liegende Kluftfortsetzung Wir sollten eigentlich genau darüber sein.“ Der Raum ist blitzsauber, nur blanke Felswände um uns herum. Von oben läuft ein kleines Gerinne über zwei schöne Stufen, aus einem 6 m hohen Kamin in diesen Raum. Ralph steht über einem kleinen Loch im Boden, ich folge ihm. Wir blicken in einen mindestens 6 m tiefen schmalen Schacht. Unsere Rufe verwandeln sich in ein grandioses Echo. Hier geht’s also weiter. 40 m sind wir an dieser Stelle nun schon unter der Erde. Da geht es sicher noch mal ein ganz schönes Stück weiter runter in Richtung „Colleteur“ (Karstwassersammler, Höhlenbach). Unsere magische Grenztiefe sollte ca. – 95 m betragen. Dann müssen wir auf den Höhlenbach stoßen. Es fehlen nur noch 45 m.

Wir steigen in den schmalen Schacht ab, Ralph wieder voraus. Ein Traum. Saubere Felswände, wie in einer wasseraktiven alpinen Schachthöhle und das hier bei uns in der Frankenalb. Wir kommen etwa 8 m hinunter, dann öffnet sich vor uns ein riesiger, gewaltiger ca. 8 m breiter Schacht. Fassungslosigkeit übermannt uns. Die Lampen können den Boden in ca. 20 m Tiefe nicht richtig ausleuchten. Das Licht wird auf einer Wasserfläche reflektiert. Ungläubig stehen wir auf einem kleinen Absatz. Uns ist klar, wir haben es geschafft. Die unvorstellbaren Strapazen der vergangenen 33 Arbeitstage in dieser Höhle haben sich gelohnt. Hunderte blauer Flecken und blutiger Stellen am ganzen Körper sind vergessen. Ein Gefühl des Triumphes steigt in mir auf und niemand kann mir dieses Gefühl je nehmen. Wir werfen Steine hinunter, die teilweise noch tiefer fallen. Ich stecke meinen Arm in eine große Sanduhr und drehe mich in den überhängenden Schacht, um ihn komplett einzusehen. Nach oben geht es sicher auch noch mal 10 m rauf. Ein gewaltiges Teil. Weiter kommen wir hier ohne Ausrüstung nicht mehr, denn die Zeit wird langsam knapp. Wir hätten zwar alles oben am „Rosenkavalier“, doch für heute haben wir genug gesehen. Ich bin mir sicher, wenn wir hier runter gehen, dann wird es sehr spät.

Was kann es chöneres geben, als an solch einer Stelle umzukehren. Auf dem Weg in eines der größten Wasserhöhlensysteme wir in Deutschland entdecken können. Und wir kommen diesem Ziel immer näher. Welch ein faszinierender Forschungstag geht heute zu Ende. Wir sind uns beide einig: Morgen stehen wir wieder hier.

09.04.06 Tag 34: Der Weg in den „Jurasic Park“ 

Andreas Hartwig unser Kollege aus Göttingen ist wieder übers Wochenende nach Mühlbach gekommen. Gestern ist er mit einem Vereinskollegen der KGM im Ostsiphon der Mühlbachquellhöhle getaucht. Außer Ralph, mir und Andreas ist niemand mehr in Mühlbach. So beschließen wir, Andreas auf eine sicherlich beeindruckende Neulandbefahrung mitzunehmen. Interessiert nimmt er unser Angebot an. Einen kurzen Besuch hatte er der Höhle ja schon vor einem Jahr abgestattet, als der Eingangsschacht mit einer 3 m hohen Säule vereist war.

Morgens um 8 Uhr stehen wir nach einer sehr langen und für mich besonders bezaubernden Nacht etwas übermüdet auf. Im Haus des Gastes fand die alljährliche Mexikanische Nacht statt.

Wir packen die Schleifsäcke zusammen. Bohrmaschine, Strickleiter, Anker, Karabiner und das Schachtzeug von Andreas werden verstaut. Dann geht es los. Mir tun vom gestrigen 40 m Schluf noch alle Knochen weh. Doch was spielt das heute für eine Rolle. Wir werden wieder die ersten Menschen sein, die Landschaften betreten, die noch nie ein Mensch gesehen hat. Gelassene Euphorie überkommt mich. Das Wetter ist stabil. Regen ist nicht zu erwarten. Die Befahrung ist nicht gefährdet. Um 10 Uhr stehen wir am Schacht, schließen das Gitter auf und betreten den Wahnsinn. Bis zum Anfang des Kirschwasser-Schlufs kann sich Andreas die Arbeit, die wir uns hier gemacht haben noch vorstellen. Danach versteht er die Welt nicht mehr. „Wie habt Ihr das nur gemacht“ fragt er immer wieder verständnislos. Nach der „Guten Fee“ sind die Strapazen vorerst mal vergessen. Wir können endlich stehen. Andreas ist begeistert. Für einige Stellen in der Höhle findet er den Vergleich zu Harzer Höhlen, die dann aber am Schachtboden meist enden. Ich sage ihm nur Hier geht es sicher weiter. Ich habe ihm gestern schon erklärt, dass man eine bedeutende Höhle vorstellen muss wie sie aussehen wird. Dann fügt sich auch alles genau so. Ich weiß genau wie sie aussehen wird!

Mit Bohrmaschine Schachtzeug und meinem 30 m Vietnam Seil, das ich für eine ganz besondere Höhle aufgespart habe, klettern wir zur Abseilstelle. Nur wenige Minuten vergehen, dann sind drei Anker befestigt und das Seil fällt ins Dunkel des Schachtes. Andreas soll als erster ins Unbekannte abseilen. Mit seiner starken Helmlampe leuchtet er für uns den Schachtboden ab, der uns in riesigen Dimensionen erscheint. Ein traumhafter Anblick bietet sich. Schnell noch ein paar Aufnahmen, wie er vor unseren Augen verschwindet, dann hören wir nur noch von einem der es wissen muss: „Das ist ja ein gigantischer Schacht“. Ralph meint, „Hast Du gehört, ein gigantischer Schacht!“

 

Als Andreas den Schachtboden erreicht und sein Licht alles ausleuchtet, sehen wir uns in eine slowenische Ponorhöhle versetzt. „Seil frei, ich gehe noch schnell in Deckung, ihr könnt kommen“. „Ich gehe als nächster“ meint Ralph. Er hängt sich ins Schachtzeug, für den Weg nach unten. Ich kann nicht glauben, dass wir es geschafft haben sollten. Als letzter hänge ich mich in das 9 mm Seil ein. Welch ein Gefühl, welch ein Anblick, welch bezaubernder Schacht, der mich hier aufnimmt. Langsam gleite ich nach unten. Er wird immer breiter, überall öffnen sich dunkle Löcher und Klüfte an der Schachtwand, die auf weitere Gänge schließen lassen. Unter mir ist es finster, ich höre nur von Ralph, „wir warten auf Manfred.“ Das lässt mein Herz höher schlagen. Es geht also sicher etwas weiter.

Ich erreiche nach ca. 20 m den Boden des Schachtes in einer riesigen Schlucht. Andreas kommt gerade aus dem Neuland zurück und meint, „der Canyon verengt sich nach 20 m etwas. Mit Schachtzeug komme ich da nicht durch, aber dahinter wird es wieder größer.“ Ich reiche Ralph und Andreas die Hand und gratuliere zu unserer Entdeckung. Wo wir hier stehen, kann sich kein Frankenalbforscher vorstellen. Gut 33 m über uns der „Palmsonntagschacht“, links und rechts dunkle Gangfortsetzungen. Ein 1,5 m breiter Canyon durchquert den Schachtboden in noch mal 4 m Tiefe. Alles ist blitzsauber. Von rechts mündet ein 1,5 m breiter Mäander ein. Wir lassen in noch unbeachtet. Ein mystisches ropfen und lätschern umgibt um, als ob die Höhle erzählen wollte, was uns erwartet.

Wir entschließen uns, flussaufwärts zu gehen und betreten einen 6 m hohen Kluftgang. Gleich tut sich ein weiterer Schacht über uns auf. Sicher 15 m hoch. Schon drei Schächte auf engstem Raum, stellen wir fest. Weiter geht es immer etwas höher von einer Stufe zur nderen. Dann der nächste Schacht 20 m hoch, 5 m breit 10 m lang. Auch er ist an dieser Riesenkluft angelegt. Von links kommt ein weiterer Mäander dazu. Wir bleiben in der Kluft, es plätschert immer lauter.

Diesmal gehe ich im 2 m breiten Gang vor und stehe bald vor einem mit Lehm aufgefüllten Strudeltopf. Eine 2,5 m hohe Stufe ist zu erklettern, dann verengt sich der Gang zu einem herrlichen Mäander, der plötzlich von einem 10 m hohen Schacht unterbrochen wird. Von oben stürzt ein kleines Rinnsal an mir vorbei in die Tiefe. Ich klettere ca. 8 m an der griffigen Schachtwand nach unten in einen kleinen 6 auf 2 m großen Raum. Dort sammelt sich der Tropfwasserfall zu einem Gerinne und verschwindet in einem niedrigen Schluf, das mich sehr an den grausamen 40 m Kirschwasser-Schluf erinnert. Ralph kommt auch mit runter. Er strahlt wie ein kleiner Junge, der seinen ersten Kuss von einem wunderschönen Mädchen bekommt. Mir geht’s ja auch nicht anders. Andreas erkundet derweilen den Mäander weiter aufwärts. Als wir zu ihm stoßen meint er: „Das müsst Ihr Euch mal ansehen. Ein wunderschöner Mäander, die Wände voll mit Korallensinter.“ Wir folgen ihm und hören gleich darauf, „da ist auch eine schöne Halle für Euer Biwak“. Wir lachen nur noch. Ein  sehr trockener,mit großen Verbruchplatten bedeckter Raum erwartet uns. Ein schwacher Luftzug ist zu spüren. Im anschlißenden Verbruch geht es immer weiter. Hier, am „Atem des Poseidon“  brechen wir ab und machen ein Entdeckerfoto.

Es geht zurück zum „Palmsonntagschacht“, denn hier ist ja auch noch nicht das letzte Wort gesprochen. Unglaublich diese Dimensionen it den Schächten haben wir sicher schon 200 m Neuland gesehen. Und jetzt sollte es erst richtig losgehen. Diese vielen verschiedenen Zuläufe lassen auf immer größere Gangpassagen schließen. Die Mischungskorrosion zeigt ihre Wirkung.

Wir spreizen über dem 6 m hohen Canyon, auf dessen Boden Andreas bis zu einer Engstelle vorgedrungen war, ins Neuland. Wieder teilt sich der Gang an einem weiteren Zulauf. Der rößte wird ausgesucht. Vor uns ist alles dunkel. Nur verschwommene Schatten deuten das Gangprofil an. Hier sind die Felsblöcke mit einer dicken, relativ trockenen Lehmschicht überzogen. Vermutlich sehr alt und entstanden, als sich dieser Höhlenteil noch nicht eingetieft hatte oft überflutet war.

Ein kurzes „H“ nach vorne beruhigt uns. Es geht noch weiter, immer im Gedanken, dass sich unter uns ja auch noch ein beeindruckender Canyon befindet, den wir noch nicht weiter verfolgt haben. Die Orientierung fällt bei den ganzen Zubringern und Gangswechseln etwas schwer. Doch eines ist sicher. Wir dringen immer weiter im Karststock vor. Ein 4 m Abstieg bahnt uns den Weg in eine weitere große Halle, dessen Ende ein 15 m Schacht darstellt.

Deutlich ist zu erkennen, dass sich das Wasser seinen Lauf durch den Bodenverbruch sucht. Auf dem Weg durch die Halle haben wir rechts eine 2 m hohe Gangfortsetzung erspäht. Diese gilt es nun weiter zu verfolgen, denn irgendwo muss sich ja noch de Fortsetzung unseres Hauptanyons befinden, den wir 40 m weiter hinten verloren haben. Mit dem erneuten Wasserzulauf vom „Palm Beach“ dürfte sich der Canyon noch mehr vergrößern. Andreas und Ralph warten, während ich den neuen Gang untersuche. Er ist ca. 3 – 4 m breit, wird dann aber teilweise nur 1,5 m hoch. Mit mächtigen Lehmlagern bildet er sicherlich einen fossilen Teil der Höhle. Ab und zu sind hier Fließfacetten an den Wänden zu erkennen. Was auf einen geologischen Schichtwechsel vom dolomitisierten Kalksein zum Massenkalkgestein hinweit. Auf offener Strecke breche ich nach ca. 30 m ab.

Wir sind nun schon sehr lange unterwegs und angesichts unserer langen Heimfahrt, Andreas fährt zurück Richtung Göttingen, Ralph nach Bayreuth und ich nach Ehrwald in Österreich, wollen wir unseren Vorstoß doch begrenzen. Als ich die beiden wieder erreiche, berichtet Andreas von einer phreatischen Röhre die nach unten weiterführt und von einem großen fast runden Verbruchblock, der „Harzer Rolle“, versperrt ist. Sie führt genau dort hin, wo das Wasser des „Palm Beach“ im Boden verschwindet. Trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit will ich noch wissen, was es damit auf sich hat. Denn momentan ist noch nicht sicher, wie die nächste Befahrung der Höhle geplant werden soll. Den Hauptwasserlauf haben wir hier hinten ja immer noch nicht gefunden. Also stürze ich mich auf den zentnerschweren Felsbloc, kippe ihn etwas, so dass Ralph einen kopfgroßen Block dahinter entfernen kann und lasse das Ungetüm in den entstandenen Hohlraum fallen. Der Weg ist frei.

Ich krieche von Ralph gefolgt ca. 6 m weit bis zu einem niedrigen Raum, an dessen linkem Wandboden sich ein kopfgroßes Loch befindet. Diese Wand ist in diesem Bereich nur ca. 5 – 10 cm dick. Dahinter fällt unser Blick auf einen sicher 6 m tiefen Canyon. Hier könnte von links das Wasser vom „Palm Beach“ zulaufen. Rechts geht es groß weiter. Der niedrige Raum in dem wir uns befinden führt gegenüber des kleinen Fensters in einen bequem zu beschlufenden Canyon. Nach wenigen Metern öffnet sich unter mir ein großer Raum. Ich schlufe bis ans Ende des Canyons und leuchte nach unten. Das ist sie, die Hauptfortsetzung. Ein betörendes Echo begrüßt mich. Fließfacetten überall, in 6 – 7 m Tiefe kann ich gerade noch den Anfang eines breiten Gangprofils erkennen. Ich rufe Ralph zu mir, um ihm die Stelle zu zeigen. Auch er ist davon überzeugt, dass es hier weiter geht.

Jetzt ist es genug. Wir brechen die Befahrung nach 3 Stunden in einer der mittlerweile bedeutendsten Schachthöhlen in der Frankenalb ab. Sechs Kamine mit durchschnittlich 20 m Höhe haben wir entdeckt, etwa 400 m neue Gänge betreten und eine Tiefe von ca. – 80 m erreicht.

Was uns die Erforschung der Höhle abverlangen wird, zeigt uns ein weiteres Mal ganz deutlich der 40 m lange Kirschwasser-Schluf Wie durch den Fleischwolf gedreht erreiche ich völlig erschöpft das Tageslicht.

18.04.06 Tag 35: Auf ca. -75 m

Ralph hat Urlaub genommen. Wir wollen eine weitere Forschungswoche im Wolfsblutschacht verbringen. Um 11 Uhr treffe ich direkt aus Österreich kommend in Mühlbach ein. Dort bereiten wir unseren Materialtransport für den 75 m Abstieg vor. Ein Schleifsack mit der ersten Notfallausrüstung und eine Fototonne müssen nach unten gebracht werden. Um 13 Uhr sind wir am Schacht. Nach 70 Minuten ist „Palm-Beach“ erreicht. Hier liegt auch unser heutiges Arbeitsgebiet. Durch das kleine Fenster nach der „Harzer Rolle“ soll der Abstieg in einen ca. 6 m tiefer liegenden Höhlenteil erreicht werden.

Vorher werden die bis jetzt begangenen Gangteile der unteren Horizontaletage vermessen.

Nun wird weiter geforscht und der am Abzweig zur „Harzer Rolle“ weiter führende „Graue Gang“ erkundet, in dem bei der letzten Befahrung auf offener Strecke abgebrochen wurde. Am Umkehrpunkt angekommen geht er in überraschend großen Dimensionen weiter. Etwa 40 m dringen wir in den 3 m breiten und ca. 1,5 m hohen Gang ein. Zu unserer Überraschung treffen wir auf einige schöne Sinterfahnen. Es hat den Anschein als handle es sich bei diesem Gang um einen weiteren fossilen Zulauf des Systems. Am Ende wird der Gang so niedrig und verlehmt, dass wir beschließen, ihn als vorläufig unbedeutend einzustufen und ans Ende der Erforschung der Höhle setzen.

Zurück am „Palm-Beach“ fällt uns ein für Frankenalb-Verhältnisse riesiger Mäander auf, der am Halleneingang im Verbruchboden nach unten führt. Genau in die Richtung in die wir wollen. Ralph geht vor und ruft mich sogleich zu sich. Nach ca. 10 m blicken wir von unten auf das „Harzer Fenster“, über das wir eigentlich hierher gelangen wollten. Welch schöne Fügung. Wir schreiten im größer werdenden Canyon über wunderschön vom Wasser ausgeprägte Felsgänge weiter nach unten. Eine 3 m Stufe wird schnell überwunden. Sie führt in einen großen Raum, von dem aus ein kurzer Mäander zur nächsten Schachtstufe führt. Es verschlägt uns wieder einmal die Sprache. Ein gewaltiger Schacht öffnet sich unter uns. Abkletter ist hier nicht mehr möglich. Eine 10er Strickleiter und die Bohrmaschine müssen her. Nach 45 Minuten ist alles vor Ort und die Strickleiter wird sicher am Schachteingang verankert.

Ralph steigt ab und nimmt auf einer Stufe mit schönem Strudeltopf die Ausrüstung entgegen. Ich folge ihm. Er klettert weiter ab bis wir bald darauf am Boden des Schachtes stehen. Ein 2 m hoher Gang, der mit Lehm angeböscht ist führt nach weiteren 10 m in den „Runden Tisch“, von dem aus nur ein unscheinbarer enger Spalt im Lehmboden weiterführt. Welch eine ungewöhnliche Überraschung. Na ja, das haben Runde Tische eben so an sich, viel Wind um nichts.

Wir gehen zurück zum Schacht um dort drei Fortsetzungen zu untersuchen. Ein nur Suppenteller großer Wasserschlinger führt am Boden starken Luftzug auswärts. Drei Meter darüber untersucht Ralph einen beschlufbaren Gang, der anscheinend ein Zubringer und ebenfalls stark bewettert ist. Weitere 2 m darüber führen zwei größere Löcher in dieselbe Richtung. Sie korrespondieren vermutlich alle drei miteinander. Hier ist ein Aufstieg zu gefährlich. Die Wände sind steil und stark verlehmt. Unerklärlich ist dieser Luftzug in einer Tiefe von ca. 85 m in einem so weit verzweigten Schachtsystem. Für heute haben wir genug gesehen. Morgen wird das mittlere Schluf angegangen, das man schon 6 m weit einsehen kann.

Plan des Höhlenteils „Jurasic-Park“

 


Wir erreichen am 18.04.2006 eine vermessene Ganglänge von 370 m, bei einer Tiefe von 79 m.

19.04.06 Tag 36: Am „Windschacht“

Am heutigen Arbeitsplatz angekommen, bauen wir uns ein schmales Podest 3 m über dem Schachtboden. So kann mir Ralph die Felsblöcke abnehmen, die ich aus dem Schluf schaffen muss. Was da auf mich zu kommt war wieder einmal nicht abzusehen. Wenn man das im Voraus wüsste, würde man niemals anfangen zu arbeiten. Zu Beginn läuft alles sehr viel versprechend, doch bald stellte sich heraus, dass das breiter werdende Schluf immer schlammiger wird. Nach wenigen Minuten versinke ich am Bauch liegend mit den Armen immer wieder bis zu den Schulterblättern im Schlick. Drei Stunden päter bin ich im eiskalten Lehmsumpf so ausgekühlt, dass ich mich fast nicht mehr bewegen kann. Ich beginne mehr und mehr zu zittern und langsam verkrampften sich meine Hände immer häufiger. Wenn wir jetzt nicht abbrechen, besteht die Gefahr, dass ich den langen Aufstieg nicht mehr bewältige. Immer nur 5 Minuten schaffe ich weiter zu machen, dann brauche ich eine Pause. Ralph macht sich große Sorgen, ich könnte beim Aufstieg Schwierigkeiten bekommen. Nach 5 Metern, 50 cm vor der Engstelle muss ich aufgeben. Die ganze Arbeit war umsonst. Hierher komme ich so schnell nicht mehr. Ich bin total verzweifelt.

Langsam habe selbst ich die Nase voll. Das wir immer wieder auf noch dramatischere Schwierigkeiten stoßen müssen. Warum nur tue ich mir das an. Ich bin mir aber vollkommen icher, dass nur über diese so unüberwindbar erscheinenden Hürden, die zwei derart verbissene und dickköpfige Kerle wie wir immer wieder meistern, gewaltige Neuentdeckungen hervorgebracht werden.

Erst als wir die Höhle verlassen realisieren wir was wir hier leisten und entdecken. Vergleiche gibt es dazu keine, zumindest nicht in der Frankenalb. Morgens steigt man in den Jurasic-Park ab, der vor vielen hunderttausend Jahren entstand und kommt viele Stunden später wieder zurück an die Oberfläche, unserer vertrauten Landschaft in Oberbayern.

Mit diesen Gedanken, einem erfrischenden Bierchen und der Vorfreude auf orgen, es ist ein Erholungstag in Bad Gögging angesagt, genießen wir die letzten wärmenden Strahlen der Nachmittagssonne.

21.04.06 Tag 37: Am „50 m Mäander“

Die Höhle ist nach leichten Regenfällen etwas aktiver geworden. Der Palmsonntag Schacht läuft mehr als sonst. Diesmal geht es an die Engstelle an welcher im „50 m Mäander“ das Wasser im Boden verschwindet. Darunter ist dumpfes Geplätscher zu hören. Der 10 m hohe Canyon ist nur an wenigen Stellen passierbar, um an den eigentlichen Einsatzpunkt von eute zu kommen. Dort muss man sich schon im Vorfeld entscheiden, mit welchem Arm man die Felsbrocken nach hinten zu Ralph reicht. Ein Positionswechsel beansprucht seine Zeit. Wenigstens ist hier kein Lehm. Die Felswände sind sauber und vom fließenden Wasser geprägt. Das baut auf.

Sechs Stunden lang lege ich mich von einer Seite zur anderen, um meine verspannten Muskeln etwas zu entlasten. Mir wird klar, heute werden wir nicht mehr ins Neuland steigen. Durch einen schmalen Spalt kann Ralph schon nach unten in die begehbare Fortsetzung des Mäanders blicken. Es sieht viel versprechend aus. Meine Kräfte neigen sich langsam wieder dem Ende zu. Wir brechen mit der Gewissheit ab, orgen nach unten steigen zu können.

Noch im Zeitplan kommen wir draußen an. Bis zur ersten Grillparty des Jahres bei Renate haben wir noch etwas Zeit. Ich finde im Auto zufällig meine Wünschelrute, mit der Ralph schnell noch den Höhlenfluss in 90 m Tiefe suchen will. Unser Schacht befindet sich mitten in einem Trockental, das Anfang des letzten Jahrhunderts noch von vielen Dolinen geprägt war. Heute sind sie bis auf eine, alle aufgefüllt. Was sich natürlich auf die Hochwasserabflüsse in den Quellgebieten der Hochfläche negativ auswirkt.

Es kommt immer öfter zu katastrophalen Quellausbrüchen, da sich gewaltige Wassermassen auf der Hochfläche ansammeln wo nur noch wenige Abflüsse zu Verfügung stehen um dies nach unten in den Colleteur (unterirdischer Bachlauf) zu befördern. Die Zubringerponore werden durch den immer mehr ansteigenden Wasserdruck weiter eröffnet, sodass es zu einer erhöhten Erosion in den durchflossenen Höhlenbereichen kommt. Das wiederum führt dazu, dass die wenigen Wasserschlinger die angestauten Oberflächenwässer immer schneller nach unten befördern und so den Höhlenbach enorm anschwellen lassen. Lange Rede kurzer Sinn. Ralph begibt sich mit der Wünschelrute auf die Suche nach unserem Höhlenbach. An drei Punkten wollen wir das Trockental im Abstand von 100 m queren. Ich setze dabei die Markierungen. Von Ost nach West soll die Suche eginnen. Es dauert nicht lange bis Ralph den ersten intensiven Ausschlag verspürt. Er hält ca. 15 m lang an. Genau die Dimension die wir uns vom Höhlenbach vorstellen.

Der nächste Punkt liegt direkt an unserem Eingang. Auch hier spürt er einen deutlichen Ausschlag, der diesmal über 20 m weit andauert. In der Mitte, so meint Ralph, lief ihm sogar ein kalter Schauer über  den Rücken.

Als nächstes der estlichste Punkt. Nach kurzer Zeit setze ich die erste Markierung, doch der Ausschlag endet nach nur 4 m. Kurz darauf beginnt er von neuem. Diesmal 14 m weit. Nun verbinden wir die abgesteckten Punkte mit einer imaginären Linie, sodass eine deutliche Richtung des vermuteten Höhlenbachs zu erkennen ist. Wenn das stimmt, dann ist Ralph der Größte.

Aber jetzt wird es Zeit, Renate wartet und wir wollen nicht zu spät kommen, denn nicht nur der Hunger zieht mich dort hin.

22.04.06 Tag 38: Durchbruch im „50 m Mäander“

Der letzte Tag der Forschungswoche ist angebrochen. Voller Zuversicht und mit dem angenehmen Gefühl, heute wieder unberührten Boden zu betreten steigen wir, jeder im Gedanken versunken, ins Herz der Karsthochfläche. Der Weg wird deshalb nicht leichter.

Schnell bin ich wieder eingearbeitet und komme gut voran. Ralph stapelt die Felsblöcke so im engen Mäander, dass wir sie teilweise als Stufen benutzen können. Nach vier Stunden ist der Durchstieg offen und so groß, dass ich mühelos 4 m tief nach unten zum Boden absteigen kann. Hier ist auch genügend Platz für Ralph. Die Fortsetzung erweist sich für mich als doch zu eng. Die „Schlange“ geht vor, bleibt stecken, kann aber schon in die 3 m hohe und 2 m breite Fortsetzung schauen. Einige Felsnasen müssen noch weg. Der 2 kg Fäustel erfüllt seinen Zweck. Ich zwänge mich durch. Es ist überwältigend groß und wunderschön. Ralph reicht die Ausrüstung nach und folgt.

Beide schlendern wir 10 m weiter an einen den Gang versperrenden Steinhaufen. Der Blick dahinter lässt uns einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Ein gewaltiger Schacht öffnet sich vor uns. Der Boden ist aus unserer Position nicht zu sehen. Durch einen engen Spalt im Steinhaufen zwängt sich Ralph weiter nach unten. Ich warte. Seine Ausführungen lassen mein Herz höher schlagen. Ich entferne zwei Blöcke und folge ihm. Ein herrlicher Abstieg über zwei Felsstufen folgt. Leise rauscht das Wasser die Wände hinunter und verliert sich im tiefen Schacht, bis es beinahe unhörbar auf eine Wasserfläche auftrifft. Ralph steht am Schachtmund. Ehrfürchtig bewege ich mich zu ihm hin. Plötzlich springt vor mir ein Frosch auf und segel direkt in den Schacht. Unsere Blicke schweifen in die Tiefe des „Krötensprung“. Ein grandioser Anblick. 6 auf 8 m breit geht es steil nach unten. Beinahe der ganze Schachtboden ist von einer spiegelnden Wasserfläche bedeckt, in der sich die Lichter unserer Helmlampen widerspiegeln. Uns gegenüber setzt sich ein 1,5 m breiter und 7 m hoher Canyonansatz fort.

Wir brauchen die Strickleiter vom „Windschacht“. Nach einer Stunde sind wir wieder zurück. Ich setze zwei Schachtanker und häng die Leiter ein. Sie reicht gerade bis zum Wasser. Voller Erwartung steige ich ab, frei im Schacht schwingend, das Gefühl eines Adlers in mir, der sich sanft kreisend in ein tiefes Tal gleiten lässt. Mit meinen Füßen betrete ich den bisher tiefsten Punkt der Höhle, auf etwa – 85 m. Was für ein Erlebnis. Ich gehe beiseite und fordere Ralph zum achkommen auf. Nicht in der Frankenalb befinden wir uns hier, ehr in einer kroatischen Ponorhöhle. Die Schächte die wir bis jetzt gefunden haben, unglaublich an der Zahl. Sind es acht oder neun, ich bin mir nicht mehr icher. Aber eines ist klar, in diese Tiefe in welcher wir uns jetzt befinden, kommt an anderer Stelle so schnell niemand mehr runter. 40 m Horizontaldistanz trennen uns nur noch vom Hauptgang, nehmen wir an. Aber wo, dass ist die große Frage? Wo werden wir in diesem komplexen Schachtsystem den Zustieg zu Bachlauf finden? Sicher wieder dort, wo wir es am wenigsten vermuten!

„Hast Du schon weiter geschaut“ fragt Ralph. Selbstverständlich habe ich gewartet. Gegenüber der Leiter schließt ein hoher 2 m breiter Gang an, der schließlich nach 10 m in einer Wandkluft endet, die sich in 7 m Höhe scheinbar wieder öffnet. Wir orientieren uns nach unten. Tatsächlich geht eine völlig glatt geschliffene Druckröhre im 90°inkel links ab. Der Boden ist von Walnussgroßen geschwärzten runden Steinen bedeckt. Gegenüber setzt sich in gleicher Dimension aber fast völlig verlehmt eine schlufbare Röhre fort. Ich krieche in den Abfluss hinein, Ralph drängt hinterher. In mehreren Windungen geht es leicht bwärts. Die Wasser führende Druckröhre wird zum 2 m hohen Mäander, der sich über eine Stufe in ein Wasserbecken ergießt. Es geht 90° links um die Ecke, immer die Angst im Nacken, das Ende zu erreichen. 15 m sind wir schon eingedrungen und es geht noch weiter. Einen Meter über dem Boden des Mäanders fällt mein Blick auf Felswände, die wir schon so lange gesucht haben. Der Mäander hat die gebankten Kalke erreicht. Eine weitere sensationelle Entdeckung in dieser Höhle. Die Bankstärke beträgt etwa 40 cm.

 

 

Lange sollte die Euphorie nicht andauern. Nach weiteren 5 m senkt sich die Decke auf nur 30 cm über dem Boden, dahinter eine Wasserfläche. Ralph gräbt sich unter die Decke und ruft mir enttäuscht zu: „Scheiß, ein Siphon und da hinten poppen auch noch zwei Frösche“. Ich kann es eigentlich nicht glauben. Immer wieder diese unüberwindbaren Hürden. Nach wenigen Minuten habe ich den Schlupf für mich erweitert und zwänge mich in das Wasserbecken. Tatsächlich. Der Gang endet hier. Nur ein schmaler Spalt über dem Wasser lässt etwas Hoffnung. Ich halte Ralphs starke Helmlampe ins Wasser des „Froschpopper“. Sie erhellt einen etwa 1 m breiten Siphon, dessen Decke aber nur 10 cm unter Wasser zu liegen scheint. Es ist gruselig und unheimlich. Ich will nur noch raus, zumal in dem 1,5 m hohen Gang, in dem wir uns befinden, Wasserstandsmarken bis an die Decke reichen. Kein guter Platz bei einem Wassereinbruch.

Ralph zieht mich an den Beinen wieder in trügerische Sicherheit. Wir fachsimpeln noch wenige Minuten, ob sich dieser Siphon in den trockenen Sommermonaten vielleicht etwas öffnet oder gar austrocknet. Dann hätten wir unter Umständen eine Chance hier weiter zu kommen, denn ich glaube, dass sich dieser Wasserstau an einer durchlässigen Verbruchbarriere gebildet hat. Sollten wir hinter den Siphon kommen, kann sie beseitigt werden. Als letzten Ausweg könnte ich vielleicht meinen schon oft bewährten 7 m langen Atemschlauch benutzen. Vorausgesetzt die Siphondecke führt nicht tiefer als 20 cm unter Wasser. Aber nun reicht es, wir kehren um.

Über unserem neuen Schacht führt anscheinend der Mäander als fossiler Tei des Systems weiter. Ralph quert den Schacht an der linken Wandseite über einen zimmergroßen Deckenklemmblock und erreicht 18 m über dem Schachtboden tatsächlich die Fortsetzung. 10 m kann er in dem mit Lehm bedeckten niedrigen Gang bis an eine Engstelle krabbeln, dahinter wird es schon wieder groß.

Das war die letzte Entdeckung dieser überaus erfolgreichen Forschungswoche. Zufrieden und halb Tod machen wir uns auf den beschwerlichen Aufstieg aus 90 m Tiefe. Die Höhle dürfte nun schon eine Länge von ca. 400 m erreicht haben. Das scheint wenig im Vergleich zu den 6000 km die ich bis heute nach Wolfsbuch gefahren bin, um hier zu forschen. Ralph kommt sicher auf 8000 km.

29.04.06 Tag 39: Wieder zurück am „Windschacht“

Vor der Erkundung des ersten Siphons der Höhle wollen wir noch einmal die Fortsetzungen im Windschacht untersuchen. Ich bohre für Ralph 2 Trittstifte in die fast senkrechte Wand bis zu den „Oberen Löchern“. Nun fällt es ihm nicht mehr schwer sich hoch zu ziehen. Er verschwindet bald darauf in der Felswand. Die Röhre ist schlufbar, er kommt schnell voran. Immer wieder frage ich wie es weiter geht. Seltsamerweise höre ich seine Stimme oben im Schacht und steige die Strickleiter hoch, um festzustellen, wo die Geräusche herkommen. Sie werden immer deutlicher und es dauert nicht lange bis Ralph unterhalb des „Salamandersprung“ aus einem unscheinbaren Loch in der Wand kriecht. Er hat einen Rundgang von etwa 15 m Länge gefunden. Dieser Teil der Höhle hat also nichts mit dem zu tun, was wir suchen und hängt auch nicht mit dem Luftzug führenden Gang zusammen.

Das bedeutet, ich muss wieder in diesen furchtbaren, verlemten Horrorschluf. Total verzweifelt wehre ich mich dagegen. Mir kommen die Tränen, angesichts der Strapazen, die auf mich warten. Ich will nicht, aber Ralph drängt und redet mir Mut zu. Immer wieder habe ich mir eingebläut, mich hält nichts auf, dazu muss ich jetzt stehen. Ich schlufe ein, drei Stunden später erreiche ich eine geräumige Kammer, in der es an zwei Stellen weiter geht. Auch der mysteriöse Luftzug ist weiterhin vorhanden. Ralph kommt nach. Endlich können wir wieder stehen. Wo wir uns hier aufhalten ist uns noch nicht ganz klar. Im Hintergrund ist leises Wassergeplätscher zu hören. Dieser Höhlenteil wurde bis jetzt nicht vermessen. Das wird sich bestimmt noch rächen. Zu aufwendig sind die immer wiederkehrenden Hindernisse. Wir kommen immer nur wenige 10er Meter weiter. In der Kammer geht es gut schlufbar nach oben weiter. Nur eine kleine Barriere ist noch zu entfernen. Dazu kommen wir aber heute nicht mehr. Mit 20 kg Schlamm am Schlatz springen wir in den kleinen See am Windschacht und waschen das Gröbste ab. Mir ist wieder furchtbar kalt und ich freue mich, wenn ich das Tageslicht erreiche, auf ein paar Sonnenstrahlen.

06.05.06 Tag 40: Verbindung „Windschacht“ zum „Krötensprung“ und Entdeckung des „Wolkendoms“

Wieder geht es in das verschlammte Schluf. Die Tropfgeräusche sind immer noch zu hören. Ich beseitige die Engstelle, sodass Ralph in den dahinter liegenden engen Mäander einschlufen kann. Nach einigen Minuten höre ich leise sein Fluchen. Er hat seine Spuren im Schluf oberhalb des „Krötensprung“ entdeckt. Die ganzen 3 Tage Arbeit waren also umsonst.

Da wir noch etwas Zeit haben, wollen wir uns noch mal den „Korallenmäander“ ansehen und den Verbruch untersuchen, der sich auf halber Strecke rechts in einer großen Kammer gebildet hat.

Schon beim Eindringen in diese Verbruchzone fallen uns die ungewöhnlich großen Verbruchblöcke auf, zwischen denen man bequem vorwärts kommt. Ein kleines Rinnsal weist uns den Weg auf teilweise blankem Felsboden, bis es nach 15 m nicht weiter verfolgbar aus Verbruch fließt. Überall ist es chwarz zwischen den riesigen Blöcken. Wir versuchen uns weiter nach oben durch zu schlagen. Dieser Verbruch scheint wirklich enorm zu sein. Um die Orientierung besser zu behalten, trennen wir uns. In einer Höhe von ca. 10 m über dem Einstieg überspannt uns völlige Dunkelheit. Zwischen zimmergroßen Blöcken findet man sich in einer mächtigen Halle wieder. Die LED-Lampen sind hier ehr Spielzeug. Wir sind überwältigt, wie unvermutet uns diese Höhle doch immer wieder überrascht. Was hier wieder gefunden ist sensationell. Auf einer Ebene von – 60 m eine Halle von ca. 10 auf 20 m zu finden, das hätte wohl niemand gedacht.

Ein Rasen von bis zu 6 cm hohen Lehmtürmchen umgibt uns. Keinen Schritt traut man mehr gehen, ohne genau hinzuschauen wohin man tritt. Weißer Sinter fließt wie ein durchsichtiger Vorhang von Wänden und Decke. Wie Lanzenspitzen stehen unscheinbar kleine weiße Stalagmiten auf den Felsblöcken. Wir fühlen uns in eine andere Höhle versetzt, hier kann es so etwas doch nicht geben? Doch Ralph weckt mich wieder aus meinen Träumen. Weiter soll es gehen den schwarzen Löchern folgend, die sich an der gegenüber liegenden Höhlenwand nach unter erstrecken. Mächtiger Sinterüberzug hat sich dort von der Wand gelöst und liegt - wie es scheint für alle Ewigkeit verzaubert - vor uns. Ich rufe in die Dunkelheit, aus der mich ein mysteriöses Echo begrüßt. Voller Erwartung erreichen wir den blanken Felsboden, über den ein kleines Gerinne fließt. Die Wände sind mit den in unserer Gegend oft vorkommenden schwarzen Manganschichten überzogen. Wir laufen wie durch das Tor eines verzauberten Schlosses, und finden uns in einem überragenden Gewölbe, das aus zwei 20 m hohen Kaminen gebildet wird. Es sieht herrlich aus. Der erste dieser Kamine verengt sich in einem schmalen Kluftdurchgang, um gleich wieder in den zweiten Schacht überzugehen. Rechts befindet sich in 4 m Höhle eine Plattform, die sicherlich erkletterbar ist. Darüber ein halbrunder ausgewaschener ca. 10 m hoher Schacht, der in eine Verbruchdecke mündet. Gegenüber der Plattform zieht eine ca. 15 m hohe Kluft, in der ein tischgroßer Verbruchblock klemmt, nach oben. Auch diese Kluft ist sicher erkletterbar, doch für heute reicht es uns mal wieder. Wir wollen beim nächsten Mal ja auch noch etwas entdecken. Upsala, haben wir nicht beinahe bei jeder Befahrung Neuland gemacht?

Die Einmaligkeit und Besonderheit dieser Franken Alb Schachthöhle sind sicherlich die vielen von aktiven Wässern geprägten und blank gewaschenen großräumigen Gangteile. Fasziniert von dieser überraschenden Entdeckung machen wir uns nach 90 Minuten Aufenthalt im Neuland auf den langen Weg nach draußen.

13.05.06 Tag 41: Entdeckung des „Riesenmäander“

Alle Vorbereitungen für den Tauchgang im „Froschpopper“ sind bis zum Morgen abgeschlossen, Ralphs 3 l Tank und ein Regler im Schleifsack verstaut. Schon ein seltsames Gefühl, wieder in einer neu entdeckten Höhle tauchen zu können. Ich freue mich schon sehr darauf, Ralph eher nicht. Mir ist klar, er befürchtet, dass ich mich, wenn der Siphon betauchbar wird, zu sehr auf diesen Höhlenteil konzentriere. Wir haben zwar noch viele andere Optionen, doch ich denke, die wahrscheinlichste muss zuerst untersucht werden. Vor dem Tauchgang will Ralph aber noch mal den abfließenden Schluf im „Schwarzen Schacht“ untersuchen.

Der erste Transport einer kleinen Tauchausrüstung in die Höhle bereitete uns keine weiteren Schwierigkeiten. Ich begleite Ralph bis ans Schluf. Er dringt etwa 5 m weit ein, biegt 90° nach links ab und wird dann, an einer Verengung, die ein schönes Schlüssellochprofil aufweist, gestoppt. Bevor er wieder heraus kommt, will ich versuchen, in der „Großen Schlucht“ an einer auffälligen Stelle, die sich nahe bei ihm befinden könnte, Rufverbindung herzustellen. Tatsächlich kann ich ihn deutlich hören. Bis Ralph wieder bei mir ist, und wir endlich zum Siphon gehen können, will ich mir den bis heute vernachlässigten, unscheinbaren Mäander anschauen, der an dieser Stelle ankommt.

Wie schon damals bei der ersten in Augenscheinnahme bemerkt, verjüngt sich der niedrige Gang nach 3 m zu einer gerade noch schlufbaren 2 m langen Engstelle. Es folgt ein Strudeltopf unter einer niedrigen Wasserfallstufe. Ich steige rauf, es geht nach links und wird hoch, sehr hoch und so breit, dass man bequem laufen kann. Nach jeder Biegung des Mäanders wir er größer. Wieder mal überrascht mich die Höhle mit ungeahnten Dimensionen. Die Wände sind stellenweise mit dicken Versinterungen überzogen, am Boden befindet sich auf eingesinterten Blöcken fragiler Korallensinter. Wie auf rohen Eiern bewege ich mich durch den weiter und größer werdenden Gang. Vereinzelt scheint es, dass der Deckenbereich in 7 m Höhe ein Vielfaches an Breite des Bodenbereichs hat. Ich beschließe, an einer großen Wandversinterung umzukehren, und vorne auf Ralph zu warten.

Fast zeitgleich treffen wir uns am Eingang zum „Riesenmäander“. Ralph erzählt begeistert, er hätte am Ende des Schlufs deutliche Tropfgeräusche gehört un sei davon überzeugt, leises auschen eines Baches gehört zu haben. Das wäre ja eine bemerkenswerte Entdeckung, ist uns dieser „Pechschwarze Schacht“ doch schon lange als eine mögliche Wasserscheide der „Großen Schlucht“ aufgefallen.

Nach seinem Bericht frage ich ihn, ob er nicht mal in Augen schauen will, in denen er sofort erkennt, dass auch ich etwas esonders entdeckt habe. Mit den Worten: „Bewege Dich mal vorsichtig in den niedrigen Gang da drüben“, macht er sich gespannt auf den Weg. Ich bleib ihm auf den Fersen. Wie ich, ist auch er von dem immer größer werdenden Gang begeistert. Ständig fragt er, wie weit ich vorgedrungen bin. Es dauert seine Zeit bis mein Umkehrpunkt erreicht ist. Dort geht’s weiter ins Unbekannte. Ein vom Wasser völlig glatt geschliffener, breiter und immer noch 5 m hoher stark mäandrierender Gang gewährt uns den Zutritt. Einfach unfassbar, was uns ständig in den Nebenteilen der Höhle erwartet, und wir sind noch nicht mal dort, wo wir die größten Höhlenteile erwarten. Nach ca. 80 m senkt sich das perfekt ausgebildete Initialgerinne der Höhlendecke nach unten auf 3 m Höhe und verliert sich in einer 2 m breiten Verbruchzone. Der Felsboden steigt leicht an. Nach Beseitigung einiger Blöcke scheitern wir in einer niedrigen Verbruchkammer. Es scheint, als kommt das Wasser aus einem verstürzten Schacht in der Decke. In den Bodenbereichen sind Sedimentspuren zu erkennen, die auf starken immer wiederkehrenden Wasserfluss schließen lassen.

Auf dem Rückweg wollen wir unter der Decke des teilweise 8 m hohen Mäanders entlang spreizen. Ralph stemmt sich an der sauberen Felswand nach oben. Nur selten bewegt man sich in derartigen Höhlengängen. Ehr im Hochgebirge oder im klassischen Karst Sloweniens. Unten war nicht zu erahnen, wie groß es hier wirklich ist. Wir spreizen oder laufen auf einem Felsband von einer Seite zur anderen. Sicherlich der beeindruckenste Gang der Höhle. Unter uns gähnende Tiefe, vor uns Kurve um Kurve in denen Ralph immer wieder vor meinen Augen verschwindet. Plötzlich stehen wir an einem 10 m tiefen Abbruch. Die Orientierung etwas verloren blicken wir nach unten und fragen uns wo wir hier sind. Eigentlich sollten wir hier die „Große Schlucht“ erreicht haben, aber es sieht alles so anders aus. Wasserrauschen und Tropfgeräusche, die von meinem abgelegten Schleifsack am „Palmsonntagsschacht“ reflektiert werden bestätigen unseren Verdacht. Wir sind im oberen drittel der „Großen Schlucht“. In der gegenüber liegenden Höhlenwand ist die fossile 1,5 m breite Fortsetzung des „Riesenmäander“ zu erahnen. Die gilt es irgendwann zu erklimmen. Völlig überwältigt von unserer Entdeckung klettern wir im Eingangsbereich des „Riesenmäanders“ nach unten und verlassen ihn nach 2 Stunden.

Die Zeit hat uns eingeholt, es ist zu spät geworden zum Tauchen. Am „Materialschacht“ verarbeiten wir die Eindrücke der vergangenen Stunden bei eine wohlverdienten Vesper und beschließen, den „Froschpopper“ das nächste Mal zu erkunden. Mit zwei völlig überraschenden Neuentdeckungen verlassen wir unsere unglaublich vielfältige Höhle.

Erweiterter Plan des Höhlenteils „Jurasic-Park“

 


Wir erreichen am 13.05.2006 eine vermessene Ganglänge von 570 m bei einer Tiefe von 85 m.

20.05.06 Tag 42: Erster Tauchgang am Froschpopper in der Höhle

Endlich ist es so weit,  nichts mehr soll den Tauchvorstoß in den „Froschpopper“ verhindern. Die Wetterlage ist einigermaßen stabil. Es sind lediglich einige Gewitter in Südbayern möglich. Schon um 10 Uhr fahren wir in die Höhle ein. Der 8 mm Neopren lässt mich auf dem Weg nach unten wieder sehr ins Schwitzen geraten. Deutlich sind die Spuren der letzten Gewitter in der Höhle zu erkennen. Ein überaus starker Luftzug, der bis auf einige noch ungeklärte Ausnahmen das ganze Jahr höhlenauswärts zieht, begleitet uns durch die vielen Engstellen.

Unser heutiges Programm: Erstmals soll ein Siphon in der Höhle angetaucht werden. Danach wird der noch nicht betretene Schluf im „Atem des Poseidon“ untersucht. Das war der Endpunkt am Tag des Vorstoßes mit Andreas, in den „Jurasic Park“. Zum Abschluss will sich Ralph nochmals davon überzeugen ob wieder Wassergeräusche im Schluf des „Schwarzen Schachtes“ zu hören sind. Volles Programm also.

Auf direktem Wege begeben wir uns zum „Krötensprung“, dem Schacht vor dem Siphon. Beinahe 2 Stunden dauert der Anmarsch. Schnell ist dort das Tauchgerät zusammengebaut und ich liege bald darauf rückwärts im Siphon, dessen Sedimentboden sich seit der Entdeckung nicht verändert hat. Ralph reicht mir die 40 m Führungsleine, die ich an mein Handgelenk binde. Er soll sie ab- und wieder aufrollen um mir so im engen Siphon mehr Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. Ich tauche mit einem 3 l Tank und kurzem Regler rückwärts in den fast körperfüllenden Unterwasserschluf ein. Den Tank in der linken, die Leine in der rechten Hand.

Es geht wie erwartet etwas beengt aber angenehm flutschig hinein. Über eine kurze Schotterrampe taucht der Siphonboden auf etwa 70 cm Wassertiefe ab. Die Wände sind mit einer festen Lehmschicht überzogen, die ein leichtes, schlüpfriges Vorwärtskommen gewährleisten. Mit den Füßen taste ich mich weiter. Keine Hindernisse sind zu spüren. Der Boden ist vollkommen glatt und sauber. Kein Steinchen liegt im Weg. Das kann nur bedeuten, dass die Wassermassen alles eingeschwämmte Material in einen größer werdenden Gang hinausdrücken. Fünf Meter bin ich drinnen, keine Ende fühlbar. Nach 10 Metern habe ich den Eindruck, dass die Röhre ganz sanft tiefer führt. Mit meinen Gedanken bin ich schon bei der Erforschung der dahinter liegenden Riesenwasserhöhle. Dieser Siphon würde eine zügige Erforschung der dahinter liegenden Wasserhöhle stark behindern. Ich schiebe mich weiter ins Unbekannte. 15 m sind erreicht. Die Sicht ist so schlecht, dass ich den Tankdruck nicht kontrollieren kann. Sicher das größte Handicap dieses Tauchgangs. Kurz vor der 20 m Marke habe ich das Gefühl, der Siphon würde sich erweitern und in die Tiefe ziehen. Etwas verunsichert, Anbetrachts der nicht redundanten Tauchausrüstung, der Länge des Siphons, der ersten Eindrücke und der unbekannten Dauer des Rückweges durch die enge Röhre, beschließe ich hier abzubrechen. Obwohl ich das Gefühl habe nahe einer Auftauchstelle zu sein.

Kurz klart das Wasser auf, der Tankendruck liegt noch bei ¾. Das beruhigt mich sehr. Ich gebe Ralph das Zeichen zur Umkehr und fühle den leichten Zug der Führungsleine, der mich nach draußen geleitet. Es geht wesentlich schneller vorwärts als auf dem Reinweg. Erst als ich das Ende des Siphons erreiche merke ich, dass sich eine kleine Stufe vor der Auftauchstelle befindet. Meine Maske durchbricht die trübe Brühe. Ich fühle mich glücklich, den ersten Siphon in meiner dritten Wasserhöhlenentdeckung im Altmühltal betaucht zu haben.

Wir besprechen sogleich den Tauchgang. Dabei stellt sich heraus, dass von Beginn an keine Luftblasen bei Ralph auftauchten. Es kamen lediglich heftige Stoßwellen meiner Bewegungen an der Wasseroberfläche bei ihm an. Ich habe mich vermutlich, was die Neigung der Röhre anbelangt wieder einmal getäuscht. Am Umkehrpunkt taucht der Höhlenboden nicht ab, sondern die Höhlendecke stieg vermutlich etwas an. Der Auftrieb meines Neoprenanzuges hielt mich stetig an der glatten Höhlendecke, die auch keine abfließenden Luftblasengeräusche verursachte. Da die Höhlendecke nur ca. 20 cm unter Wasser liegt ist es durchaus möglich, dass ich nach 20 m Tauchstrecke nahe dem Wasserspiegel war. Das klare Wasser am Endpunkt und die merkliche Vergrößerung des Ganges deuten auf ein baldiges Ende des Siphons hin. Das sind sehr gute Voraussetzungen, beim nächsten Tauchgang wieder lufterfüllte Höhlenteile zu erreichen. Wir beenden erfolgreich den ersten Teil des Forschungstages und steigen zum „Atem des Poseidon“ auf.

Ralph soll diesmal am Verbruch die Lage peilen. Er verschwindet ohne Probleme im Verbruch, sein Licht wird schwächer, seine Stimme leiser. Nach einigen Minuten höre ich seine Aufforderung: „Du solltest doch mal hier her kommen!“ Erwartungsvoll krieche ich ihm nach. Gleich wird es wieder bequem größer, er ist nirgends zu sehen. Aus der Ferne höre ich ihn und folge seiner Stimme. Er sitzt in einem 5 auf 10 m großen mannshohen Gang. Nicht zu glauben, was diese Höhle hergibt. Fast alles was wir ab dem „Palmsonntag Schacht“ entdeckt haben, hätte man in einer 12 Stundentour ohne jedes Problem befahren können. Ralph geht weiter durch große Verbruchblöcke von einem schwarzen Loch durchs andere. Nach 10 m öffnet sich eine große Halle, sicher wieder über 10 m hoch. Es scheint überall weiter zu gehen. Systematisch suchen wir alle möglichen Fortsetzungen ab. Bis auf eine, aus der ein trockenes Bachbett ankommt sind alle anderen Stellen vernachlässigbar. Wir folgen ihm aufwärts, bis wir einen schönen Mäander betreten, der an die Passage des „Korallenmäanders“ erinnert. Überwältigt von diesem Höhlenteil geht es weiter bis an eine erneute Abzweigung. Links wird der Gang niedriger und ist mit dicken Lehmhügeln angefüllt. Rechts das trockene Bachbett. Wir folgen ihm, bis plötzlich das gewaltige Echo unserer Unterhaltung aus der Ferne zurückgeworfen wird. Ungläubig schauen wir uns an. Der mannshohe Gang führt durch eine schmale Öffnung in etwas Schwarzes, Unheimliches. Die linke Seite ist völlig versintert. Ich nähere mich Ralph, dessen Gesichtsfarbe sich mehr und mehr der seiner LED-Beleuchtung anpasst. Wir treten durch eine breite Spalte in einen 4 m breiten 15 m hohen Canyon, aus dessen Decke ein breiter Sinterfall bis zum Boden reicht. Langsam wird es etwas viel, denke im mir. Doch ein Ende ist immer noch nicht zu erwarten, denn in der vor uns liegenden Finsternis entdecken wir in 6 m Höhe ein großes Loch, das es zu erklimmen gilt. Dahinter zweigt ein Gang rechts ab. Unsere Lampen erhellen eine wunderschöne 3 m hohe Blütenweise Tropfsteinsule. Der Gang endet an einer massiven Versinterung.

Wir gehen zurück in die Hauptfortsetzung und können schon wieder 20 m weiter schauen. In der Decke hängen bedrohlich, zimmergrosse Blöcke. Daran angelehnt eine 10 x 10 m große Wandabplatzung, die allein schon eine durchschnittliche fränkische Hangabrisshöhle darstellen würde. Wir steigen weiter über eine steile vom Wasser sauber gespülte Geröllhalde bis ans Ende des Canyons, das wiederum von einem 2 m hohen Stalagmiten bewacht wird.

Die Zeit vergeht wie im Flug und immer noch sind 2 Abzweige zu untersuchen. Beim Runterklettern entdecken wir über einem mächtigen Klemmbloch einen dunklen Durchgang. Ralph steigt hoch und betritt eine weitere große Halle. In drei Richtungen geht es weiter. Er untersucht die rechte ich die linke Seite. Wir verlieren uns aus Augen und Ohren, jeder in einem beeindruckenden Höhlenteil. Ich setze mich mitten in die Halle und warte auf Ralph, der nach 10 Minuten nach mir ruft. Durch ein unscheinbares Loch in der Wand erreicht er mich. Drei Gänge gehen ab. Nacheinander werden sie betreten. Immer mehr kristallisiert sich heraus, dass es in dieser Höhle drei Horizonte gibt. Einer bei – 40 m, dann bei – 70 m und die der Flusshöhle bei – 100 m. Der niedrigste Gang endet nach 25 m, ein weiterer führt zu einer hohen Spalte, in die Ralph aufsteigt und nach ca. 15 m Höhe einen herrlich versinterten Raum erreicht. Wieder unten bei mir steigt er in die letzte der Fortsetzungen. Ich schaue mich derweilen noch mal in der Halle um und blicke an deren Ende nicht weit unter der Decke auf den Boden des 15 m unter mir liegenden Canyons, aus dem wir herkamen. Ralph ist nun schon etwas länger weg. Ich folge ihm an einer steilen Felswand entlang durch Verbruch etwa 8 m tief, bis seine Spuren in einem flachen Gang über einem schmalen Lehmcanyon in der Dunkelheit verschwinden. Ganz leise höre ich seine Schlufgeräusche, bis er in Rufweite kommt. Euphorisch berichtet er von wunderschönen durchsichtigen Versinterungen, die den 20 m langen Schluf schmücken. Seit etwa 1 Stunde werden es immer wieder die Schönsten der Höhle.

Momentan gibt es noch zwei Fragezeichen, die wir abarbeiten wollen. Das eine ist der 5 m Abstieg in einen Schacht, nicht weit von hier. Dann noch die Fortsetzung des Canyons, durch den wir diese Höhlenteile betreten haben.

Der Schacht hat sich schnell erledigt, denn er führt genau in die Halle am Anfang des Canyons. Wir können also direkt von hier aus in dessen flachen verlehmt Fortsetzung gehen. Auch diese ist schnell untersucht. Sie endet immer flacher werdend nach 15 m an einer Lehmfuge.

So, das soll für heute genug an neu entdeckten Höhlengängen sein. Jetzt geht’s nur noch zum „Pechwarzen Schacht“, wo sich Ralph ein drittes Mal vom Wasserrauschen überzeugen will. Nach 10 Minuten kommt er heraus und ist sich sicher, dass die Geräusche diesmal noch deutlicher zu hören sind. Wir beschließen eine 4 Forschungswoche für die Feiertage an Christi Himmelfahrt zu organisieren. Ich kann mir gut vorstellen, nach drei Arbeitstagen die rauschende Kammer, die sich nach Ralphs Vermutungen in ca. 10 m Entfernung befindet erreichen zu können.

Für heute haben wir erstmal genug, und so machen wir uns zum „Palmsonntag Schacht“ auf, um die Höhle zu verlassen. Doch schon von weitem ist ein gewaltiges Donnern wahrzunehmen. Wir sind uns sicher, es handelt sich aufgrund eines Gewitterregens an der Oberfläche um einen Wassereinbruch. Doch was spielt sich da vorne wirklich ab. Diese Frage beantwortet sich wenige Minuten später in einem atemberaubenden Anblick. Wir stehen an der Stelle, an der wir eigentlich in den Schacht aufsteigen wollten. Doch aus 10 m Höhe donnert ein 2 m breiter Wasserfall mitten aus einem Loch in der Wand das zum Schachtboden des „Rosenkavalier“ führt. Unser Schachtseil hängt zwar so trocken, dass wir einen Aufstieg wagen könnten, doch ist das 40 m Schluf des „Fränkischen Oberland“ sicherlich überflutet, dass eine Befahrung lebensgefährlich wäre. Wir müssen deshalb abwarten bis der Schluf wieder trocken ist.

Es herrscht ein eiskalter Sturm am Schacht, der bis in den „Materialschacht“ spürbar ist. Wir beschließen, uns die Zeit am „Palm Beach“ zu vertreiben, bis alles vorüber ist.

Nach einer Stunde kehren wir zurück. Noch immer hat sich an der Situation am Schacht nichts verändert. „Also, das kann länger dauern“, sage ich zu Ralph „vielleicht kommen wir heute gar nicht mehr raus“. „Na ja“, meint er „hätte mich schon gewundert, wenn das alles war, was wir heute erlebt haben. So kommen wir wenigstens doch noch dazu, den „Wolken-Dom“ auf eine Umgehung des „Schwarzen Schacht“ zu untersuchen“.

Erst zum zweitenmal betreten wir diesen großen Höhlenkomplex, doch auch nach intensiver Suche ist bis auf ein paar große neue Kammern nicht zu finden, das nach unten führt. Eine Stunde später brechen wir ab, und gehen zurück zum Wasserfall. Wir haben Glück, er hat merklich nachgelassen und wird jede Minute weniger.

Nach 2 Stunden sinnvoll genutzter Zwangspause legen wir unser Schachtzeug an und steigen auf. 10 Stunden nachdem wir in die Höhle eingestiegen sind erreichen wir wieder Tageslicht. Am östlichen Horizont hängen noch die schwarzen Wolken des Gewitters, im Westen ist der Himmel schon blau und die Sonne wird jeden Augenblick unsere ausgelaugten Körper erwärmen. Der krönende Abschluss dieses Forschungstages ist direkt vor uns über Wolfsbuch zu sehen. Ein doppelter Regenbogen, wie wir ihn intensiver leuchtend noch niemals gesehen haben spannt sich vom südlichen bis zum nördlichen Ortsrand genau über den golden von der Sonne beleuchteten Kirchturm. Welch ein Tag und noch immer ist er nicht zu Ende. Bei einem wohlschmeckenden Abendessen in Beilngries feiern wir mit Renate diesen gelungenen Forschungstag.

25.05.06 Tag 43: Schwarzer Schacht

Erste Grabung am Schachtboden.

Ralph robbt in den körperengen Schluf, der nach 5 m einen Linksknick aufweist. Bis hier hin räumt er den Schluf bis auf den blanken Felsboden aus, und gibt den Schotter in eine Wanne, die ich dann zu mir in den Schwarzen Schacht ziehe. Nach 60 Minuten zwängt er sich in eine noch engere Fortsetzung, die zum Glück nach 2 m so groß wird, dass man sich in dem nun folgenden 20 cm schmalen Bodengerinne hinknien kann. Es geht ca. 6 m mit einer Höhe von 20 und einer Breite von 50 cm weiter. Das bedeutet, all die Felsbrocken, die sich in diesem Gang angesammelt haben müssen in die Wanne packt und 10 m nach hinten zum Schacht gezogen werden. Diese Stelle wird uns viele Tage beanspruchen. Doch die Herausforderung ist groß, denn im Hintergrund ist starkes Wassertropfen und ein seltsames Wasserbrummeln. Sollte sich dort hinten ein kleiner Bach befinden Es scheint so, als wäre hier der permanent aktivste Höhlenteil.

Die Arbeit im Schwarzen Schacht fällt am nächsten Tag wegen schlechtem Wetter aus. Überflutungsgefahr!!!

 

 

03.06.06 Tag 44: Schwarzer Schacht

Die Arbeiten in dem engen Schluf sind so anstrengend, dass wir am Wochenende nur einmal in der Höhle arbeiten können.

10.06.06 Tag 45: Schwarzer Schacht

Es geht schleppend vorwärts. Mehr als 20x zwängt sich Ralph rückwärts aus der schmalen Röhre. Hinter sich her die 20 kg schwere Wanne, die gerade so hindurch passt.

17.06.06 Tag 46: Schwarzer Schacht

Unvorstellbar die Strapazen, die man hier auf sich nimmt. Nur zu zweit kann man arbeiten. Abwechseln ginge auch nicht, denn man würde beim Warten erfrieren. In den völlig durchnässten Trockenanzügen hält man es nur aus, wenn man sich ständig bewegt. Es ist eigentlich unerträglich. Warum tun wir das schon wieder?

01.07.06 Tag 47: Schwarzer Schacht

Der fünfte Arbeitstag in diesem schrecklichen Schluf. Die Schinderei ist unbeschreiblich. 6 Stunden liegen wir auf dem Bauch in einer Wasserlache. Ralph zieht jeden Tag mindestens 15 Wannen in den Schwarzen Schacht. Jede wiegt etwa 20 kg.

29.07.06 Tag 48: Schwarzer Schacht

Die absolute Tortour, was wir hier auf uns nehmen.

04.08.06 Tag 49: Schwarzer Schacht

Hier lernt man durchhalten, ertragen, Schmerzen überspielen. Immer nur gequält werden motiviert auch nicht gerade. Deshalb werden heute die grossen Höhlenteile vermessen, die hinter dem „Atem des Poseidon“ liegen. Wir sind mächtig gespannt wie lang die Höhle dadurch wird.

Bald arbeiten wir weiter am Schwarzen Schacht, ob es wohl hier in die Wasserhöhle geht?


12.08.06 Tag 50: Pechschwarzer Schacht

10 m haben wir uns nun schon vor gegraben und schaffen heute wieder einen Meter. Die Bedingungen haben sich nicht geändert. Eng, steinig, kalt, schmerzhaft und schlimm, einfach schlimm!

22.08.06 Tag 51: Pechschwarzer Schacht

Irgendwie geht es besser, 1,5 m kommen wir weiter. Die Wassergeräusche werden immer lauter. So weit kann es doch nicht mehr sein. Ich habe das Gefühl, das Rauschen ist direkt vor mir.

24.08.06 Tag 52: Pechschwarzer Schacht

Zehn Tage Arbeiten wir nun schon hier hinten. Vor uns haben zwei kopfgroße Steine eine niedrige Schlufblockade verursacht. Dahinter läuft das winzige Gerinne auf blankem Felsboden weiter. Eigentlich dachten wir vor einigen Tagen, dass es an dieser Stelle nach unten gehen könnte. Doch der Blick in die Fortsetzung stößt einem ein rostiges Messer ins Herz. Es geht genauso schrecklich weiter wie schon seit 16 Metern. „Wer aufgibt hat verloren. Geht nicht, gibt’s nicht. Ein eiserner Wille führt immer ans Ziel. Wer sein Ziel nicht erreicht wollte es nicht von ganzem Herzen“. Ich weis nicht, wie viele Tausendmal ich mir das in diesem Schluf schon gesagt habe. Diese Worte haben sich in meine Gehirnrinde eingebrannt und laufen wie in der Endrille einer alten Schallplatte stundenlang ab. Aber eines ist sicher, alles hat einen Anfang und ein Ende, und das werden wir erreichen, komme was wolle. Bisher wurden 13,5 m Schluf freigelegt.

 

 

 

 

 

26.08.06 Tag 53: Pechschwarzer Schacht

Dieser Tag motiviert uns seit langem wieder zum ersten Mal. Wir kommen super voran. Ralph baut aus den großen Platten verschiedene Rampen, um die Wanne besser rückwärts ziehen zu können. Nun bewährt sich, dass unser Schluf so groß ausgearbeitet wurde, dass man bequem darin arbeiten kann. Dennoch werden verschiedene Engstellen durch den Rampenbau wieder sehr niedrig. Bis jetzt war uns die Höhle aber immer gnädig und hat Platz für den Aushub gemacht. Sonst wäre es schon längst aus. Das Schluf ist nun 15 m weit ausgeräumt.

08.09.06 Tag 54: Pechschwarzer Schacht

Die Strapazen werden immer unerträglicher. Einziger Lichtblick ist die Tatsache, dass wir nur noch einen Meter vom Absatz entfernt sind. Das Wasserplätschern spornt uns immer noch an, weiter zu machen. Das Hintergrundrauschen verändert seine Intensität nicht. Seit Beginn der Ausräumungsarbeiten im Schluf ist es immer gleich laut zu hören. Wir können uns nicht vorstellen, wie es entsteht. Vermutlich handelt es sich bei dem Geräusch um eine breite aber niedrige Wasserfallstufe eines Höhlenbaches. Wenn das wirklich stimmen sollte, hätten wir es geschafft.

Doch noch sind wir nicht dort. Die Kluft führt wie gehabt stark verblockt weiter. Ralph muss die Steine bis zum Depot nun schon über 20 m, durch das auf weite Strecken Schulterbreite und teilweise nur 40 cm hohe Schluf zerren.

Wir beenden unsere Arbeiten wie immer nach 6 Stunden. Ralph zwängt sich zum Schluss noch einmal nach vorne. Ich liege dabei ausgestreckt am Schlufboden, während er sich über mir nach vorne schiebt. Vorne angekommen leuchtet er mit seiner Lampe in die 2 m tiefe Kluft hinunter. Oben nur 10 cm breit öffnet sie sich nach 1 m auf mindestens 1,5 m. Die starke Halogenlampe erhellt die Kluftfortsetzung. Sie zieht, so wie Ralph meint, über 10 m begehbar geradeaus weiter. Am Boden ist kein Wasser zu sehen, obwohl die starken Tropfgeräusche unmittelbar vor ihm sein müssten. Am Ende der einsehbaren Kluft scheint der lang ersehnte Schacht zu kommen. Es sieht also nach über 12 Tagen Steine schlichten endlich wieder viel versprechend aus. Sind weitere 1,5 m vorwärts gekommen.

10.09.06 Tag 55: Pechschwarzer Schacht

Der Transport zum Arbeitsplatz war wieder etwas mühsamer. Ich habe ein weiteres Wasserrohr besorgt, das wir im Schluf einsetzen wollen. Die Blöcke werden nicht kleiner, dafür wird aber mein bereits gut ausgeräumter Schluf hinter mir wieder zugebaut. Wegen des langen Transportweges wird es einfach zu aufwendig, die großen Steine alle zum Schwarzen Schacht zu bringen. Die meist flachen Platten legt Ralph wie ein gelernter Fliesenleger am Schlufboden aus. So spart er sich den anstrengenden Transport der Aushubwanne zum Schwarzen Schacht. Wir kommen etwa 1 m weiter. Das neue Wasserrohr funktioniert hervorragend. Bei 18 m angekommen.

15.09.06 Tag 56: Pechschwarzer Schacht

14ter Arbeitstag im Schluf. Ralph trifft um 17.00 Uhr in Wolfsbuch ein. Für heute ist eine 11-Stunden-Tour geplant. Die Arbeiten laufen hervorragend. Man kann jetzt schon in den seit letzter Woche einsehbaren tiefer liegenden Raum blicken. Der meiste Abraum landet dort unten. Den Rest zieht Ralph nach hinten auf die Deponie in den Schwarzen Schacht. So wird es ihm wenigstens etwas warm. Nach 7 Stunden haben wir es geschafft. Ich steige in den 1,5 m breiten Gang ab. Ralph folgt mir. Wir können es noch gar nicht fassen, 14 Arbeitstage immer nur am selben, nun genau 20 m langen Schluf gearbeitet, jetzt sind wir durch.

Nach dem 2,5 m tiefen Abstieg in die geräumige Fortsetzung erreicht man gleich den 2 m breiten und 7 m hohen Tropfwasserschacht. Er hat uns mit seinem Plätschern hierher gelockt. Das mysteriöse Fließgeräusch hören wir an dieser Stelle nicht mehr eindeutig. Es folgt ein 1 m breiter Mäander, der drei etwa 2 m tiefe Wasserfallstufen aufweißt. Deren Strudeltöpfe, in die ein breiter Wasserstrahl stürzt, haben vermutlich aus Anfangs 25 m Entfernung, wie das fließen eines Bächleins geklungen, das über Verbruchblöcke fließt. Wir sind vom Ende des Schlufs schon 7 m tiefer und sicher 20 m weiter gekommen. Aber jeder Vorstoß hat mal ein Ende. So auch dieser. Wir stehen in einer 2,5 m hohen, 2 m breiten Kluft. Am Boden geht eine enge Spalte weiter, in die das Wasser verschwindet. Hier muss wieder gearbeitet werden. Dieser neu entdeckte Höhlenteil ist der bis jetzt aktivste. Überall in der Höhle sind die aktiven Schächte trocken gefallen, nur hier nicht. Etwas enttäuscht, denn das Wassergeräusch der vergangenen Arbeitswochen hat nicht das gebracht was es uns vorgaukelte, treten wir etwas zwiegespalten den Rückweg an. 

17.09.07 Tag 57

Für heute sind in Südbayern schwere Regenfälle angesagt. Bis Nachmittag soll es aber trocken bleiben. Wir gehen wieder an die Fortsetzung im Schluf 54. Nach 4 Stunden sind wir etwa 3 m weiter. Leider zieht der ca. 30 cm tiefe Kiesboden 2 m weiter wieder fast bis an die Decke. Nur ein schmales Initialgerinne an der Decke führt ins Dunkle weiter. Für heute reicht es uns.

30.10.07 Tag 58 Einsamer Frosch

Ralph will zum „Einsamen Frosch“, der gegenüber dem Zugang zum „Froschpopper“-Siphon liegt, um dessen verlehmte Fortsetzung aufzugraben. Am Boden des „Krötensprung“ angekommen stellen wir überrascht fest, dass sich die letzten schweren Gewitter mit ihren anströmenden Wassermassen bis auf eine Höhe von 4 m am Schachtboden angestaut haben. Sämtliches Ausrüstungsmaterial, das auf einem zwei Meter hohen Felsblock deponiert wurde, ist weggespült, auch die 30 m lange Führungsleine fehlt. Hoffentlich hat sich die nicht im Siphon abgespult und liegt dort lose herum.

Vor der Buddelei wird der nur 20 m entfernte Siphon inspiziert. Der Wasserspiegel des Siphon ist durch den momentan geringem Zulauf von 1 l/min. um ca. 10 cm gefallen. Diese Feststellung gibt Anlass zu neuen Theorien. So könnte sich hinter dem Siphon eine Schotterbarriere gebildet haben, die durch die starken Gewitterniederschläge etwas abgetragen wurde, dadurch ließe sich der niedrige Wasserspiegel erklären. Der 4 m hohe Wasserrückstau könnte durch einen hohen Gang- oder Hallenversturz verursacht werden, der die anströmenden Wassermassen nicht komplett durchlässt und so den Rückstau verursacht. Beim nächsten Tauchgang wird sich das Rätsel sicher lösen lassen.

Die Schlammgrabung von Ralph bringt keinen Durchbruch, obwohl er ca. 7 m weiter gekommen ist. Der Schluf ist auswärts leicht Bewettert. Nach 3 Stunden wird mir so kalt, dass wir abbrechen müssen. Die Grabung ist nun auch nicht mehr sehr effektiv. Für eine Wanne Lehm braucht Ralph fast 15 Minuten. Nach 7 Stunden verlassen wir die Höhle.

01.10.07 Tag 59

Grabung am Schluf 54. Ralph legt den Anfang der Engstelle tiefer. Dabei entsteht wie erwartet ein 30 cm tiefer See. Wir brechen nach 4 Stunden ab. Hier muss wieder massiv gearbeitet werden. Wie vereinbart, werden wir die Arbeiten hier an der „Letzte Hoffnung“ beenden und nochmals den Froschpopper betauchen um festzustellen, ob wir hier mehr Chancen haben.

03.10.07 Tag 60

Bis zum Tauchgang in zwei  Wochen wollen wir die Zeit nutzen, die noch verbliebenen Höhlenteile zu vermessen. 40 Messzüge bringen weitere 136 m Länge.

04.10.07 Tag 61

Ein weiterer Vermessungstag wird eingelegt. 60 Messzüge führen zu 254 m Längenzuwachs.

05.10.07 Tag 62 Vermessung

Heute ist Ralphs letzter Urlaubstag. Der dritte Tag der Höhlenvermessung beginnt schon wieder toll. Vor lauter hin und her habe ich den Sack mit meinen Höhlenklamotten im Keller vergessen. Ralphs Kommentar an der Höhle lautet gleich, „Dann vermessen wir aber den Riesenmäander nicht mehr“. 15 Minuten später kehre ich mit den Sachen aus Mühlbach zurück. Bald darauf geht’s nach Unten. Ohne Material ist der 140 m lange typisch fränkische Zustieg zum Palmsonntagsschacht ganz erträglich. Der Anschlussmesspunkt wird gesucht, um mit neuen Messzügen im Süden weitere Teile der Höhle im Plan zu verdeutlichen.

Zur Entstehung der Höhle

Die Morphologie  der Höhle können wir momentan in drei Phasen aufteilen.

Die Erste Phase liegt in der Entstehung der phreatischen Teile des „Fränkichen Oberland“ und führt wohl bis zum Ansatz des damals noch nicht existenten Palmsonntagsschacht. Sie hat sich in nur wenigen 100000 Jahren abgespielt. Die Entwässerung des gesamten Gebietes des jetzigen Altmühltals orientierte sich vor etwa 3 Millionen Jahren Richtung Süden. Die Ur-Donau existierte vermutlich noch gar nicht.

Die zweite Phase der Höhenbildung, welche die Etage des „Jurassic-Park“ markiert, begann, als die Ur-Donau vor etwa 2 Millionen Jahren begann, sich in die Hochfläche zu grabe. Die Höhle floss damals vom „Riesenmäander“ in Richtung „Palm-Beach“ ab und weiter in den nördlichsten Teil, dessen Entstehung für uns bis jetzt noch nicht ganz verständlich ist. Denn so wie es hier aussieht, hat es den Anschein als floss damals alles Wasser in die rezent verfüllten Gangteile der „Bobbahn“. Ab „Palm Beach“ führt dieser Gangteil, mit leichtem Gefälle ca. 40 m, in 3 m Breite und 4 m Höhe, Richtung Norden weiter. Man quert einen 15 m hohen und 7 m breiten Kamintraum und findet sich gegenüber in der Fortsetzung des Chanyons wieder, der ab hier nur an der Decke über großes verlehmtes Blockwerk verfolgt werden kann. 10 m weiter erreicht man den tiefsten Punkt des Gangs an einem weiteren 8 m hohen Kamin. Der Lehmboden steigt von hier aus leicht in Richtung Norden über verlemten Sinterboden an. Beide Gefällestrecken treffen hier unter dem 6 m hohen Kamin zusammen. Jedes mal wenn wir uns hier aufhalten, suchen wir nach einer Erklärung, wie dieser Höhlenteil entstand.  

Die dritte Phase stellt wohl die Eintiefung der Höhle bis auf ihr jetziges Vorflutniveau dar. Dabei bildeten sich zum Vorfluter hin immer wieder neue Schachtzonen aus, die nacheinander Teile des ursprünglichen Höhlenganges Richtung Norden trocken legten. In dieser Phase hatte das Ur-Donautal ca. eine halbe Million Jahren lang sicher seinen tiefsten Stand erreicht. Mit der Entstehung des Donaudurchbruchs verlagerte sich diese in ihr heutiges Flussbett. Die Altmühl übernahm das vorhandene Ur-Donautal und füllt es bis heute langsam mit Sedimentschichten auf, die eine Mächtigkeit von bis zu 18 m haben. Dieser Prozess ist immer noch nicht abgeschlossen.

Zurück zur Vermessung.

Nachdem wir unser Tagespensum erfüllt haben und sehr gut vorangekommen sind, untersuchen wir nochmals den Gangabschnitt nach „Palm-Beach“. Dort sollen die beiden Kamine eingemessen werden.

Beim der Vermesserei fällt einem erst auf, wie groß die Höhle wirklich ist. Auf der Suche nach den besten Messpunktplätzen, die ja immer so liegen müssen, dass man den nächsten gut anpeilen kann, schaut man sich die Umgebung doch sehr genau an. Auffällig sind die vielen mäandrierenden Höhlengänge.

Nach einer Stunde haben wir den mysteriösen Abschnitt unter dem 6 m Kamin erreicht. In dem verwinkelten Gangteil sind gute Messpunkte rar. Ich muss mich genau umschauen und suche mir auf den Verbruchblöcken einige aus, die Ralph dann von seiner Position aus prüft, ob sie zu verwenden sind. Dabei ziehe ich einige Blöcke aus dem Boden um die Peilung zwischen den Punkten besser legen zu können. Plötzlich löst sich ein kleiner Block und fällt in die Tiefe. Das helle Geräusch macht mich stutzig. Aufgeregt werden weitere Blöcke aus dem losen Untergrund gezogen. Ich blicke in eine drei Meter hohe Kammer unter mir. Ralph lässt seine Vermessungstafel liegen und eilt zu mir.

Wir Besprechen die neue Situation und verstehen bald die Zusammenhänge dieses seltsamen Höhlenteils. Der Kamin über uns und der Abstieg unter uns verdeutlichen die letzte Periode der Höhlenentstehung. Hier suchten sich die  Wassermassen in der letzten Phase der Taleintiefung ihren neuen Weg nach unten. Die Fortsetzung der mittleren Etage fiel trocken. Haben wir etwa einen neuen Weg in Richtung des gesuchten Höhlenbaches gefunden? Ich ziehe weitere Blöcke aus dem Boden und klemme sie zwischen große Platten, um einen sicheren Abstieg zu gewähren. Ralph schickt mich als erstes hinunter. In 4 m Tiefe erreicht man den Boden des von „Palm-Beach“ kommenden verbrochenen Mäanders und erfasst erst jetzt seine Größe. Eine Fortsetzung ist zu erkennen. Ralph kommt nach. Weiter geht es in einem niedrigen krabbelbaren Schluf. Ich rechne jeden Moment mit dessen Ende, aber es geht Meter um Meter weiter. Nach einigen Metern knickt der Gang nach links über eine 3 m hohe Stufe in eine geräumige Kammer ab. Wir finden eine Möglichkeit zum Absteigen. Am Boden zieht das Schluf in gewohnter Dimension weiter. Fünf Meter weiter klingt leise das Tropfen von Wasser zu uns. Eine weitere Stufe ist erreicht. Man sitzt oben und blickt in einen noch größeren Raum. Ob wir hier wohl runter kommen. Die Wände verbreitern sich glockenförmig 4 m nach unten. Sie sind zu Glück sehr ausgelaugt und weißen mehrere verwendbare Tritte auf. Ich wage mich hinunter und versuche gleich den erneuten Aufstieg. Es funktioniert, Ralph folg. Am  gegenüber liegenden Boden der Halle öffnen sich zwei Löcher. Ein kleines Gerinne führt leicht geschwungen durch große schwarz verfärbte, runde Felsbrocken ins Ungewisse. Darüber befindet sich ein weiteres ca. einem Meter messendes Loch. Ich stecke meinen Oberkörper hinein und blicke in den nächsten Schacht. Hier ist Schluss, da kommen wir nicht mehr weiter.

Wir können nicht fassen, was diese Höhle ständig Neues bringt. Der ständige Tunnelblick, den wir beim erweitern der engen Röhren der Fortsetzungen bekommen, lässt die Höhle doch etwas klein erscheinen. Doch dieser Schein trügt.

Ich gehe zurück zu Ralph und gebe ihm Hilfestellung beim Absteigen. Wir grinsen beide, denn wir befinden uns in einem zweiten rezenten Teil der Höhle, der noch größer ist als der Erste, dem Schwarzen Schacht. Hier sieht es echt gut aus. Ralph will nun auch den Schacht sehen. Zuvor muss er seine Akkus wechseln um richtig Licht zu haben. Er steckt seinen Oberkörper in das kleine Loch und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sein Blick fällt in einen etwa 7 x 4 m großen, 8 m tiefen Schacht, der über Ihm weitere 6 m nach oben führt. Am Boden befindet sich ein kleiner See. An der gegenüber liegenden Wand scheint sich ein 1,5 m hohes, drei Meter breites Deckengewölbe zu spannen. Handelt es sich hierbei um die Fortsetzung des Höhlenganges oder ist das nur die Prallwand des ehemaligen Wasserfalls? Nach links, fast 90° ist eine hohe Kluft mit einem kleinen Gerinnekanal zu erkennen, der in Richtung Fortsetzung fließt. Es scheint hier weiter zu gehen. Ohne Strickleiter geht aber gar nichts. Auf offener Strecke müssen wir wieder einmal aus Materialmangel umkehren.

Genug gesehen und vermessen. Die Forschungswoche war wieder ein voller Erfolg. Mit einer bedeutenden Fortsetzung beenden wir sie. Nach 5 Stunden erwartet uns ein sonniger Herbsttag in einer wunderschönen Landschaft auf einer außergewöhnlichen Hochfläche der Frankenalb, die ihre Geheimnisse noch nicht freigibt. 

13.10.06 Tag 63 Schacht 13

Andreas kommt zu Besuch. Wir werden in Schacht 13. absteigen, um zu sehen, ob es unten weiter geht. Die beiden 4 l Tanks für den morgigen Tauchgang werden gleich mit zum Palmsonntagsschacht genommen.

Vor dem Blick ins Neuland vermessen wir die fossile Horizontalfortsetzung über Schacht 13. Die fehlenden Messzüge zum Palm Beach werden nachgeholt und bis zum Schachtanfang S 13 gezogen.

Endlich ist es dann so weit. Ein Dübel für die Strickleiter wird gesetzt. Es ist richtig spannend. Die Leiter wird in den Schacht geworfen, Andreas soll als erster runter. Der Abstieg durch das kleine Fenster ist doch etwas unangenehm. Nach wenigen Minuten steht er unten auf festen sandigen Boden, der von einer dünnen Wasserschicht überzogen ist, die aussieht wie eine Glasscheibe. Darin zur Hälfte eingebettet liegt eine graprfruitegroße Steinkugel, die wie das Glasauge eines Riesen aussieht.

Wir kommen nach. Andreas hat sich derweilen schon umgesehen und erwartet uns mit keinen guten Nachrichten. Der dem Schacht anschließende Gang verengt sich zu einer nur einen Meter breiten aber sehr hohen Kluft, die nach 10 m endet. Wie überall in der Höhle geht auch dieser 15 m hohe und 5 m breite Schacht in seiner horizontalen Fortsetzung wieder in eine nahezu unbefahrbare Röhre über. Hier ist erst mal Ende der Fahnenstange. Um Sicher zu gehen vereinbaren wir eine Probegrabung in den kommenden Wochen. Das nächste Ziel unserer Arbeit wird am Sonntag der Tauchgang im „Einsamen Frosch“ sein.

15.10.06 Tag 64 Zweiter Tauchgang im Froschpopper

Schon um 9 Uhr treffen wir uns am Schachteingang. Als ich mein Auto verlasse fliegen in der Einzäunung des Schachtes zwei Krähen und zwei Elstern auf. Ich sage noch zu Ralph „Die beiden Elstern mahnen zur Vorsicht, die beiden Krähen werden auf mich aufpassen“. Er lacht nur kurz.

Die Ausrüstung ist zu dritt schnell nach unten gebracht. Zwei Stunden nach Einfahrt in den Schacht ziehen Ralph und ich meine Doppelvierer-Ausrüstung zum Siphon. Die konnte ich dank Rainer Straubs Anregungen sehr gut modifizieren. Ich bin eigentlich sehr ruhig, nur die beim letzten Hochwasser in den Siphon gespülte 40 m lange Führungsleine macht mir etwas Sorgen. Ralph und Andreas unterstützen mich diskret. Ich liege einige Sekunden im Wasser und sammle mich noch mal. Im Gedanken rufe ich meine Aufpasser. Sie haben mich bisher immer geschützt.

Mit den Füßen voran schiebe ich mich in die nur 50 cm breite Druckröhre, das Tauchgerät an einer Seilschlaufe führend. Nach wenigen Metern kippen die Tanks nach rechts und verdrehen die Reglerschläuche. Es gelingt mir nicht sie wieder in die richtige Position zu bringen, deshalb breche ich ab und behebe das Problem in luftiger Sicherheit. Da ich keine Führungsleine befestigt habe, das ist im Schluf nicht nötig, komme ich schnell nach draußen. Die Beiden sind etwas verwundert, ob meiner schnellen Rückkehr. Nach wenigen Minuten ist alles wieder ok.  

Diesmal komme ich schneller voran und erreiche nach 18 m Tauchstrecke meinen damaligen Endpunkt. Dieser macht mir aber diesmal nicht den Eindruck, als läge er nur knapp unter der Wasseroberfläche. Es geht hier tatsächlich in 45° Neigung nach unten. Es wird auch etwas, aber nur etwas breiter. Hier will ich nun die Führungsleine befestigen.

Die Sicht klart im 10 cm Bereich etwas auf. Plötzlich fühle ich eine Leine zwischen meinen Fingern. Sofort schießt mir durch den Kopf – meine Führungsrolle hat sich gelöst –. Doch wie soll sie denn zu mir nach vorne gekommen sein, hatte ich sie doch ans Ende der Tanks gebunden! Schnell löst sich das Rätsel auf. Es ist die eingespülte Leine.

Jetzt wird’s ernst! Ich habe keine Ahnung, wie und wo diese Leine um mich herum liegt. Langsam versuche ich sie in meiner Hand aufzurollen. Als es jedoch immer mehr gewurstel vor meiner Maske gibt, kommt doch ein etwas mulmiges Gefühl in mir hoch. Nur ein Felszacken im Schluf und ich hänge fest. Ob ich dann die Leine in kleine Stücke zerhecheln kann, daran will ich erstmal nicht denken.

Ich rufe alle meine Beschützer, damit sie mich hier wieder heil raus bringen und mache mich vorsichtig auf den Rückweg. Die Gedanken, mich dabei zu verhängen, werden verdrängt. Das wird nicht geschehen, ich fühle mich in sicheren Händen! Meine Tanks sind fast voll, Luft für max. 45 Minuten. Viel Zeit zum Sterben, kommt mir kurz in den Sinn. Ich konzentriere mich auf jede meiner Bewegungen, um ein Zucken der Führungsleine, sollte sie sich verhängen, so schnell wie möglich zu realisieren.

Der Weg ist weit, es ist eng. Lange war ich noch nicht weg. Erreicht habe ich auch nichts. Toller Tauchgang. Ob ich hier noch mal reintauche? Ich spüre Schotterboden unter mir, nicht mehr weit bis zur Auftauchstelle. Mit einem kurzen Ruck zieht mich Ralph am Tauchgerät nach draußen. Bin wieder da. Danke Ihr Beschützer.

Mir ist nicht bewusst welchen  Ausdruck ich im Gesicht trage, Ralph sieht sehr betrübt aus. Andreas realisiere ich überhaupt nicht. Stehe doch etwas unter Stress. Nach dem Ablegen des Helms und der Maske wird mir die ganze Situation erst richtig bewusst. Noch mal gut ausgegangen. Wir entwirren das Tauchgerät und packen diese verdammte Leine für alle Ewigkeit weg.

Ralph und Andreas verhalten sich sehr ruhig. Sie nehmen keinen Einfluss auf mich. Kann meine Entscheidung, noch mal rein zu tauchen, behutsam überdenken. Nun ist kein künstliches Hindernis mehr im Siphon. Es wird also ein ganz normaler Tauchgang sein. Werde noch mal reingehen. Fühle mich gut. Kein Kommentar von beiden. Zehn Minuten sind vergangen. Ich mache mich fertig, um zu erkunden ob es eine Chance gibt, eine Auftauchstelle zu finden.

Diesmal werde ich mich wieder von draußen sichern lassen. Ralph bekommt die Führungsleine und wird mir Schnur geben. Irgendwie ist das auch meine Verbindung nach draußen. Ruhig und gelassen schiebe ich mich in den Druckstollen. Ralph hält mich auf Fühlung. An der Stelle meiner Umkehr angekommen weicht alle Spannung  von mir. Es geht ca. 20° nach Nordosten und steil nach unten. Keine guten Vorzeichen. Einige Meter schiebe ich mich nach unten, immer testend, ob es mir möglich ist, das Doppelgerät zurück nach oben zu schieben. Das geht ganz gut, doch der Vorstoß endet jäh mit einer unerfreulichen Entdeckung. Mit den Füßen erreiche ich den Boden. Wieder spürt man Schotter, die Decke scheint nur 30 bis 40 cm darüber zu liegen. Das wird nicht der Zugang in eine Wasserhöhle werden, da bin ich mir ganz sicher. Ich breche ab! Nicht frustriert sondern zufrieden, alles gut überstanden zu haben. Diese Stelle ist mit Sicherheit als Abgehakt zu betrachten.

Meine beiden Begleiter sind sichtlich froh, mich wieder wohlbehalten zurück zu bekommen. Nach kurzer Besprechung geht es zurück an die Oberfläche. Ein sternenklarer Himmel erwartet uns und es ist angenehm warm.

Im Nachhinein habe ich erfahren, dass heute einige mir nahe stehenden Menschen sehr unruhig und besorgt über mich waren. Sicher haben sie mir alle geholfen.

20.10.06 Tag 65 Am Ende der Bobbahn

Wir treffen uns um 5 Uhr an der Höhle. Weitere Vermessungsarbeiten sind angesagt. Doch der Kompass funktioniert nicht. Anstelle dessen gehen wir ans Schlufende des fossilen Teils, der „Bobbahn“. Hier ist der schlammigste, aber interessanteste Teil der Höhle. Ralph will dort die verlehmte Fortsetzung aufgraben. Hier, so ergab die Vermessung, ist der älteste Teil der bisherigen Höhle.

Ralph quält sich durch 20 cm tiefen Schlamm nach hinten, um nach und nach einen beschlufbaren Durchgang zu Schaffen. Ich hoffe nur, nicht auch noch in diesem kalten, klebrigen Brei graben zu müssen. Ralph gibt nicht auf. Er verlangt den Fäustel für einen Felsblock, der den Weg versperrt. Nach einigen Schlägen ist die Nase weg und Ralph zwängt sich durch. Mit den Worten „Der Schlammboden ist ja wie eine Eisfläche, man schlittert ganz bequem weiter“, entfernt er sich zunehmend. Immer wieder höre ich den gleichen Satz von Ihm: „Jetzt ist es aber gleich zu Ende“. Doch immer wieder kommt er weiter. Seine Geräusche entfernen sich mehr und mehr, bis nichts mehr zu hören ist.

Nach einer Weile ertönt leise „Ich komme jetzt zurück“. Zu meiner Überraschung taucht er Kopf voran bei mir auf. Etwa 25 m war er im Schluf weitergekommen, bis ihn ein Versturz aus kleinen Felsbrocken ein Vorwärtskommen unmöglich machte. Etwa 5 m vor dem Ende befindet sich eine Schluferweiterung, in der er umdrehen konnte. Gute Voraussetzungen um hinten weiter arbeiten zu können.

Der späte Freitagabend Einsatz hat eine weitere neue Fortsetzung auf dem Weg zum Höhlenbach gebracht. Eine warme Herbstnacht begrüßt uns an der Oberfläche.

22.10.06 Tag 66

Vermessen Riesenmäander und Schwarzen Schacht. Mit insgesamt 125 m neuen Messzügen kommen wir nun auf eine GGl. von 795 m. Viele Teile sind noch gar nicht aufgenommen. Wir sind sicher in der interessantesten Schachthöhle der Frankenalb und steuern die 1000 m Marke an. 

11.11.06 Tag 67 Neue Teile am Palmsonntagsschacht

„Schacht 13.“ Dieser interessante Schacht, den wir erst vor kurzem entdeckt haben, ist das Ziel der heutigen Befahrung. Ich bin gerade wieder aus Schweden von einer Herbstangeltour zurück. Da wir zwei Wochenenden nichts machen konnten hat sich Ralph einige Tage Urlaub genommen.

Treffpunkt am Schachteingang. Auf dem Weg nach unten, legen wir einen kurzen Zwangsstopp ein um das Schachtzeug für den „Palmsonntagschacht“ anzulegen. Dort wird beschlossen, den in diesem Raum einfallenden gewaltigen Verbruch noch mal etwas näher zu betrachten. Da wir uns nun bald der 1000 m Marke nähern, wäre die Entdeckung einiger bequem zu erreichender Neulandmeter ein willkommenes Zuckerl. 

Wir waren am Tag des Durchbruchs, in diese Zone, schon mal dort oben. Dabei haben sich einige große Blöcke gefährlich bewegt, deshalb haben wir die Erkundung schnell abgebrochen und uns den sichereren Gangteilen zugewandt. Doch heute riecht es förmlich wieder nach Neuland!

Ich steige zwischen zimmergroßen Blöcken nach oben, gefolgt von Ralph. Nach beinahe 6 Monaten, sieht hier scheinbar alles ganz anders aus. Wir erreichen in ca. 8 m Höhe einen Raum, in dem es zunächst nicht mehr weiter geht. Nach kurzem Suchen finden wir doch einen schmalen Spalt zwischen Felswand und Verbruch. Geröll und einige Blöcke werden weggeräumt, dann muss Ralph her und durchschlüpfen. Ein schmaler Kamin führt weitere 3 m in gewachsenem Fels nach oben und Endet blind. In Augenhöhe findet Ralph zum Glück eine Stelle, von der aus man darüber einen großen Raum einsehen kann. Wir versuchen, die Sperrblöcke herauszuziehen, doch die Engstelle bleibt unpassierbar. Hier muss etwas zerkleinert werden um durchzukommen. Das wird jedoch auf Montag verschoben. Am Rückweg zur Abseilstelle wollen wir versuchen von weiter unten in diesen Raum vorzudringen. Tatsächlich finden wir eine Fortsetzung, die sich hinter einem kleinen Schutthügel versteckt hat. Dahinter zieht eine Spalte zwischen zwei mächtigen Felsen nach unten. Ich versuche den lockeren Boden etwas tiefer zu legen, überschätze meine Schlankheit und stecke Kopfüber in einem noch verdammt engen Dreieck aus Fels. Ralph muss mich wieder rausziehen, sonst würde ich hier verhungern. Die Schlange kommt wieder mal ohne weiteres durch.

Er ist verschwunden. Seine Aufforderung, nachzukommen setzte ich sofort in kurze Buddelaktivitäten um, lege den Durchgang tiefer und rutsche Kopfüber nach unten. Ralph erwartet mich in einer 4 x 4 m großen Kammer, über uns geht es ca. 7 m nach oben. Wir befinden uns in einer nahezu Verbruch freien Höhlenkammer. Unter uns sind einige Löcher auszumachen, die ins Schwarze führen. Wir schichten einige 80 kg Blöcke um, Ralph stößt den Rest nach unten, dann ist der Blick frei. Ein ca. 3 m breiter Schacht, 6 m tief öffnet sich. Auch hier ist ohne zerkleinern und Schachtseil nicht weiter zu kommen.

Wir orientieren uns daher nach oben. Eine geräumige Zwischenetage mit wunderschönen Erosionsformen belohnt uns. Die Wände sind teilweise gelblich versintert. Doch besonders weiter kommen wir auch hier nicht. Wie so oft haben wir auch heute auf dem Weg zu einer neuen Grabungsstelle, schönes Neuland gefunden. Jetzt wird es Zeit nach unten zu gehen.

Die verlehmte Fortsetzung des „Schacht 13“ erwartet uns. Irgendwie graust es mich schon, in der dicken Lehmsuppe zu graben. Es ist aber notwendig, auch diese Stelle, die so schlecht nicht aussieht, zu überprüfen. Nach einer Stunde Schlammschippen stellt sich heraus, dass diese mächtige Schachtanlage in einer völlig verlehmten, ehemals sicher 1 m hohen Röhre endet. Diese Stelle wird definitiv aufgegeben. Wir bauen die Leiter aus und nehmen sämtliches Werkzeug mit nach oben, denn hier kommen wir so schnell nicht mehr her.

Da wir eh schon in der Nähe der „Bobbahn“ sind, schaue ich mir den 25 m Schluf am nördlichsten Punkt der fossilen Abflussetage an. Ralph hat damals am Endpunkt den einfallenden Verbruch erreicht. Wie von ihm berichtet ist der bequem zu befahrende Schluf reichhaltig versintert. Schneeweiße Sinterfahnen schmücken die Druckröhre. Kurz vor dem Ende befindet sich ein fast die ganze Schlufbreite umfassender Lehmtrichter von 40 cm Durchmesser und 40 cm Tiefe. Wie, und warum dieser Trichter entstanden ist, kann nicht eindeutig geklärt werden. Am Boden befindet sich eine schmale Kluft, möglich, dass sie den Ablauftrichter gebildet hat. Die letzten Meter des 25 m langen Schlufs winden sich stark und am Ende sind von links einfallend einige größere Blöcke zu erkennen. Die Fortsetzung gerade aus verengt sich und verlehmt total. Vermutlich biegt der Gang in Richtung Verbruch ab. Hoffen wir mal, dass danach ein kleiner Raum zu finden ist. Wäre ein schöner Abschluss für diesen Teil.

Mit ca. 40 m Neuland und einem weiteren Schacht der auch in die „Große Schlucht“ führt, kehren wir an die Oberfläche zurück.

13.11.06 Tag 68

Mit Bohrmaschine und Werkzeug machen wir uns auf den Weg ins Neuland über dem „Palmsonntagschacht“. Zuerst geht es an die von Ralph vor zwei Tagen etwas geöffnete Engstelle. Er reicht mir alle Gerätschaften an meinen winzigen Sitzplatz. Dort ist nur noch ein großer Block zu teilen, dann können wir durch. Mit einem Loch für den Spaltkeil ist alles erledigt. Die Trümmer stapeln sich auf meinen Oberschenkeln. Ich krieche durch und stehe in einer 4 m hohen und 6 m weiten Kammer. Bald ist auch Ralph neben mir. Es geht weiter nach oben. Wir befinden uns zwischen großen Klemmblöcken, die an der Höhlenwand anliegen. Der Aufstieg ist einfach, oben geht es in zwei Richtungen weiter. Wir gehen in den größeren Teil. Dort sind die schrankgroßen Verbruchblöcke mit mächtigen Brekzielagern zusammen gebacken. Doch in dem 4 m hohen Raum ist Schluss. Es geht zurück in den niedrigeren Tei des Neulands. Auch hier setzen sich die dicken Brektzielager fort. Der Boden des ca. 8 x 4 m großen Areals ist mit lockeren Schotterhalden bedeckt. Aber auch hier geht es nicht mehr weiter. 20 m wird der Messzug sicher bringen. Wir brechen ab und steigen 10 Meter tiefer, um dort die Strickleiter für den Schachtabstieg in den zweiten Neulandraum einzurichten. Mit dem Fäustel wird zwischen Wand und dem groben Verbruch eine störende Felsnase beklopft, dann steigt Ralph nach unten. Er steht in einer kleinen 2 x 3 m weiten Kammer, deren Decke ein hängender Verbruch bildet. Am Boden öffnet sich ein breiter Spalt, durch den er einige störende Verbruchblöcke wirft. So wie es sich anhört, schlagen sie am Boden unweit unseres Vesperplatzes am „Materiallager“ ein. Ich zwänge mich nach unten, um die Stelle in Augenschein zu nehmen. Tatsächlich kommen wir auch von hier aus in die „Große Schlucht“. Damit gibt es zwei Stellen, durch die wir in den mittleren Horizontalteil gelangen. Ich bohre ein Loch für den Seilabstieg an die Wand, und zwei, in den Felsriegel der die Spalte blockiert, um diesen später zu zerkleinern. Nach 5 Stunden verlassen wir die Höhle.

14.11.06 Tag 69 Vermessung und Neuland im Süden

Um 10.30 Uhr seilen wir den „Palmsonntagschacht“ ab und machen uns mit dem Vermessungszeug in den Südteil der Höhle auf, um die noch nicht bearbeiteten Hallen zu vermessen. Der Messzug in den Durchstieg zur „Wolkenhalle“ ist durch den großen Verbruch wie immer etwas verwirrend. Oben angekommen vermitteln einem die schneeweiß versinterten Wände den Eindruck, als flöge man zwischen den Wolken am Himmel. Der Hauptmesszug wird weiter in die „Zwillingsschächte“ geführt. Am Ende der Schachtkluft zieht eine ca. 2 m breite Schachtstufe ca. 6 m hoch an einen Balkon. Dort oben waren wir noch nie. Die Stufe ist gerade noch kletterbar. Oben verbreitert sich die Kluft auf ca. 3 m und weist herrliche große Versinterungen auf, die ich auf der linken Seite an der Felswand entlang überklettern kann. Es geht weiter nach oben. Ralphs Licht ist unter mir nur noch schwach am Rand des Balkons auszumachen. Die Kluft verengt sich nun auf nur noch 45 cm und zieht in einer Höhe von 17 m über kleine Stufen weiter nach oben. Ich verfolge sie ca. 15 m, bis sie für mich unschlufbar wird aber, weiter führt. Die Auswertung der Messdaten ergibt später, dass der Endpunkt nur noch 17 m vom Eingang in einer Tiefe von 8 m liegt. Hier besteht vermutlich die Möglichkeit einen Hochwassersicheren und weitaus bequemeren Zugang in die „Große Schlucht“ zu schaffen.

Ralph ist inzwischen auf dem Balkon angekommen. Dort in 8 m über dem Schachtboden spreize ich auf die gegenüber liegende Seite der Zwillingsschächte. Dort befindet sich in Verlängerung meiner zuletzt befahrenen Kluft ein nahezu Kreisrunder Schacht, der bis in eine Höhe von 15 m über dem Boden erklettert werden kann. Ich komme mir vor wie in Schachtzonen einer Hochgebirgshöhle. Aus völlig zerlaugtem, nadelscharfen Verbruch im Deckenbereich fließt vermutlich ab und zu etwas Wasser. Zwischen den Blöcken ist aber keine befahrbare Fortsetzung zu finden. Wir sind mit diesem Höhlenteil fertig und beschließen, den Rest der „Drei Täler“ zu vermessen.

Oft waren wir noch nicht hier hinten. Die Dimensionen dieser Höhlenwelt sind von den verschiedenen Plattformen, von oben aus, erst richtig zu sehen. Trotz unseres Drangs, in den riesigen, wie Täler anmutenden Höhlenteilen zu lustwandeln, klettern wir zügig weiter, um hier die beiden verbliebenen Hallen zu vermessen. Ralphs Kamin, den wir dabei als letztes bearbeiten, weißt, wie er damals schon erzählt hat, wunderschöne meterhohe Wandversinterungen und Stalaktate auf. Ein großes Loch in der Decke kann erklettert werden, erweißt sich aber als abschließendes Kämmerchen. Wieder einmal wurde es heute sehr spät und es wird Zeit nach Hause zu gehen. Heute haben wir nach 68 Arbeitstagen die 1000 m Marke des Wolfsblutschachts bei einer Tiefe von -83 m überschritten.

25.11.06 Tag 70 Über den Zwillingsschächten

Es geht nochmals in die obere Kluft der „Zwillingsschächte“, um die Engstelle zu erweitern, die vielleicht zum Eingang führt. Vorher müssen wir zum noch nicht geöffneten „Coconutpitch“, dem Parallelschacht des „Palmsonntagschacht“, der eine weitere Möglichkeit geboten hätte, den „Jurassic Park“ zu erreichen, um unser Werkzeug zu holen. Beim Beseitigen der Felsbrocken die den Weg nach unter versperren, fällt mir ein etwa 100 kg schwerer Klemmblock auf, der nur an zwei winzigen Felsnasen aufliegt und wie eine Kinderwippe schaukelt. Mit zwei leichten Stößen löst er sich und schlägt genau an der Stelle unten am Materiallager auf, an der wir immer unser Gurtzeug ausziehen und uns auf den Weiterweg vorbereiten. Wenn man vorher wüsste was alles über einem hängt, man würde sich in so manchem Höhlenteil nicht mehr aufhalten. Der Abstieg wird während einer Stunde so geöffnet, dass man nun einen weiteren über 20 m tiefen Schacht in der Höhle aufweisen kann. 

3 Stunden nach betreten der Höhle sind wir endlich an der zu beseitigenden Engstelle über den „Zwillingsschächten“. Nach einer weiteren Stunde ist alles so geöffnet, dass Ralph in den engen Mäander einschluft. Doch er kann sich verdrehen und schauen, wohin er will. Es ist keine horizontale Fortsetzung zu finden. Der Schluf verliert sich nach oben in unbefahrbare Kolke. Hier ist definitiv Sense. Wir packen völlig verschlammt zusammen. Beim Verstauen des Werkzeugs an einer geräumigeren Stelle der Kluft fällt mir ein kleines Loch in der östlichen Wand auf. Hier, so scheint es, fließt ab und an ein kleines Gerinne. Es führt gerade aus genau in Richtung Eingangsschacht. Dieses Loch ist die letzte Option für einen neuen Zugang von unten her.

09.12.06 Tag 71 In der Bobbahn

Eigentlich hatten wir vor, den „Einsamen Frosch“ erst Anfang nächsten Jahres weiter auszugraben. Doch wir verlegten den Termin dringlichkeitshalber auf heute, (kurzfristig hat sich ein weiteres, hoch interessantes Forschungsprojekt für nächstes Jahr ergeben). Gestern hatte ich jedoch ständig das Gefühl, nicht dort hin zu wollen. Dachte mir, mein Vorschlag, ehr zur „Bobbahn“ zu gehen und dort die Fortsetzung anzugehen, würde Ralph nicht sehr gefallen. Zu meiner Überraschung stimmt er meinem Vorschlag spontan zu.

Das Wetter ist regnerisch, aber nicht akut gefährlich. Dauerhafter Landregen ist nicht angesagt. Es nieselt schon den ganzen Morgen, dennoch fließt kein Wasser im Eingangsbereich der Höhle. Da alles benötigte Material schon unten im Materiallager liegt, brauchen wir auch keinen schweren Schleifsack zu schleppen. Das versüßt den Zustieg etwas. Alle Zugangspassagen sind überraschend trocken, die Wasserbecken im „Fränkischen Oberland“ ziemlich seicht. Nach einer Stunde Anmarsch liegen wir in der 2 m langen 40 cm tiefen „Begrüßungspfütze“ der „Bobbahn“. Wir schlittern teils auf dem Rücken liegend mit der Nasenspitze nur 10 cm von der glatten Röhrendecke entfernt zum Arbeitsplatz. Ralph ist vorne am z-förmigen Ende des Schlufs. Ich direkt hinter ihm, um die Schlamm- und Geröllmassen in die wenigen kolkartigen Ausbuchtungen des Schlufs zu verräumen. Einen Haufen nach dem Anderen schiebt Ralph an sich vorbei, teilweise so hoch aufgetürmt, dass er nicht mehr zu sehen ist.

Anfangs geht das ganz gut. Doch im Laufe der Stunden bekomme ich am Ende der 15 m langen Röhre, die den Durchmesser des Lochs eines Kernspin-Thomographen bei weitem unterbietet, ein etwas seltsames Gefühl. Nicht das es Panik wäre, doch strengt mich alten Kerl die Arbeit in dieser Umgebung doch arg an. Manchmal, wenn ich am Rücken liegend das Gefühl habe, die Höhlendecke mit meiner Nasenspitze abstützen zu müssen, wird mir die Luft doch etwas knapp. In den Transportpausen denke ich immer öfter darüber nach, ob hier überhaupt Luft nachströmen kann, und wie lange sie dann reicht, wenn zwei verrückte Büffel diese immer mehr aufbrauchen. Ralph meint, es gehe ihm noch ganz gut und da wir überhaupt keinen Dunst im Schluf haben, wäre hier sicher Bewetterung.

Na ja, später erfahre ich, dass er sich schon etwas Sorgen über mein Verhalten gemacht hat. Aber nach der Wahnsinnsleistung, 2 m des Schlufs auszugraben, wird er auch immer schlapper. Mit letzter Kraft schafft er es tatsächlich, auf dem Rücken liegend in eine ausgekolkte Kammer zu blicken. Sie ist teilweise versintert aber noch mit großen Blöcken verlegt. Ob man die überhaupt rausbekommt ist heute noch nicht abzuschätzen. Am „Wendeplatz“ wechseln wir die Positionen, damit ich mir die Stelle auch ansehen kann.

Der Kerl ist einfach unglaublich. Dass man sich nur von Salat und Käse ernährend, so viel Kraft aufbringen kann, ist mir oft schleierhaft. In der Verfassung, in der ich momentan bin, fallen mir da hinten keine Perspektiven fürs Weiterkommen ein. Aber solche Stellen brauchen eben einige Tage Zeit zum Nachdenken. Im „Schweinsgalopp“ die Höhlen zu erforschen ist sicherlich wissenschaftlich nicht zu vertreten. Ups, wo habe ich denn diesen Satz her! Aber zurück zu wirklich wichtigem.

Erleichtert treffen wir uns in der Halle vor „Schacht 13“ wieder. Wir sehen aus wie asiatische Warzenschweine während der Regenzeit. Nach wiederholter Analyse dieses Höhlenteils, die wieder zu nichts Konkretem führt, machen wir uns zum „Palmsonntagschacht“ auf. Etwa 50 m vor dem Ausgangsschacht hören wir das so verhasste Tosen des Wasserfalls. Hat es uns wieder erwischt. Zum Glück ist der Wasserstrahl nicht so gewaltig, dass man nicht wenigsten ins „Fränkische Oberland“ aufsteigen könnte. Dort wollen wir dann entscheiden, ob es zu verantworten ist, die 150 m lange Schlufstrecke, über die sicherlich vielen Wasserfallstufen, anzugehen. Vorher wird die Gelegenheit genutzt, uns und die Schachtausrüstung von einer dicken Lehmschicht zu befreien.

Die erste Problemstelle am „Rosenkavalier“ wird sicher bewältigt. Ralph steckt zwar seinen Kopf im tobenden Wasserfallschluf in einen Kolk, kommt nicht weiter und muss noch mal zurück, um Luft zu holen, dann kann auch er in den engen Schluf des „Kirschwassers“ einfädeln. Der Rausweg ist wirklich unbeschreiblich. Der gesamte Aufstieg aus 70 m Tiefe ist voll aktiv. Im Schluf kommt uns ein Bächlein entgegen, das dessen ganze Breite beansprucht. Nach oben über die vielen kleinen Wassertreppen zu schlufen ist sagenhaft. Dennoch wird einem erst jetzt richtig bewusst was passiert, wenn noch etwas mehr Wasser kommt. Jetzt schon stauen wir durch unsere Körper den Schluf an manchen Engstellen so weit an, dass uns das Wasser bis zur Nase reicht. Immer wieder müssen wir Bauch und Oberkörper heben, damit das klare Wasser unter uns ablaufen kann.

An Schacht 3 angekommen ist nichts von Ralph zu sehen. Total unüblich, denn sonst klebt er mir förmlich an den Stiefeln, bzw. hängt mich im Schluf ab. Erst nach knapp zwei Minuten scheint sein Licht aus dem Halbsiphon. Ich trieze ihn etwas und ruf ihm zu „Na Manfred, wo bleibst Du den, können wir jetzt endlich weiter gehen?“ Er lacht nur, und erzählt mir von seinem Missgeschick am Anfang des Schlufs. Weiter steigen wir in der Gischt von Wasserfall zu Wasserfall. Alle Engstellen sind halb mit Wasser gefüllt. Die nächste Schlüsselstelle ist der Höhlenausgang. Hier kann es auf etwa 10 m Länge zu starkem Wassereinbruch aus der Deckenkluft kommen, die einem unter Umständen die Luft nimmt. Doch auch hier ist alles noch im grünen Bereich.

Draußen erwartet uns dunkelgrauer regnerischer Himmel. Zum Glück ist alles gut gegangen. Wären wir, wie eigentlich geplant, zum „Einsamen Frosch“ gegangen, säßen wir jetzt immer noch in der Höhle fest. Denn aus 85 m Tiefe hätte es über die dortigen engen Schachtspalten keinen Weg durch die Wasserfälle gegeben. Als ob wir es gerochen hätten.

03.01.2007 Tag 72 Am „Einsamen Frosch“

Das neue Forschungsjahr beginnt mit einer Folgegrabung am „Einsamen Frosch“. Das Wetter ist stabil, somit können wir die Arbeiten an dem zu 60 % verlehmten Schluf gefahrlos beginnen. Diese Röhre führt aus östlicher Richtung mit etwas Gefälle direkt ans Ende der „Riesenschlucht“, und setzt sich im „Froschpopper“ bis zum Endsiphon fort. Wir sind noch völlig im Unklaren, woher diese doch ziemlich große Röhre kommt. Höchstwahrscheinlich hat sie eine Verbindung zur Versickerung am Boden des „Windschacht“. Diese ist aber nur 10% des Durchmessers des „Einsamen Frosch“. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Verbindung zum „Rinden Tisch“, der Kammer, die an den „Windschacht“ anschließt. Wo schlussendlich unser Schluf herkommt, werden die nächsten Grabungen aufdecken.

Heute muss ich als erster hinein, um die Engstelle am derzeitigen Ende zu beseitigen. Es handelt sich um einen medizinballgroßen Block, der mit zwei Bohrungen entfernt werden kann. Den Felsschutt und den dahinter wieder leicht aufsteigenden Lehmboden räumt Ralph aus. Ich beschäftige mich in der Zeit zwischen den ankommenden Aushubwannen mit den Engstellen am Anfang des Schlufs. Momentan ist es nur möglich, die Wannen rückwärts herauszuziehen. Damit ich Ralph etwas entgegen kommen kann, grabe ich die Lehmböschungen an den Schlufwänden ab. Am Boden des Schlufs befindet sich eine 10 cm dicke Kiesschicht, die von feinen Sanden durchsetzt ist. Das bedeutet, hier floss vor der Lehmverfüllung ein kleines Bächlein. Wir kommen heute weitere 2 m voran. Aus der Decke stößt ein kleiner, sauberer Kolk auf den Schluf, ob er ab und zu Wasser führt, ist unklar. Man kann noch mal 1,5 m, bis an einen 90° Gangknick, Richtung Süden blicken. Eine Felsverengung in der Kurve verwehrt aber das Weiterkommen. Hier muss wieder gebohrt werden. Nach unserer Vermessung zu urteilen, sind wir nur noch ca. 4 m von der Versickerung im „Windschacht“ entfernt. Beim nächsten Einsatz sollten wir diese erreichen. Völlig erledigt verlassen wir die Höhle.

05.01.07 Tag 73 Am Schacht 1

Der 4,5 m tiefe „Schacht 1“ wird am oberen Rand um 1,5 m verlängert. Damit gewinnen wir Stauraum für den Aushub des Schlufs, der einen neuen hochwassersicheren Zugang in die „Riesenschlucht“ bilden wird. 

06.01.07 Tag 74 Beginn neuer Zugang

Mit Ferdinand mache ich mich daran, die verstürzte Kluft über „Schacht 1“ auszuräumen. Sie ist fast völlig mit tafelartigen, schwarz überzogenen Steinen aufgefüllt, die von der Oberfläche stammen und Überreste des nicht mehr vorhandenen Malm Zetta sein müssen. Der Abraum wird um den hochgezogenen „Schacht 1“ gelagert. Wir kommen gut voran, stellen aber fest, dass die Kluft nach 1,5 m in der Felswand endet.

Aus der hier, links ins „ Ernstl“ mündenden Kluft, strömt mäßiger Luftzug auswärts. Beim nächsten Einsatz werde ich versuchen, vom 5 m tiefer liegendem „Ernstl“ aus, einige Meter weiter nach oben zu kommen, um sicher zu stellen, dass von hier aus nicht doch eine, noch nicht entdeckte Möglichkeit für den Ansatz des neuen Zugangs sein könnte.

13.01.07 Tag 75 Am Einsamen Frosch

Wieder geht es runter zur letzten Option, in den Vorfluter des „Krötensprung“ zu kommen. Ralph vergrößert das Schlufende, während ich die lehmigen Seitenpartien hinter ihm entferne. Wir bewegen uns in einer Suppe von Schlamm und runden Bachgeröllen. Das ganze sieht aus wie ein großer See flüssigen Stahlbetons, wie er aus einer Betonpumpe kommt. Nach etwa 4 Stunden hat er die Engstelle so weit geöffnet, dass er einen Schlufversuch wagen kann. Vor mir liegen noch einige fußballgroße Lehmbrocken, die mir den Weg zu ihm versperren. Ralphs Stiefel verschwinden um die Ecke. „Das gibt’s doch nicht, der ist weg“. Ich höre ihn weiter schlufen. Das will ich sehen, wo kriecht er nur hin? Eilig lege ich die störenden Lehmbatzen in die Wanne, dann kann ich nach vorne und um die Ecke schauen.

Er sitzt in 5 m Entfernung in einer niedrigen, kreisrunden Erweiterung, die das Ende des Schlufs anzeigt. Wir sind 16 m vom Beginn des „Froschpopper“ entfernt. Nach unserer Vermessung sind wir nur noch 2 m vom über uns liegenden „Windschacht“ weg. Tatsächlich geht auch eine etwa 10 cm breite Öffnung nach oben ab, die sich dann etwas vergrößert. Mit diesem Ergebnis war schon vor Beginn der Grabung zu rechnen. Doch bestand die Möglichkeit, noch einen weiteren Abgang in Richtung Norden zu finden, der den Siphon des „Froschpopper“ umgeht. Dieses letzte, noch offene Fragezeichen der beiden Schachtzonen, die zum Vorfluter Richtung Norden entwässern, ist jetzt auch geklärt.

Ziemlich erleichtert, hier nicht mehr her zu müssen, waschen wir uns die dicke Lehmkruste im See des „Krötensprung“ vom Schlatz. Wir wissen nun: Der „Froschpopper“ verengt sich unbetauchbar an einem 25 cm hohen Spalt mit Kiesbett, das man nur mit den Füßen ertasten kann und der „Einsame Frosch“ wird wohl weiterhin für alle Ewigkeit einsam bleiben müssen.

Der nächste Einsatz wird deshalb „Schluf 54“ sein. Diese Stelle entwässert zwar auch Richtung Norden, sollten wir dort je weiter kommen, erreichen wir einen Höhlenteil, der sicher weit hinter dem Siphon des „Froschpopper“ liegt. Mal sehen was 2007 so bringt.

Wir erreichen am 16.01.2007 eine vermessene Ganglänge von 1053 m bei einer Tiefe von 85 m.

16.01.07 Tag 76 „Fränkisches Oberland“

Vormittags war ich bereits an anderer Stelle tätig. Um 16 Uhr treffe ich mich mit Ernst, um die viel versprechende Stelle nach „Schacht 1“ im „Ernstl“ zu untersuchen. Hier besteht die Möglichkeit, in die südlichen Teile des „Jurassic-Park“ zu gelangen.

Bei der letzten Untersuchung des „Ernstls“ haben Ralph einige Felsnasen das Durchkommen verwehrt. Diese werden heute entfernt. Es dauert nicht sehr lange bis ich bequem in die etwa 2 m weit einsehbare Fortsetzung kriechen kann. Schon vor Wochen hatten wir an dieser Stelle Rufverbindung in die schmale Kluft oberhalb von „Schacht 1“. Jetzt gilt es zu untersuchen, ob sich dazwischen Fortsetzungen Richtung Norden auftun.

Ernst wartet vor der doch etwas zu engen Spalte. Nach der Engstelle wird es gleich bequem breiter. Ich kann mich umdrehen. Von der Kluft, die wir suchen, ist hier aber überhaupt nichts zu sehen. Anstelle dessen, tut sich zwischen einigen Klemmblöcken eine überlagernde Kammer auf. Bevor ich da hinauf komme, müssen einige schwere Blöcke umgelagert werden. Platz dafür ist vorhanden. Ich muss nur darauf achten, dass mir keiner auskommt und den Rückweg versperrt.

Nach einigen Minuten ist ein breiter Druchschlupf geschaffen, der leicht zu passieren ist. Interessanter Weise befindet man sich hier in einem völlig intakten Höhlenteil. Wobei sich Ernst, der nur wenige Meter entfernt ist, am Anfang eines riesigen mindestens 20 m breiten Verbruchbereichs der Höhle aufhält. Ich sitze in einer niedrigen 2 x 2 m großen Kammer, aus der es durch einen vorerst noch etwas engen Durchschlupf in ein weiteres Kämmerchen geht. Auch hier ist noch nichts von der gesuchten Kluft nach oben zu sehen. Ich frage mich langsam, über welche Passage wir die Rufverbindung geschaffen haben. In der Kammer geht es 3 m weiter nach Westen. Dort öffnet sich die Decke an einem deutlich ausgebildeten Kluftkreuz. Über mir geht es etwa 2,5 m nach oben. Dort klemmt ein fußballgroßer Block in der Decke, dahinter ist es schwarz. Der Blick nach oben führt genau in eine nach Süden führende Kluft, die aus meiner Position genauso aussieht wie die gesuchte von „Schacht 1“ kommend. Zur Sicherheit schicke ich Ernst nach oben, um Ruf- oder Sichtverbindung herzustellen. Nach 10 Minuten ist die Sache geklärt. Ernst sieht mein Licht, wir sind nur 4 m von einander entfernt. Eine Verbindung bis hierher zu mir kann also geschaffen werden. Aber es fehlen hier immer noch 15 m bis in die südlichen Höhlenteile.

Nach genauerer Untersuchung der Klüfte um mich herum, wird klar, man befindet sich hier in einem völlig intakten Höhlenteil. Die wichtigste Kluftfortsetzung Richtung Süden ist deutlich ausgebildet. Auch nach Norden zieht diese weiter, in größer werdende Räumlichkeiten. Es ist noch nicht sicher, was sich dahinter verbirgt. Doch aus der ersten heute entdeckten Kammer führt eine nur leicht verblockte Kluft in diesen schon einsehbaren Teil.

Doch zurück zur Nordkluft. Es ist durchaus möglich, dass sich über dem Klemmblock eine Kammer befindet, die eine Verbindung in die hoffentlich weiter nach Süden und tiefer führende Kluft aufweist. Aber das ist heute nicht mehr festzustellen. Ohne Werkzeug und Bohrer geht da gar nichts.

01.02.2007 Tag 77 An Schacht 1

Ralph hat Urlaub genommen. Wir untersuchen nochmals den vor kurzem entdeckten Höhlenteil im „Ernstl“. Im gesamten Schachtbereich regnet es wie aus Kübeln. Mir ist kalt, bin durchnässt und habe nicht unbedingt das Gefühl, dass wir hier sinnvoll weiterkommen, was sich nach 3 Stunden bestätigt. Mit einer hochwassersicheren Umgehung in den „Jurassic Park“ wird es wohl nichts mehr. Na ja, dann muss es eben ohne gehen.

 

02.02.2007 Tag 78 Öffnen „Schluf 54“

Wir haben uns entschlossen, den zweiten aktiven Höhlenteil, den „Schwarzen Schacht“ weiter zu verfolgen. Dieser Höhlenteil stellt die vierte und jüngste Entwicklungsphase der bis jetzt bekannten Höhle dar. Nach wochenlangen Arbeiten wurde ein ca. 20 m langer Schluf „Der Unbekannte Zuläufer“ auf befahrbare Dimensionen erweitert. An dessen Ende steht man in einer kammerartigen Gangerweiterung in der sich ein ca. 8 m hoher Schacht öffnet, der von einem kleinen Wasserfall gespeist wird. Beide Gerinne, das aus dem „Schwarzen Schacht“ und der kleine Wasserfall vereinen sich in einem schönen, bequem begehbaren 3 m hohen Mäander. Dieser Wasserlauf fällt über drei 1,5 m hohen Stufen bis ans unschlufbare Ende in 20 m Entfernung. Dort hat sich erneut ein schmaler Mäander gebildet, dessen Boden von Blockwerk befreit werden muss, um weiter zu kommen. Zwei Meter weiter scheint sich der Schluf etwas zu vergrößern. Hier kann man nur mit Neoprenanzug arbeiten, denn der kleine Wasserlauf in dem man sitzt läst einem schnell auskühlen. Vermutlich haben wir die gleichen Strapazen vor uns wie im Schluf nach dem „Pechschwarzen Schacht“. Gute Aussichten sind das nicht.

10.02.2007 Tag 79 „Im Wolkendom“

Es stehen noch einige Löcher in der Decke des Wolkendoms zur Erforschung an. Deshalb geht es heute in den Süden der Höhle, um weitere Fragezeichen aufzulösen.

Von einem 5 m hohen Felsblock, der mitten im Wolkendom steht, gilt es, sich an dem in 1,5 m Entfernung senkrecht ansteigenden Felsüberhang hoch zubohren. Das Problem dabei ist, ich habe den verkehrten Bohrer dabei. Statt eines 8 mm starken, habe ich den 9 mm eingepackt. In diesen Löchern, greifen die Anker natürlich nicht besonders gut. Ich bin daher gezwungen, zu improvisieren. Mit verschiedenen Techniken gelingt es mir dennoch, das in 10 m Höhe gelegene Deckenloch zu erreichen. Eine herrlich versinterte Kammer tut sich auf, die jedoch den Endpunkt des Kamins anzeigt. Beim Abseilen quere ich in eine nur 3 m entfernte 1 m breite Deckenkluft, die ebenfalls komplett versintert ist. Ein breiter Sinterfall fließt dort aus einem 10 m entfernten, breiten Loch aus der Decke. Um die Versinterungen nicht zu beschädigen werden wir diesen Teil nicht weiter erkunden.

Ralph hat unterdessen einen kletterbaren Zustieg durch einen schönen Korrosionskamin, zum letzten Fragezeichen in dieser Halle gefunden. Durch diesen gelangt man direkt bis unter den zu untersuchenden Kamin. Noch einige Blöcke in der Decke des Zustiegs blockieren den Weg ans nur mehr einige Meter entfernte Ziel. Ich finde eine etwas heikle Umgehung von der Hallemitte aus und entferne die Blöcke von oben. Kurz darauf ist klar, auch dieser Kamin endet 7 m höher, blind. In der Wolkenhalle ist demnach alles erkundet, sodass wir uns bei einer nächsten Befahrung, der Vermessung der neuen Teile im „Adlerhorst“ annehmen können.

Am Rückweg geht es in den „Schluf 54“, in dem ich die am Endpunkt befindliche Engstelle entfernen soll, damit Ralph die Fortsetzung der „Letzten Hoffnung“ untersuchen kann. Ich liege bald in einer 10 cm tiefen Wasserlache und bohre mit ausgestrecktem Arm die rechte Seite an, um sie zu entfernen. Nach einer Stunde ist es dann so weit, Ralph kriecht in die Fortsetzung. Sein Eindruck ist wider erwarten positiv und viel versprechend. Wir beschließen, diese Schlufbaustelle an Nummer Eins der zu untersuchenden Gangteile in der Höhle zu stellen.

17.02.2007 Tag 80 Wegbereitung für „Schluf 54“

Die letzten vier Wochen nagen an meiner körperlichen Verfassung. Beinahe jeden Tag verausgabte ich mich in verschiedenen Höhlen zu sehr. Ich spüre jeden Knochen und mir wird allein vom Gedanken an die heute zu bewältigende Wegbereitung zur Baustelle im „Schluf 54“ ganz schlecht.

Obwohl fast kein Wasser in die Höhle fließt, sind der „Schwarze Schacht“ und der nach dem engen 25 m Schluf kürzlich entdeckte „Unbekannte Zuläufer“ so aktiv wie noch nie. Ein angenehmes Rauschen begleitet einen bis ans momentane Ende dieses westlichsten Höhlenabflusses. Von hier aus beseitigen wir in 6 Stunden rückläufig alle Engstellen bis zum „Schwarzen Schacht“, die noch immer durch herumliegendes Blockwerk Befahrungsschwiergkeiten bereiten. Dadurch wollen wir die vielen Anmärsche, die in den nächsten Wochen anstehen, erleichtern. Wie befürchtet, liegt die schlimmste Stelle des Schlufs die vergrößert werden muss wenige Meter nach dem Eingang zum „Unbekannten Zuläufer“, kurz nach dem „Schwarzen Schacht“. Hier kommt man an einigen Stellen nur mit einem ausgestreckten Arm nach vorne und einem nach hinten weiter. Diese Stellen zu beseitigen, hat mich meinen 8 mm Tauchanzug gekostet. Er hat mittlerweile an vielen Stellen handtellergroße Löcher. Teuere Höhle, kann ich nur sagen. Doch am Ende zählt nur der Erfolg, mit dem wir belohnt werden.

23.02.2007 Tag 81 Beginn der Arbeiten am „Schluf 54“

Wir beginnen mit dem Ausräumen des Schlufs. Zum Glück ist in den Kammern hinter uns genügend Platz um den Aushub zu deponieren. Auch diese Stelle ist mit zwei Personen wieder mal gut besetzt. Einen Meter kommen wir weiter.

02.03.2007 Tag 82 „Schluf 54“

Auch heute geht es an die Fortsetzung. Wir sind neugierig, wie es in dem einstmals begehbaren Gang weitergeht. Der Boden unter uns ist mindestens 40 cm tief aufgefüllt. Wir erreichen keinen Grund. Es muss also irgendwo vor uns eine Gangblockade existieren, die das Schluf verfüllt hat. Denkbar wäre, dass dieser Ablauf auf Verbruchboden einer größeren Halle trifft und dadurch angestaut wird. Für diese These spricht auch, dass man in dieser Röhre keinerlei Wassergeräusche hört.

04.03.2007 Tag 83 Schluf 54 mit Ferdi

Heute kommt Ferdinand, Renates Sohn, mit an die Baustelle. Er ist der einzige der Mühlbacher Höhlenjugend, der sich noch für die Unterwelt interessiert. Die anderen Jugendlichen sind vermutlich vom dortigen Höhlenverein zu wenig integriert worden und daher ausgetreten. Ferdi hat die Höhle erst im Eingangsbereich gesehen und wird heute seine erste Befahrung bis in die „Mittlere Etage“ antreten. Der „Kirschwasserschluf“, der gefährlichste und anspruchsvollste Höhlenteil bereitet ihm aufgrund seines engen Neoprenanzuges einige Schwierigkeiten. Den 20 m tiefen „Palmsonntag Schacht“ dagegen meistert er gausgezeichnet.

Da wir heute zu dritt arbeiten können, werden die Steine aus dem Schluf gleich in die obere Kammer geschlichtet. Alle drei frieren wir ziemlich, denn das anströmende Wasser, in dem man sitzt, oder von dem man ständig beregnet wird, kühlt einen schnell aus. Wieder geht es einen Meter weiter. Vor mir im Schluf wird es tatsächlich etwas größer.

24.03.2007 Tag 84 Andreas in Wolfsbuch. Werden vom Hochwasser eingeschlossen

Andreas Hartwig kommt zu Besuch. Wir zeigen ihm die Teile der Höhle, die wir seit seinem letzten Besuch entdeckt haben und wollen dabei einige Fotos machen.

Es geht in den Süden, um dort den „Riesenmäander“ zu befahren, dessen unscheinbaren Zugang Andreas schon bei der Entdeckungsbefahrung gesehen hat. Was sich dahinter auftut überrascht ihn ziemlich. Weiter geht’s in den Wolkendom. Auch vor diesem Abzweig stand Andreas damals. Der Durchstieg über die riesigen zimmergroßen Verbruchblöcke nach oben in die Halle beeindruckt ihn abermals. Nach einer Stunde sind wir wieder am Ausgangspunkt, dem Korallenmäander. Nun geht es in den äußersten Süden der Höhle. Hier stößt man nach kurzer Schlufstrecke auf mehrere große Hallen. Die Kommentare von Andreas zu den jeweiligen Höhlenteilen bekräftigen unseren Eindruck, dass wir doch eine ganz schön große Höhle entdeckt haben. Denn nach so vielen Tagen die wir schon in der Höhle verbracht haben, verliert man doch den Blick für die Realität und alles kommt einem kleiner vor als es wirklich ist. Zumal man sich die meiste Zeit an den engsten Schlufen der Höhle bei der Arbeit wieder findet.

 

Es ist mittlerweile schon ziemlich spät geworden. Wir haben Hunger bekommen und wollen raus. Doch schon am „Schwarzen Schacht“ hören wir das bedrohliche Rauschen des Wasserfalles vom „Palmsonntag-Schacht“. Wir haben trotz positiver Wettervorhersage wieder einen Wassereinbruch im Höhlensystem. Das bedeutet abwarten, bis das „Kirschwasserschluf“ wieder befahrbar wird. Ich habe das Gefühl, das könnte länger dauern. Wir begeben uns deshalb nach „Palm-Beach“ um dort auszuharren, bis der Wasserfall abklingt. Wir bauen uns vor dem Abgang zu „„Schacht 1“3“ ein Behelfszelt, um nicht zu sehr auszukühlen. Drei mal verlassen wir es und schauen zum Wasserfall. Nach 6 Stunden Nerven zehrenden Ausharrens hat sich das Wasser soweit zurückgezogen, das wir uns an den Aufstieg machen können. Die gesamte Ausrüstung lassen wir in der Höhle, um möglichst schnell nach oben zu kommen. Wir sind durchgefroren, kommen aber gut durch alle Problemstellen nach draußen. Es wird immer deutlicher! Ein neuer, hochwassersicherer Weg nach unten muss gefunden werden.

26.03.2007 Tag 85 Materialbergung

Die Priorität der heutigen Befahrung liegt in der Bergung unserer zurückgelassenen Ausrüstung. Seit Beginn  der Arbeiten am „Schluf 54“ habe ich ernste Probleme mit meiner Kondition. Jedes Mal wenn ich die Höhle befahre fehlt mich die Luft. Wenn das nicht besser wird, muss ich mal zum Doc. Auch heute macht mir der Rausweg Schwierigkeiten.

31.03.2007 Tag 86 „Schluf 54“

Mit gemischten Gefühlen machen wir uns ans Ausräumen des Schlufes. Es strengt mich sehr an, in diesem engen Gang zu arbeiten. Schon nach 4 Stunden kann ich nicht mehr. Ich bin so schwach, dass ich auf dem Rückweg alle 10 m eine Pause brauche. Der Schachtaufstieg gibt mir den Rest. Ralph hat ernste Bedenken, ob ich überhaupt noch aus der Höhle komme. Doch nach 15 Minuten Pause an „Der guten Fee“ habe ich mich soweit gefangen, um das letzte Stück zur Oberfläche zu bewältigen. Nun reicht es mir, ich gehe zum Doc.

02.05.2007 Tag 87 Vermessung „Sandhallen“

Nachdem es mir immer noch nicht besser geht, vermessen wir die Sandhallen, oberhalb des „Palmsonntag Schacht“. Auch hier kommen wieder beinahe 100 m Ganglänge dazu. Es ist schon interessant, wie 30 m unter der Oberfläche soviel Sediment in einem Hohlraum angehäuft werden konnte. Hier muss sicherlich einmal ein gewaltiger, permanenter Wasserzulauf in die Höhle stattgefunden haben.

04.05.2007 Tag 88 Vermessung „Jurasic Park“

Ein weiter Teil der Höhle wird vermessen. Zwischen „Palmsonntagschacht“ und “Palmbeach“ befindet sich eine überlagernde Etage die in einen ca. 10 m hohen Kamin führt und noch nicht bearbeitet wurde.

12.05.2007 Tag 89 Froschpopper Deckenkamin

Mit Schachtausrüstung, Bohrgerät und Seil begeben wir uns zum „Krötensprung„. Dort angekommen vermisst Ralph den „Einsamen Frosch„ und ich bohre mich indessen in den ca. 10 m hohen Kamin, um dort nach einer Umgehung des „Froschpopper“ Siphons zu suchen. Nach 2 Stunden sind alle Winkel im Kamin untersucht. Nirgends geht es weiter. Ralph hat seinen Job auch erledigt. Heute wurde absolut geklärt, dass es im Hauptablauf der Höhle außer dem „Froschpopper“ Siphon keine Fortsetzungen in den gesuchten Höhlenbach gibt.

09.06.2007 Tag 90 Froschpopper -24

Am Zulauf zum „Froschpopper„ werden zwei Geröllschutzgitter angebracht. Sie sollen verhindern, dass weiterhin große Gerölle in den Siphon gespült werden. Wir erhoffen uns durch diese Maßnahme, dass die Engstelle am Endpunkt des Siphons frei gespült wird. Unter Umständen wird diese Stelle dann irgendwann einmal überwindbar.

16.06.2007 Tag 91 Vermessung Krötensprung-Windschacht

Wir machen uns auf, den überaus unangenehmen Höhlenteil, der eine Verbindung vom Krötensprung zum Windschacht darstellt, zu vermessen. Diese Verbindung ermöglicht einen Rundgang von ca. 400 m durch die Höhle.

Schon der Beginn des engen Schlufes macht uns Schwierigkeiten. Die Laser verschlammen und funktionieren nicht richtig. Der Kompass schmiert auch zu. Ich komme nur Rückwärts durch die erste Engstelle. Wie es danach weiter geht ist uns nicht mehr richtig in Erinnerung. Kommt noch etwas engeres, komme ich hier ich mehr raus. Im Laufe der Vermessung stellen wir fest, dass dieser Teil doch länger ist als wir dachten. Der kalte Luftzug der hier am fast tiefsten Punkt der Höhle vorherrscht lässt mich fast erfrieren. Ralph hat seinen 3 mm Neopren und den kaputten nicht mehr wasserdichten Trockenanzug an. Ihm geht es wesentlich besser. Völlig verlehmt kommen wir nach 50 m im Windschacht an. Ich bin total durchgeweicht und friere furchtbar. Aber trotz allem wollen wir noch kurz zum „Runden Tisch“ schauen, denn diese Stelle ist die verlehmte Hauptfortsetzung der mittleren Entwicklungsphase der Höhle. Nach genauerer Untersuchung der Kammer stellt sich heraus, dass die Möglichkeit bestünde den Lehm, der diese Kammer plombiert, auszuräumen.

06.07.2007 Tag 92 Bauwagen „Cavecastel-Wolfsbuch“ wird gesponsert

Die Firma Perr-Stahlbau in Dietfurt hat uns einen sehr gut erhaltenen Bauwagen für unser Projekt gesponsert. Ralph hat sich extra vom 3. - 6. Juni Urlaub genommen, damit wir die nötigen Renovierungsarbeiten tätigen können. Mein guter Freund, Max Betz, der Grundbesitzer des Eingangs zur Mühlbachquellhöhle hat uns den Bauwagen mit seinem Traktor nach Mühlbach gezogen, wo wir diesen drei Tage lang bei meiner Partnerin Renate restauriert haben. Am heutigen Abend fährt uns mein Kollege Klaus unser neues Domizil das „Cavecastel-Wolfsbuch“ an den Wolfsblutschacht. Nun kann auch Ralph wieder reinen Gewissens im Altmühltal übernachten.

13.07.07 „Cavecastel“ renoviert

Die restlichen Arbeiten am Domizil nehmen doch noch den ganzen Tag in Anspruch. Doch bis zum Abend sind wir dann soweit fertig, dass Ralph endlich einziehen kann. Er ist sichtlich erleichtert, nun endlich eine Bleibe zu haben, wenn er das Wochenende im Altmühltal verbringt.

An dieser Stelle ist Zeit anzumerken, dass es mir gesundheitlich langsam wieder besser geht. Ich war beim Doc, der mir gleich zur Begrüßung 25 € abdrückte, um eine neue Untersuchungsmethode anzuwenden, die von der Kasse natürlich nicht gezahlt wird. Dabei stellte sich dann auch sogleich heraus, dass ich eine verschleppte Bronchitis habe, die mit Cortison behandelt werden muss. Auf alle Fälle geht es mir nun wieder besser. Die Erkrankung hat meine Höhlenaktivitäten in den letzten 4 Wochen auf Eis gelegt.

29.08.07 Tag 93/Einsatz 1: „Projekt Wegbereitung“ wird gestartet

Eine tief greifende Entscheidung wird getroffen. Die Forschungen in der Höhle werden immer anspruchsvoller. Der Weg nach unten auf bis zu 85 m Tiefe, durch die vielen Starkregen der letzten Monate, immer gefährlicher. Die Suche nach einem hochwassersicheren Zugang ist abgeschlossen. Einen einfachen Weg haben wir nicht gefunden. Doch existiert eine verbrochene Spalte nahe dem Eingang, die in die gewünschte Richtung führt. Ich kann Ralph überzeugen, dass wir an dieser Stelle mit den Arbeiten zu einem sicheren Zugang in die Höhle beginnen müssen. Sehr zuversichtlich oder gar begeistert ist Ralph nicht. Mein Ziel, den Durchbruch in einen Seitenteil der Höhle bis Ende des Jahres zu schaffen verwirft er mit seiner eigenen Prognose von eher 2 Jahren Arbeit. Mich bremst seine Aussage die Sache zu beginnen nur in meiner Motivation die Sache heute zu beginnen, als in meiner Überzeugung in einigen Monaten am Ziel zu sein. Denn eines ist klar, über den jetzigen Zugang dauert die wissenschaftliche Bearbeitung der Höhle mehrere Jahre. Was erst, wenn wir den Höhlenbach finden? Umfangreiches Tauchgerät und Ausrüstung kann durch den engen 200 m langen Eingangsbereich, der bis zum „Palmsonntag Schacht“ reicht, nicht transportiert werden.

So beginnen wir heute doch noch, die nach Westen ziehende Lehmkluft abzugraben. Laut Vermessung müssen wir auf maximal 20 m Länge 10 m Tiefe erreichen. Keine leichte Aufgabe und angenehm wird sie durch den hochaktiven Tropfwasserschacht auch nicht, der direkt am Anfang der verfüllten Kluft plätschert.

30.08.07 Tag 94/2 Wegbereitung

Gestern konnten wir nur 5 Stunden arbeiten. Das soll heute besser werden. Doch einsetzender Nieselregen läst den Tropfwasserschacht zur Dusche werden. Nur mit Neoprenanzug kann ich Ralph den Aushub zum Depot reichen. Ziemlich unangenehm in dieser Sauerei zu arbeiten. Nach einigen Stunden ist aber doch schon ein geräumiger Gangansatz geschaffen. Richtige Arbeitstage sind es nicht, die wir momentan hier ableisten. Dadurch, dass wir direkt an der Höhle unser komfortables Camp haben, wird man immer wieder zu Trocknungspausen verleitet. Wenn das so weitergeht, muss ich unter der Woche mehr Einsätze leisten als geplant.

31.08.07 Tag 95/3 Wegbereitung

Gut ausgeschlafen treffe ich um 9 Uhr im „Cavecastel“ ein. Ralph hat schon gefrühstückt. Dreißig Minuten später sind wir unten am Schacht. Wieder ist die Dusche am Arbeitsplatz aufgedreht. Hoffentlich entfernen wir uns schnell aus diesem Bereich. Das größte Problem, das uns bei dieser Arbeit begleitet, ist die Gefahr des immer wiederkehrenden Wassereinbruchs in den Schacht. Wenn dies geschieht, läuft die Grabungsstelle komplett voll. Die einzige Möglichkeit weiter zu machen besteht dann nur darin, die Kluft leer zu pumpen. Zum Glück weist der Eingangsbereich ab dem Beginn der Grabungsstelle bis zur Sole von „Schacht 1“ in der ersten nur wenige Meter entfernten Kammer, eine Gefälle von 10 m auf. So könnten wir im Notfall einen Schlauch zum Abheben der überfluteten Grabungsstelle benutzen.

01.09.07 Tag 98/4 Vier Forschungstage gehen zu Ende  

Heute ist unser letzter Tag. Bis 14 Uhr können wir während dieser kleinen Forschungswoche einen Vortrieb von 1,8 m verbuchen. Eigentlich nicht schlecht. Dachte ich doch, dass wir schon längst auf massive Felsblöcke stoßen und deshalb noch schlechter vorwärts kommen würden. Ich bin zufrieden, Ralph denkt immer noch, wir benötigen 2 Jahre. Zum Glück haben wir schon vier Tage hinter uns.

07.09.07 Tag 99/5 Schachtboden wird eingefasst

So wie bisher, geht es nicht mehr weiter. Der letzte Regen hat gezeigt, dass zuviel Wasser in die Höhle fließt. Ein Wandblech wird Abhilfe schaffen um bei Regen 90% des in den Tropfwasserschacht stürzenden Wassers, von der Baustelle weg in die offene Fortsetzung der Höhle leiten. Danach wollen wir versuchen, das gesamte einströmende Wasser, das drei Meter über uns auf den Felsboden des Plateaus trifft so zu leiten, dass es unsere Arbeitsstelle gar nicht mehr erreicht. Wir legen einen Ring aus Steinen um die Eintrittsstelle und schmieren die Zwischenräume mit hartem Lehm zu. Bald wird sich herausstellen, wie effektiv das Ergebnis ist.

08.09.07 Tag 100/6 Tropfwasserschacht abgedichtet

Heute ist kein Neopren zum Arbeiten mehr nötig. Die gestrigen Maßnahmen zeigen Wirkung. Beim Umschlichten der Steine am Plateauboden findet Ralph sogar den Zulauf des Tropfwasserschachts. Mit einem Felsblock und einem Eimer Lehm kann dieser beinahe völlig versiegelt werden. Jetzt muss nur noch ein sicherer Ablauf der anströmenden Wassermassen, die in die schmale Kluftfortsetzung der Eingangsspalte der Höhle stürzen, gewährleistet werden. Dazu wird das anströmende Wasser in eine nur wenige Dezimeter vom Eingang gelegene verblockte Spalte, die direkt über dem Zugangsschluf zur Kammer 1 liegt, umgeleitet. Aus dieser verstürzten Spalte müssen aber noch einige Felsblöcke geräumt und alles Verbruchsicher abgestützt werden.

10.09.07 Tag 101/7 Schachtring gebaut

Eigentlich wollte ich am Stollen arbeiten. Doch der gestrige Starkregen hat ihn geflutet. Vorsorglich habe ich vor zwei Wochen einen Gartenschlauch mitgebracht. Er ist so lange, dass er 15 m tiefer zum Boden von „Schacht 1“ reicht. Genug Saugkraft also, um den abgesoffenen Stollen in 45 Minuten abzuheben. Nachdem das Wasser abgelaufen ist, zeigt sich das ganze Dilemma. Aus der rechten Wand hat sich der aufgeweichte Lehm gelöst und liegt nun als zähe Suppe am Grund des Stollens. Hier kann ich heute nichts mehr machen und beschäftige mich daher mit der Fertigstellung der Wasserumleitung am Höhleneingang. Der Ring um den Eingang wird etwas erhöht und die neue Eintrittsstelle von Verbruchblöcken befreit.

13.09.07 Tag 102/8 Meißeln und Bohren. Erreiche 4 m von Rohrmitte

Die Spalte verengt sich. Es geht schon ein ganzes Stück nach unten. Die geplante Gangneigung von 25° wird eingehalten. Um die großen Blöcke von der Wand wegzubekommen müssen diese erst angebohrt und zerkleinert werden. Eine erste Messung, dabei wird von Schachtmitte ausgegangen, bringt den Gang auf 4 m.

21.09.07 Tag 103/9 Die Neigung ist zu gering

Ralph kommt wie das ganze Jahr, übers Wochenende nach Wolfsbuch. Wir arbeiten wieder an der Wegbereitung zu den Zwillingsschächten. Nach Ralphs Meinung ist das Gefälle viel zu gering. Der Gang geht fast horizontal nach vorne, meint er. Ich kann ihn nur schwer überzeugen, dass es am Anfang immer so aussieht, doch später, wenn man eine gewisse Länge erreicht hat, man das Gefälle besser erkennt. Wir kommen nur einen halben Meter vorwärts, doch das liegt noch im grünen Bereich. Denn wenn man am Ende alle Arbeitseinsätze eines Projektes zusammennimmt, kommt man wie an allen Einsatzplätzen in den Höhlen auf einen Vortrieb von 50 cm pro Tag.

22.09.07 Tag 104/10ter Einsatz der Wegbereitung

Ein großer Felsen liegt quer zum Stollen. Ich bohre eine Reihe Löcher hinein und teile ihn mit dem Klemmkeil. Der Gedanke, dass noch ca. 16 m vor uns liegen, läst mich noch mehr ins Schwitzen kommen. Aber wie so oft heißt das Schlüsselwort „Durchhalten“, dann kommt man ans Ziel.

24.09.07 Tag 105/11 Steine deponieren

Heute fallen nur große Blöcke an, die ich ans Depot schaffe und von da aus zum Schluf der zu „Schacht 1“ führt. Dort werfe ich die Brocken hinunter und verräume sie anschließend.

25.09.07 Tag 106/12 Wieder alleine im Loch

Komme gut voran. Der anfallende Verbruch wird gleich in „Schacht 1“ deponiert. Immer wenn ich alleine arbeite ist dies die einzige Möglichkeit weiter zu kommen. Mittlerweile ist der Gang schon sehr geräumig geworden, eigentlich schon fast zu geräumig. Das liegt aber daran, dass die Felswände rechts und links natürlich nicht schnurgerade verlaufen, sondern auch leichte Ausbuchtungen aufweisen.

26.09.07 Tag 107/13 Ein weiterer Tag alleine in der Höhle

Es hat geregnet und der Tropfwasserschacht ist wieder angesprungen. Es muss sich also noch irgendwo in der Nähe des schon verschlossenen Zulaufs, ein weiterer befinden. Wenn es noch mehr regnet, läuft der Stollen wieder voll. Vorsichtig breche ich um das bereits versiegelte Loch des Tropfwasserschachtes herum einige Steine heraus. Tatsächlich öffnet sich dort eine 5 cm breite und 30 cm lange Spalte, die etwas versetzt über dem Tropfwasserschacht liegt. Es gelingt mir sie abzudichten. In der folgenden Nacht regnet es sehr stark.

27.09.07  Hochwassereinbruch - Gang abgesoffen

Eigentlich wollte ich heute wieder arbeiten. Doch als ich in den Hauptschacht absteige und an die Baustelle komme, knie ich erneut vor einem kleinen See. Die Stelle sieht völlig anders aus als gewohnt. Es hat den Eindruck, als ob man vor einem großen Siphon sitzt. Das nun schon 5 m tiefe Loch muss abgepumpt werden, bevor man hier weitermachen kann. Das ist nun schon das zweite Mal. Bevor man hier weitermachen kann muss sichergestellt werden, das die Baustelle hochwassersicher wird. Der Spalt am Plateauboden neben dem Eingang muss endgültig ausgeräumt und fertig gestellt werden.

28.09.07 Tag 108/14 Abraum entfernt und Gang leer gepumpt.

Es ist wieder Wochenende, Ralph und Ernst helfen mit, den Verbruch aus dem Depot zu ziehen. Außerdem hat Ernst eine Pumpe mitgebracht, mit der ich den voll gelaufenen Gang entleere. Nachdem wir bis Mittag 60 Eimer vom Depot hochgezogen und den Gang leer gepumpt haben, dieser aber völlig verschlammt ist, beschließen wir für heute abzubrechen.

29.09.07 Tag 109/15 Arbeiten am Spalt zum Wassereintritt

In der Zeit, in der ich unten am Gang arbeite, entfernt Ralph etwa einen Meter tief die Steine aus der verfüllten Spalte. Wie erwartet tun sich mehrere Löcher am Boden auf. Aber bald wird deutlich, dass der ausgeräumte Bereich gestützt werden muss. Auch der Boden muss beim nächsten Mal einen halben Meter tiefer ausgeräumt werden, damit später der freie Wasserablauf gewährleistet ist.

01.10.07 Tag 110/16 Ein besonders wichtiger und langer Tag

Wie üblich war ich vormittags an anderer Stelle am Wolfsbuchplateau tätig. Wie fast immer, geht es danach hier weiter. Ich habe meine bewährten Schneefanggitter dabei, um den Wasserablauf zu sichern. Vorher muss der Ablauftrichter auf die notwendige Tiefe freigelegt werden. Jetzt wird klar, dass der Bereich ohne Gitter beim nächsten Hochwasser einstürzen wird. Bis 21 Uhr arbeite ich an dieser für die Zukunft der Höhle so wichtigen Stelle. Bekomme ich den Ablaufschacht nicht hin, ist das Projekt „Wegbereitung“ zum Scheitern verurteilt. Zum Schluss fertige ich einen Bauplan für die Abstützungen an. Erschöpft vom 15stundentag ziehe ich mich im luxuriösen „Cavecastel“ um und beschließe den Tag mit einem kühlen Bier unter sternenklarem Himmel.

02.10.07 Tag 111/17 Wasserablauf fertig

Auch heute arbeite ich an zwei Höhlen. Es wird wieder ein 12 Stunden Tag. Mit den vorhandenen Schneefanggittern konstruiere ich am „Cavecastel“ den Stützkäfig nach den gestern aufgenommenen Maßen. Es werden drei Segmente, die ich einzeln in den Schacht ablasse und dann, ohne viel verändern zu müssen in den Ablauf einbaue. Abends um 20 Uhr stehe ich etwas ungläubig vor der perfekten Vollendung der gestrigen Planung. Nun braucht nur noch etwas Regen zu kommen, damit das neue Ablaufsystem getestet werden kann.

06.10.07 Tag 112/18 Stoßen auf große Felsblöcke

Die Mehrzahl der Einsätze des Projekts „Wegbereitung“ hat sich auf den Bau des wichtigen Ablaufsystems konzentriert. Heute können wir uns endlich wieder der tatsächlichen Wegbereitung widmen. Ralph ist wieder übers Wochenende gekommen, Ernst hilft auch mit. So können wir das deponierte Gestein zügig aus dem Schacht entfernen, um Platz für neuen Abraum zu schaffen. Während die Eimer hochgezogen werden, produziere ich neues Material. Es fällt nun mehr und mehr Fels an, der im nun schon zweiten Depot zwischengelagert werden muss. Zum Glück erreicht man auch diese Stelle noch mit dem Transportseil. Nur so ist es möglich, ca. 1 Tonne Material nach oben zu schaffen. Der Gang ist nun 5,4 m lang.

08.10.07 Tag 113/19 Alleine im Schacht

1 Tonne Gestein konnte ich heute ans Depot 1 schaffen. Im Prinzip komme ich weiterhin gut voran. Jeder Tag ist allerdings anders als erwartet. Aber das ist ja das spannende an der Höhlenforscherei. Es ist heute soviel Material im Gang deponiert, dass ich diesen nur durch den verbliebenen engen Spalt unter der Decke verlassen kann.

09.10.07 Tag 114/20 Wieder alleine tätig

Wieder 1 Tonne Gestein ans Depot 2 gebracht. Fürs kommende Wochenende ist nun volles Programm für den Transport nach draußen angesagt. Zum Glück kommt Andreas zum Helfen. Er hat für Samstag und Sonntag Führungen seiner Höhlenforscherkollegen in die Mühlbachquellhöhle geplant. Außerdem ist der alljährliche Diavortrag meiner Ex-Kollegen der Karstgruppe Mühlbach, dazu habe ich die Höhlenbesitzer eingeladen.

11.10.07 Wünscheln am Wolfsbuchplateau

Andreas trifft um 14 Uhr in Mühlbach ein. Wir haben ausgemacht, dass er am Tag seiner Ankunft drei meiner Projekte mit der Wünschelrute untersucht. Die Ergebnisse sind durchaus positiv und liefern interessante Aspekte für die Zukunft.

12.10.07 Tag 115/21 Arbeite mit Andreas

Mit Andreas arbeite ich heute zusammen an der Wegbereitung. Wir erreichen eine 40 cm breite und 1 m hohe Lehmspalte. Rechts und links steht Fels an. Wenn ich mir überlege, dass seit Beginn der Arbeiten Anfang September, bereits 21 Arbeitseinsätze abgeleistet wurden, kommen bis Jahresende sicherlich noch ebenso viele hinzu, bis das Ziel, die Zwillingsschächte erreicht werden.

13.10.07 Tag 116/22 Wegbereitung

Ralph arbeitet, bevor er beim Aufbau des heutigen Diavortrags der Mühlbachgruppe mithilft, mit mir am Gang. In den letzten vier Tagen wurden 280 Eimer nach oben gebracht. Wir kommen sehr gut voran. Ralph meinte zwar am Anfang, als ich vorschlug, mit der Wegbereitung zu beginnen,  wir würden zwei Jahre daran arbeiten. Aber anscheinend kennt er meinen Arbeitswillen immer noch nicht so gut. Ich sagte ihm vor 6 Wochen, dass ich dafür 20 ganze Arbeitstage ansetze. Nun ist der Gang schon 7 m lang und wir arbeiten eigentlich immer nur ca. 4 Stunden pro Tag. Nach unserer Berechnung fehlen maximal noch 13 m. Ich komme also wie geplant noch vor Jahreswechsel zum Zwillingsschacht und erreiche somit mein gesetztes Ziel.

15.10.07 Tag 117/23 Wegbereitung

Ich entferne die rechten Felsblöcke, die am Boden in der Lehmspalte stecken. Sie sind so groß, dass ich sie anbohren muss, um sie mit dem Schlagkeil zu zerkleinern. Der zweite Depotplatz ist nun auch schon so hoch und weit entfernt, dass es immer mühsamer wird, die Blöcke dort hin zu werfen.

17.10.07 Tag 118/24 Wegbereitung

Heute ist es ganz schön stressig. Bis Vormittag war ich 4 Stunden an anderer Stelle am Wolfsbuchplateau beschäftigt. Ab 16 Uhr muss ich dort die hoffentlich letzten Stützkäfige von insgesamt 20 m bauen.

Dazwischen ist 4 Stunden Zeit für den Wolfsblutschacht. Die großen Felsblöcke die ich vorgestern zerkleinert habe, müssen heute ans Depot 2 gebracht werden. Die Luft ist da unten ziemlich schlecht. Vermutlich verbrauche ich bei der schweren Heberei zuviel Sauerstoff, der da unten nicht ersetzt wird. Jedenfalls habe ich bei jedem Block, den ich nach oben zerre einen Puls von 180. Auf der gesamten Breite der Frontwand des Ganges hat sich nun eine harte Lehmwand aufgetan. Sie ist durchsetzt von unterschiedlich fraktionierten Felsblöcken und weist kleine Nester mit feinen Höhlensanden auf. Der Stollen ist nun 8 m lang. Beim nächsten Mal geht’s sicher genauso gut.

26.10.07 Tag 120/25 Depot 1 gelehrt

Ralph trifft pünktlich um 18 Uhr am „Cavecastel“ ein. Ich habe bereits den Aufzug installiert damit der deponierte Aushub schnellstens aus der Höhle kommt. Wieder brauchen wir zwei Stunden dazu. Die Regenfälle der letzten Tage haben sich nicht negativ auf die Baustelle ausgewirkt. Alles ist trocken geblieben. 

27.10.07 Tag 121/26 Transportrampe gebaut

Der mittlerweile ganz schön lange Weg von 8 m zur Baustelle macht es unerlässlich, eine Transportrampe in den Gang zu bauen. Die aus Nürnberg mitgebrachten Bretter passen auf Anhieb. Ralph unterfüttert die Rampe gleich mit den freigelegten Steinen. Am Nachmittag hat der Gang bereits eine Länge von 8,5 m erreicht. Die Auswertung der Vermessungsdaten im Laptop zeigen, dass die Hälfte der geplanten Strecke bereits hinter uns liegt. Bis Jahresende kann ich vermutlich noch 22 Einsätze im Gang leisten. Das sollte für den Durchbruch reichen.

29.10.07 Tag 122/27 Felsblöcke im Lehm

Das Gangende bildet ein Mix aus großen Blöcken die in den von Höhlensedimenten durchzogenen Lehm stecken. Dieser lässt sich mit einem kleinen Pickel sehr effektiv aus der Wand lösen. Nach weniger als 2 Stunden habe ich so ca. 30 Eimer Lehm direkt hinter mir ans neue Depot 3 gestapelt. In der Mitte des Gangs befindet sich nun ein 40 x 110 cm großer Block, der beim nächsten Mal entfernt werden muss.

03.11.07 Tag 123/28 Ralph macht wieder mit

Ralph hat noch mal die Oberflächendistanz zwischen Schachtrohr-Mitte und Apfelbaum gemessen. Die Lasermessung ergab 6,5 m bis zum Zaun und 14,5 m bis zum Baum, unter dem die 5 m hohe Kluft von den Zwillingsschächten ausstreicht. Mit 8 m Ganglänge sind wir also schon unter dem Zaun. Wir arbeiten weiter am Gang. Die Felswände gehen am Boden bedenklich zusammen. Hoffentlich ändert sich das wieder. Ich grabe weiter in einem Konglomerat von Gesteinen, die sicherlich mehrere Zehntausend Jahre alt sind. Es ist schon spannend, sich durch höhlentektonisch so aktive Zeiträume zu graben. Mir wird immer klarer, wie sich an anderer Stelle im Altmühltal, Quellen von innen heraus zusedimentiert haben und ihren Austritt dadurch verlagerten. Diese Stellen sehen ebenso aus wie das Sediment vor mir.

 

05.11.07 Tag 124/29 Es sieht schlecht aus

Die kommende Woche wird sehr anstrengend. Jeden Tag werde ich an der „Wegbereitung“ im „Wolfsblutschacht“ arbeiten, jeden 2. Tag zudem in einer weiteren Höhle. Tagsächlich treffen die beiden Felswände, die ich beim letzten Mal freigelegt habe, zusammen. Die einzige Chance weiter zu kommen ist, die untern Kanten der Kluftwände zu verbreitern und einen Meter tiefer in den verlehmten Verbruch zu arbeiten, um unter die winzige Kluft zu kommen. Wie es ausschaut ist momentan nicht sicher, ob wieder leicht bearbeitbares Material zum Vorschein kommt. Aber ich bin guter Dinge, denn bis heute ist alles sehr gut gelaufen. Bei jedem Pickelschlag in das steinharte Material stelle ich mir vor, wie wir in einigen Wochen die Höhle weiter erforschen werden. Ein tolles Gefühl.

06.11.07 Tag 125/30 Abraumbergung

Gerhard hat Urlaub. Vormittags waren wir wieder damit beschäftigt, Abraum aus einer Höhle zu entfernen. Nachmittags geht es hier weiter. Für das Material das ich Vortags in vier Stunden produziert habe, benötigen wir heute wieder zwei Stunden um es nach draußen zu schaffen. Gerhard zieht die schweren Eimer wie ein nimmermüder Wasserbüffel nach oben.

07.11.07 Tag 126/31 Supertag

Nach 6 Wochen Trockenheit regnet es heute mal wieder kräftig. Langsam läuft das Wasser der Hochfläche zusammen und tritt in den Untergrund ein. Die Klüfte werden wieder aktiv. Das Wasserleitsystem funktioniert grandios. Ich arbeite am Gangende. Hinter mir höre ich das Rauschen des kleinen Wasserfalls der seine fröhliche Geräuschkulisse zu mir nach unten trägt. Ich freue mich schon wieder auf die vielen Forschungstouren in meine Höhle. Ralph macht den Anschein, als säße er auch schon wie auf glühenden Kohlen, um auch endlich wieder richtig weiterforschen zu können.

Mein Plan im Gang weiter zu kommen hat funktioniert. Mit einigen Schwierigkeiten gelingt es mir unter die fast geschlossene Kluft beinahe 50 cm weiter zu kommen. Der Gang ist herrlich geräumig. Das zahlt sich immer wieder aus, indem man enorm viel Kraft bei den ewigen Wendemanövern und den Transporten des Aushubs ans Depot 3 spart. Heute war ein wunderschöner Arbeitstag, an dem ich wieder viel Abraum deponieren konnte.

08.11.07 Tag 127/32 Abraumbergung

Nachdem wir vormittags wieder kräftig an anderer Stelle tätig waren, hilft Gerhard nun noch mal bei der Abraumbergung im Schacht. Über drei Stunden zieht er die Eimer nun schon 16 m aus dem Schacht nach oben.

09.11.07 Tag 128/33 Lehmkluft öffnet sich

Die Lehmkluft macht viel her. Jeder Tag ist anders als erwartet. Die Kluftwände öffnen sich wie erhofft nach unten, sodass ich ohne Probleme sehr geräumig weiter arbeiten kann. Schnell ist das Depot 3, das nun schon wieder zwei Meter entfernt liegt soweit aufgefüllt, dass ich den Gang nur durch einen schmalen Schlitz zwischen Decke und Abraum verlassen kann. Bin schon auf Morgen gespannt, wenn Ralph die neuen Vermessungsdaten des Stollens mitbringt. Als ich spät am Nachmittag aus der Höhle steige, empfängt mich der erste winterliche Schneesturm. Die Flocken peitschen horizontal über die Hochfläche. Alles ist weis. Nun hat mich der Winter doch eingeholt. Etwas zu früh, meiner Meinung nach.

10.11.07 Tag 129/34 Abraumbergung

Ralph und Ernst helfen den Abraum vom untersten Depot aus dem Gang zu schaffen. Ernst steht dabei draußen im eiskalten Schneesturm, eingehüllt in mehrere Jacken und mit gefütterten Handschuhen. Ralph belädt die Eimer und schafft die größten Blöcke per Hand nach oben, um sie später an „Schacht 1“ zu lagern. Unterdessen wird von mir weiter nach unten gegraben und kräftig Blockwerk produziert. Ralph ist langsam genervt, dass sich der Steinhaufen hinter ihm nicht verkleinert. Heute wird noch mal gemessen, wie lange der Gang nun wirklich ist. Dadurch, dass Ralph einen anderen Messpunkt als Ausgangspunkt als ich nimmt, verkürzt sich der Gang natürlich. Das nervt mich wiederum, denn die Messung versetzt meine gerechnete Ganglänge vier Tage zurück. Das bedeutet, ich grabe immer weiter nach vorne und der Gang wird dennoch immer kürzer.

12.11.07 Tag 130/35 Es geht super weiter

Die letzte Nacht konnte ich nicht schlafen. Es hat den ganzen Sonntag wie aus Kübeln geregnet. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Gang nicht abgesoffen ist. Vorsichtshalber gehe ich ohne Ausrüstung nach unten, lasse mich am Wandblech entlang an den Anfang des Ganges gleiten. Langsam hebe ich den Kopf, um mit meinem Helmlicht den erwarteten Sees zu beleuchten. Doch mein Blick verirrt sich im Dunklen des vor mir nach unten führenden Ganges. Er ist trocken. Hinter mir fließt das kleine Gerinne, das von oben in die Höhle eindringt in den Schluf zu „Schacht 1“. Ich bin begeistert. Die Mühe und Konsequenz alle wichtigen Arbeiten zuerst zu machen haben sich gelohnt. Sogleich wird die Ausrüstung von oben geholt. Dann geht’s an den Endpunkt. Der Gang ist leer geräumt und wirkt riesig. Vom Eingang aus, geht es nun schon so weit hinunter, dass man das Ende des Ganges nicht mehr sieht. Unten angekommen beginne ich die im Lehmboden steckenden Felsbrocken auszugraben. Nach einigen Stunden sind hinter mir bereits zwei Depots mit Lehm und Blöcken völlig aufgefüllt. Heute ging es richtig gut. Trotzdem denke ich mir bei der Arbeit, dass die Mühe einen 20 m langen Gang auszuräumen, an einer anderen Stelle sicher eine neue Wasserhöhle gebracht hätte. Noch dazu wären die Arbeitsbedingungen dort wesentlich einfacher. Aber ich bin hier am aktivsten Schachtsystem der Frankenalb tätig und das beruhigt mich wieder. Nachdem absolut kein Platz für noch mehr Abraum vorhanden ist, beschließe ich, noch einige wichtige Modifikationen am Wasserablauf vorzunehmen. Schließlich will ich mir weitere schlaflose Nächte ersparen.

20.11.07 Tag 131/36 Abraumbergung

Wieder war ich übers Wochenende Krank und konnte nichts arbeiten. Ralph kam deshalb auch nicht nach Wolfsbuch. Heute hilft mir Gerhard nach der Arbeit, das Depot 3 auszuräumen, an dem doppelt so viel Material gelagert ist als sonst. Ich ziehe diesmal die Eimer hoch. Dabei stelle ich verschiedene Mängel am Zugsystem fest, die bis zum nächsten Mal behoben werden. Der frühe Wintereinbruch macht den Aufenthalt im Freien nicht gerade angenehm. Auch die Erkältung steckt immer noch etwas in meinen Knochen. In drei Stunden kann ich gerade mal 75 Eimer nach draußen ziehen. Gerhard meint später, es seien noch ca. 20 übrig geblieben, aber schon wieder genügend Platz für neuen Abraum.

23.11.07 Tag 132/36 Es geht wieder an die Front

Gestern habe ich den Materialaufzug modifiziert. Gleich nachdem ich an der Höhle ankomme, wird er aufgebaut und getestet. Er funktioniert perfekt. Mit der großen Umlenkrolle ziehen sich die Eimer gleich viel leichter. Der Hebel, der die Rücklaufsperre betätigt, funktioniert ebenfels ganz toll. Da werden sich Ralph und Ernst freuen.

Bei der Erweiterung des Zulaufs in den Wasserablauf sind mir letzte Woche einige große Blöcke auf die Verstrebungen gefallen. Um in die Konstruktion zu gelangen wird die vordere Verstrebung entfernt und das einlaufende Wasser mit zwei PVC-Rohren und einem Lehmdamm vom Arbeitsplatz abgeleitet. So kann ich ohne nass zu werden den Käfig neu verstreben, die Blöcke entfernen und die Kluft nach unten so öffnen, dass nun alles Wasser sicher ablaufen kann.

Danach geht es zur weiteren Wegbereitung an die Baustelle im Gang. Bevor ich beginne, wird die Ganglänge gemessen. Er erreicht mittlerweile eine Länge von 9 m, gerechnet vom Messpunkt Rohrabdeckung. Wenn man das Gefälle abzieht, haben wir den Zaun zwischen Schachtrohr und Apfelbaum, bereits unerfahren. Zweidrittel des Weges zum Apfelbaum, unter dem sich die Zielkluft befindet, sind schon geschafft. Viel fehlt also nicht mehr, um frei gespülten Verbruch zu erreichen, damit wir wenigstens schon mal Rufverbindung zwischen der Grabungsstelle und dem Zielpunkt am „Zwillingsschacht“ herstellen können. Dadurch habe ich am Grabungsendpunkt auf jeden Fall nicht mehr jedes Mal das Gefühl ich sitze wie Ali Baba ohne seine 40 Räuber vor der Höhle und habe das Zauberwort vergessen. Nach zwei Stunden ist das 4te Depot bereits wieder gut gefüllt. Wenn Ernst und Ralph morgen kommen, können sie gleich damit beginnen, den Abraum hochzuziehen, während ich ganz vorne weitermache.

24.11.07 Tag 133/37 Arbeiten heute zu Dritt an der Wegbereitung

Ernst kommt nach seinem Tauchkurs um 12 Uhr an die Höhle. Ich habe mit Ralph derweilen schon einiges an Abraum nach oben befördert. Während Ralph und Ernst den Rest hoch schaffen, produziere ich neuen Abraum. Wir kommen heute unserem Ziel wieder ein gutes Stück näher.

 

 

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Petrusquellhöhle    Wolfsblutschacht    Mühlbachquellhöhle     Bottelmühlhöhle    Indonesien/Java

 

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