Zur Gerüchteküche um meine Person und meine Arbeit in den Höhlen im Altmühltal werde ich mich wie angekündigt an dieser Stelle einmalig äußern.

 

Die Forschungstätigkeiten in der Mühlbachquellhöhle haben sich seit Mitte 2007 grundlegend geändert. Seit diesem Zeitpunkt nämlich, gibt es zwei Forschungsgruppen. Der eine oder andere fragt sich sicher, wie es dazu kam. Nun, jede in dieser Geschichte involvierte Person wird wohl ihre eigene Sichtweise dazu haben. Meinen Standpunkt will ich hier erläutern.

Der Wasserhöhlenforschung – WHF - haben sich momentan 10 Personen angeschlossen (weitere motivierte Höhlenforscher können sich gerne vorstellen). Diese Gruppe, die in der Mühlbachquellhöhle sowie in anderen Wasserhöhlen im Altmühltal speziell den Forschungsbereich Wasserhöhle abdeckt, wird in den nächsten Jahren versuchen, mehr Licht in die noch unerforschten Tiefen dieser und anderer Höhlen zu bringen, und damit neue Forschungsergebnisse an den Tag  legen.

 

Im Folgenden möchte ich meinen Werdegang in der KGM und während der Forschungstätigkeiten in der Mühlbachquellhöhle für diejenigen erläutern, die diese Rubrik direkt anwählen und noch nichts über mich wissen.

An einem Wochenendausflug verschlug es 1990 einige Höhlenforscher der nördlichen Frankenalb in die Gegend um Mühlbach. Ihr Interesse weckte eine Höhle, die sich im Steilhang oberhalb dieser Ortschaft befindet und starken Luftzug aufweist. Man entschied sich, dieses Objekt öfter zu besuchen. Im Laufe der nächsten Jahre fanden weitere Personen den Anschluss an die damals kleine Gruppe. Auch ich war bei Grabungseinsätzen während der Anfangsphase ab und zu dabei. Aber erst 1991, als sich die Gruppe viele Monate lang die Zähne am Endverbruch dieser Höhle ausgebissen hat, und das Aus für diesen Grabungsabschnitt drohte, stieß ich eher zufällig wieder zu dieser Gruppe. Ich wurde ab Vereinsgründung zum Grabungsleiter und zweiten Vorsitzenden der KGM gewählt.

Nach jahrelanger Arbeit in der oben genannten Höhle, die endlich 1998 zum Erfolg führte und nur der Energie und dem Zusammenhalt der Gruppe zu verdanken war, setzte ich mein erarbeitetes Wissen im Goldbergbau ein, das ich mir während eines langen Australienaufenthalts angeeignet hatte, um mit der KGM den Bau eines Suchstollens in den riesigen Schuttkegel des „Großen Hungerbrunnen“ der Mühlbachquelle anzugehen. Nach weiteren 30 Monaten unter meiner Leitung und härtester Anstrengungen aller Beteiligten, gelang der KGM am 3. Januar 2001 ihre bis jetzt letzte Höhlenentdeckung, nämlich der Durchbruch in die Mühlbachquellhöhle am Ende des ca. 60 m langen Suchstollens. Steffen Hoffman, Dieter Gebelein und ich betraten als erste das größte bis dahin bekannte wasserführende Höhlensystem der Frankenalb. Ab diesem Zeitpunkt wurde mir leider klar, dass meine Tage in diesem Verein gezählt sind. Ich trat im Jahr 2002 aus meinem Ehrenamt als zweiter Vorsitzender der KGM zurück. Der Grund dafür lag in den nicht enden wollenden Streitigkeiten des ersten Vorstands mit mir.

Die Arbeit der KGM in der Mühlbachquellhöhle schritt in vorbildlichem Maße weiter voran, sodass die Planaufnahme aller bis 2004 entdeckten Höhlenteile zu 95 % abgeschlossen werden konnte. Dies war nicht zuletzt Ralph Schoberth zu verdanken. Es fehlen bis heute lediglich nur noch die endgültigen Messdaten im Bereich ab Siphon 3 der Ostsiphonzone (Ossis). Nordwest- und Nordostsiphons wurden teilweise mit Unterstützung von Rainer Straub bis ans Ende betaucht und komplett vermessen. Um aber am offenen Endpunkt des 6ten Ostsiphons weiter zu kommen, bedurfte es nun einer gut eingespielten und erfahrenen Höhlentauchgruppe. Wir Taucher der KGM haben uns von Anfang an dazu entschieden, die Siphonbereiche in zwei Gruppen zu unterteilen. Martin Queitsch hatte dabei seine Helfer im Osten, wie auch ich im Norden der Höhle. Große Erfolge konnten auf beiden Seiten erzielt werden. Doch die Vorfälle der Vorstandschaft gegen meine Person, die einfach kein Ende nehme wollten, zwangen mich zu dem Entschluss, mich von der KGM zu trennen. Sie belasteten mich derart, das ich beim Höhlentauchen, das im Laufe der Jahre immer aufwändiger und gefährlicher wurde, einfach keinen klaren Kopf mehr hatte, um sichere Tauchgänge zu absolvieren. Zudem verlor ich dadurch auch den Spaß beim Forschen in dieser Höhle. Animositäten untereinander steigern nur das Risiko beim Höhlentauchen und haben da keinen Platz. Ich trat daraufhin Anfang 2007 schweren Herzens aus dem Verein der KGM aus.

Doch auch dieser Entschluss brachte keine wesentliche Verbesserung der Situation. Man warf mir weiterhin Knüppel in den Weg, um mich von der Bildfläche im Altmühltal, verschwinden zu lassen. Als die Besitzer des Höhleneingangs erfuhren, dass ich aus der KGM ausgetreten bin, und die Höhle nicht mehr betreten würde, waren sie sehr enttäuscht. Sie haben oft mit mir gesprochen und mir dabei wiederholt angeboten, weiter in der Höhle forschen zu können, da sie immer den Eindruck hatten, ich hätte viel zur Erforschung der Höhle beigetragen, und war in den letzten 10 Jahren derjenige, der beinahe jedes Wochenende in der Höhle präsent war und gearbeitet hat. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschlossen, das Angebot der Besitzer anzunehmen. Wie diese mich wissen ließen, war es ihnen nach 10jährigen Versuchen ihrerseits endlich gelungen, einen Gestattungsvertrag mit der KGM abzuschließen. Darauf hin wurde auch von mir verlangt, eine gleichwertige Vertragsvereinbarung zu unterzeichnen. Mir werden daher seit 2007 die gleichen Forschungs- und Veröffentlichungsrecht wie auch der KGM zugesprochen. Seitdem gibt es also eine zweite Gruppe, die unter anderem die Mühlbachquellhöhle bearbeitet, und deren Zielaufgabe vorwiegend darin besteht, das Höhlentauchen zu Forschungszwecken in den Wasserhöhlen im Altmühltal zu forcieren!

Wenn man die neue Situation in der Mühlbachquellhöhle genauer betrachtet, könnte man ja zu dem Schluss kommen, dass Konkurrenz die Forschung im Hauptteil der Höhle, dessen Endpunkt nun schon seit 2004 bekannt ist, wieder etwas belebt.

Seit Ende 2005 habe ich keinen Tauchgang mehr in der Höhle unternommen, da die Vorstandschaft keinen besonderen Wert darauf legte und mich stets zu ignorieren pflegte. Selbst ein halbes Jahr nach Erhalt der Forschungserlaubnis, habe ich noch immer keinerlei Aktivitäten in der Höhle durchgeführt. Damit wollte ich verdeutlichen, dass ich mich nicht vordrängen und der KGM keine Forschungsprojekte streitig machen wollte. Erst Anfang März 2008 hat die KGM nach langer Forschungspause, als Reaktion auf einen Gästebucheintrag in meiner Webseite, 10 Tage später, eine Blitztauchaktion zum Ostsiphon 6, dem Endpunkt der Höhle, durchgeführt. Dabei konnte dieser Siphon erstmals überwunden werden. Man kann also nicht davon sprechen, ich würde mich vordrängen und einen Wettlauf um irgendeinen Siphon auslösen.

Wie mehrere Gruppen in einer Höhle arbeiten können sieht man z.B. an den Forschungsergebnissen der letzten Jahre in der Blauhöhle in Blaubeurern. Diese ist nachweislich ein gutes Beispiel dafür, dass durchaus mehrere Gruppen eine Höhle bearbeiten können. Denn jede kann doch für sich, die erwarteten Ergebnisse liefern, die das Gesamtbild der Höhle verbessert. Im übrigen liegt mir absolut nichts daran, nach mehr als 16 unbekannten Siphons, mit insgesamt weit über 850 m Länge, die ich in verschiedenen Höhlen im Altmühltal seit 2002 durchtaucht und bearbeitet habe, Neulandabenteuer oder irgendwelche Wettrennen um Lorbeerkränze zu veranstalten. Mir liegt alleine die Sache am Herzen, und das ist die Höhlenforschung und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

 

Abschließend will ich nur einige Gründe aufführen, die zu all dem führten, was momentan so aufgebauscht wird.

Neben meiner Tätigkeit in der Mühlbachquellhöhle für den Verein der KGM, hatte ich damals wie heute, natürlich auch andere Höhlenprojekte, an denen ich im Altmühltal arbeite. Ebenso wie verschiedene ehemalige Vereinskollegen, die zudem noch mehreren Höhlenvereinen angehören. Nur gab es da aber einen entscheidenden Unterschied. Ich sollte im Gegensatz zu meinen Ex-Kollegen stets alle meine Projekte der KGM unterstellen, oder eben woanders als im Altmühltal forschen. Durch die Entdeckung meiner zweiten Wasserhöhle im Jahr 2003, der Petrusquellhöhle, die sich nahe der Mühlbachhöhle befindet und sicher mit eines der bedeutendsten Einzugsgebiete einer Quelle im Altmühltal aufweist, eskalierten die Vorkommnisse der KGM-Vorstandschaft gegen mich völlig. Diese sah vermutlich durch die pure Existenz einer zweiten Wasserhöhle, die ich im Altmühltal bearbeiten wollte, eine unakzeptable Konkurrenz und verloren die ethischen Grundsätze der Höhlenforschung völlig aus den Augen.

Die KGM-Vorstandschaft unterstellt mir:

Gegen die Höhlenforschung zu arbeiten und nur aus kommerziellen Gründen Höhlen zu entdecken.

Ich habe noch nie einem Höhlenforscher den Namen seiner Neuentdeckung  geklaut, in dem ich mir diesen als Webdomain sicherte, so wie es die Vorstandschaft der KGM mit mir praktizierte und toleriert hat!

Auch meine Arbeit finanziere ich alleine durch meine privaten Mittel!

Ich sei ein Einzelkämpfer.

Schon immer hatte ich eine überschaubare Anzahl an kompetenten Helfern!

Ich würde mich als alleiniger Entdecker der Mühlbachquellhöhle bezeichnen.

Natürlich bin ich Entdecker verschiedener Wasserhöhlen und auch anderer Höhlen. Ich bezeichne mich ebenso als Entdecker, wie sich z.B. eben auch jeder Fußballspieler der Deutschen Nationalmannschaft als Weltmeister bezeichnet, der diesen Titel mit errungen hat, ohne jedes Mal den Verein oder die Mannschaft zu nennen. Dass dieser Weltmeister nicht ohne das Mitwirken der Mannschaft zu dieser Ehre gekommen ist, versteht sich meiner Meinung nach von selbst!

Columbus ist als Entdecker Amerikas bekannt. Sicherlich ist er nicht alleine dorthin geschwommen. Genauso wenig habe ich die Mühlbachquellhöhle ganz alleine entdeckt. Man sollte daher alles nicht so eng sehen.

Ich würde gegen den Verein arbeiten.

Alle Forschungsergebnisse, die aus meiner Arbeit in der Mühlbachquellhöhle resultierten, hat die KGM während meiner Vereinsangehörigkeit prompt und lückenlos ohne Vorbehalt von mir erhalten.

Ich denke nicht, dass ich durch meine Entdeckungen gegen irgendeinen Verein arbeite! Oder ist es mir entgangen, dass es bereits Besitzansprüche der Höhlenvereine auf Landkreise oder ganze Länder gibt?

Ich würde der KGM durch die Gründung einer zweiten Gruppe Schaden zufügen.

Weder behindere ich das kommerzielle Interesse der KGM an der Höhle, noch verhindere ich in irgendeiner Weise deren Forschungs- oder Publikationsvorhaben. Daran liegt mir auch in Zukunft nichts!

Ich würde beim Entdecken neuer Höhlen durch meine Vorgehensweise und meine Art der Veröffentlichung von „selbst verherrlichenden Abenteuerberichten“ (Zitat) ein schlechtes Licht auf die Höhlenforschung werfen.

Meine Entdeckungen sind genehmigt und werden nicht, wie zuletzt von der KGM praktiziert, mit dicker Schlagzeile als „Abenteuer Höhlenforschen“ veröffentlicht, um damit Leser zu werben!

Auch ist es dem Leser bei über 1000 Seiten Forschungsbericht auf meiner Webweite kaum zumutbar, sie nach jedem Satz darauf hinzuweisen, dass alles nur der Leistung der gesamten Gruppe zu verdanken ist!

Ich hätte die Vereinsbestimmungen ignoriert.

Wenn dem so gewesen wäre, hätte man mich sicher mit einer guten Begründung aus dem Verein entlassen. Was meine Forschungstagebücher angeht, die auf meiner eigenen Webseite veröffentlicht werden, sind diese als mein geistiges Eigentum zu betrachten.

Es würde sicher ausufern und eigentlich keinen von Euch interessieren, weitere dieser fadenscheinigen Vorwürfe als Beispiele zu nennen, warum sich bis heute alles so entwickelt hat. Doch sehe ich mich genötigt, nicht zuletzt Euerer vielen Anfragen wegen, meinen Standpunkt einmal öffentlich kund zu tun, um jedem die Möglichkeit zu geben, sich eine eigene Meinung zu bilden. Der letzte Vorfall, mein geistiges Eigentum, sprich den Innhalt meines Forschungstagebuches der Mühlbachquellhöhle, nicht auf meiner Webseite veröffentlichen zu dürfen, war letztlich der Anlass für meinen Austritt aus dem Verein, der schlussendlich zur jetzigen Situation mit zwei Forschungsgruppen in der Mühlbachquellhöhle führte. Aber selbst danach endet die öffentliche Negativpropaganda vor allem des ersten Vorsitzenden der KGM gegen mich nicht, wie mancher von Euch bis zum heutigen Tag selbst bemerkt hat.

Die KGM-Vorstandschaft ignoriert die vertraglichen Vorgaben der Besitzer ebenso, wie die Existenz einer zweiten Gruppe in der Mühlbachquellhöhle. Eine verantwortungsvolle Vorstandschaft würde die Gesundheit und eine sichere Arbeit ihrer Mitglieder und auch anderer beteiligter Forscher nicht durch Ignorieren verschiedener Forschungsaktivitäten in der Höhle aufs Spiel setzen.

Mit Höhlenforschen hat der obige Beitrag leider überhaupt nichts zu tun. Es ist sehr bedauerlich, dass die KGM-Führungsspitze die hervorragenden Leistungen ihrer Mitglieder im Bezug auf die Mühlbachquellhöhle dadurch in den Schatten stellt, dass sie die Arbeit anderer, auch Einheimischer Höhlenforscher im Altmühltal negativ bewertet und in den Dreck zieht. Ich wünsche dieser Führungsspitze für ihre Zukunft, dass sie sich auf das Wesentliche im Sinne der Höhlenforschung konzentrieren kann, um der Erforschung in der Mühlbachquellhöhle wieder etwas Auftrieb zu geben. Gleichzeitig hoffe ich, dass es ihr gelingt, ihre ganze Energie nicht mehr darauf zu vergeuden, ihre Entscheidungen ständig durch abenteuerliche Argumentationen den Mitgliedern und anderen Leuten gegenüber rechtfertigen zu müssen. Eine der lustigeren Argumentationen zur „KGM-Forschungsmoral“ besteht z.B. darin, dass die Mitglieder der KGM ihr Geld schließlich auf „anständige Art und Weise“ (Zitat Webseite KGM) verdienen, und ihnen daher wenig Zeit zum Höhlenforschen bleibt. Der Rest der Deutschen in diesem Land verdient sein Geld also anscheinend nicht so!

In diesem Sinne werde ich Euch in Zukunft nicht mehr mit Belanglosigkeiten nerven, sondern Euch weiter über neue Entdeckungen und Forschungsergebnisse aus den Höhlen im Altmühltal informieren, oder unter Umständen eben nur noch aus der Mühlbachquellhöhle. Danke für Euer Verständnis.

Glücktief

Manfred Walter

 

Forschungen der WHF in der Mühlbachquellhöhle.

 

01.03.2008 Unterstütze Andreas bei seiner Arbeit für die KGM

Andreas Hartwig besucht uns wieder im Altmühltal, begleitet von Dr. Rainer Hartmann (ArGeKH e.V. / Höhlentierexperte). Beide wollen in der Höhle an verschienen Stellen biologische Untersuchungen anstellen. Ihr Vorhaben besteht heute darin, im gesamten „Nordgang“ bis zum „Nordsiphon“ nach Höhlentierchen zu suchen. Für ihr Vorhaben versuchten sie seit mehreren Wochen, Leute aus dem Verein zu gewinnen. Nur Steffi hat sich gemeldet, konnte aber wegen Sturm nicht anreisen. Ich habe Andreas im Vorfeld  angeboten, die Untersuchung der KGM zu begleiten. Vor allem ging es auch darum, Dr. Hartmann und Steffi, Hilfestellung bei der Durchquerung des Maulwurfsiphons zu leisten. Es ist mir eine ganz besondere Ehre, der KGM dabei behilflich zu sein, ihre Untersuchung doch noch durchführen zu können. Es wäre sehr ärgerlich gewesen, wenn die lange Anreise von Andreas und Dr. Hartmann umsonst gewesen wäre.

Bericht Andreas Hartwig 01.03.08 / Samstag:

Am frühen Morgen besorgter Blick nach draußen und zum Bach, der schon durch das Unwetter eine leichte Trübung aufweist.

9:30 Uhr Weltuntergangsstimmung mit Blitz, Donner, Sturm bis Orkan, Hagel, Graupel, Regen und durch die Gegend fliegenden Dachziegeln und Ästen.

9:30 Uhr machen wir uns fertig für die Nordgang-Tour. J. Feyerer trifft wegen dem Unwetter (gesperrte Straßen, durch die Gegend fliegende Bäume und Äste etc.) etwas später ein, gerade noch rechtzeitig so das wir alle (J. Feyerer, A. Hartwig "KGM", Dr. R. Hartmann "ArGeKH" und M. Walter "Wasserhöhlenforschung") zusammen in die "MBQH" einfahren können.

11:30 Uhr Anstieg des Wasserstandes im Nordgang (ca. 5 cm) und einsetzende Trübe (mäßig trüb) die das Höhlentiersuchen im Wasser erschwert, insbesondere der Suche nach Flohkrebsen (Niphargus), da diese sich freischwimmend im Wasser bewegen. Nach ca. 45 Min. wird das Wasser wieder klarer (leicht trüb), weswegen wir vermuteten, dass der von uns beobachtete Wasseranstieg durch den Druckausgleich der siphonierten Strecken des 100 langen Nordostsiphon 1 im Zuflussbereich (Oberstrom) bedingt war. Uns also noch nicht die eigentlich Hochwasserwelle erreicht hatte, sondern nur das Überlaufen der Siphons. Die Trübe war somit wahrscheinlich nur durch den Wasseranstieg bedingt, der leicht lösliche Lehmsedimente der Bachufer einschwemmte und nicht durch die über die Ponore eingeschwemmte Bachtrübe von der Hochfläche. Insgesamt haben wir stichprobenartig, intensiver in verschiedenen Bereichen des Nordganges nach im Wasser lebenden Höhlentieren geschaut, und zwar kurz nach dem Zusammenfluss "Nordgang/Ostgang" im Bereich „Bermuda-Dreieck“, ca. auf halber Strecke zum "Maulwurfsiphon", kurz vorm "Maulwurfsiphon", gleich hinterm "Maulwurfsiphon", ca. auf halber Strecke zu den "Nord-Ost-Siphonen" und vor Beginn der "Nord-Ost-Siphonstrecke". Höhlenasseln (Isopoden) wurden recht zahlreich im gesamten "Nordgang" angetroffen, insbesondere an den Geröllen mit der dunklen Verkrustung und nur sehr vereinzelt an den hellen blanken Steinen. Eine Ausnahme, ein Sinterbruchstück an dem recht zahlreich Asseln gesessen haben - vermutlich nur zum Nachtisch.

Höhlenflohkrebse haben wir im gesamten "Nordgang" wegen der Wassertrübe keine gefunden, deswegen werde ich den "Nordgang" nochmals zu einem anderen Zeitpunkt unter besseren Wasserbedingungen erneut auf Höhlentiere absuchen. Im Gangabschnitt hinterm "Maulwurfsiphon“ entdeckte M. Walter im Randbereich (Wasser zu Sediment) des Fließgewässers zwei Strudelwürmer (Turbellarien), es wurden beide zur Bestimmung eingesammelt - wollen mal hoffen das es nicht der gesamte Bestand, bzw. das letzte Pärchen in der "MBQH" auf Flitterwochen war. Die Befahrung dauerte insgesamt ca. 7 Stunden, hierbei wurden der gesamte "Nordgang" bis zum ersten "Nord-Ost-Siphon" befahren und auf Höhlentiere abgesucht. Würmer, die zu den recht zahlreichen Wurmhaufen an den Lehmböschungen im "Nordgang" gehören haben wir trotz aller möglichen Tricks nicht zu Gesicht bekommen.

Nach der Höhlentieraktion gemeinsames Pizzaessen in "Dietfurt" mit einem Teil der Höhlentauchvorgruppe (Blitzaktion Ostsiphons), es folgt ein >>sehr geselliger<< und >>emotional aufgeladener<< Abend bis spät in die Nacht ;)

 

25.03.08 Erster Materialtransport der WHF zum „Ossi“

Diese Woche haben wir vor, die Ostsiphons ein Stück weit zu betauchen. Klaus und Gerhard treffen pünktlich in Mühlbach ein. Gemeinsam fahren wir schon im Neoprenanzug bekleidet auf das Gelände der Familie Betz. Zufällig begegnen wir Max im Hof. Mit strahlendem Gesicht kommt er auf uns zu und freut sich riesig, dass ich endlich wieder mal zum Forschen in die Höhle gehe. Mit seinen Glückwünschen machen wir uns auf den Weg zum Eingang. Jeder hat seinen Schleifsack mit 10 kg Blei und zwei 4 l Tanks geladen. Das wird eine lustige Schlepperei. Wir öffnen die Türe, der starke Luftzug an der Schwelle zieht uns regelrecht in den Eingang. Das Schild zur Kennzeichnung einer Höhlenbefahrung wird in unsere Tafel gehängt, dann geht es los. Den Spuren der ersten Tunnelbauer folgend geht es durch den vor zwei Jahren, im oberen Teil, mit Leitplanken abgesicherten Stollen. Nach nunmehr 10 Jahren zeigt dieser damals nur mit Holzplanken gestützte Bereich langsam immer mehr marode Stellen. Nur der 5 m Schacht, durch massiven Fels geschlagen, liegt unverändert vor uns. Am Flaschenzug werden die schweren Schleifsäcke nach unten gelassen. Auf den nächsten 40 m haben sich die Bodenbretter, die zum Abtransport des Aushubs ausgelegt wurden, auf weiter Strecke fast aufgelöst. An den Deckenbohlen und Seitenstempeln wächst ein schwarzer Rasen aus schleimigen Substanzen. Mit Wehmut sehe ich meiner Hände Werk den Pilzen zum Opfer fallen. Dennoch ist in Zukunft weiterhin ein sicherer Zugang in die Höhle gewährleistet, denn die KGM hat schon vor zwei Jahren, mit der Sanierung der Höhleneingangs und dem Bau eines neuen absolut zukunftssicheren Zugangs, in vorbildlicher Weise, begonnen. Wir erreichen die „Schlüsselloch-Kammer“, steigen durch den letzten Käfig in den „Zubringer“ ab, der uns nach weiteren 50 m direkt ans Fenster über die „Mühlbachpromenade“ bringt. Unten machen wir kurz Pause.

Frohgemut zu wissen, genügend Luftvorrat für einen sicheren Tauchgang in den „Ossi“ auf dem Buckel zu transportieren, marschieren wir zügig weiter. Ziel dieser aus Sicherheitsgründen bei den Tauchkollegen der KGM angesagten Wochenaktion soll es sein, die beiden Taucher, die diese Siphons noch nie betaucht haben, langsam an die Sache heranzuführen. Um ein sicheres und eingespieltes Tauchteam zu kreieren, ist es für mich unerlässlich, gemeinsam ohne Hast und Erfolgszwang, Erfahrung miteinander zu sammeln. Jeder soll die Stärken und Schwächen des anderen kennen lernen, ohne sich dem Druck auszusetzen, etwas zu tun, bei dem man sich nicht 100 % sicher ist, nur um dabei zu sein, oder sich nicht zu blamieren. Solche Erfahrung zu sammeln braucht Zeit und sicher auch Geduld. Und die werden wir haben.

Am Bootshafen angekommen pumpen die beiden ihren Reifen auf, während ich vergeblich mein Boot suche. Vermutlich wurde es vor zwei Wochen von der KGM während ihrer „GoGo“-Aktion in den „Ossi“ zum Transport der Tauchausrüstung für die 6 Taucher gebraucht. Ich suche mir Sabines Reifen aus. Dann machen wir uns, die Schleifsäcke im Schlepptau, Richtung „Bermuda-Dreieck“ auf. Für die beiden ist dieser Weg nicht gerade unbekannt, denn sie waren bereits schon einmal am „Maulwurfsiphon“. Am nächsten Etappenziel angelangt finde ich auch mein Boot wieder, das am „Bermuda-Dreieck“ abgelegt wurde. Meine beiden 4 l Tanks, während der KGM-Tour vor zwei Wochen mit Andreas dort deponiert, liegen noch an gleicher Stelle. Ich verwende nun mein Boot, mit dem ich in gewohnter Weise, beinahe wie mit einem Kajak durch den „300 m See“ paddle. Meine beiden Begleiter tun sich da schon etwas schwerer. Immer wieder höre ich in lautes Platschen, was darauf hinweist, dass wieder einer über Bord ging und bis zur nächsten Sandbank, Boot und Schleifsack als „Boggi-Board“ benutzt. Ich genieße die Fahrt über den See und betrachte die langsam über mir hinweg ziehende Höhlendecke. Ein wundervolles Gefühl, das mir hier die Höhle vermittelt.

Langsam tauchen die Lichter von Klaus und Gerhard aus der Ferne auf. Ein Glitzern streicht vor mir über die Höhlenwände, als wären sie mit einer dünnen Silberschicht überzogen. Ihre Stimmen werden deutlicher nachdem sie kurz darauf an der letzten Sandbank aussteigen und zu mir kommen. Wir konnten auf der Fahrt durch den „300 m See“ feststellen, dass vermutlich nur noch wenige Stellen mit dem Boot befahren werden müssen. Der Untergrund ist durch die jahrelangen Begehungen tragfähig geworden. Man versinkt kaum mehr und löst auch nur geringe Trübung aus. Wir betreten nun die „Jules Verne-Passage“, einen mächtigen Gang, der beinahe 100 m lang nur vereinzelt im bauchtiefen Wasser verläuft. Schon lange war ich nicht mehr hier, doch die Vertrautheit diese Höhlenteile zu durchqueren habe ich nicht verloren. Die Beiden, die sich hinter mir aufhalten, folgen mir meist sehr in sich gekehrt. Nur vereinzelt kommen Fragen, oder erstaunte Laute verlassen ihren Mund. Schneller als erwartet erreichen wir der „Ostsiphon“. Ich bin ziemlich überrascht, als ich das Chaos vorfinde, das vor gut zwei Wochen von der KGM zurückgelassen wurde. Es sieht aus wie nach einem Kinderfasching, als hätte man einen ganzen Kiosk voller Süßigkeiten über die Insel gekippt, auf der normalerweise die Tauchausrüstung abgelegt wird. Klaus und Gerhard sind etwas irritiert über den Zustand dieses Platzes. Nach einer Weile haben wir unsere Ausrüstung so platziert, dass sie die andere Gruppe nicht stört. Wir werden versuchen, demnächst an der gegenüberliegenden Felswand ein Drahtseil zu befestigen, an dem wir unsere Ausrüstung separat lagern. Da noch genügend Zeit ist, schlage ich vor, durch den temporären „Ost 1“ zu schwimmen. Der Luftspalt von 3 cm zieht sich momentan auf 3 m Länge hin. Es ist bereits eine leichte Trübung des Wassers zu erkennen. Durch die Niederschläge der vergangenen Tage wird die Situation aber nicht besser. Wir werden abwarten müssen ob sich die Sicht bis Donnerstag verschlechtert. Sollte das der Fall sein, wird der Übungstauchgang verschoben, denn ich möchte absolut klare Sichtverhältnisse haben, wenn wir zu dritt in den Siphons tauchen.

Nach kurzer Erläuterung der Vorgehensweise begebe ich mich durch den Siphon, um sie gegenüber zu empfangen und richtig an der Führungsleine weiter zu leiten. Bis auf einen Schluck Wasser durch die Nasen aufgenommen, durchqueren wir den Halbsiphon ohne Probleme. Nur kurz halten wir uns in der „Kaptain-Nemo-Halle“ auf. Denn bis auf den zweiten Ostsiphon gibt es nicht sehr viel zu sehen. Ganz nebenbei fällt mir auf, dass ich durch meine neuen 8 mm Neoprensocken das erste Mal absolut warme Füße habe. Die Investition hat sich also gelohnt.

Wir machen uns auf den Rückweg. Diesmal nutzen wir beinahe auf die ganze Strecke bis zum Abzweig in den „Gang ins Jenseits“ die Boote. Gemütlich lassen wir uns stromabwärts treiben und erfreuen uns an den verschiedenen Details der Höhle. Nach 4 Stunden ist der Materialtransport abgeschlossen und wir verlassen wieder die Höhle.

30.04.08 Ein überaus erfolgreicher Tauchvorstoß

Klaus und Gerhard treffen bei uns in Mühlbach ein. Wir werden heute, den am 26.03.08 geplanten, lang vorbereiteten Erkundungstauchgang in die Ostsiphonzone nachholen. Ziel ist nach wie vor, den Beiden die Eigenheiten der Ostsiphons näher zu bringen. Sie werden heute maximal bis durch den OS-3 tauchen.

Der Dokumentation unserer Forschungen im Bereich der Ostsiphons wird eine neue, angepasste Siphonnummerierung zugrunde gelegt. Dabei wird aus der Siphonkombination OS 3 - 5 nur ein Siphon, nämlich der OS-3. Dieser Siphon hat zwar zwei Luftglocken (die Tiefseehalle und eine kleine Luftblase), da man aber nirgends auf der gesamten Strecke stehen kann, ist diese Tauchstrecke deshalb als nur ein Siphon anzusehen.

Unsere Tauchausrüstung ist schon seit Tagen vorbereitet. Da Tanks und Blei für alle Beteiligten schon vor Ort liegen, sind die Schleifsäcke angenehm leicht zu tragen. Um 17 Uhr wird in die Höhle eingefahren. Gerhard pumpt am Bootshafen seinen Reifen auf, ich muss meinen wieder einmal suchen. Nach 45 Min. erreichen wir OS-1.

Ostsiphon 1. Temporärer Siphon, 20 m Schwimmstrecke, 4 m langer 5 cm hoher Luftspalt.

Die Ausrüstung wird sorgsam angelegt, jeder von uns tariert sich im tiefen Becken des ersten Siphons aus. Wir verwenden alle redundante Ausrüstung, jeder 2 x 4 l Tanks 220 bar inkl. Regler, 7 mm Neoprenanzug und Eisweste, drei Helmlampen, Schere, 25 m Real, Reservemaske, SOS-Pack und führen, eigentlich nur für OS-3, Arbeitsflossen mit. Da wir zu dritt tauchen wollen wir durch die Verwendung der Flossen vermeiden, am Boden entlang laufen zu müssen und dabei Sedimente aufzuwirbeln, was die Sicht zu sehr einschränken würden. Wir nutzen schon durch den temporären Ersten Siphon die Regler, ziehen uns an der Deckeleine entlang hindurch und steigen weiter über den niedrigen Verbruch der „Käpten Nemo-Halle“ zum OS-2.

Ostsiphon 2. Länge 14 m, Tiefe -3m.

Hier unterziehe ich beide Taucher einem üblichen Prozedere. Jeder soll durch diesen Siphon tauchen und dann gleich wieder zurückkehren, um die Engstelle auf halber Strecke kennen zu lernen. Wie ich erst später feststelle wurde der große Verbruchblock, der den Siphon sehr verengte, mittlerweile beiseite geschafft und das Führungsseil super am Boden fixiert. Mit voller Montur geht es weiter zum OS-2a, einem kurzen, temporären Siphon, der leicht überwunden wird. Nun kommt die unangenehmste Passage der Ostsiphonkette, der ca. 200 m lange, teilweise nur gebückt begehbare „Landweg zum OS-3“.

Dort angekommen sammeln wir erst einmal unsere Kräfte. Wir besprechen die Situation und beschließen, da alles im grünen Bereich abläuft, den dritten Siphon anzutauchen. Ich übernehme die Führung und werde alle 10 m nach ihnen Ausschau halten.

Ostsiphon 3. Länge 70 m, Tiefe -7m.

Wir tauchen langsam an die Kante der Unterwasserhalle und blicken an der Führungsleine entlang in den 6 m tiefen See. Langsam gleiten wir zum „Briefkasten“ hinab. Die einzige Engstelle dieses Siphons. Dabei verlieren sich meine Gedanken an jenen Tag im Jahre 2003, als ich als Erster diesen Teil des Siphons betauchte und dabei Roberts Erkundungs-U-Boot, dass sich 4 m hinter der niedrigen Spalte des „Briefkasten“ verhängt hat, geborgen habe. Beide Taucher folgen mir in sicherem Abstand. Nach wenigen Metern geht es links herum in den größer werdenden Tunnel. Damals kehrte ich kurz unterhalb der „Tiefseehalle“ um. Von diesem Tag an haben die beiden Queitsch-Brüder zusammen mit Christof Gropp diese Siphonkette weiter bearbeitet und bis heute weitere zwei Siphons erforscht. Wir tauchen weiter durch den Siphon, den Wasserspiegel 7 m über uns. Vor der nächsten Biegung, mein sichernder Blick nach hinten. Alles OK. Schon zeichnet sich die steile Sedimentkannte der Auftauchstelle in der Ferne ab. Denn vor dem Siphonende geht es steil nach oben bis in zwei Meter Wassertiefe. Dort finde ich die während der letzten KGM-Expedition verloren gegangenen Sicherungspfosten, am Grund treibend. Zum Glück werden sie noch von einem einzelnen Gummiband zusammengehalten. Ein schneller Griff nach rechts und die Pfosten sind geborgen. Ich durchbreche nach einigen Jahren Pause endlich wieder einmal den Wasserspiegel am Ende des OS-3, direkt gefolgt von Klaus und Gerhard. Beide haben den Siphon ohne Probleme gemeistert. Wir marschieren durch den großräumigen Gang bis vor den OS-4. Dort besprechen wir die Situation. Die Luftvorräte der Beiden würden für den nächsten Siphon, der nur 20 m lang ist, völlig ausreichen. Doch wie besprochen beenden sie ihren Erkundungstauchgang an dieser Stelle.

Wir liegen gut in der Zeit. Seit dem Einfahren in die Höhle sind erst zwei Stunden vergangen. Ich habe noch einen vollen 4 l Tank mit 880 l Luft und gerade mal 240 l aus dem zweiten Tank verbraucht. Es wäre nicht klug hier meinen Tauchgang zu beenden. So schlage ich beiden vor, dass ich hinter den OS-6 tauche und nach 45 Min. wieder zurück sein werde.

Bei der schon erwähnten, KGM-Expedition zum damaligen Endpunkt der Höhle vor dem OS 6, wurden beim zurücktauchen zwei Führungsleinenpfosten aus dem Boden gezogen, die der letzten Taucherin der damaligen Expedition Schwierigkeiten bereiteten. Robert Queitsch hat mich freundlicherweise vor dieser Gefahrenstelle gewarnt, die zudem noch durch eine ausgebrochene Deckenplatte verschärft wird, die den Siphon stark verengt. Er bat mich daher, die Pfosten wieder an einen günstigen Platz zu stecken, damit der Siphon wieder sicher betaucht werden kann.

Ostsiphon 4. Länge 20 m, Tiefe -3 m.

Klaus hat nichts gegen meinen Vorschlag, Gerhard stimmt auch zu. Ohne Umschweife mache ich mich auf den Weg. Im Jahre 2002 war ich schon einmal durch den OS-4 getaucht, damals mit Martin- und Robert Queitsch, um den Landweg bis zum OS-5 zu vermessen. Die Großräumigkeit des Siphons beruhigt einen sehr. Die Leine ist gut verlegt und die 20 m unter Wasser mit 80 l Luftverbrauch schnell zurückgelegt. Schon vor Beginn der Aktion war mir klar, dass sich die lange Tauchpause nicht gerade positiv auf mein Luftprofil auswirken wird. Trotzdem bin ich ganz zufrieden mit dem bisherigen Ergebnis. Mit der leichten Ausrüstung ist die kurze Passage an Land zum OS-5 relativ unbeschwert zurückzulegen. Vor dem nächsten Abtauchen, mache ich wieder eine kurze Regenerationspause. Mein Puls normalisiert sich, die Atemfrequenz geht zurück. Gute Voraussetzungen um Luft sparend durch den nächsten Siphon zu kommen. In diesem sollen ja die ausgerissenen Pfosten schwimmen.

Ostsiphon 5. Länge 48 m, Tiefe -8 m.

Der für mich neue Siphon beginnt mit einem schnell tiefer werdenden See. Ein geräumiger Tunnel setzt sich in einem 90° Knick nach links fort. Die Leine führt, gegenüber an der Wand befestigt, geradewegs in die Tiefe. Knapp 70 m soll die Strecke unter Wasser betragen, nicht tiefer als -8 m. Ich komme gut voran. Die im Lehmboden steckenden großen Verbruchblöcke, die wie es scheint gleichmäßig verteilt sind, bieten die Möglichkeit, sich Kraft sparend neuen Vorschub zu verschaffen. Es dauert nicht lange, dann taucht im klaren Wasser, die Sicht wird durch leichte Schwebstoffe geringfügig beeinträchtigt, der erste Pfosten auf. Nur zwei Meter weiter, der zweite. Sie schweben direkt neben dem großen Deckenblock wie an einer gespannten Wäscheleine frei im Wasser. Genau vor der Engstelle mit dem Verbruchblock, durch den sich bereits eine Taucherin bei Null-Sicht durchzwängen musste. Ich spanne die Leine so weit es geht auf die rechte Seite des Siphons und drücke die Pfosten in den tiefen Lehmboden. Nun führt sie wieder sicher zwischen der Tunnelwand und dem Verbruchblock hindurch. Der prüfende Blick auf den Finimeter erlaubt mir, weiter durch den nur noch 20 m langen Siphon, bis zum Ende zu tauchen. Hier geht es, wie an beinahe allen Auftauchstellen an einem ca. 30° steilen Sedimentboden entlang, aus der Tiefe nach oben. Über der Wasseroberfläche empfängt mich das laute Rauschen des Höhlenbaches.

Hier war ich noch nie. Nach über 7 Jahren Forschen in dieser Höhle endlich mal in diesen, schon so lange bekannten Höhlenteil zu kommen ist ein besonderes Erlebnis. Ich bin erst 10 Min. unterwegs, genug Zeit also, den Landweg zum OS-6, der nur ca. 60 m lang sein soll, weiter zu gehen. In voller Montur hebe ich mich aus dem Wasser. Man bewegt sich hier von Anfang an auf sauberen Felsboden, über dem mir der Höhlenbach mit moderater Strömung entgegen fließt. Der Tunnel weist eine gleichmäßige ca. 5 m hohe elliptische Form auf. Gespannt erwarte ich den OS-6.  

Dieser wurde erstmals im November 2007 von Martin Queitsch angetaucht. Er stieß dabei etwa 40 m vor und entdeckte eine steile Lehmwand, die über dem Wasserspiegel weiter in einen ca. 4 m hohen Kamin führte, der aber leider blind endete. Aufgrund der starken Eintrübung gelang es ihm beim Abtauchen nicht mehr den weiterführenden Unterwassertunnel zu finden. Später durchtauchte Marco mit seinen ca. 15 Helfern den nach seinen Angaben 65 m langen Siphon während der schon erwähnten KGM-Expedition. Damit wurde, nach so vielen Jahren Pause, endlich ein neuer Ostsiphon durchtaucht. Mich freut es besonders, dass diese meinen ehemaligen Vereinskollegen gelungen ist.

Die Tanks an meinem Geschirr fühlen sich langsam immer schwerer an. Nach wenigen Minuten ist das  abrupte Ende der Passage erreicht. Völlig unscheinbar tritt hier der Höhlenbach aus einem nur 2 x 2 m messenden kleinen See aus. Man würde nicht vermuten, dass hier, wie Martin damals berichtete, ein riesiger 10 x 10 m messender Unterwassertunnel beginnt. Ein bequemer Sitzplatz eignet sich zum  auszuruhen. Ich habe noch massig Zeit und Luft ohne Ende, die locker unter Berücksichtigung der ¼-Regel für diesen Höhlentauchgang ausreicht. Die Regenerationspause wird genutzt, um in Gedanken den von Martin und Marco beschriebenen OS-6 zu durchtauchen. Nach reiflicher Überlegung fällt mein Entschluss, die verbleibende Zeit zu nutzen und bis zum derzeitigen Höhlenende am OS-7 vorzustoßen.

Ostsiphon 6. Länge 49m. Tiefe -9 m.

Langsam gleite ich in den bis jetzt kleinsten Siphonsee der Ostsiphonzone. Meine Maske taucht unter den Wasserspiegel. Eng ziehen die Wände eine steile Geröllhalde umklammernd, in die Tiefe. Noch ist nichts von –riesengroß- zu erahnen. Doch schon nach wenigen Metern erscheint links eine den Boden in 3 m Höhe überspannende Decke. Die Führungsleine zieht nach rechts in den großen Gang weiter. Dies ist vermutlich die Stelle, an der sich der nach oben führende Schlot befindet, in den Martin getaucht ist. Ich halte mich nicht damit auf, den Wasserspiegel des Schlotes zu suchen. Weiter will ich, den Spuren Marcos folgend.

Die Situation erinnert mich an damals, als ich Marco mit nach Java eingeladen habe und er mir an meiner Leine entlang in die unerforschten Siphons der Gua Bribin gefolgt ist. Heute folge ich seiner Leine. Sie führt mich weiter in die Tiefe. Lange will ich mich hier nicht aufhalten, denn da unten auf beinahe -8 m verdoppelt sich der Luftverbrauch nahezu. Leicht überbleit funktionier das „Sumpwalking“ recht gut. Vor mir erscheint ein großer Verbruchblock, der mehrere Male von der Leine umwickelt ist. Die Markierung zeigt 30 m an, die Hälfte habe ich schon hinter mir. Noch etwas tiefer führend geht es weiter. Die Leine zieht mit Wandkontakt in einer 45° Rechtskurve an der Höhlenwand entlang, um gut 10 m weiter einen nächsten Felsblock zu umschlingen. Hier lese ich 50 m ab. Gleich danach erscheint die von Marco beschriebene steile Lehmhalde, die an die Wasseroberfläche führt. Bin ich etwa schon durch? Sekunden später der Blick in einen Finsteren niedrigen Gang. Es ist beinahe Totenstille. Nur ganz leise ertönt aus der Ferne ein verschämtes Rauschen. Das Ende der Leine ist bei 70 m auf der rechten Seite des Höhlengangs wieder um einen Felsen gewickelt. Waren das wirklich 65 m. Zieht man 3 m Eingangssee, ca. 10 m Ausgangssee, und die drei Felswicklungen mit insgesamt ca. 8 m ab, hat dieser Siphon nur 49 m. Durch die etwas unvorteilhafte Leinenführung, bedingt durch damals schlechte Sichtverhältnisse, kann der Siphon noch nicht vermessen werden. Martin Queitsch fehlten damals also nur ca. 10 m, oder anders ausgedrückt, Marco konnte bereits nach gut 10 m unbekannter Siphonstrecke lufterfüllte Höhle betreten.

Ich bin total überrascht heute mit so wenig Aufwand, so weit gekommen zu sein. Das hätte ich mir nach den Berichten der Taucher nie träumen lassen. Der Blick auf die Uhr gibt mir noch Zeit den Landweg bis zum OS-9 zu begehen. Der Beginn des Höhlenganges erinnert mich stark an so manche Passage der Petrusquellhöhle. Man kommt aus dem Siphon und die verlehmte Höhlendecke erdrückt einen förmlich. Die Decke ist hier teilweise nur knapp 1,5 m über dem Wasserspiegel und korrosiv stark angegriffen. Es scheint als würde sich hier der Wasserspiegel des Öfteren bis zur Decke anstauen. Langsam wird das Gewölbe höher, man betritt wieder Felsboden, der nach ca. 30 m an einem niedrigen Bodenverbruch endet.  Dieser kann mit nur ca. 1,5 m Höhe leicht überklettert werden und erinnert an den Verbruch in der „Käpten Nemo Halle“. Dahinter wir das Gewölbe enorm hoch. In ca. 6 m Höhe befindet sich eine kleine Naturbrücke, die wie das Auge eines Zyklopen aussieht, der den Siphon bewacht. Hinter dem Verbruch betritt man sogleich wieder Felsboden, der kontinuierlich in die Tiefe zieht. 10 m vor mir scheint der Gang in einem ausgedehnten See am nächsten Siphon zu enden. Nur ganz rechts hinter dem erwähnten niedrigen Verbruch positioniert erkennt man auf der linken Seite, am scheinbaren Ende des Sees, ein niedriges Fenster über dem Wasserspiegel. Es gelingt mir, mich an der linken Felswand entlang zum Fenster zu hangeln. Da ich überbleit, ohne Tarierweste tauche und keine Führungsleine befestigt habe, kann ich mich nur an die Felswand entlang hangeln, um über Wasser zu bleiben. Es gelingt mir trotz aller Widrigkeiten ein Blick in den OS-7! Gut 9 m von mir entfernt zieht die Felsdecke dieses Siphons nur wenige Zentimeter unter Wasser weiter gerade aus. Mein Blick verliert sich in der Ferne.

Ich bin überwältigt, einen Blick in die Hauptfortsetzung der wunderschönen Mühlbachquellhöhle geworfen zu haben. Ich bedanke mich bei meiner Höhle, mir dieses Erlebnis gestattet zu haben und mache mich auf den Weg zu meinen Kollegen.

Die Sicht beim Zurücktauchen ist sehr gut. Ich habe alles im Blick und auch die reparierte Leinenführung in Siphon 5 ist beinahe perfekt. Es muss nur der Anfang der Leine um etwa 50 cm verkürzt werden, dass auch dieser Abschnitt gut spannt. Aber damit halte ich mich nicht mehr auf. Das kann beim nächsten Mal erledigt werden. Etwas verwirrt tauche ich aus Siphon 5 auf. Da die Leine in Austauchrichtung in einer Art blind endenden Gang befestigt wurde, versetzt mich dieser Anblick, der von meiner Position aus keinen Gangansatz des Rückweges erkennen lässt, in einen Höhlenteil, der mir völlig unbekannt erscheint. Ich muss die nur 1,5 m breite Passage zu meinen Kollegen erst suchen, die eigentlich nur wenige Meter von mir entfernt abzweigt.

Mit strahlendem Gesicht treffe ich nach 42 Min. Abwesenheit noch vor der vereinbarten Zeit ein. Klaus war klar, dass ich bis zum Ende vorstoßen würde. Mir war das vorhin beim Abtauchen keines Wegs klar. Ich berichte von meinen wunderbaren Eindrücken. Angesichts der längeren Wartezeit und leichten Auskühlung der Beiden, machen wir uns auf den Rückweg zur Basis am OS-1. Diesmal mache ich Schlusslicht. Ziemlich entspannt und mit großen Luftvorräten, erreiche ich die Basis. Für Klaus und Gerhard war dieses Unternehmen sehr aufschlussreich. Beide hatten keinerlei Probleme. Nach 5 ½ Stunden verlassen wir die Höhle bei herrlichem Sternenhimmel. Wir haben zu Dritt, in einer „Zwei Tages Aktion“ den neuen Endpunkt der Höhle erreicht und ich kann immer noch nicht glauben, dass ich in Siphon 7 geblickt habe. Mein ganz besonderer Dank geht an meine vorbildlichen Kollegen Klaus und Gerhard.

25.06.08 Materialtransport zum Ostsiphon

Nach einigen Anläufen, immer kam etwas anderes dazwischen, entschließe ich mich heute, die Befahrung der Mühlbachquellhöhle an erster Stelle zu setzen. Seit Wochen liegen meine gefüllten Tanks im Keller und warten auf ihren Einsatz. Drei 4 l Tanks werden heute am Ostsiphon deponiert. Dazu schaffe ich weitere zwei in die Höhle und nehme unterwegs eine der beiden deponierten „Vierer“ auf.

12 Uhr. Die Außentemperatur liegt bei 29° C, so dass mich wie erwartet der beeindruckende Luftzug nach dem Öffnen der Höhlentür begrüßt. Es ist immer etwas unangenehm bei sommerlich heißen Temperaturen eine bewetterte Höhle zu betreten, denn der Temperaturunterschied ist doch gewaltig. Schon bald habe ich mich an die 9° C gewöhnt, die im 7 mm Neopren doch eher angenehm sind. Der Höhlenbach führt glasklares Wasser und so wie es scheint auf sehr niedrigem Niveau. An der Engstelle, der „Drieangel“, die kurz vor dem „Halbsiphon“ liegt, bläst mir ein letztes Mal der starke Luftzug ins Gesicht. Die Höhle führt tatsächlich sehr wenig Wasser, denn heute kommt man ohne, dass der Helm nass wird durch den „Halbsiphon“. Mit den leichten 4 l -Tanks am Rücken komme ich schnell vorwärts. Am „Bermuda-Dreieck“ lege ich Schleifsack und Boot ab und biege in den „Nordgang“ ein, denn heute will ich auch mal wieder zum „Nordost-Siphon“. Am „Maulwurfsiphon“ fällt mir ein Geräusch auf, das ich hier noch nie gehört habe. Es dauert einige Zeit, bis ich dahinter komme was dafür verantwortlich ist. Im vorderen Drittel des Siphons zieht eine schmale, nur etwa 15 cm hohe Kluft quer zur Siphondecke Richtung Siphonaustritt. Hier konnte man zwar immer ein leises Glucksen wahrnehmen, dass durch den Wellenschlag unserer Füße verursacht wurde, doch heute klingt das ganz anders. Es hört sich an wie kochendes Wasser in einem riesigen Kochtopf. Und es kommt aus derselben Kluft, in der sonst das Glucksen erzeugt wird. Ich lege mich flach auf den Bauch, blicke in den Spalt hinein und entdecke den Verursacher der Geräusche. Es ist ein starker Luftzug, der kleine Wellen zwischen Wasseroberfläche und Höhlendecke hindurchpresst und so kleine Luftblasen in die Deckenkluft eintreten lässt, die das Blubbergeräusch verursachen. Deutlich sind die Wellen zu erkennen, die der Höhlenwind zu mir treibt. Dass es an dieser Stelle eine Bewetterung gibt, war schon lange bekannt, denn der Kommunikationsschlauch der durch den Siphon gelegt wurde wies oft einen schwachen Lufthauch auf. Doch muss man angesichts der jetzigen Situation annehmen, dass der „Nordgang“ ohne den „Maulwurfsiphon“ eine beträchtliche Bewetterung aufweisen würde.

12.30 Uhr. Lange halte ich mich hier nicht auf und tauche die 6 m mittlerweile das 62te Mal, frei am Führungsseil durch. Drüben geht es dann weiter zum ersten Ziel des Tages. Langsam schlendere ich durch die beeindruckenden Gänge. An manchen Stellen an denen ich früher den Bachflohkrebs „Niphargus“ und auch die Höhlenassel „Proasellus calvaticus“ gesehen habe, mache ich einen kurzen Stopp. Doch außer zahlreichen Höhlenasseln ist nichts zu entdecken. Am „Nordostsiphon“ angekommen werfe ich obligatorisch einen Blick in den wunderschön blaugrau schimmernden Siphon. Meine Gedanken fliehen ans Ende dieser Siphonkette, das mit einer unbetauchbaren Engstelle kein Weiterkommen unter Wasser erlaubt, doch einen viel versprechenden Kamin aufweißt. Ob sich hier jemals andere Taucher, als damals Rainer Straub und ich, hinwagen werden, um sich diesen Kamin hinaufzubohren? Wir werden sehen!

13.30 Uhr. Wieder zurück am „Bermuda-Dreieck“ lade ich eine meiner deponierten 4 l Tanks in den Schleifsack und paddle durch den „300 Meter See“ zum zweiten Ziel des Tages, dem Ostsiphon. Bei jeder meiner Befahrungen ist deutlich festzustellen, dass sich die früher bis zu 2,5 m tiefen Seestrecken mehr und mehr mit Fließsandsedimenten auffüllen und man so mancherorts nur noch Knietief im Wasser läuft. Auffälligkeiten sind auf der gesamten Strecke keine, und ich erreiche bald das Flaschendepot am OS 1. Mit dem heutigen Transport habe ich vor Ort: 2 x 4 l á 100 bar, 3 x 4 l á 220 bar. Das reicht für einen Tauchgang zum derzeitigen Endpunkt der Höhle und einen weiteren ca. 200 m weit in den noch unerforschten Ostsiphon 7. Zudem liegt noch ein 4 l Tank á 220 bar am „Bermuda-Dreieck“, den ich beim nächsten Mal mit nach hinten nehmen werde. Ich hoffe in den kommenden Wochen einen Vorstoß bis zum „OS-7“ machen zu können.

14.30 Uhr. Ich bin wieder am „Bermuda-Dreieck“ und fülle meinen leeren Schleifsack mit Material, das ich schon lange nach draußen schaffen will.

15.45 Uhr. Die Höhle wird verlassen. Nun ist es wesentlich angenehmer als bei der Einfahrt. Die warme Sommerluft haucht mir frisches Leben ein. Schön wieder draußen zu sein.

30.06.08 „Basis 2“ am Ostsiphon 7 wird eingerichtet

Es geht mit vollständiger Tauchausrüstung Richtung „Basis 1“ am Ostsiphon 1. Natürlich ohne Tanks, die sind ja alle schon vor Ort. Ganz gemütlich transportiere ich den mittelschweren Schleifsack mit meinem Schlauchboot über die See- und Bachstrecken. Heute will ich die Generalprobe bis zum OS 7 absolvieren, um festzustellen, in wie weit ich die nächsten unbekannten Siphons betauchen kann. Mein Gasprofil sieht diesmal die Verwendung zweier 4 L Tanks á 140 bar und 200 bar vor. Da ich nur das Material für den Tauchgang in den neuen Siphon nach hinten bringen werden und nicht weiter tauchen will, reicht dieser Gasvorrat im Rahmen der ¼-Regel. Am Ende des Tages werde ich sogar einen Tank für den Vorstoßtauchgang, der noch diese Woche stattfinden soll, verwenden können.

Nun mache ich mich schon das zweite Mal auf dem Weg zum Endsiphon im Osten. Wieder muss ich beim Betauchen der Siphons feststellen, dass nicht alle Führungsleinen für ein ideales vorwärts kommen verankert sind. Sie schweben teilweise frei im Gang, nur lose um Felskanten gewickelt und ermöglichen daher kein „Sumpwalking“, das einem am schnellsten durch die Siphons bringt. Und das ist eigentlich die Voraussetzung, um luftsparend den Endpunkt zu erreichen und dort weiter zu machen. Dennoch brauche ich heute, trotz der vielen Ausrüstung am Mann, weniger Gas als beim letzen Mal. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis und erreiche von „Basis 1“ aus nach 90 Minuten mein Ziel. Noch mal will ich mir den Beginn des neuen Siphons anschauen. Diesmal lege ich die gesamte Tauchausrüstung ab und paddle mit angelegter Maske durch den etwa 15 m langen See zur Abtauchstelle. Der Wasserstand ist wieder etwas gesunken, so dass sich am Wandanfang eine stark korrodierte Decke eröffnet hat. Mit dem super Auftrieb des Neporenanzuges ist es ein Leichtes, entlang den Wänden die günstigste Stelle für einen Blick unter Wasser zu suchen. Lange Kanäle führen am Wasserspiegel der Decke entlang und verursachen ein lustiges Glucksen und Gluckern. Ich drücke mich unter Wasser und leuchte mit geballter Ladung Licht in den Siphon. Die Decke ist sehr unruhig und mit vielen Luftglocken durchsetzt. Sie zieht geradewegs flach unter dem Wasserspiegel und würde glatt einladen, die nächste Luftglocke zu erreichen. Doch an solch einen Blödsinn sollte man lieber nicht denken. Wobei ich am eigenen Leib erlebt habe, dass es ausgebildete hoch qualifizierte Tec-Diver gibt, die sich dazu hinreisen lassen. Wie es scheint geht der Siphon in niedrigen Dimensionen weiter. Irgendwann muss dieser Siphonbereich doch wieder in großräumige lufterfüllte Höhlenteile führen. Ich habe genug gesehen und nutze die verbleibende Zeit, die Führungsleine an der rechten Felswand zu fixieren. Nun wird nur noch die Ausrüstung auf dem „L.m.a.A-Verbruch“ sicher abgelegt, dann geht’s auf den Rückweg. Die Sicht ist moderat, oft ist mehr als nur die Leine zu sehen, denn ich habe mich nicht bemüht, Wassertrübung zu vermeiden. Gut in der Zeit und mit mehr als dem berechneten Luftvorrat in den Tanks erreiche ich „Basis 1“. Es ist 14.30 Uhr. Vor drei Stunden habe ich die Höhle betreten. Noch 60 Minuten, dann belohnt mich der warme Supersommer mit einem herrlichen Abend am Lagerfeuer im Garten.

03.07.2008 Expedition Neulandvorstoß in OS 7

Alle Vorbereitungen für den Tauchvorstoß ins Unbekannte sind nun abgeschlossen. Eine ereignisreiche Woche liegt hinter mir. Am Montag hatte ich meine gesamte Ausrüstung an „Basis 1“ am Ostsiphon 1 hinterlegt. Dienstags besuchte ich den Kindergarten in Breitenbrunn und hielt dort vor 30 Kindern einen Vortrag über das Thema Höhlen. Seit zwei Wochen beschäftigten sich die Kinder auf verschiedenste Art und Weise mit diesem Thema. Das Highlight sollte nun ein Höhlenfilm und ein echter Höhlenforscher sein. Natürlich habe ich mich gleich als solcher angezogen und so den Kindergarten betreten. Mit Schlatz, Helm und großem Schleifsack trat ich an die zwischen meinen Füßen herumwuselnden Kinder. Mit großen Augen betrachteten sie den so merkwürdig aussehenden Höhlenforschen. Nachdem wir uns alle vorgestellt hatten, packte ich meine mitgebrachte Ausrüstung vor den Kindern am Boden aus, die sich auf Turnbänken im Hufeisen um mich versammelt hatten. Sie staunten nicht schlecht, als ich Strickleiter, Seil, Gurtzeug, verschiedene Ausrüstungsgegenstände und einen großen Stein mit lauter kleinen Höhlen darin vor sie ausbreitete. Als nächstes wurde der Höhlenfilm gestartet, den sie trotz ihrer jungen Jahre mit aufgerissenen Augen und voller Begeisterung verfolgten. Danach kam eine im wahrsten Sinne des Wortes, ausgedehnte Fragestunde. Nicht wie bei vielen Vorträgen vor Erwachsenen die nur vereinzelt Fragen stellen, war das hier ganz anders. Nach meiner Aufforderung, wer denn nun noch mehr wissen wollte, explodierte ein regelrechtes Feuerwerk an Fingern, die wie kleine Raketen in die Höhe gerissen wurden. Um die Kinderschar nicht zu überfordern musste ich nach unzähligen Fragen, diesen Teil der Veranstaltung abbrechen. Es sollte ja noch eine Demonstration der Ausrüstung und deren Anwendung folgen. Aber auch hier wieder neugierige Fragen, die mir außerordentlich viel Spaß machten sie zu beantworten. Der Abschluss war dann die Demonstration der Höhlenbildung an der mitgebrachten Mikrohöhle. Nach meiner Aufforderung, alle Kinder sollten sich um mich herum setzten, kniete ich inmitten eines aufgewühlten Ameisenhaufens. Dass die Kindergärtnerinnen und speziell die Leiterin mit meinen Ausführungen zufrieden waren, sah man ihnen am fröhlichen Gesichtsausdruck förmlich an. Als ich nun eine kleine Spritze mit schwacher Säure hervorholte und den Kindern erklärte, wie sich die Wassertropfen ihren Weg in den felsigen Untergrund bahnen, und dabei Höhlen entstehen, war die Begeisterung der Winzlinge perfekt. Mit leisem Zischen und Schäumen, trafen einige Tropfen der Säure auf den Stein und die Kinder konnten regelrecht miterleben, wie sich dieser etwas auflöste und so eine Höhle entsteht. Die Leiterin Frau Heiselbetz bedankte sich abschließend für den, wie sie meinte, sehr lebendigen und spannend gestalteten Vortrag, und auch die Kinder wollten gleich wissen, wann ich den mal wieder komme. Ich müsse dann aber auch einen Tropfstein mitbringen, denn viele wüssten gar nicht wie so etwas aussieht. Für mich war das ein ganz besonderer Vortrag vor so vielen begeisterten kleinen Menschen, den ich sicher nicht vergessen werde.

Nun auch der Mittwoch stand unter einem sehr positiven Zeichen. Ich besuchte die Bottelmühlhöhle und wollte bei den hohen Außentemperaturen die Bewetterung der Endkluft kontrollieren. Da ich nun schon völlig versaut hinten ankam, der Luftzug recht deutlich mir entgegen kam, beschloss ich, bei dieser Gelegenheit die mit Lehm aufgefüllte Kluft einen halben Meter weiter auszugraben. Dabei stellte sich heraus, dass nur die linke Kluftseite bis zur Bodenplatte herunter reichte und die rechte einen 35cm hohen Absatz bildet, die ein Weiterkommen enorm erleichtert. Beim nächsten Mal wird hier sicher ein Blick in die Luftzug führende Fortsetzung möglich sein.

Doch heute am Donnerstag soll die ereignisreiche Höhlenwoche ihren Höhepunkt erfahren. Heute nun geht es in die H 100, ans momentane Ende des Ostsiphons. Das damalige Tauchteam der KGM hatte im Jahr 2002 den Vorstoß in weitere noch unbekannte Siphons im Osten, nach bezwingen des 5ten Siphon, nicht mehr weitergeführt. Die Ankündigung meiner Forschungsplanung Anfang Mai dieses Jahres, die sich auf die Ostsiphonzone bezog, nahm die Führung der KGM zum Anlass, den seit 5 Jahren überfälligen Vorstoß in den OS 6 anzugehen. Dabei wurde dieser Siphon durchtaucht. Mein Ziel wird heute der 7te Ostsiphon sein, den ich mit 150m Führungsleine erforschen will, um zu versuchen die große Frage, die sich einige Höhlenforscher seit 2002 stellen, „Wie geht es denn nun im Osten weiter“ beantworten zu können.

Donnerstag 03.07.2008. Vorstoßtauchgang in den OS 7 „Torwächtersiphon“

10.30 Uhr. Ich öffne die Höhlentüre. Im Schleifsack nur ein Snickers und 50m vom Rest der Führungsleine. Das gewährleistet, völlig ausgeruht und entspannt an der „Basis 1“ anzukommen.

11.20 Uhr. Erreiche „Basis 1“. Konzentriert und in Ruhe wird die Ausrüstung zusammengestellt. Es werden 2x4 l á 190 und 200 bar als Vorstoßtanks verwendet und ein 4 l Tank á 140 bar als Reisegas zum OS 7. Des Weiteren 50m 2mm Reel, 9 PVC-Posten, 10 Gummi, 1x100m Leine, 1x50m Leine, Tiefenmesser, Schere, SOS-Pack, Reservemaske, zwei Regler und 8kg Blei. Alles in allem ist die Vorstoßausrüstung relativ leicht gehalten, da am OS 7 das Reisegas zurückgelassen wird und nur mit den beiden vollen 4 l Tanks getaucht wird. Bei einer Siphontiefe von weniger als 5m könnte ich mit dieser Ausrüstung weit mehr als die 150m Führungsleine verlegen, die ich mitführe.

12.00 Uhr. Abtauchen OS 1. Vor mir liegen 6 Siphons, deren Tücken und Unannehmlichkeiten ich mittlerweile kenne. Man müsste hier noch einiges ändern, um optimal tauchen zu können. Mal sehen, was die andere Gruppe dazu sagt. Am Anstrengendsten ist wieder einmal der 250m lange „Landweg“ zum OS 3. Oft kann man hier die schwere Ausrüstung nur gebückt durch einige Passagen tragen. Wenigstens ist der Bachgrund mittlerweile verfestigt und man sinkt nicht mehr knietief in den weichen Lehm ein.

12.45 Uhr. Erreiche die „Basis 2“ am OS 7. Hier wird alle Ausrüstung abgelegt und eine ausgedehnte Pause eingehalten. Dabei entferne ich die kürzlich befestigte 100m Rolle von der rechten Höhlenwand und binde sie 10m weiter vorne an der linken Seite an einem Wandzapfen fest. So spare ich auf der 30m langen Seestrecke, die leider betaucht werden muss, ein beträchtliches Stück der Führungsleine. Doch nun wird es Zeit, mich fertig zu machen. Der Regler wird vom Reisetank entfernt und auf den vollen Tank umgesetzt und die ganze Ausrüstung angehängt. Die 4 l Tanks sind schon eine feine Sache. Maximaler Luftvorrat bei minimalem Gewicht. Ich bin ja so neugierig, was nun alles kommen wird. Eines habe ich mir aber vorgenommen. Wenn ich auftauchen werde, verhalte ich mich so ruhig wie möglich. Ich habe vor, mich langsam Ecke um Ecke vorzutasten, ohne viel menschliche Geräusche abzugeben.

14.30 Uhr. Am OS 7, „Torwächtersiphon“. Ich nehme die Führungsleine, die an der linken Höhlenwand über dem 25m langen See zum Siphon hängt, auf. Der Seeboden Richtung Siphon fällt schnell auf 3m Tiefe ab. Dabei Tauchen bemerke ich, dass ich zum „Sumpwalking“ (laufen am Grund eines Siphons) zwar genügend Blei mitführe, doch zum Befestigen der Leine und setzen der Pfosten etwas zu leicht bin. Das kostet wertvolle Zeit und Luft. Ein halbes Kilo Blei mehr hätte da nichts geschadet. Aber bei meinem mitgeführten Luftvorrat habe ich genügend Tauchzeit zur Verfügung, um mein Handicap auszugleichen. Nach knapp 10m setze ich das erste Rohr in den Lehmboden an der rechten Seewand. Hier macht der Gang einen 80° Knick nach links und führt geradewegs zum Siphontor unter dem ich bei 25m einen weiteren Pfosten setze. Wie ich schon bei meinem letzten Besuch festgestellt habe, führt die Decke ca. 6m nur leicht unter der Wasseroberfläche entlang, bis diese eine silbrig glänzende Fläche bildet. War´s das etwa schon? Der Boden steigt etwas an, sodass man aus dem Wasser kommt. Doch so richtig geht das nicht. Nach wenigen Zentimetern berührt mein Helm die Decke. Also nur eine kleine Luftblase, die unter Wasser eine Sanddüne gebildet hat. Hier setze ich einen weiteren Pfosten, denn dahinter geht es gleich in die Tiefe. Weiter geht es. Ohne Hindernisse ist der großräumige Siphon zu betauchen. Ab und zu befestige ich die Führungsleine an einem Felszacken, um Wandkontakt für eine genaue Vermessung zu vermeiden und um eine gewisse Spannung auf der Leine zu haben, damit man sich gut durch den Siphon ziehen kann und um auszuschließen, dass bei zu großer Dehnung Materialschäden durch eventuellen Felskontakt der Leine auftreten. Es geht langsam tiefer, der Siphon bleibt gleichmäßig groß. Mit -8m ist der Scheitelpunkt des Siphons erreicht. Ab jetzt geht es, wie in fast allen Siphons ca. 30° nach oben und mit einem leichten Linksknick durchbricht der Tunnel den Wasserspiegel. Das war aber eine kurze Reise. Nach 70m Tauchstrecke auf denen 4 Pfosten und 3 Gummis installiert wurden ist der OS 7 durchtaucht. Zieht man die See zu Beginn ab, hat dieser Siphon eine Länge von nur 45m, bei einer Tiefe von -8m.

Nun stehe ich bis zum Bauch im Wasser, eines wie es scheint nur kurzen Gangstückes. Rechts über dem Siphon bietet sich eine massive Felsnase an, die Leine sicher zu befestigen. Hier wird auch die Trommel dazugehängt um den Gang näher zu untersuchen. Nach wenigen Metern ist das Wasser auf der gesamten Gangbreite nur noch 20cm hoch. Ich knie auf weichem Sand in gebückter Haltung, denn die Höhlendecke reicht an dieser Stelle nur einen Meter über das Wasser. Kriechend geht es ein Stück weiter, bis ein niedriger Raum einsehbar wird. Was ist den hier los. Über Wasser geht es nirgends weiter und unter Wasser? Wo soll es denn bei einer Wassertiefe von 30 cm in einen weiteren Siphon abgehen? Gerade mal 10 m bin ich vom letzten Siphon entfernt. Habe ich dort etwa einen Abzweig übersehen und bin in dieser Luftglocke aufgetaucht, die nirgends weitergeht? Strömung ist keine zu spüren, es ist völlig lautlos in dieser unwirklichen Kammer. Ich knie im Wasser und wenn es doch Strömung gibt, dann kann man die auch feststellen. So wirble ich mit meinen Händen den Sandboden auf, und tatsächlich, ganz gemächlich bewegt sich die Schlammwolke auf mich zu. Ich bin doch richtig hier. Aber wo kommt eigentlich die Strömung her. Ich bewege mich weiter im seichten Wasser den Gang entlang, bis ich etwa 2m vor der Wand stehe. Das Wasser ist hier wieder etwas bläulicher. Geht hier der Siphon ab, und wenn ja, wie? Ich ziehe die Maske über und riskiere einen Blick unter Wasser. Tatsächlich zieht hier der Siphon 35° fallend in einer breiten Fuge in die Tiefe. OK, dann geht es eben hier weiter. Zurück zur Leine, die nun bis zum OS 8 abgespult wird und dem lufterfüllten Gang eine Länge von 15m gibt. Doch die ungünstige Restlänge von nur 15m veranlasst mich, die Führungsleine am Ende des OS 7 abzuschneiden und am neuen Siphon anzubinden. So verbleiben mir auf der Trommel beinahe 35m Leine für den nächsten Siphon. Es dauert nicht lange und alles ist erledigt.

OS 8 „Silberwassersiphon“. Noch einmal kontrolliere ich den Sitz der 50m Reservetrommel, die ich sicher bald anknüpfen muss, dann schiebe ich mich nach unten in die sandige Fuge. Gleich bin ich auf einer Tiefe von -3m, die Decke zieht hier mit einem deutlichen Knick wieder leicht nach oben. Die Ganghöhe beträgt auf den kommenden Metern etwa 2m. Es geht weiter hoch, dabei denke ich nach, ob es nicht vielleicht besser wäre am Bodenknick einen Pfosten zu setzen, um eine genauere Leinenrichtung zu erreichen. Doch schon mit diesen Gedanken sehe ich Silberwasser über mir. Die nächste Auftauchstelle ist erreicht. Die Leinenmarkierung zeigt 15m an. Vorsichtig und leise schiebe ich meinen Kopf aus dem Wasser. Noch ist, bedingt durch die Haube und die mit Wasser gefüllten Ohren, nicht viel zu hören. Hier ist es schon wesentlich größer als in der „Sandbuckelkammer“, die ich gerade verlassen habe.

15.15 Uhr. Langsam steige ich aus dem Siphon heraus. Ich kann aufrecht stehen, weit in einen großen Gang hineinsehen. Nachdem ich die Haube abgenommen habe und meine Ohren wieder funktionieren, höre ich ganz leise Wasser rauschen. Leise, nicht weil es so wenig ist, das irgendwo da vorne über eine Schwelle fließt. Nein, im Gegenteil, weil es aus der Ferne kommt. Wieder bietet sich gleich links nach der Auftauchstelle eine gefällige Felsnase zum Sichern der Führungsleine an. Ich schneide sie ab und verknote die Enden. Dann will ich weiter dem „Wilden Osten“ entgegen. Dem stillen Frieden traue ich aber doch nicht so ganz, deshalb behalte ich die ganze Ausrüstung am Mann. Die große Trommel ist nun beinahe leer und die Tanks sind ja ohnehin nicht mehr sonderlich schwer. Ich muss an die Worte von Renate denken „Manfred Walter, pass bloß auf dich auf, da hinten in der Mühlbachquellhöhle“.

Kaum habe ich mich vom Siphon entfernt, bewege ich mich auf hellem Felsboden in der Farbe von Elfenbein. Weiß gelblich schimmert er im Schein meiner Lampen und führt mich wie mäandrierende Nordlichter einer Winternacht, durch den seichten Höhlenbach. Welch ein Gefühl, zu sein wo vorher war. Durch eine noch jungfräuliche Landschaft des Altmühltals. Andächtig schreite ich durch den Gang. Wie ein Ritter seiner schweren Rüstung schleppend über den Turnierplatz schreitet, um den Lohn seines Sieges zu empfangen. Der Gangcharakter ähnelt etwa der Passage am „6ten Januar“, mit dem Unterschied, dass man sich hier in einer sauberen Felsröhre fortbewegt auf nacktem Fels ohne jeglichen Lehm an den Wänden. Diese sind dagegen geprägt von schmalen Karren, die wie die Zinken eines Kammes senkrecht die Basis der Höhlenwände schmücken. Der Gang verläuft beinahe geradewegs. Die Wassergeräusche werden lauter. Dann öffnet er sich 40m, vom Siphon entfernt, zu einer großen Halle, die ursächlich für das Rauschen ist. Ihre Dimension kann mit 25m Länge und 10m Breite angedeutet werden. Auffällig ist hier der den ganzen Raum bedeckende Verbruch. Er besteht aus dickbankigen Felsplatten bis zu 1m Stärke und 4m Länge. Manche stehen senkrecht, andere wiederum liegen flach übereinander. Der Raum besteht aus zwei gleichgroßen Teilen und wird in der Mitte von einem Deckenabsatz getrennt. Im vorderen Teil zieht in einer sehr korrosiven Deckenzone, ein mehrere Meter breiter Kamin in unbekannte Höhen. Im hinteren Teil, der durch den Absatz deutlich getrennt ist, öffnet sich in 10m Höhe ein mächtiges Loch in der Decke, das den Blick in eine überlagernde Halle freigibt. In dem Loch klemmt ein Monsterblock, der die Größe eines Reisebusses hat. Er ist aus einem Stück aus der wiederum 10 m darüber liegenden Decke der überlagernden Halle gebrochen und im zu engen Deckenloch stecken geblieben. Ohne Ausrüstung ist hier kein Hochkommen. Ich schreite, wie Lanzelot über die Besiegten schritt, das Gewicht der schweren Rüstung auf seinen Schultern tragend, durch die „Monsterrockchamber“. Doch musste ich hier niemanden besiegen, auch werde ich die Stille der Jahrhunderttausende auch nicht brechen.

In gewohnter Dimension strömt mir der Höhlenbach aus einem 3m breiten Gang entgegen. Es macht nicht den Anschein, als dass sich die 5m hohe Decke bald auf den Wasserspiegel senken wolle. Trotzdem will ich die Ausrüstung nicht ablegen. Sicher kommt dann gleich der nächste Siphon. So mühe ich mich weitere 80m ab, bis erneut leises Rauschen zu hören ist. Hier entschließe ich mich nach einer Vielzahl neu entdeckter Hallen, Kaminen, mini Canons mit kleinen Gerinnen und einem herrlich dahin mäandrierenden Höhlengang, die komplette Tauchausrüstung abzulegen und zurückzulassen. Ich habe das Gefühl, heute keinen Siphon mehr zu erreichen. Auf einer mitten im Gang liegenden Tischplatte aus weißem Kalkstein lege ich alles sicher ab. In eine Felsnische werden die Tanks gestellt.

Was ich nun erlebe ist der reinste Hochgenuss. 25kg leichter scheint die Schwerkraft teilweise aufgehoben. Ich schwebe wie eine Wasserfledermaus über den Wasserlauf. Was mir fällt beim Beobachten der Höhlenstruktur auffällt, dass sich die Höhle ab Ostsiphon 1 mehr noch oben verlagert als im Höhlenteil vom „Donnerdom“ bis zum OS 1. Und hier hinter Ostsiphon 8 gibt es bis jetzt keine Staustrecken. Der Bach hat eine hohe Fließgeschwindigkeit, und nirgends sind nennenswerte Sedimentablagerungen. Nicht weit vom Materiallager entfernt zieht der Bachlauf in einer mäßigen Linkskurve durch eine flache Halle. An der rechten Wand ist ein ehemaliger Gangdurchbruch als Torbogen stehen geblieben und verleit dem Raum den Charakter einer Katakombe. Ich bin so „Happy“ und tief gerührt, dass ich nicht umhin komme mich an die elfenbeinerne, mit Fließfacetten übersäte, Höhlenwand zu drücken und meine Höhle zu küssen. Über weitere kleine Wasserfälle führt der Höhlenbach anscheinend gleichmäßig, mal links mal rechts, weiter unter die Hochfläche. Ich bin anscheinend schon ewig unterwegs und langsam ändert sich der Höhlencharakter. Der Gang wird schmäler und plötzlich scheint ein Verbruch in einer weiteren Kurve den Gangverlauf zu verschließen. An der linken Verbruchwand entlang kann man durch einige Löcher nach oben in eine vermutlich große Halle schauen. Doch mich interessiert zunächst die Fortsetzung des Höhlenbaches. Er macht hier am Verbruch entlang einen scharfen Rechtsknick, an dem es doch möglich ist, diesen zu umgehen. Der Gang geht weiter. Kaum im gewohnten Terrain, übertönt das Wasserrauchen des gerade eben überkletterten Verbruches ein neues, weit aus lauteres Rauschen. Noch ist nichts zu erkennen, denn der Bachlauf ist leicht nach links gerichtet. Aber schon nach wenigen Sekunden bestätigen meine Augen das Gefühl, das schon kurz vorher in mir aufkam. Hier befindet sich eine intensive Störung. Ich stehe mehr als 300m vom letzten Siphon des Ostgangs entfernt vor dem „Hill-Billi-Verbruch“. Ein im wahrsten Sinne des Wortes – saudummer – Verbruch. Der erste Eindruck dem ich erliege ist: 1. Super gefährlich, 2. Super hoch und 3. Super lang. Der zweite Eindruck lähmt mich beinahe: Hier durchzukommen oder durchzufinden und dabei zu überleben ist ein Hammerjob. Doch lange hält es mich mit meinen Gedanken nicht auf dem Platz.

Langsam nähere ich mich der Gangblockade. Mit so etwas habe ich nun gar nicht gerechnet. Nicht dass diese Stelle der Höhle uninteressant aussehen würde. Nein, sie kam eben nur so überraschend und so endgültig. Etwas vor den Kopf gestoßen untersuche ich die verschiedenen Austrittsstellen des Höhlenbaches. Rechts unter einem Zimmergroßen Block entströmt der ganze Höhlenbach. Ich suche nach Fortsetzungen im Verbruch. Von Vorteil ist, er besteht aus vielen sehr großen Blöcken. Nachteil, diese und alle anderen kleineren Blöcke werden nicht von Sediment oder Lehm zusammengehalten, sondern liegen lose aufeinander. Wenn ein Block losgetreten wird, kann der ganze Haufen absacken und einen spurlos verschütten. Auf der linken Seite entströmt dem Verbruch eine geringe Menge Wasser. Hier sind auch ganz deutlich Überflutungsbereiche mit Schwemmsand am stark erodierten Bachboden zu erkennen. Das Wasser arbeitet hier massiv, immer wieder am Felsen. Auch die Wand ist hier extrem korrodiert. Ich arbeite mich von hier aus langsam und überaus vorsichtig an der einwärts gesehen linken Höhlenwand zwischen den Blöcken etwa 9m nach oben und etwa 18m nach vorne, kann aber momentan keine sichere Stelle finden um weiter zu kommen. Auf den ersten 8m in den Verbruch hinein ist deutlich Wasserrauschen unter mir zu hören. Doch je weiter man hinein, aber vor allem rauf klettert, umso leiser wird es und kein neues Geräusch aus der Fortsetzung ist auszumachen. Beginnt etwa hier schon eine Rückstauzone in die Fortsetzung des Verbruchs? Doch sehr hoch kann diese nicht sein, denn sonst wäre das Wasserrauschen lauter.

Ich steigt wieder etwas ab und quere den Verbruch auf halber Höhe, hinüber auf die rechte Seite. Es hat den Eindruck, als orientiere sich der Bach an dieser Stelle durch den Verbruch hindurch in die Fortsetzung der Höhle. In diesem Bereich des Verbruchs fällt auf, dass sich auf den Felsbrocken etwa 5m über dem Bach, Schwemmsand befindet, an dem deutliche Wasserstauränder zu sehen sind. Diese Zone umfasst etwa das rechte Drittel des Verbruchs. Welch gewaltiger Raum sich über mir befinden muss, lässt der mächtige Felsblock von etwa 8 x 5m erahnen, auf dem sich der Verbruch vom Höhlenbach aus aufbaut. Die erste in Augenscheinnahme des Verbruchs lässt vermuten, dass der Höhlengang in diesem Bereich des Plateaus dolomitisierte Massenfazies anschneidet, denn die ausgeprägten Schichten der Bankkalke lösen sich etwa 3m über dem Bachlauf auf und gehen in massigen Dolomit über. Auf jeden Fall besteht der gesamte Verbruch aus großen verwitterten Dolomitblöcken. Laut geologischer Karte befindet sich der Ostgang ziemlich nahe der Nordsüdgrenze von Massenfazies und Schichtfazies. 

Immer wieder höre ich im Verbruch Felsbrocken knirschen und rutschen. Als wollte er mir sagen – Pass bloß auf Junge, dass ich dich nicht schnappe. Wohl fühlt man sich hier gar nicht. Mein Zeitplan sagt mir, es wird langsam Zeit an den Rückweg zu denken. Doch vorher untersuche ich noch mal die stark erodierte Stelle an der linken Basis des Verbruchs, an dem ein geringer Teil des Höhlenbaches entspringt. Hier befindet sich ein dünner Lehmüberzug auf den Koffergroßen Felsblöcken und dazwischen fallen die Steine etwa 50cm weit ins Wasser. Es gluckert zwischen den Blöcken etwa 2m von der Höhlenwand entfernt. Wenn es überhaupt eine Chance gibt durch den Verbruch zu kommen, dann entweder hier unten am Wasser an einer überhängenden Höhlendecke entlang, oder ganz oben über den Verbruch hinauf, der dann hoffentlich genug Raum zum Abstieg an der Höhlendecke entlang bis in die neue Gangfortsetzung freigibt. Aber ob das jemals von irgendeiner Gruppe in Angriff genommen werden kann ist mehr als fraglich, denn Stützmaterial kann nicht hierher gebracht werden. Angesichts dessen, dass der Endverbruch im „Gang in Jenseits“, der von jedem Höhlenforscher erreicht werden kann und auch 7 Jahre nach Entdeckung der Höhle noch nicht richtig angegangen wurde, ist dieser Verbruch, der hinter 9 Siphons liegt, schier unüberwindbar. Oder nur dann, wenn man an irgendeiner Stelle riesiges Glück und doch eine Lücke findet. Während dieser Gedanken, die mir im Kopf herumschwirren, entferne ich einige Blöcke aus dem Boden, die den Blick aufs Wasser freigeben. Doch Strömung erkenne ich keine.

Mit Wehmut, überraschenderweise einen Endverbruch erreicht zu haben, verlasse ich die Höhle. Immer wieder überlege ich, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, diese Stelle zu überwinden, wobei mir bei diesem Gedanken ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Aber meine bisherigen Höhlenerfahrungen sagen mir, nichts ist unmöglich und alles ist erreichbar, wenn man nur die nötige Energie aufbringt. Doch bevor es endgültig zurückgeht, will ich den Gangverbruch untersuchen, der nur 20 m vom Höhlenende entfernt liegt. Vielleicht gibt es da eine Überführung die zurück zum Höhlenbach zieht.

Ohne Schwierigkeiten kann man den 6m hohen Einstieg in eine überlagernde Halle erreichen. Dort öffnet sich ein etwa 10x10m großer Raum dessen Höhe etwa 2 – 5m betragen dürfte. Der Verbruchboden ist vollkommen mit dicken Lehmablagerungen überzogen. Hunderte von Tropfstellen haben bizarr erscheinende Mulden, Löcher und „Stachelroßen“ entstehen lassen. Ich versuche einen günstigen Weg zwischen den schönen Lehmformen hindurch zu finden, den hoffentlich alle nachfolgenden Betrachter nutzen werden, und erreiche nach 20 m einen ablaufenden Lehmcanyon, der unter einer Felsdecke verschwindet. Hier gibt es keine Fortsetzungen! Auf meinen Fußspuren kehre ich zurück zum Bachlauf. Noch einmal lasse ich den neu entdeckten Höhlenteil auf mich wirken und laufe gemächlich zu meiner abgelegten Ausrüstung. Dort angekommen, wird zunächst ein Tank zum Siphon getragen, zurückgegangen und dann die restliche Ausrüstung angelegt, die nun wesentlich leichter zur Abtauchstelle zurückzuschaffen ist. Ein letzter Blick in den neu entdeckten Höhlenbachlauf, dann steige ich ins Wasser.

17.45 Uhr. Mit noch gut gefüllten Tanks geht es zurück durch die 8 mäßig eingetrübten Siphons. Zuerst aber an „Basis 2“, vor dem OS 7. Dort wird die restliche Ausrüstung aufgenommen und sogleich der weitere Rückzug angetreten. Vor OS 3 nehme ich meine vor Wochen zurückgelassenen Flossen auf, um so eventuell schneller die 70m lange Strecke zu überwinden, da dort die Führungsleine ohne Zwischenbefestigung verlegt ist und daher beim Durchziehen sehr nachgibt. Doch die Flossen erweisen sich als eher hinderlich. Ich lasse sie an der Basis des 3ten Siphons zurück.

18.45 Uhr. Mit einem Restluftvorrat an Reisegas / 50 bar, Tank 1 / 180 bar, Tank 2 / 140 bar erreiche ich „Basis 1“. Die gesamte Tauchausrüstung und ein leerer Tank werden in den Schleifsack verpackt, der trotzdem ziemlich schwer wird. Nur die 8kg Tauchblei bleiben zurück. Doch angesichts des großen Erfolges dieser wohl durchdachten Tauchexpedition, trägt sich dieses Gewicht schon etwas leichter. Zudem kann man 60% des Weges zum Höhlenausgang mit dem Boot zurücklegen. Das schont den Rücken. Auf dem Weg ans Licht denke ich darüber nach, wie es da hinten wohl weitergehen wird. Für mein Team steht also erst mal die Dokumentation der heute entdeckten Höhlenteile an.

20.00 Uhr. 30 Minuten vor Ablauf der Vereinbarten Rückkehrzeit verlasse ich die Höhle. Draußen begegne ich Max, dem Höhlenbesitzer im Hof. Mit interessiertem Blick erkundigt er sich, ob ich denn nach so langer Zeit der Forschungspause etwas Neues in der Höhle entdecken konnte und freut sich nach meinem ausführlichen Bericht sehr über diesen Erfolg. Auch meine Renate war froh, mich wieder bei sich zu haben.

Als Resümee der Expedition kann man festhalten, dass während der Vorbereitungsphase und den Materialtransporten, aber vor allem während der Vorstoßtauchgänge in die Ostsiphonzone alle Sicherheitsvorkehrungen gegriffen haben. Zwei neue Siphons wurden auf eine Länge von 85m und 15m ausgeleint und für die Vermessung vorbereitet. Ein neuer Landweg von ca. 400m Länge, der „Märchenbach“ entdeckt. Er führt entlang eines wunderschönen Höhlenbaches.  und damit, so wie es scheint. Am „Hill-Billi-Verbruch“ scheint das unüberwindbare Höhlenende im Ostgang der Mühlbachquellhöhle erreicht zu sein. Die Frage, die viele Höhlenforscher schon seit Ende 2004 beschäftigt, konnte mein Team nun endlich, nach so vielen Jahren des Wartens, beantworten. Führt die Höhle weiter befahrbar ins Plateau, oder tauchen bald unüberwindbare Hindernisse auf? Ein weiterer Meilenstein in der Forschungsgeschichte der Mühlbachquellhöhle wurde gesetzt.

Etwas enttäuscht muss ich trotz allem feststellen, dass ich nun jeden zu betauchenden Höhlenteil der Mühlbachquellhöhle an sein Ende gebracht habe. Oder kommt man vielleicht doch irgendwann, hoffentlich ohne Verluste, durch den „Hill-Billi-Verbruch“?

Vom Ostsiphon 1 bis an den „Hill-Billi-Verbruch“ beträgt die Gesamtganglänge nun ca. 1062m. Davon entfallen 320m auf großräumige Siphons.

Auch für mich hat diese Expedition eine Art Jubiläum gebracht. Ich habe mit den heutigen Höhlentauchgängen seit dem Jahr 2002 meinen 450ten Siphon durchtaucht und dabei eine Strecke von 16017m zurückgelegt. 25 Siphons wurden dabei in den von mir und meinem Team neu entdeckten Wasserhöhlen des Altmühltals erforscht und ausgeleint.

Mein besonderer Dank geht an all diejenigen Höhlenforscher die mich dabei tatkräftig und zu meiner Sicherheit unterstützt haben. Vielen Dank ihr „Supercaver“!

30.07.2008 Zum „Hill-Billi-Verbruch“

Drei Wochen nach dem Vorstoß in die neuen Teile des Ostgangs paddle ich im „300 m See“ zur Basis am OS-1. Im Schleifsack befinden sich Brecheisen und Fäustel für die Arbeiten am Endverbruch des Ostgangs und ein voller 4 l Tank, der meinen Flaschenvorrat für weitere drei Tauchgänge in den „Wilden Osten“ sichert. Zweck des heutigen Tauchgangs soll in erster Linie darin liegen, Gefahrenstellen der Siphonkette für spätere Ausrüstungstransporte zu lokalisieren. Dabei will ich mir die gesamte Strecke unter Wasser genau ansehen, auch im Hinblick auf bisweilen übersehene Zuläufe.

Die Sicht im Siphon ist hervorragend. Mit 2/3 der Lichtpower die ich eingeschaltet habe ist jeder Winkel gut auszuleuchten. In Anbetracht einer Zunahme an Tauchgängen in den Ostsiphons stört die uneinheitliche Leinenführung etwas. Ich werde mich diesbezüglich mal an meine Kollegen die Gebrüder Queitsch wenden und anfragen, ob man nicht einige Leinen etwas führiger verlegen kann. Diesmal wende ich eine neue Technik an, die mir erlaubt, mit angelegter Ausrüstung leichter durch die begebaren Gangteile zu kommen. Dadurch verringern sich der Gasverbrauch und die Reisezeit noch einmal stark. Auffälligkeiten sind in den verschiedenen Siphons nicht auszumachen. Alle Taucher haben gute Arbeit geleistet. Im OS-6 finde ich diesmal den von Martin betauchten Kamin, der an die Wasseroberfläche führt. Steil zieht eine Lehmhalde nach oben. Sie ist mit langen Lehmkarren versehen, die man sonst nur an Felswänden lufterfüllter Gänge vorfindet. Es ist zu vermuten, dass hier ab und zu sedimenthaltiges Wasser zugeführt wird, dass eine Karrenbildung im Lehm begünstigt. An dieser Stelle wird klar, dass ohne installierte Führungsleine der Weg in die Fortsetzung sehr schwierig wird. Der Bereich um den Kamin bildet eine größere Unterwasserhalle aus, an dessen Boden sich der Siphon in einem knapp 2 m hohen und 4 m breiten Gangfenster anschließt. Wie an den Leinenmarkierungen auffällt, hatte Martin den Siphon bei seinem Erstvorstoß bereits zu ¾ der Strecke durchtaucht.

2 ½ Stunden nach Betreten der Höhle ist das Ende der Siphonkette erreicht. Der gesamte „Wilde Osten“ soll nun genauer nach Besonderheiten und Fortsetzungen untersucht werden. Die „Monsterrock-Camber“ ist das erste Ziel. Hier befindet sich an der linken Hallenwand ein etwa 2,5 m hohes Fenster, dass über einen spitz aufgestellten Block, der aus der Decke ausgebrochen ist, erklettert werden kann. Schon nach 8m endet der Gang in einer kleinen Kammer, aus deren Deckenkolke zeitweise Sickerwasser eindringt. Zurück in der Halle bleibt mir im vorderen Teil nichts anderes übrig als in einen beeindruckend ausgelaugten Schachtbereich zu blicken. Es gelingt jedoch nicht, Licht ins Dunkel zu bringen. Das erste Fragezeichen also. Weiter geht es in den hinteren Teil der Halle, in deren Decke der mächtige Monsterrock steckt. Nach kurzer Suche finde ich eine Stelle, an der man über einen gefährlich wackelnden Block in die überlagernde Halle gelänge. Doch alleine ist da nichts zu machen. Nur Hilfestellung und Seil oder hochnageln brächte Erfolg. Das zweite Fragezeichen.

Nun geht es weiter, hinaus aus der beeindruckenden Halle in eine scheinbar kleine Gangfortsetzung. Doch der Schein trügt, auch diese ist 3 m hoch und 5m breit. Eine beruhigende Geräuschkulisse begleitet mich. Diese Art von Wasserhöhlenbefahrung ist eine wirklich ästhetische Angelegenheit. Blitzsauber bewegt man sich im Neopren und sauberen Gummistiefeln über reinsten Felsboden, der von glasklarem Wasser geschliffen wird. Wiederum auf der Linken Bachseite fällt mir am Boden eine schmale Spalte auf, die durch einen ausgebrochenen Felsblock gebildet wurde. Am Boden kniend öffnet sich eine gerade noch beschlufbare Fortsetzung, aus der man nicht weit entfernt, lustiges Wasserplätschern hört. Ich zwänge mich hinein und staue dabei ein kleines Gerinne vor mir auf, das sich durch einen 50 cm hohen Lehmhaufen geschnitten hat. Schnell ist dieser abgetragen und macht den Weg in die „Duschkabine“ frei. Eine absolut saubere, strahlend weiße, knapp mannshohe Kammer mit nadelscharf korrodierten Wänden. Knapp unter der Decke spritzt durch eine schmale Fuge ein kleiner Wasserfall. Darüber befindet sich eine weitere Fuge, die vermutlich bei Schüttungszunahmen aktiv wird. Ohne etwas zu berühren verlasse ich diesen schönen Ort. Beim Zurückschlufen verschlamme ich doch sehr, was eine gründliche Reinigung zwingend notwendig macht. Von allem gesäubert geht es weiter an eine Abzweigung, die diesmal rechts des Baches liegt. Über eine Lehmbank, die sich in diesem Seitengang gebildet hat, geht es 45° nach oben. Es sieht zunächst aus, als würde er in einen Schacht übergehen. Doch nach wenigen Metern kreuzt über mir eine 7 m breite sehr hohe Kluft die Fortsetzung. Es geht über eine niedrige Kletterstufe weiter hoch bis man schließlich eine nicht auszuleuchtende Querkluft, noch größeren Ausmaßes, erreicht. Die Wände sind mit einer dicken Sinterschicht dekoriert. Bewetterung ist nicht festzustellen. Was in diesem komplexen Höhlenteil schon verwunderlich ist. Vorsichtig steige ich in meinen Fußspuren zurück zum Bach.

Es geht weiter zur „Olympiade 2008“, der großen Lehmhalle vor dem Endverbruch, die mit unzähligen Lehmkratern bedeckt ist, die teilweise wie Vogelnester angeordnet sind. Hier verlege ich ein Trassierband, das folgenden Höhlenforschern den Weg durch die Halle markieren soll. Der am Ende der Halle befindliche Sickerwasserabfluss wird bei dieser Gelegenheit auch untersucht. Zu meiner Überraschung führt dieser in eine breite Fuge übergehend 40° nach unten. In einer unsäglichen Schlammschlacht könnte man da vielleicht noch weiterkommen. Auch hier am 3ten Fragezeichen ist kein Luftzug zu spüren.

Das 4te und wichtigste Fragezeichen erreiche ich 15 Min. später. Den „Hill-Billi-Verbruch“. Noch einmal werden alle damals inspizierten Fortsetzungen begutachtet und neue genau unter die Lupe genommen. Ich finde einen sicheren Aufstieg entlang der vorderen Verbruchwand. Dabei werden einige Blöcke entfernt, die den Weg nach oben frei geben. Es gelingt mir beinahe 20 m aufzusteigen. Doch der Verbruch macht nicht die geringsten Anzeichen ein Ende zu finden. Die Höhlenwand lässt darauf schließen, dass sich der Höhlengang hier durch eine dolomitisierte Schwammriffzone gearbeitet hat. Ich verlasse erleichtert diesen Höhlenteil und arbeite mich im Bachlauf auf der rechten Seite des Verbruchs teilweise unter oder seitlich eines gewaltigen Blockes 8 m nach vorne. Strömung und Wasserrauschen ist in diesem Bereich deutlich wahrzunehmen. Doch alle Bemühungen greifen nicht. So geht es zum letzten Tagesziel. Der interessantesten Fortsetzung durch den Verbruch. Hier befindet sich der aktive Überlauf bei Hochwasser. An der Felswand sind Klüfte und Fugen zu erkennen, die ein starker Wasserstrom benutzt. Korrosionsformen sind zu einer kuriosen Theaterkulisse angeordnet. Es könnte sich hierbei bereits um die Bildung eines neuen Höhlengangs handeln, der den Verbruch umgeht. Mit dem mitgebrachten Werkzeug gelingt es mir große Felsblöcke beiseite zu rollen und so etwa 15 m weit in den Verbruch vorzudringen. Für heute reichen die erarbeiteten Ergebnisse erst einmal. Es geht zurück zum Siphon. Nach 8 Std. am Ende der Unterwelt begrüßt mich ein hochsommerlicher Nachmittag an der Erdoberfläche.

 

© whf

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