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Hintergrund der Wasserhöhlenforschung

Wasserhöhlenforschung ist für alle Karstgebiete, so auch für das Altmühltal, außerordentlich wichtig. Durch unsere Grundlagenforschung werden künftig ganz neue Erkenntnisse zum Verständnis der hydrologischen Zusammenhänge in Karstgebieten erhalten werden. Damit können, falls erforderlich, gezielt Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

Durch die Entdeckung der Mühlbach- und der Petrusquellhöhle (2001 und 2003) wurde es erstmals möglich, die unterirdischen Wasserwege zwischen den Dolinen auf den Hochflächen und den Quellen über weite Strecken auf deren tatsächlichem Wege zu verfolgen.

Nicht nur wissenschaftliches Interesse, sondern auch technische und volkswirtschaftliche Erwägungen, der ständig steigende Wasserbedarf einerseits, die zunehmende Verunreinigung der Oberflächenwässer andererseits (vor allem durch chemische Einflüsse Industrieabwässer, Nitrateinträge usw.), lassen die Feststellung unterirdischer Wasserwege zu einem dringenden Bedürfnis werden. Die Entdeckung und Erforschung von Wasserhöhlen bietet die Möglichkeit, diese sich meist in mehrere Äste verzweigenden Karstentwässerungskanäle bis weit in ihre Einzugsgebiete von bis zu 100 km² hinein zu verfolgen.

Speleo-Hydrologischer Aspekt der Wasserhöhlenforschung

Ein natürlicher Abbau schädlicher Beimengungen im Sickerwasser ist im Karst, nachgewiesen durch die hohe Abstandsgeschwindigkeit zahlreicher Tracerversuche, nicht gewährleistet. Selbst grobe Triftstoffe werden auf Grund der geringen Filterwirkung der Deckschichten nicht zurückgehalten. Dies ist bei Hochwasserereignissen durch eine starke Quelltrübung belegbar. Von besonderer Bedeutung ist es deshalb, Einzugsgebiete von Karstquellen und den unterirdischen Verlauf von Wässern genau zu kennen, um im Bedarfsfall (Quellwasservergiftung, örtliche Hochwasservorwarnung) effektiver handeln zu können.

Außerdem ermöglicht die Entdeckung und genaue Vermessung der unterirdischen Wasserläufe eine gebietsgenaue Lokalisierung verschmutzter Dolinen, selbst wenn diese nach ihrer Verunreinigung verfüllt wurden und erst Jahre später die Karstquelle vergiften.

Daraus ergibt sich zwangsläufig, Trinkwasserressourcen für nachfolgende Generationen durch die Entdeckung und Erforschung der dafür zur Verfügung stehenden Quellhöhlensysteme zu sichern. Ausschließlich Tracerversuche reichen nicht aus, um die komplexen Wechselwirkungen im Einzugsgebiet einer Karstquelle zu verstehen.

Speleo-Geologischer Aspekt der Wasserhöhlenforschung

Für den Speleogeologen ergibt sich die Möglichkeit, Aufschlüsse nicht wie üblich nur in Steinbrüchen oder durch Bohrungen zu kartieren, sondern auch in Wasserhöhlensystemen, die sich meist viele Kilometer ausdehnen. So kann auf einzigartige Weise die Tektonik eines Karstplateaus präzise über viele Kilometer Länge und bis zu 50 m Höhe in die Karsthochflächen hinein verfolgt werden. Dadurch werden geologische Karten mit den erhaltenen Ergebnissen ergänzt und vervollständigt.

Speleo-Biologischer Aspekt der Wasserhöhlenforschung

Die Speleobiologie steht in der Franken Alb noch ganz am Anfang ihrer Aufgabenstellung. Das liegt selbstredend daran, dass es bis zur Jahrtausend-Wende keine erforschbaren Wasserhöhlen für diesen Wissenschaftszweig gab. Während über 85% aller vermuteten Landlebewesen bekannt sind, nimmt man an, dass nur 4% der Speleofauna erforscht ist. Man muss davon ausgehen, dass aufgrund der geringen Wasserhöhlendichte in Deutschland spektakuläre Neuentdeckungen gemacht werden.

Öffentliches Interesse an der Wasserhöhlenforschung

Die Öffentlichkeit wird durch die Erforschung von Wasserhöhlensystemen mehr über ihren sensiblen Lebensraum im Karst erfahren, und dadurch lernen, umsichtig mit dieser Landschaftsform umzugehen.

Angesprochen werden sollte aber auch der praktische Nutzen für die lokale Wasserversorgung, welche in den Kalksteingebieten in der Zukunft ein großes Problem sein wird. So kann die künftige Erforschung der unterirdischen Wasserwege dazu beitragen, die speleohydrologischen Verhältnisse der südlichen Franken Alb zu klären. Durch die Lokalisierung der Karstwasserkörper und Wasserhöhlenstränge kann so eine sichere und effektive Nutzung der Wasserressourcen für kommende Generationen vorbereitet werden.

Naturschutz

Der Nutzen wird durch die Erforschung von Wasserhöhlen, aufgrund der expandierenden und komplexer werdenden Problemstellungen in den Bereichen Wassernutzung und Wasserentsorgung zu einem immer wichtigeren Faktor. Insbesondere die teilweise noch unkontrollierte oder auch genehmigte Einleitung von Abwässern (Gülle, Oberflächen-, Dorf- und Straßenentwässerung) kann infolge der filterlosen Eigenschaften von Karsthochflächen zu einer ernsthaften Bedrohung für das Grundwasser werden.

Wird die Bevölkerung durch eine für sie interessante Veröffentlichung der Forschungsergebnisse  informiert, führt das zur Steigerung des Umweltverständnisses. In Deutschland wurden z. B. bis ins vergangene Jahrhundert Karstdolinen aus Unwissenheit häufig zur Müllentsorgung genutzt. Im Zuge der Flurbereinigung wurden die meisten dieser Dolinen aufgefüllt, und gerieten so in Vergessenheit. Sehr viele dieser Dolinen sind also immer noch mit den verschiedensten umweltschädlichen Materialien belastet, und verursachen bis weit in die Zukunft eine akute Karstwasserbedrohung.

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